Erster Gehversuch in der fiktiven Literatur

  • Liebe Schreibende,


    ich komme aus der Welt der nüchternen Sachtexte. Von kurzen Zeitungsartikeln bis längeren Aufsätzen in Fachzeitschriften habe ich schon einiges geschrieben und veröffentlicht, im Herbst erscheint mein erstes Sachbuch.


    Jetzt möchte ich mir ein Sabbatical von der verkopften Schreibarbeit gönnen. Dazu greife ich ein altes Schreibprojekt wieder auf, das ich vor zehn Jahren begonnen habe. Ich weiß, dass Romane und Erzählungen auf eine ganz andere Weise geschrieben werden. Ein paar Schreibratgeber habe ich schon gelesen. Besonders die Bücher von Hans-Peter Röntgen waren mir bisher eine große Hilfe. Durch ihn bin ich auch auf dieses Forum gestoßen.


    [Nebenbei: Als ich mit dem erwähnten Sachbuch hausieren ging und zahlreiche Verlage anschrieb, war sein Buch "Schreiben ist nichts für Feiglinge" ein treuer Begleiter. Neben Scotch Whisky (aber niemals mehr als ein Glas pro Abend) war es die wichtigste Stütze, um die vielen Enttäuschungen (vulgo Absagen) zu verkraften, bis es auf einmal doch klappte.]


    Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, fiktive Texte schreiben geht ganz anders als Sachbücher verfassen. Bei letzteren darf man fleißig andere Autoren zitieren und, sofern man die Quellen korrekt angibt, auch weiterverwenden. Das geht beim kreativen Schreiben natürlich gar nicht. Schon allein, weil niemand Fußnoten oder gar Literaturangaben in einem Roman sehen möchte. Stattdessen muss man tief in die Protagonistinnen einsinken, ihre Motivation erfassen, Spannung aushalten, ja sogar intensivieren und dergleichen. Und dass ich das hier gerade aufzählen kann, bedeutet noch lange nicht, dass ich das auch beherrsche. Alles andere als das!


    In erster Linie möchte ich den Roman einfach nur in diesem Leben geschrieben haben. Wenn er halbwegs passabel ist ... - Aber so weit ist es noch lange nicht.


    Was den Plot angeht, mache ich es mir denkbar einfach. Ich habe nämlich eine Nacherzählung von Dante Alighieris "Inferno" geplant (und auch schon ein paar Kapitel in der Rohfassung fertig). Das alles soll aber viel moderner und frischer herüberkommen (das Original stammt ca. von 1321). Der knapp über dreißigjährige Ich-Erzähler lebt im Hier und Jetzt und kann sich aus einer gefährlichen Situation nur retten, indem er dem Meister Dante Alighieri in die Hölle folgt. Auf der Reise durch die Unterwelt begegnet er vielen berühmten Persönlichkeiten der jüngsten Geschichte.


    Zugleich - und gerade hier ist noch viel Nacharbeit erforderlich - kommt der Ich-Erzähler allmählich dahinter, dass sich im Hintergrund ganz entscheidende Dinge abspielen, bei denen er selbst noch eine zentrale Rolle spielen wird.


    Das wäre die derzeitige Situation in groben Zügen. Alles weitere folgt bei den passenden Foren und Diskussionen. Ich freue mich, von euch zu hören und zu lesen.

  • Hallo Peter,

    herzlich wollkommen. Ich bin sicher, mit einer Portion Zähigkeit, gelingt es dir bestimmt, deinen Roman zu beenden. Die Idee hört sich zumindest interessant an.


    Das geht beim kreativen Schreiben natürlich gar nicht. Schon allein, weil niemand Fußnoten oder gar Literaturangaben in einem Roman sehen möchte.

    Nun ja, das mag eine Regel sein. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Ich glaube, es ist Andreas Eschbachs Roman "Ein König für Deutschland", der mit Fußnoten nur so gespickt ist.

  • Hallo Peter,


    Herzlich Willkommen. Es stimmt, Sachtexte schreiben geht anders als fiktionales schreiben. Andererseits aber auch nicht - es gibt da durchaus Berührungspunkte und Überschneidungen. Zitieren darf man beispielsweise auch in belletristischen Texten, es kommt nur nicht so häufig vor. Auch Fußnoten gehen, das hat zum Beispiel Jack Vance gezeigt (und manchmal etwas damit übertrieben).

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen des Mittelalters

    ASIN/ISBN: 3955402630


    Der Leser oder Zuhörer von Serien ist ein Getriebener, ein Hase aus freien Stücken.


    Heinrich Steinfest (*1961)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 92 – 18./19. April .2019

  • Neben Scotch Whisky (aber niemals mehr als ein Glas pro Abend) war es die wichtigste Stütze, um die vielen Enttäuschungen (vulgo Absagen) zu verkraften, bis es auf einmal doch klappte.]

    Ein guter Tipp, danke ;) Ich persönlich genieße immer ein paar Tassen Darjeeling während dem schreiben. Wenn es um die Absagen geht, so fliest jeder Misserfolg in die Arbeit am nächsten Versuch.


    Viel Glück, in der Welt der Romanisten :)