Beiträge von Tom

    So lange man damit noch Leuten das Geld aus der Tasche ziehen kann, wird es immer weitere Fortsetzungen geben, so wie es auch noch in 30 Jahren neue Star Wars-Filme geben wird.

    Das klingt danach, als würden die Leute unfreiwillig so etwas kaufen, gar unter Zwang, und es würden üble Tricks eingesetzt werden, um sie an die Kioske oder in die Kinos zu treiben. Tatsächlich ist das "Star Wars"-Franchise eine Gelddruckmaschine für viele beteiligte Firmen, aber die Begeisterung auch jüngerer Fans gilt einem, wie ich finde, qualitativ nach wie vor (und teilweise sogar mehr als früher, denn vor allem der drittletzte Film hat alles vorherige in den Schatten gestellt, außerdem ist "The Mandalorian" eine fast schon geniale Serie) durchaus überzeugenden Produkt, das ja auch nicht aus dem Nichts gekommen ist, sondern erst einmal ein Publikum generieren musste. Aber darüber, ob einem etwas gut oder schlecht gefällt, muss man nicht streiten.


    "Asterix" ist auch so lange fortgeführt worden, weil die Leser das wollten. Der jüngste Band, "Die Tochter des Vercingetorix", ging hierzulande mit einer Startauflage von 1,6 Millionen Exemplaren (eins Komma sechs MILLIONEN) in den Verkauf, und diese Startauflage wurde verkauft - und nicht etwa von Leuten, die mit gezogener Knarre dazu gezwungen wurden. Und auch wenn der Charme der früheren Ausgaben möglicherweise kaum noch vorzufinden ist, und sich die Figuren möglicherweise allmählich abnutzen, ist meines Wissens - ich besitze keinen einzigen Band, ich war nie ein Fan dieser Reihe - versucht worden, die Geschichte dem Zeitgeschehen und dem veränderten Umgang anzupassen. Es ist also keineswegs nur ein Verschachern an Nostalgiker.

    Hallo, Kerstin.

    Hat Tom vorgemacht, als er den Vorwurf des Oberlehrerhaften mit dem einfachen Hinweis abschmetterte, dafür sei seine Schreibe viel zu cool.

    Ich habe das nicht als Vorwurf empfunden, sondern als augenzwinkernde Stichelei. Und die Antwort war natürlich überwiegend ironisch gemeint. ;)

    Warum in Gottes Namen dürfen Menschen, die nur zum Spaß schreiben nicht genauso über ihr Hobby schwadronieren wie Leute, die Aquarelle malen, Gitarre oder Fußball spielen?

    Nun, ich bin Profifußballer, wenn ich fürs Fußballspielen bezahlt werde - sonst spiele ich einfach nur Fußball und bin kein Fußballer -, und auch Deine Altherrenband auf der Bühne besteht aus Leuten, die mindestens ihre Getränke für lau bekommen, also fürs Musikmachen entlohnt werden. Sie sind Musiker. Sie sind nicht einfach nur Leute, die Musik machen. Aber das Verb in Deiner Frage verstehe ich nicht. Wer redet von "dürfen" oder dem Gegenteil? Das ist eine Unterstellung. Im Übrigen gehe ich bei fast allen hier davon aus, und übrigens auch bei Dir, dass ihr Ziel darin besteht, mit der Schreiberei voranzukommen im Sinne einer Professionalisierung. Sonst würde man nicht über das Schreiben reden, sondern ausschließlich über das Geschriebene.

