• Stell Dir vor, Dir schaut beim Schreiben jemand über die Schulter und gibt dazu auch noch ständig Kommentare ab! Eine Horrorvorstellung? Vielleicht, aber vor allem ein Erfolgsmodell. Auf der Platform Wattpad werden so Romane vorgestellt - kapitelweise während des entstehens - und viele lesen und kommentieren mit. Die Platformbetreiber schöpfen aus diesem Pool an kostenlosen Stoffen das heraus, was zum Trend passt, veröffentlichen es als Buch oder gleich als Film oder Serienstaffel. Ein Artikel in der SZ von heute (5.1.22.) berichtet ausführlich darüber.


    Und wer es nun gar nicht mehr aushalten kann, der darf sich gleich beim deutschen Portal einloggen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Früher war ich auch viel auf Wattpad unterwegs. Das war mein Einstieg dazu, meine Kurzgeschichten und Geschriebenes zu teilen. Man kann sich mit anderen austauschen (häufig waren da Mädels in meinem Alter unterwegs) und Feedback bekommen. Allerdings darf man dort weder qualifiziertes Feedback noch ausgereifte Geschichten/Autoren erwarten.

    Für mich war es ein guter Einstieg und es gibt einige Erfolgsgeschichten von Selfpublishern, die bei Wattpad gestartet sind, allerdings sind dort meiner Meinung nach etwa 0,00001% der Geschichten wirklich brauch- oder lesbar. Eher weniger. Meine mit eingeschlossen.

  • Ich glaube, Wattpad spricht vor allem die jüngere Generation an (ich würde mal behaupten: 13-30 Jahre) und ist inhaltlich vor allem gefüllt mit Ergüssen im YoungAdult- und Fantasy-Bereich. Das soll gar nicht abwertend klingen, aber ich habe den Eindruck, dass diese Plattform eine ganz bestimmte Zielgruppe hat, damit glücklich ist, und kein Sprungbrett für irgendwas darstellt. Anspruch gleich null.

    Von den paar Erfolgsgeschichten habe ich auch schon gehört. Welcher Webseitenbetreiber würde sich damit nicht brüsten wollen? Ich glaube jedoch, dass es sich hierbei um die amerikanische Variante handelt, was ein völlig anderes Umfeld/anderer Markt ist. (Habe die Artikel nicht gelesen, H-D)

  • allerdings sind dort meiner Meinung nach etwa 0,00001% der Geschichten wirklich brauch- oder lesbar

    Also eine von zehn Millionen. Da muss man sich durch eine Menge Quatsch wühlen, bis was Lesbares kommt. 8)


    Ich bin von einer Autorin kontaktiert worden, die dort gute Resonanz bekommen hatte, wie sie meinte, und mich vermittlungsmäßig einspannen wollte. Aber sie gehörte auch zu den zehn hoch minus 6 Prozent. ;)

  • Hm, dann ist meine junge Kundin Jenna Wood (Pseudonym) wohl qualitativ eine Ausnahme.


    Sie hat ihren ersten Roman (Teil 1 einer Fantasy-Trilogie) mithilfe von Wattpad geschrieben. Als sie fertig war, hat sie ihn lektorieren lassen und selbst veröffentlicht. Der Carlsen Verlag hat die Autorin und ihr Werk sofort gefunden, den ersten Teil neu herausgebracht, die Teile 2 und 3 bei ihr beauftragt und ein paar Monate später ebenfalls veröffentlicht. Die Wattpad-Fanbase war der Autorin und dem Verlag sicher.


    Dass sie schreiben kann und Profi genug ist, ihr Ding auch durchzuziehen, weiß ich natürlich. Horst-Dieter , du erinnerst dich, oder?

  • Hm, dann ist meine junge Kundin Jenna Wood (Pseudonym) wohl qualitativ eine Ausnahme.

    Von all den vielen, vielen Menschen, die schreiben wollen, oder/und die meinen, es zu können, sind diejenigen, die wirklich gute Geschichten gut erzählen können, in nahezu jedem der Mikrokosmen, die es da so gibt, die (absoluten) Ausnahmen.

  • Hm, dann ist meine junge Kundin Jenna Wood (Pseudonym) wohl qualitativ eine Ausnahme.

