Recherche und korrekte Darstellung in Roman, Erzählung

  • Viele jüngere, moderne Leute mögen glauben, sie täten es, aber ich lese in solchen ehrgeizigen Momenten doch lieber den altmodischen Oscar Wilde, der sinngemäß meinte, dass man sich vor allem über eine Rosenblüte freuen sollte, statt sie unter das Mikroskop zu legen.

  • Ja, auch das soll er gesagt haben. ^^

    Na ja, ob die Suche danach es in diesem Fall wert wäre ... Am Ende steht noch Mephisto vor meiner Tür, weil er genau weiß, wie verzweifelt ich gerade bin. Lieber nicht.

  • Okay … wenn Mephisto, dann nehm lieber den Pudel. Obwohl das nun gar kein Hund für mich wäre. :evil

    Eine Recherche würde aber ergeben, dass es sich bei diesem Poodle um einen Jagdhund handelt, der ab 1700 der beliebteste Hund in Europa war 🙂.

    ASIN/ISBN: 395494104X


    "... wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'..."
    (Fritz Reuter: Ut mine Festungstid (Olle Kamellen II) (1861)


    Erzählen heißt: "auf dem hohen Meer den Versuch zu wiederholen, das Leben mit einem Fingerhut ausschöpfen zu wollen!"
    (Wilhelm Raabe: Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte. 1891)

  • Diese Einteilung - und das Beharren darauf - geschieht immer aus der Perspektive "E". Schon deshalb ist nicht viel damit anzufangen, sie ist eben elitär und dünkelhaft. Die Frage nach der "Grenzziehung", der "Trennlinie" wurde ja auch nichr beantwortet sondern schön ignoriert. Herr Goethe beispielsweise lobte Autoren wie Scott und Cooper in höchsten Tönen, Autoren also, die schnöde Abenteuerliteratur schrieben. Ob er mit einer Klassifizierung der Literatur in E und U etwas hätte anfangen wollen, bezweifle ich sehr.

    Es werden immer wieder Wort und Begriff verwechselt. Natürlich ist das Wort E bescheuert, bestimmt auch falsch oder zumindest irreführend. Ich vermute mal, er kommt ursprünglich aus der Musik und nimmt Maß an Beethoven, was ja Quatsch ist, da dessen Musik durch und durch humorvoll ist. Naja, Scott und Cooper mal eben zur U von damals zu schlagen, um Goethe zum Liebhaber von Heftchenromanen von heute zu erklären... ist auch eine Form von Humor... Viel besser wäre es gewesen, an seinen Schwager Christian Vulpius zu erinnern, den er tatkräftig dabei unterstützte, dessen Räuberpistole "Rinaldo Rinaldini" bei einem Verleger unterzubringen und die natürlich Auflagenhöhen erzielte, von denen Goethe nur träumen konnte. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass er der Meinung gewesen wäre, es gäbe keinen Unterschied.

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    "... wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'..."
    (Fritz Reuter: Ut mine Festungstid (Olle Kamellen II) (1861)


    Erzählen heißt: "auf dem hohen Meer den Versuch zu wiederholen, das Leben mit einem Fingerhut ausschöpfen zu wollen!"
    (Wilhelm Raabe: Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte. 1891)

  • Eine Recherche würde aber ergeben, dass es sich bei diesem Poodle um einen Jagdhund handelt, der ab 1700 der beliebteste Hund in Europa war 🙂.

    Nun leben wir nicht mehr im 18. Jahrhundert, und der Pudel/Poodle wird nicht mehr als Jagdhund eingesetzt. Außerdem habe ich nichts gegen den Pudel, sondern lediglich angemerkt, er wäre kein Hund für mich.

  • Angeblich sollen es ja die Buchhändler sein, die besonders dringend wissen müssen, in welches Regal sie ein Buch stellen sollen :) . Kristin, stimmt das?