    Vor ein paar Jahren war ich mit einem jungen Mann befreundet, der sich für extrem gutaussehend hielt, und der davon träumte, Model zu werden. Er hat sein gesamtes Umfeld praktisch unaufhörlich damit genervt, bis er zum Geburtstag als Sammelgeschenk ein „professionelles“ Shooting bekam, bei einem Fotografen, der sonst Hochzeiten fotografiert hat, und der ihm während der Aufnahmen pausenlos davon erzählt hat, wie toll er aussehen und wie talentiert er sein würde. Im Nachgang dieser Session ließ besagter Freund Mappen und Fotokarten herstellen, und er nannte sich selbst „Model“, was auch auf seinen frisch gedruckten Visitenkarten stand. Wenn ihn jemand gefragt hat, was er machen würde, dann sagte er das, also, dass er Model wäre, obwohl er eigentlich in einem Computerladen Software vertickt hat. Und er hat sich für Dutzende, vielleicht Hunderte Castings angemeldet, überwiegend in der oberen Liga, aber auch für Versandhauskataloge und solches Zeug. Er hat nie irgendeine Reaktion außer, wenn überhaupt, Absagen bekommen. Irgendwann kam eine Frau in den Laden, in dem wir zusammen gearbeitet haben, und es stellte sich heraus, dass sie für die Kataloge eines kleinen Versenders zuständig war. Mein Freund hat sie natürlich sofort zugetextet, und sie hat mit hochgezogenen Augenbrauen zugehört. Er sah tatsächlich gut aus – die Leute im Supermarkt haben nicht nach ihm gegriffen, wenn sie eigentlich Kartoffeln kaufen wollten –, und wenn wir zusammen unterwegs waren, was aber nicht so oft passiert ist, haben mich die Frauen kaum eines Blickes gewürdigt. Aber diese Frau im Computerladen hat irgendwann gelächelt und sinngemäß zu ihm gesagt: „Wissen Sie, junger Mann, Model ist man, wenn Leute dafür bezahlen, Fotos von einem machen oder anschauen zu dürfen. Vorher ist man jemand, der Model sein möchte. Und zu diesem Job gehört etwas mehr als nur ein bisschen nett auszusehen. Man muss Ausstrahlung haben, und so viel Selbstbewusstsein, dass man bereit dazu ist, die Klamotten, die man trägt, besser aussehen zu lassen als sich selbst. Man muss wissen, wie das geht. Es gibt noch einige weitere Voraussetzungen, aber Sie, mein Freund, sehen nur recht gut aus. Das reicht nicht, um Model zu sein. Tut mir leid.“ Sie ließ seine Visitenkarte auf dem Tresen liegen. Er war allerdings nur kurz enttäuscht, wischte das Ereignis dann beiseite, unterstellte der Frau Ahnungslosigkeit und irritierenderweise Neid, und er hat es weiter versucht. Wir haben den Kontakt verloren, als ich aufgehört habe, in dem Laden zu arbeiten, aber ich habe später gehört, dass er Tierarzt geworden ist.


    Wenn man sich auf eine Definition einigt, wenn man eine Tätigkeitsbeschreibung zu erstellen versucht, dann macht man das nicht notwendigerweise, um sich von jenen abzugrenzen, auf die diese Beschreibung nicht oder noch nicht zutrifft. Man macht das, um zu wissen, worüber man sich unterhält, um ein gemeinsames Niveau, eine Gesprächsebene, die Gemeinsamkeit, einen Grad der Professionalität zu definieren. Natürlich ist das nicht unproblematisch, und auch wenn man es nicht tut, um auszugrenzen, werden sich Leute ausgegrenzt fühlen, die der Definition (noch) nicht genügen. Aber ein Autor ist eben nicht einfach nur ein Urheber irgendeines Textes – das ist die technische Definition des Begriffs. Ein Autor ist im Rahmen einer Tätigkeitsbeschreibung eine Person, die Texte herstellt, für deren Lektüre oder Veröffentlichung andere Personen oder Institutionen bezahlen, direkt oder indirekt (etwa durch Werbung in einem vielgelesenen Blog). Vorher ist man jemand, der Autor sein möchte. Damit geht keine Qualifizierung dieser Person, ihrer Fähigkeiten oder ihres Talents einher; das ist nur eine Zustandsbeschreibung. Dass sich viele dahinter verstecken, dass es vermeintlich keine objektiven Maße für Textqualität gibt, während sie im gleichen Atemzug behaupten, dass viel Scheiße für viel Geld veröffentlicht wurde, hat mit dieser Frage nur insofern zu tun, dass sie skizziert, wie wichtig es ist, sich auf eine Definition zu einigen – ohne zu qualifizieren. Ich habe erst sehr spät damit angefangen, mich selbst als Autor zu bezeichnen, und sogar heute noch, nach fast einem Dutzend Romanen, Hördramatisierungen, vielen veröffentlichten Kurzgeschichten, Auslandsrechten und einer Verfilmung, zucke ich manchmal zusammen, wenn ich mich selbst sagen höre, dass ich Schriftsteller bin. Ich finde immer noch, dass es sehr viele andere gibt, die diese Bezeichnung mehr als ich verdient haben. Weil sie eben nicht einfach nur Leute umfasst, die irgendwie schreiben.