    Es kann natürlich sein, dass sich das in den letzten Jahren auch geändert hat. Und sicher gibt es auf Wattpad auch Leute, die wirklich wissen, was sie da tun. Viele nutzen es aber auch als Portal um einfach mal loszuschreiben, Kurzgeschichten oder Ideen loszuwerden. So war das bei mir auch. Ist man dort natürlich länger unterwegs und der Algorithmus schlägt einem immer bekanntere und beliebtere Werke vor, kann man auch auf eine Handvoll Gutes stoßen. "Zu meiner Zeit" ging es dort nur leider auch viel um "nicht sehen, aber gesehen werden wollen", was mich letztendlich auch von dort weggebracht hat. Zusammen mit der Flut an furchtbaren "Erotik"-Schriftstücken von 13-Jährigen.

  • Mir muss niemand erzählen, dass es sehr viel Mist gibt, das lese ich jeden Tag. Umso mehr freue ich mich über eine Autorin wie die genannte, die nicht nur Talent hat, sondern mit damals neunzehn auch Mut und Geschäftsverständnis hatte – und am Ende mehr Erfolg als gedacht. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten.


    Ich glaube sofort, dass sich auf Wattpad viel Teenie-Mist ansammelt. Ich mag nur keine Pauschalurteile. Die Trend- und Talentscouts der Jugendbuchverlage sind dort sicher präsent, um das herauszufischen, was Potenzial hat – sei es Talent oder Fanbase.

  • Allerdings darf man dort weder qualifiziertes Feedback noch ausgereifte Geschichten/Autoren erwarten.

    Für mich war es ein guter Einstieg und es gibt einige Erfolgsgeschichten von Selfpublishern, die bei Wattpad gestartet sind, allerdings sind dort meiner Meinung nach etwa 0,00001% der Geschichten wirklich brauch- oder lesbar. Eher weniger. Meine mit eingeschlossen.

    Wie genau sah das Feedback denn aus? Fanden die Leser grundsätzlich alles toll oder war eher das Gegenteil der Fall?

    Interessant könnte es ja für (junge?) Autoren sein, wenn sich da die Zielgruppe tummelt, für die man schreibt und man somit erste Eindrücke zu seinen Ideen bekommt.

    Ich hatte vorher noch nicht von WattPad gehört und kann leider den Artikel nicht lesen, weil ich da kein Abo habe.

  • Wie genau sah das Feedback denn aus? Fanden die Leser grundsätzlich alles toll oder war eher das Gegenteil der Fall?

    Interessant könnte es ja für (junge?) Autoren sein, wenn sich da die Zielgruppe tummelt, für die man schreibt und man somit erste Eindrücke zu seinen Ideen bekommt.

    Man bekommt schon überwiegend positives Feedback würde ich sagen, weil jemand, dem die Story nicht gefällt, nicht weiterliest und dementsprechend auch kein "negatives" Feedback abgibt. Wie du schon sagst, kann man aus den Resonanzen (wie viele haben die Geschichte gelesen und wie viele davon haben ihr ein "Gefällt mir" gegeben) natürlich sehen, ob die Story überhaupt ankommt. Was man aber eben nicht bekommt ist "Das und jenes könntest du besser machen" oder "Arbeite an deiner Rechtschreibung/Stil" oder "Überleg dir, wie du hier mehr Spannung aufbauen könntest". Was meiner Meinung nach daran liegt, dass es dort nur wenige Schreiblinge gibt, die das überhaupt bewerten können. Vielleicht hat sich das Portal geändert, aber früher war es so, wie wenn zwei Freundinnen ihre Kurzgeschichten austauschen - mehr als gefällt mir oder gefällt mir nicht war da nicht zu erwarten. Zumal man, wenn man sich nicht hinter Werbung und den Algorithmus geklemmt hat, sowieso ein eingeschränktes Publikum hatte.


  • Wer sich auf Wattpad wagt, sollte vor allem eines mitbringen: Leser. Weil als Newbie, der das erste Manuskript dort kapitelweise veröffentlicht, versinkt im Datennirvana. Wenn man also eine Diskussion über sein Werk dort anstoßen will, muss man seine eigenen Leute mitbringen, die dann auch noch ihre Leute im Schlepptau haben. Ansonsten ist das eben nur ein weiteres Portal, auf dem man sich selbst zu Schau stellen kann. Und ja: Es gibt Glücksgriffe, aber die sind eher seltener.

  • Genau so funktionieren diese Plattformen. Es geht weniger um die Texte als um die Follower. Im Prinzip dasselbe wie auf Youtube. Und die Verlage suchen auch nicht nach guten geshcichten, denn dazu müßten sie Millionen von ihnen lesen, sondern schauen, wer die größte Fanbasis hat. (Natürlich muß der Text darüberhinaus auch etwas taugen.) Doch ohne Marketing ohne Mobilisierung von Fans und dem gezielten Füttern des Algoritmus, würde vermutlich selbst ein "Harry-Potter" in der Masse untergehen.