    Nee, also, für uns in Preetz trifft das nicht zu, wir legen vermeintliche Zweifelsfälle einfach auf den Tisch gut lesbarer Bücher mit Anspruch, die wir gern empfehlen. Ich nenne solche Bücher für mich gerne Brückenbücher, weil sie eine Brücke bilden zwischen "U" und "E". Das geht von Mariana Leky über Asta Scheib bis zu Nino Haratischwili. Die Tüddelchen deswegen, weil auch ich beobachte, dass diese Unterscheidung für immer mehr Leute immer ärgerlicher (da verunsichernd für Leser und Autoren) wird: Wie bitte? Sie lesen U?? Wie nieder! - Alles Quatsch, das war mal. Es ist ja auch Stimmungssache und eine Frage der Tagesform, nach wie viel Kauwiderstand mir gerade ist (wenn ihr z.B. wüsstet, welche TV-Serie ich mir regelmäßig reinziehe, öhem). Nur bei der "anspruchsvollen Belletristik" für Peter Handke muss ich widersprechen. Der ist für mich so Doppelplus-E, dass mir ganz beklommen zumute wird, wenn ich die Bücher nur von weitem liegen sehe! :D

  • Es werden immer wieder Wort und Begriff verwechselt. Natürlich ist das Wort E bescheuert, bestimmt auch falsch oder zumindest irreführend. Ich vermute mal, er kommt ursprünglich aus der Musik und nimmt Maß an Beethoven, was ja Quatsch ist, da dessen Musik durch und durch humorvoll ist. Naja, Scott und Cooper mal eben zur U von damals zu schlagen, um Goethe zum Liebhaber von Heftchenromanen von heute zu erklären... ist auch eine Form von Humor... Viel besser wäre es gewesen, an seinen Schwager Christian Vulpius zu erinnern, den er tatkräftig dabei unterstützte, dessen Räuberpistole "Rinaldo Rinaldini" bei einem Verleger unterzubringen und die natürlich Auflagenhöhen erzielte, von denen Goethe nur träumen konnte. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass er der Meinung gewesen wäre, es gäbe keinen Unterschied.

    Das ist jetzt immerhin der sachdienlichste Beitrag in der Sache bisher, Natürlich ist das Wort E bescheuert wie U auch. Und es ist auch nicht mehr "state of the art". Schon lange nicht mehr. Die Unterascheidung in Hoher LIteratur, Populärliteratur und Trivialliteratur (ab den 1960er Jahren) differenzierte ja schon etwas genauer. Und auch das ist umstritten. Nicht nur von mir. Zu Goethes Zeit waren übrigens alle Romane eher U (also verrufen), insofern passt das zu Goethe ganz gut. Mit deinem ständigen zitieren von "Heftchenromanen" weichst Du der Diskussion aber gnadenlos weiter aus. Die Bedeutung dieser Literaturform ist ja in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Gehören nur diese für Dich zum "U" und alles andere ist "E"? Die Frage nach der Trennlinie bist Du also immer noch schuldig. Ein schönes Beispiel für einen Autor, der sich der Differenzierung von E und U entzieht, ist Karl May. Der hat von Heftchenromanen über Abenteuergeschichten bis zu hoher Literatur (wie einige meinen) alles geschrieben, sogar ein Drama, das bislang noch nie auf einer professionellen Bühne aufgeführt wurde.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen & Legenden aus Franken