    Wir betreiben dieses Forum mit seinen Vorgängern seit fast drei Jahrzehnten, seit 1999 gibt es den 42erAutoren e. V. Wir haben hier zusammen und ich selbst im direkten Umgang schon so oft als Steigbügelhalter gearbeitet, dass es sich kaum zählen lässt. Denn das ist hier unsere gemeinsame Aufgabe: Wir wollen einander helfen, Autoren zu werden und gute Autoren zu sein. Das verstehen wir unter Literaturförderung. Dafür gibt es das Forum und einige andere Aktivitäten. Dazu gehört aber auch, dass man einander unmissverständlich und ohne „Hass“ oder andere Implikationen sagen kann (oder sich anhören muss), dass man (noch) kein Autor ist. Dass es hier und da fehlt, dass dieses oder jenes zu verbessern wäre, und dass es ein Trugschluss ist, wenn man glaubt, es würde ausreichen, ganz viele Texte zu schreiben, die man selbst großartig findet. Es gibt tatsächlich ein gerüttelt Maß an weltfremder Träumerei in diesem Bereich (wozu fraglos auch gehört, dass Leute, die nicht einmal wissen, was ein literarisches Genre ist, von sich behaupten, sie würden schlimm unter Schreibblockade leiden), und wir führen diese Diskussion ja auch nicht zum ersten Mal. Wir führen sie allerdings jedes Mal unter anderen Bedingungen, weil sich die Welt ändert und wir mit ihr. Im Zeitalter der jederzeit gefühlten Beleidigung und der gnadenlosen Chancengleichheit um absolut jeden Preis wird es immer schwieriger, berechtigte (möglicherweise sogar konstruktiv intendierte) Kritik zu üben, oder die Positionen bezogen auf Definitionen aufzuzeigen, ohne sich dafür Rüffel oder sogar kleine Scheißestürme einzufangen. Im Ergebnis sind eben einfach alle Autoren, die sich so nennen wollen, weil natürlich jeder Mensch unbedingt das Recht haben muss, sich so nennen zu können, wie er sich nennen möchte, aber das ändert nichts daran, dass die Bezeichnung nicht zutrifft. Isso. :achsel



    Ich schließe mit zwei persönlichen Anmerkungen. Ich habe einen Beitrag (aber nicht diesen hier) verfasst, der nicht vollständig meiner Überzeugung entsprach, weil ich einen sich abzeichnenden Konflikt verhindern wollte. Das ist nicht gelungen, ganz im Gegenteil. Ich bedaure beides. Und hier hat jemand, der stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist, der dieses Forum betreibt, in, wie ich finde, äußerst unangemessener Weise jemanden dazu aufgefordert, sich gefälligst zu verpissen, der sich fraglos auch nicht immer vorbildlich benimmt und benommen hat, aber keineswegs in der aktuellen Situation. Ich missbillige dieses Verhalten.

    Christian: Na ja, den Erfolg schreiberischen Wirkens kann man schon - und nicht nur irgendwie - messen. In Veröffentlichungszahlen, Verkaufszahlen, Literaturpreisen und sonstigen Ehrungen, Kanonisierungen, Berücksichtigung in Curricula, Pressebeiträgen, Medienauftritten usw. usf.

    Meistens wird dieser Begriff in der Tat von Leuten benutzt, die ich Schreibschwärmer zu nennen pflege, Menschen also, die (oftmals mangels anderen messbaren Erfolgs ihres schreiberischen Wirkens) das Schreiben mystifizieren, indem sie geradezu enthusiastisch behaupten, schreiben sei eine Lust, die blanke Glückseligkeit, gar ihr Lebensinhalt.

    Du machst es schon wieder: Wer keinen "messbaren Erfolg schreiberischen Wirkens" vorlegen kann, der soll sich gefälligst unter seinem Stein verstecken, bis dieser messbare Erfolg eingetreten ist, und vorher sind er und seine Meinung zu Schreibthemen - vorsichtig gesagt - irrelevant. Mit Verlaub, lieber Didi, aber erstens ist Deine Behauptung, dass dieser Begriff "meistens" von (solchen) "Leuten" benutzt wird, eine Behauptung, zu der ich gerne Beweise hätte. Zweitens habe ich weiter oben einige namhafte Autoren genannt, deren Erfolge außer Zweifel stehen und zum Beispiel Deine sehr locker in den Schatten stellen dürften, die unter diesem Nachwuchsautoren-Wehwehchen gelitten - und es teilweise literarisch verarbeitet haben. Und drittens: Entspann Dich bitte und fang nicht gleich wieder so an. Auch Du warst mal ein Anfänger, ein Nachwuchsautor, ein hoffnungsvoller Aufstrebender, und wenn ich das richtig sehe, warst Du das sogar die meiste Zeit Deines Lebens. Also zeig doch bitte etwas Verständnis und vielleicht sogar Empathie für diejenigen, die Deine Altersweisheit und -erfolge noch nicht vorweisen können. Danke! ;)

