Beiträge von Christoph

    Hallo Sven,

    gute Idee. Von diesem Heft fliegen hier ein paar Ausgaben rum, die ich auch ziemlich spannend fand: https://www.bellatriste.de/.

    Eine ehemalige 42erin hatte mal Sachen dort untergebracht und das hatte ich dann auch vor. Dazu ist es aber nicht gekommen. Hätte wahrscheinlich etwas schicken müssen. ;-)


    Zwar keine Zeitschrift, aber so etwas ähnliches findet man unter https://www.haiku-heute.de/. Das ist eine fortlaufende Sammlung deutschsprachiger Kürzestgedichte. Katzen- und Schwangerenhaikus sucht man dort vergebens und ich finde, da sind wirklich schöne Sachen dabei. Man kann Haiku einreichen und einmal pro Monat wird eine Auswahl veröffentlicht.

    Auch für die "Ehrfurcht" habe ich einen Lösungsansatz gefunden. Schon jetzt, auf der Bühne knieend, schüttelt sie den Kopf und flüstert nur für sich, "Bärbel, was war das? Was ist das?", als der Beifall auf sie zurollt. Diesen Moment kann ich bei der Unterhaltung mit ihrem Kollegen aufnehmen und in der Unterhaltung die Interpretation "Ehrfurcht" einbauen.

    Hallo,

    hm, also ich glaube das ist keine gute Lösung. Es hängt glaube ich auch überhaupt nicht an Einzelheiten der Formulierung oder der Handlung.

    Ich sag mal so, im Grunde geht es doch immer bloß um die Frage, was eine Passage beim Leser auslöst. Wie der sich fühlt und/oder was er denkt. Wäre für mich also die Frage: Was möchtest du gerne, dass er fühlt/denkt? Ehrfurcht? Dankbarkeit? Wohl eher nicht. Eher soll er vermutlich Ehrfurcht und Dankbarkeit bei dieser Sängerin wahrnehmen. Falls das so stimmt: Das ist eher etwas, das man gut vorbereiten und im Laufe des Romans(?) anvisieren muss. Der Leser muss die Figur schon eine Weile begleitet haben, sie mögen und sich mit ihr gerne identifizieren, ihr Schicksal verfolgt haben, sie vielleicht scheitern gesehen haben. Dieser Auftritt sollte eine große Bedeutung für die Figur haben. Erst wenn ich das als Leser mitfühlen kann, erkenne ich die Ehrfurcht (und finde sie auch noch schön). Oder so. Macht das irgendwie Sinn?

    Christoph

    Ich habe jetzt zweimal ein Manuskript in Romanlänge geschrieben. Das eine ist und bleibt im Giftschrank, das andere hat mir eine Tür geöffnet und ich mag es selbst auch sehr, auch wenn es offenbar unverkäuflich ist. Nummer 1 ist früh morgens vor der Arbeit, zwischen 5:00 und 7:00 entstanden, hat glaube ich so zwei, drei Monate gedauert, ganz sicher bin ich nicht mehr.

    An Nummer 2 habe ich zu einem großen Teil im Auto auf dem Parkplatz meiner Arbeitsstelle und z.T. in ungenutzten Konferenzräumen geschrieben, in den Pausen. Und zu Hause, wenn ich Ruhe hatte. Ich brauche die Ungestörtheit, will bloß nicht angequatscht werden und einen Gedanken oder Satz dann loslassen und wieder aufnehmen müssen, spätestens beim zweiten Mal bin ich kolossal genervt, wenn das passiert. Und auch auf die Blicke der Kollegen habe ich keine Lust, ich will niemandem erklären, was ich da mache.

    Für das, was vor und zwischen dem Tippen zu tun ist, reicht ein bisschen Zeit und Ruhe, morgens im Bett gleich nach dem Aufwachen zum Beispiel oder immer mal wieder zwischendurch, wenn ich ein Zeitfenster habe, in dem mich niemand stört. Ja, dieses nicht gestört werden ist für mich offenbar ziemlich wichtig, da kann ich richtig grantig werden.