    ASIN/ISBN: 3955403602


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Das ist jetzt immerhin der sachdienlichste Beitrag in der Sache bisher, Natürlich ist das Wort E bescheuert wie U auch. Und es ist auch nicht mehr "state of the art". Schon lange nicht mehr. Die Unterascheidung in Hoher LIteratur, Populärliteratur und Trivialliteratur (ab den 1960er Jahren) differenzierte ja schon etwas genauer. Und auch das ist umstritten. Nicht nur von mir. Zu Goethes Zeit waren übrigens alle Romane eher U (also verrufen), insofern passt das zu Goethe ganz gut. Mit deinem ständigen zitieren von "Heftchenromanen" weichst Du der Diskussion aber gnadenlos weiter aus. Die Bedeutung dieser Literaturform ist ja in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Gehören nur diese für Dich zum "U" und alles andere ist "E"? Die Frage nach der Trennlinie bist Du also immer noch schuldig. Ein schönes Beispiel für einen Autor, der sich der Differenzierung von E und U entzieht, ist Karl May. Der hat von Heftchenromanen über Abenteuergeschichten bis zu hoher Literatur (wie einige meinen) alles geschrieben, sogar ein Drama, das bislang noch nie auf einer professionellen Bühne aufgeführt wurde.

    Sachdienlich, weil ich Wasser auf deine Mühlen leite?:P

    Bei der E-Provokation geht es im Kern um die sachliche Frage, was Kunst sei. Kunstliteratur ist nicht an sich "besser" als andere, sondern anders, und dies nur im Hinblick auf ihr Kunstsein, mehr nicht. Meines Erachtens gibt es viel gute Nichtkunstliteratur, und viel schlechte Kunstliteratur, oder solche, die sich dafür hält.:)

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    "... wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'..."
    (Fritz Reuter: Ut mine Festungstid (Olle Kamellen II) (1861)


    Erzählen heißt: "auf dem hohen Meer den Versuch zu wiederholen, das Leben mit einem Fingerhut ausschöpfen zu wollen!"
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  • Nichtkunstliteratur? ?!?


    Kannze dazu bitte ma wat sagen tun?

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  • Nichtkunstliteratur? ?!?


    Kannze dazu bitte ma wat sagen tun?

    Halt Literatur, die nicht vorrangig mehrdeutig (ambigue) und interpretationsbedürftig ist.

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  • Jürgen

    Auch wieder solch eine einseitige Definition, die für nichts gut ist.


    Besser gefällt mir: Kunst ist ein kreativer Prozess, an dessen Ende ein Werk steht.


    Das gilt für alle Bereiche der Kunst (Musik, Literatur, bildendende Kunst etc.). Außerdem grenzt es nicht willkürlich etwas aus.


    Mehrdeutig und Interpretationsgeeignet (nicht … bedürftig) ist im Grunde genommen alles.

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  • Definitionen sind per definitionem einseitig, weil sie alles Unwichtige ausgrenzen, daher ihr Name.

    Aber mit meiner allgemeinen Bestimmung kann man immerhin was anfangen - wenn man will: Zum Konkreten muss man selber "aufsteigen", wie Hegel und Marx sagen, aber dafür muss man schon seinen eigenen Kopf anstrengen.

    So so, die Mona Lisa ist ein "kreativer Prozess"... Dann hole ich nachher meinen Tuschkasten raus und bin ein bisschen kreativ und prozessual... Mal sehen, was für ein Meisterwerk dabei herauskommt...

    Unsinn, ein Stein soll "mehrdeutig" sein? Der hat gar keine Bedeutung. Oder etwa das Ampellicht? Quatsch, das hat eine eindeutige Bedeutung (auch wenn einige für sich herausnehmen, Rot für Gelb zu halten und noch mal schnell über die Kreuzung zu brettern.) Alle Wörter unser Sprache sind eindeutig und müssen denotiert werden, auch wenn wir uns häufig missverstehen, aber wir missverstehen uns nicht, weil wir mehrdeutig, sondern nicht genug eindeutig sprechen.

    Einzig und allein Kunst ist mehrdeutig, und weil das so ist, ist sie nicht nur geeignet, sondern darüber hinaus auch bedürftig der Interpretation. Dies ist ein FachBEGRIFF, den man natürlich vom WORT der Umgangssprache unterscheiden muss. Interpretation ist die Herausarbeitung einer Sinnhypothese von unendlich vielen möglichen Sinnhypothesen. Der Interpretation bedürftig, weil man vom Kunstwerk gezwungen wird, sich für eine Hypothese zu entscheiden. Zum Beispiel bei Goethes "Heidenröslein" muss man bitte nicht kreativ sein, sondern sich nur entscheiden, ob das Heidenröslein ein Röslein oder ein Mädchen ist, ob es um Liebe oder Vergewaltigung geht , ob am Ende das Mädchen oder der Knabe leidet.