    Na ja, wenn man einen Achtungserfolg erzielt, hält sich die Belastung nach der Buchveröffentlichung durchaus in Grenzen. Man muss meiner Erfahrung nur Termine wahrnehmen, auf die man Lust hat, und die Nachfrage nach Lesungen, Talkshowteilnahmen, Jurorenplätzen usw. bei Neulingen/Erstveröffentlichern hält sich in Grenzen. Eigentlich muss man außer schreiben überhaupt nichts. Aber man kann, und je nach Aktivität der Agentur, des Verlags und anderer Beteiligter kann eine ordentliche Lesereise anstehen, möglicherweise einiges mehr (im Moment mit c-bedingten Abstrichen). Je mehr man verkauft, je höher man sich in irgendwelchen Listen bewegt, je stärker die Nachfrage ist, umso mehr kann passieren, aber ich würde wirklich nicht die Familien-, Lebens- und Berufsplanung im Hinblick auf diese eher unwahrscheinliche Eventualität vertagen. Denn im Normalfall, bei weit über 90 Prozent der Erstveröffentlicher, passiert fast überhaupt nichts - ihr Buch ist halt draußen, ein paar Leute lesen es, fertig. Man wird für drei, vier Lesungen angefragt, die man locker irgendwo dazwischenschieben kann, und die Kaninchenzüchterblätter fordern natürlich ihr Interview, weil sie das immer tun. Sollte sich abzeichnen, dass die Erwartungen des Verlags halbwegs erfüllt werden, ist allerdings davon auszugehen, dass man relativ schnell nachlegen muss, sollte oder darf, also ein neues Buch anbieten.

    Aber das ist auch sehr, sehr teuer, habe ich gerade gesehen - gerade dieses Spiralbindungszeug scheint ziemlich aufwendig in der Herstellung zu sein.

    Hallo, Sabrina.


    Ich weiß nicht, ob ich das als Schreibblockade bezeichnen würde, wenn jemand aufgrund einer schwereren psychischen Störung zu allen möglichen Dingen nicht in der Lage ist, und zuletzt zum Schreiben. Das ist, als würde man bei einem Alpinskifahrer, der einen komplizierten Mehrfachbruch sämtlicher Gliedmaßen erlitten hat, eine Skifahrblockade diagnostizieren. Man kann nicht schreiben, weil man einen depressiven Schub hat, aber das ist keine Schreibblockade. Die Symptome ähneln sich, wenn man so will, jedenfalls in Teilbereichen.


    Auf jeden Fall: Respekt, Herr Melle.

    Ja, das kann ich nur unterschreiben. Ich habe Thomas zwar in diesem Jahr noch nicht getroffen, aber er ist ungeheuer umtriebig und wohl auch gut eingestellt. Aber eine bipolare Störung geht nicht weg und ist auch nicht therapierbar, jedenfalls nicht im Hinblick auf eine "Heilung". Aber das muss ich Dir nicht erzählen, Du kennst Dich ja mit dem Thema sehr gut aus. Wie gesagt, ich widerspreche auch nur, weil ich diese Verbindung irgendwie unangemessen finde. Die klassische Schreibblockade ist eine Phase der Motivations- und Ideenlosigkeit, aber eine depressive Episode ist ein ganz anderer Schuh.

    Huhu, Silke.


    Du hast Dich in Deinem Profil auf "unsichtbar" geschaltet, aber diese Option wirkt sich im Forum nicht mehr aus; alle können Dich trotzdem in der "Wer ist online"-Liste sehen, nur eben mit dem paradoxen Hinweis "(unsichtbar)" hinter Deinem Namen. Mehr dazu hier: Kein geisterhaftes Mitlesen mehr

    Thomas Melle hat da erfreulicherweise keine Probleme.

    Oh, doch, hat(te) er meines Wissens (und davon erzählt er auch im Buch). Aber ich würde das nicht als "Schreibblockade" bezeichnen. Wer mal auch nur in die Nähe einer Depression geraten ist, der weiß, dass selbst alltägliche Verrichtungen dann jenseits aller Motivationsmöglichkeiten liegen können, und künstlerische sind u.U. in unerreichbarer Ferne, aber das fällt dann beinahe in die Kategorie "Luxusproblem".


