Beiträge von Horst-Dieter

    Ich spreche nicht gerne über offene Projekte, an denen ich arbeite, höchstens im kleineren Kreis und da auch nur, um mir Rat oder Feedback zu holen.


    Und obwohl ich mich selbst lange nicht mehr beteiligt habe (aus "Gründen"), unterstreiche ich Toms Aufforderung, die Besprechungsrunde etwas mehr zu beleben. Es ist eine gute Möglichkeit, im kleinen und geschlossenen Kreis kompetenter und gleichgesinnter KollegInnen an eigenen Texten zu arbeiten. Einige Texte, die ich dort in den vergangenen zwei Jahrzehnten zur Diskussion gestellt hatte, haben es zu einer Veröffentlichung gebracht und zwar immer in besserer Verfassung, als es sie ohne diese BT-Runde gegeben hätte.

    ASIN/ISBN: 3257072082


    Der Ich-Erzähler trifft am Osloer Fjord auf einen Fremden, der ihm die Guillotine als eine poetische Form des Untergangs anpreist. Eine Sängerin bekommt zunehmend Probleme mit der Rolle der Mimi in Puccinis Oper, insbesondere in der Sterbeszene. Die Absinthtrinkerin von Degas verschafft einem Betrachter merkwürdige Halluzinationen. Ein alternder Schriftsteller meint in der Bleibtreustraße in Berlin gegenüber von seiner Wohnung, im obersten Stockwerk eines Hauses, die Schatten einer ehemaligen Geliebten im Streit mit jemanden zu erkennen, obwohl die Wohnung leer und unvermietet ist. Eine vermutlich russischstämmige junge Frau kommt immer wieder in dasselbe Berliner Nagelstudio, obwohl diese eine Verletzung am Zeh verursacht haben, die nicht heilen will. Ein Mann glaubt, dass sich eine zur Fällung im Berliner Tiergarten vorgesehene alte Linde langsam auf das Lortzing-Denkmal zubewegt, um es zu zerstören. Ein anderer Mann lässt seine Frau auf eine Reise gehen, die sie sich dringend wünscht, bleibt aber selbst zurück. Die dringend erwartete Rückkehr verläuft anders, als er es sich erhofft. Jemand sieht einen Unbekannten an sich vorbei ziehen, den offensichtlich andere nicht bemerken. Er beobachtet ihn bei einem seltsamen Tun, das viele Frage aufwirft, die nicht beantwortet werden. Und noch einmal am Oslofjord trifft ein Mann auf das lebende Vorbild für Munchs Schrei und gleich darauf eine Frau, die sich als verlassene Verlobte Kierkegaards ausgibt. Sie sei auf der Suche nach ihrem ehemaligen Verlobten.


    Neun kurze Texte, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass das Ende offen ist oder sich dem Leser entzieht. Der letzte Text – Ein Schritt in die Abstraktion – ist ein Essay, der sich mit dem menschlichen Erkenntnisvermögen auseinandersetzt. Unter dem Buchtitel steht »Novellen«. Das lässt mich etwas ratlos zurück. Im klassischen Sinn ist kein Text eine Novelle. Es handelt sich eher um Kurzgeschichten (abgesehen vom letzten Text). Oder, will ich es positiv deuten, um extrem komprimierte Novellen. Kein Text ist länger als acht Buchseiten. Die von Goethe geforderte »unerhörte Begebenheit« ist durchaus in den meisten dieser Texte zu finden, allerdings bleibt es dann dabei. Eine Auflösung, ein Schluss, ein die Begebenheit erklärendes Moment fehlt in jedem Text.


    Hartmut Lange (*1937) ist ein mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller, der auch Dramen geschrieben und an Theatern als Regisseur gearbeitet hat. Seit nunmehr fast vierzig Jahren schreibt er hauptsächlich erzählende Prosa in kurzer Form. Die Texte dieses Buches, so kurz sie sind, weisen den Leser immer auf sich selbst zurück. Auch das Essay. Man liest nicht lange daran, doch die Texte klingen nach. Unverständnis, Ratlosigkeit, Freude über eine (wie ich finde) gelungene Formulierung, Ärger, Kopfschütteln, lächeln … das sind ein paar ausgewählte Reaktionen, die ich beim Lesen dieses Buches hatte. Ich weiß nicht, ob ich es empfehlen soll, und möchte es doch tun. Wer ein bisschen Verunsicherung aushält, kann die Lektüre gefahrlos wagen. Andere, die zu sehr dem (vermeintlichen) Realismus verhaftet sind, lassen es besser bleiben.