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    Einmal editiert, zuletzt von Jürgen ()

  • Das die Mona Lisa ein kreativer Prozess ist, habe ich nicht geschrieben. Aber ihr ging ein solcher voraus, an dessen Ende das Bild dieses Namens stand.


    Das Hegel und Marx natürlich mal wieder herhalten müssen, habe ich schon erwartet. Nicht erwartet habe ich, dass Du Dich mit Deinen folgenden Ausführungen selbst ad absurdum führst. Demnach ist dann nämlich sämtliche Literatur Kunst. Von Steinen und Ampeln spricht ja niemand.


    :-)



    Ach so - na klar, wenn Du den Farbkasten vorholst und ein bisschen kleckst, ist das natürlich auch Kunst. Und mehrdeutig ist das Ergebnis Deiner Kleckserei auch, selbst wenn Du Das nicht beabsichtigt hast. :evil

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    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Ich gebe dann auch mal mein "Wissen" zum Besten ;)


    Aus persönlicher Verfahrung und als eine/r derjenigen, dessen Berufsbild regelmäßig in der Luft zerrissen wird(Auch von scheinbar seriösen Journalisten) sehe ich diese Sache ähnlich wie meine Vorredner.


    Es kommt auf die Art der Geschichte an...


    Schreibt man wie ich, z.B. Fantasieromane ist die Wahrheit und Recherche eher zweitrangig. Da ist es völlig Banane ob man Laserblitze sieht, oder ob das Einhorn ein schwarzes oder weißes Hörnchen trägt.


    Was mir in diesem Zusammenhang eher aufstößt, sind grobe Fehler in Berichten oder Fernsehsendungen von ach so seriösen Zeitungen und Fernsehsendern.


    Geschichten müssen dem Leser zusagen, die Recherche und den Wahrheitsgehalt würde ich nach dem Genre ausrichten.


    Zu deinem Beispiel mit den Pressluftflaschen fällt mir doch gleich noch eine Frage ein: Wer kann mir denn den Unterschied zwischen Lokführer und Zugführer nennen?

  • Was mir in diesem Zusammenhang eher aufstößt, sind grobe Fehler in Berichten oder Fernsehsendungen von ach so seriösen Zeitungen und Fernsehsendern.

    Ist mir jetzt etwas zu pauschal die Schelte.



    Wer kann mir denn den Unterschied zwischen Lokführer und Zugführer nennen?

    Also, mein Zugführer war Leutnant und man konnte trefflich über in herziehen. Während halt der Lokführer seinen Zug nur hinter sich herzieht.

  • Wieder zurück zur Recherche.

    Gibt's im Forum einen Mediziner?


    Ich hab ein Buch vor mir zur Rezension, in dem nach 25 Jahren eine einbetonierte Leiche gefunden wird.

    Wieweit ist der Körper in Beton nach 25 Jahren noch erhalten? Sind nach dieser Zeit noch Details am Kehlkopf feststellbar? Massive Quetschungen zum Beispiel, die darauf hinwiesen, dass das Opfer erdrosselt wurde?


    In dem Buch beispielsweise wird das behauptet. Und ich recherchiere.

  • Die Frage nach der einbetonierten Leiche kann, glaube ich, auch ein verdokterter Mediziner nicht einfach so beantworten, und selbst gestandene Rechtsmediziner sind dazu überfragt, weil es nicht zum alltäglichen Erfahrungsschatz gehört. Aber vielleicht hilft Dir das hier weiter:


    https://www.spiegel.de/spiegel/a-565504.html