    Eine Blockade ist ein nahezu unüberwindliches Hindernis, ein Weg ist nicht mehr begehbar, eine Bewegung nicht mehr ausführbar. Wenn man es so auffasst, kenne ich das aus meiner eigenen schriftstellerischen Laufbahn tatsächlich überhaupt nicht. Aber es gab durchaus sehr namhafte Schriftsteller, die von sich erzählt haben, unter dem "Writer's Block" gelitten zu haben, darunter Douglas Adams, Tom Wolfe, J. R. R. Tolkien und viele andere. Das kann man hier nachlesen. Stephen King hat seine entsprechenden Erlebnisse in Romanen verabeitet; der berühmteste zu dieser Thematik ist "Shining", der mit dem genialen Jack Nicholson verfilmt worden ist.

    Kiana: „Landeier“war 2016, Ja, das hat jetzt etwas länger gedauert. Es gab einiges an Hin und Her, aber meine ursprüngliche Idee hat sich am Ende durchgesetzt. Ich hoffe, der nächste kommt wieder schneller.


    Edit: Um das etwas zu spezifizieren. Die ersten Entwürfe zu "Die Wahrheit über Metting" hatte ich schon im Jahr 2017 vorgelegt, allerdings noch mit einem etwas anderen Plot. Ein Kapitel aus dem damaligen Entwurf mit dem Titel "Eine erfundene Kindheit" war auch Besprechungstext hier bei den 42ern. In dieser Variante sollte es noch um einen Schriftsteller gehen, der sich sein eigenes Leben quasi im Nachhinein schöndichtet; der Text sollte sich sehr autobiografisch anfühlen, ohne das wirklich zu sein. Das gefiel Agentur und Verlag vor allem inhaltlich nicht so sehr, weil sie meinten, Romane, in denen Schriftsteller die Hauptrolle spielen, wären tendentiell Rohrkrepierer. Wir haben dann stattdessen eine Reihe anderer Ideen ausprobiert, und ich habe mehrere Exposés und Leseproben verfasst, aber ich fand das Setting von Metting <hüstel> so stark, dass mich das nicht losgelassen hat. Also habe ich irgendwann den Plot umgedreht, den Schriftsteller gekillt und die Thematik gewechselt. Und, siehe da, plötzlich wollten alle. Das war im Dezember 2018. Zu diesem Zeitpunkt waren die Herbst-/Winterprogramme für 2019 schon durchgeplant, wir sprachen also über Frühjahr 2020. Ich war mit dem Manuskript im November 2019 fertig und habe danach die intensivste und heftigste Überarbeitungsphase meiner Laufbahn absolviert, in Rekordzeit. Und dann kam das große, böse C. Der stationäre Buchhandel ging in den Lockdown, und Amazon hat keine Bücher mehr nachbestellt, weil Klopapier höhere Margen hat. Der Verlag wollte "Metting" um ein Jahr verschieben, also ins Frühjahr 2021 - das haben nicht wenige Verlage so gemacht, und eine erkleckliche Anzahl fertiggeschriebener und gesetzter Romane ist sogar ganz abgesagt worden. Aber ich wäre dann fünf Jahre vom letzten Roman entfernt gewesen, also haben wir uns auf Herbst 2020 geeinigt. Der wird ziemlich eng werden, weil jede Menge Neuerscheinungen aus dem Frühjahr in den Herbst gewandert sind. Ich werde in diesem Jahr vermutlich auch auf meine legendäre Buchpremiere in meiner Stammkneipe verzichten. Aber ich bin mit dem nächsten Text schon so weit, dass es jetzt endlich mal passieren muss. Und es ist übrigens ein sehr schönes Buch geworden, wie ich finde. Etwas eigenartig und möglicherweise auch etwas untypisch, aber schön. Ich bin gespannt, was die Leser dazu sagen.

    Nee, Groth hat „Leichtmatrosen“ gesprochen, das ist sechs Jahre her. „Metting“ spricht ein Martin Bross. Trotzdem danke! :) Ich habe noch nie so lange auf einen eigenen Roman gewartet, und ich mache zwei Dutzend Kreuze in den Kalender, wenn das Scheißbuch endlich draußen ist. :evil

    Zitat

    Manche Leute meinen, dass Hemingway manisch-depressiv war.


    Das trifft auf meinen Autorenkollegen und Bekannten Thomas Melle auch zu, der mit seinem letzten Roman „Die Welt im Rücken“ einen Bestseller und jede Menge Preise abgeräumt hatte. Darin thematisierte er seine bipolare Störung.


    ASIN/ISBN: B01F6CGLL8


    Wofür oder wogegen soll das also ein Argument sein?