    Roy Paulsen, Vigasist beim WDR in Köln bekommt von seinem in Amsterdam lebenden Sohn Tom ein Bild präsentiert, auf dem er selbst auf dem Fahrrad, in kurzen Hosen vor einem typischen Amsterdamer Grachthaus zu sehen ist. Das kann nicht sein, sagt Roy, er sei nie Fahrrad gefahren und auch noch nicht in Amsterdam gewesen. Das Bild lässt ihm keine Ruhe und zwei Wochen später fährt er nach Amsterdam und sucht das Haus. Als er es endlich gefunden hat und hineingeht, gerät er in eine Geschichte die lebensbedrohlich ist. Dabei nähert er sich immer mehr der Situation auf dem Foto an, dass es eigentlich nicht geben dürfte.


    Heinrich Steinfest ist damit eine phantastische Novelle gelungen, wie man sie in unserer Zeit fast nicht erwarten könnte. Als Leser ist man nicht darauf vorbereitet, wie die Geschichte sich entwickelt und wird von Seite zu Seite neugieriger auf die Fortführung und das Ende. Tatsächlich ist alles irgendwie schon einmal da gewesen, aber so, wie Steinfest das neu zusammengesetzt hat, ist es ein echtes Lesevergnügen, oder, um einen Satz aus dem Buch (S.14) zu zitieren: »Das Leben ist gar nicht so schrecklich, es ist ein Albatros.«



    ASIN/ISBN: 3492071171

    Die Wokeness-Fanatiker, von denen es auch in der Regierung viele gibt, radikalisieren sich immer weiter, und das macht mir Angst.

    Was werden die mit denen tun, die keinen Bock haben, sich diesem Woke-Wahn anzuschließen?

    Bauen die dann irgendwann Lager, um ideologisch Abtrünnige einfach verschwinden zu lassen?

    Für ein derartiges Verhalten gibt es keinen Ansatzpunkt. Der Vergleich hinkt auch nicht nur, er ist falsch und mindestens so bedenklich, wie das Verhlaten, das Du kritisierst.

    …. Weil offenbar das Lesepublikum mit jeder feineren Unterscheidung auch überfordert wäre - oder man das annimmt.

    Die Annahmen der Verlage über das sogenannte Lesepublikum sind tatsächlich manchmal haarsträubend. Das sich nicht alles, was gedruckt wird, verkaufen lässt, ist eine andere Sache, die sich m.E. aber nicht allein an der literarischen Form festmachen lässt.

    Hat die Novelle als literarische Form ausgedient? Und was ist überhaupt eine Novelle? Kann man sie gleichsetzen mit einem »Kurzroman« und einer »längeren Erzählung«? Goethe nannte als bestimmendes Merkmal die »unerhörte Begebenheit«, Paul Heyse entwickelte eine eigene Theorie zur Novelle (Falkentheorie - Konzentration auf das Grundmotiv im Handlungsverlauf), an die er sich selbst nicht streng hielt. Schaut man sich bei den veröffentlichten Novellen um, so findet man Texte vom Umfang weniger Seiten bis zu Erzählungen von etwas über hundert Seiten.


    Die Zahl der veröffentlichten Novellen nahm nach dem 2. Weltkrieg ab, doch wurden noch wesentliche Novellen veröffentlicht, etwa von Günter Grass (Katz und Maus), Martin Walser (Ein fliehendes Pferd), Patrick Süskind (die Taube), Uwe Timm (Die Entdeckung der Currywurst), um nur einige zu nennen. Schaut man sich im 21. Jahrhundert um, so finden sich weitere, zum Beispiel bei Helmut Krausser (Schmerznovelle), Heinrich Steinfest (Amsterdamer Novelle) oder Hartmut Lange, der seit fast vier Jahrzehnten hauptsächlich Novellen veröffentlicht (zuletzt den Novellenband »Am Osloer Fjord«).


    Wer von denen, die hier im Forum mitlesen und mitdiskutieren tut das noch, Novellen schreiben. Oder warum nicht? Ich würde mich über Antworten freuen.

