Schriftstellerische Verhaltensauffälligkeiten

  • Ganz schlimm geht es an unserem Kühlschrank zu. Was da alles dran hängt und klebt, würde wahrscheinlich für eine Familien-Einweisung in die Nervenheilanstalt Anlass geben.


    Guck, schon stelle ich mir das vor: Daraus könnte eine ziemlich schräge, mit viel schwarzem Humor versetzte Geschichte entstehen, aber auch ein Thriller, oder eine Geschichte quasi "Familienaufstellung nach Jerz-Kühlschrank".


    Ich liebe Fotos. Da tackern schnell Geschichten heran. Oder einen für mich interessanter Satz. Auch nur ein Wort hat schon manchen Text bei mir ausgelöst.

  • Das passt dazu:


    Vor 10 Minuten ruft mich mein Psycho an (nein, nein, ich bin nicht gestört, muss nur gerade mit etwas sehr Schlimmen fertig werden) und sagt unseren Termin ab. Hätte Notfall.


    Ich: Ach, steht da einer auf der Brücke und will springen?


    Er: Sie haben sehr viel Phantasie....


    Ja.


  • Ich: Ach, steht da einer auf der Brücke und will springen?


    Er: Sie haben sehr viel Phantasie....


    Ja.

    Das wäre die Version Schicksalsroman. Ich hätte gefragt: Steht da einer unter der Brücke, die gerade gesprengt werden soll?
    Das wär dann die Thrillervariante. :rofl

  • @HD: andere bezahlen Geld dafür, dass sie als Rollen in Büchern auftauchen


    Echt? Solche Typen bitte auch zu mir schicken. :nick

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Stimmt schon, manchmal lese ich eine Zeitungsüberschrift oder höre eine Meldung und sofort fällt mir eine Idee in den Schoß. Manchmal reicht sogar ein Foto oder eine kurze Bildsequenz. Das passiert einfach, ohne dass ich darüber nachdenke. Schlimm daran ist, dass ich diese Spontanideen leider recht oft gleich wieder vergesse, weil ich kein Ideenbuch mit mir herumtrage. Vielleicht sollte ich das mal anfangen.


    Ebenso geht es mir bei Träumen. Manchmal träume ich ganze Romane oder ich wache mit einem so intensiven Gefühl auf, dass daraus sofort eine Idee wird. Aber auch da gehts mir wie zuvor beschrieben. Ich sollte anfangen, es aufzuschreiben.


    Damit einhergeht, dass ich sehr oft tagträume. Eine vage Idee und schon fantasiere ich in Gedanken los. Insebsondere dann, wenn ich alleine mit dem Auto unterwegs bin. Manchmal singe ich stattdessen auch, aber das hat nichts mit dem Schreiben zu tun. Das ist eine Alternativhandlung.


    Ganz schlimm und schon nahezu zwanghaft ist mein Korrekturwahn. Ich kann keine Elternmitteilung lesen, keine Zeile in FB, Foren oder gar Whatssapp, ohne sie auf Rechtschreibung und Grammatik zu scannen. Es tut mir fast weh, die gefundenen Fehler nicht korrigieren zu dürfen. Gerade am Wochenende las ich die handschriftliche Notiz eines Bekannten und mich überkam schlichtweg das Grauen. Ich suchte schon nach dem Rotstift und konnte mich gerade noch beherrschen.


    Es gibt eine andere Verhaltensmacke, die Parallelitäten dazu aufweist. Wie einige von euch vielleicht wissen, bin ich Feld-, Wald- und Wiesenbiologin. Ich kann nicht mehr über eine Wiese laufen, ohne in Gedanken die Namen der Pflanzen aufzuzählen, die ich sehe. Das ist wirklich schlimm.

  • ... bevor sie gesprengt wurde.


    Und wer hat sich davon in den Tod gestürzt, ist gerettet worden, wer hat sich dort getroffen ... es gibt so viele Möglichkeiten ... bevor sie gesprengt wird.
    Vielleicht sollten wir beide mal einen Ort/ eine Familie nehmen und Bücher aus verschiedener Sicht beschreiben - du den Thriller, ich die Historie. :rofl

  • Hallo Petra,


    es stimmt schon, man könnte diese vielen Ideen aufschreiben. Aber ich glaube, dass da eine natürliche Selektion des Brauchbaren vom Unbrauchbaren stattfindet. Die Ideen, die sich wirklich weiterspinnen lassen, behält man auch im Gedächtnis.


    Lohnender fände ich es, ein Notizbuch bei sich zu haben, in dem man alle möglichen Marotten notiert, die man an anderen Leuten so beobachtet. Die sind gut zur Ausgestaltung von Nebenfiguren. Ich schreib es aber im Konjunktiv, ich habe nämlich selber kein Notizbuch bei mir :)

  • Das mit der Beobachterei kenne ich auch, ja. Das ist ziemlich bekloppt. Oft genug merke ich, wie ich anfange den zugehörigen Text zu formulieren. Und das kann dann wirklich nerven. Ich komme ja gerade aus dem Urlaub wieder und weiß immer noch nicht, wie ich das Geräusch beschreiben würde, das entsteht, wenn Tannenzapfen (bei starkem Wind) aneinander und an kleine Zweige stoßen. Diese leise Klicken oder Ticken. Vielleicht bilde ich mir das Ticken aber auch nur ein. ;)