    Der Herr der Ringe ist mein Lieblingsbuch von Tolkien, ich habe die Trilogie schon mehrfach verschlungen.

    Ich habe den "Herrn der Ringe" bislang drei mal gelesen, davon zweimal vorgelesen (einmal mit leichten Kürzungen, weil für junge Zuhörer). Seit einiger Zeit habe ich Lust auf eine weitere Lektüre. Die Begeisterung für Tolkiens restliches Werk hält sich bei mir in Grenzen. Es gibt eine Handvoll kürzerer Erzählungen und Essays, die ich ganz gut finde. Den Hobbit natürlich. Das Silmarillion fand ich stinklangweilig, obwohl darin einige interessante Geschichten stehen, die für sich nicht schlecht sind. Ähnlich ging es mir mit anderen Veröffentlichungen wie z.B. Nachrichten aus Mittelerde. Zusammenstellungen von Tolkiens Sohn (z.B. Die Kinder Hurins) sind einigermaßen lesbar, reichen aber nicht an den Hobbit oder den Herrn der Ringe heran.


    "Verschlungen" habe ich Tolkien-Bücher kein einziges Mal. Insbesondere beim wiederholten lesen kommt reflektierendes überlegen immer stärker hinzu. Interessant ist, dass die Werke dabei nicht verlieren.


    Ich bin kein großer Fantasyleser. Es gibt auch weniges, was mir da gefällt (und das auch nicht ohne Einschränkungen), etwa das, was Ursula K. Leguin oder Jack Vance zu diesem Genre geschrieben haben. Von deutschen Autorinnen schätze ich allenfalls noch Susanne Gerdom (vor allem ihre bei Ueberreuter erschienen Bücher). Mein Urteil über Werke dieses Genres ist also nicht maßgebend, insbesondere wenn ich sage, dass m.M.n. etwas wirklich gutes und richtungsweisendes in diesem Genre nicht mehr zu erwarten ist.

    Und meine erste Reaktion war: OMG, da muss ein Fehler vorliegen. Ich hab doch schon Geld gekriegt... Boah, wie ätzend, jetzt muss ich mich auch noch drum kümmern, dass die das falsch gezahlte Geld wieder kriegen ...:cursing:?!?:rofl

    In solch einem Fall immer zu mir schicken. Das geht ganz unbürokratisch und wird nicht reklamiert. 8-)

    … Professionelle Fotos sind meistens nicht honorarfrei, selbst wenn sie im Auftrag hergestellt wurden, und mindestens müssen die Fotografen prominent genannt werden.


    Lässt man von einem Profi Fotos machen, die für Veröffentlichungen vorgesehen sind, so ist das Honorar in der Regel mit dem abgegolten, das der Abgelichtete gezahlt hat. Weitere Honorare bei Veröffentlichungen können dann nicht gefordert werden, die Namensnennung des Fotografen ist aber üblich. Sicherheitshalber sollte man sich aber die Verträge - und dort besonders das Kleingedruckte - genau ansehen. Verträge sollten sowieso immer GANZ gelesen werden, das scheint aber eher die Ausnahme als die Regel zu sein.

    Das einzige Buch zu diesem Thema, das ich bislang gelesen habe, war Solschenizyns "Krebstation". Genaugenommen sind es zwei Bücher. Alle anderen Erfahrungsberichte Betroffener habe ich mir bislang geschenkt aus dem gleichen Grund wie Tom: Ich habe genug Betroffene in meinem Umfeld (Familie, Freunde) selbst erlebt und das reicht mir durchaus. Diese Rezension könnte mich allerdings verleiten, das Buch mal zu lesen. Es scheint ja einen anderen (Ein)Blick möglich zu machen. Ich habe es mal auf meine Liste gesetzt.

    Ich gehöre auch zu den Gibson-Fans, schon seit den Achtzigern, lese ihn immer wieder gern, aber nie mehrfach am Stück. Deshalb gibt es für mich noch offene Gibson-Leseprojekte. Aber ich merke gerade, es wäre mal wieder an der Zeit. In Peripherie habe ich hineingeschaut, aber nach der Hälfte der ersten Folge ausgeschaltet. Mir hat das nicht gefallen. Allerdings gehöre ich auch nicht zu den Serienjunkies und meine Meinung dazu ist eher nicht von Bedeutung.