    Christoph

    Gleich fange ich an zu heulen. Wie viele Stunden pro Tag? Sehr witzig. Leider verbringe ich den Großteil meiner Lebenszeit in einem stressigen Job, habe große Probleme, davon überhaupt abzuschalten und krebse mich darum einfach nur irgendwie durch, damit überhaupt irgend etwas passiert, das im absoluten Notfall möglicherweise als "schreiben" durchgehen könnte. Seit fast drei Wochen wartet jemand auf die Überarbeitung eines Konzeptes. Eine Zusammenarbeit, von der ich mir viel verspreche, auf die ich sogar richtig stolz bin. Aber ich habe einfach verdammt nochmal keine Zeit. Und es ist ja noch nicht einmal in erster Linie die Zeit, es ist vor allem der freie Kopf und die Möglichkeit, längere Zeit am Stück über Dinge nachdenken zu dürfen. Und ich meine dürfen. Das ist ein Privileg.

    Das soll kein Angriff sein, entschuldige meine patzige Antwort. Die Welt ist eben einfach doof, was soll man machen.;)


    Nachtrag:

    Wem es wie mir geht, der möge das hier lesen um festzustellen, dass er nicht alleine ist.

    ASIN/ISBN: 3036958266

    Eine Mistreiterin aus meinem Skriptorium schwärmt für dieses Buch https://www.rowohlt.de/buch/mi…m-wolfspelz-9783499009204, kann aber nicht sagen wie gut das ist, vielleicht beflügelt es ja, vielleicht schnürt es auch ab, weil einem die Beispiele nicht zu fliegen. Vielleicht hat es ja jemand von Euch schon gelesen und kann berichten.

    Hallo zusammen,

    ich habe das mal gekauft und es macht sich wirklich gut im Regal. Der lila Einband ist töfte.

    Der Inhalt auf den ersten paar zig Seiten ist auch nicht durchgehend schlecht, da hat jemand mit viel Hintergrundwissen ganz viele Textbeispiele hauptsächlich deutscher Autoren rausgesucht und überlegt, was an diesen Stellen gut und schlecht ist, es geht um Metaphern, Adjektive usw. - das Übliche. Die Beispiele sind alle mehrere tausend Jahre alt, Kleist, Fontane und wie sie noch heißen. Und Herrndorfs Tschick, der ist auch dabei. Man kann man da schon was lernen, aber ab man danach besser schreibt? Möglich. Der Ton nervt allerdings nicht nur ein bisschen, der erinnert mich sehr an den Kommentar in den "Kulturnachrichten" auf WDR 3, diese Blumenflüsterer, die Wörter benutzen wie "virulent" und "prätentiös" und immerzu sich und ihr ach so tolles Wissen in den Vordergrund stellen müssen oder ohne nachvollziehbaren Grund plötzlich Französisch reden. Auf keinen Fall während langer Autofahrten hören, das führt mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zu ganz ganz bösen Auffahrunfällen wegen Einschlafens.


    Über Stil gibt es bereits eine Menge Bücher, es ist schwierig, da etwas neues zu sagen, glaube ich. Jetzt gibt es noch eines mehr, das viele Leute gekauft haben, es ist ein "Spiegel Bestseller". Spiegelleser hören offenbar gerne WDR 3. Was an dem Buch neu ist, ist vielleicht die Tatsache, das es so etwas wie eine deutsche Literaturgeschichte des Stils bietet.


    Aber eigentlich wollte ich was anderes sagen, denn es ist ja auch einfach so, dass man nicht alle Fähigkeiten, die man als Autor braucht, aus einem Buch entnehmen kann. Gute Einfälle haben, zum Beispiel, das kann man kaum lernen, vielleicht kann man es üben, aber selbst da bin ich mir nicht ganz sicher. Und ohne gute Einfälle wird es schwierig, ein gutes Buch zu schreiben. Und man muss einen eigenen Geschmack entwickelt haben und vermutlich noch viele weitere Dinge, von denen ich nichts weiß. Sag ich jetzt mal so.

    Mensch Achim, alte Hütte,

    schön von dir zu lesen und schön zu hören, dass du an einem Manuskript sitzt. Von mir aus auch in der Toskana, wenn's unbedingt sein muss. ;) Du hast vor - ähm, mehreren - Jahren mal eine KG über einen Bassisten hier als BT eingestellt, die ist bei mir haften geblieben. Wenn der Roman auch so wird, kauf ich das Ding.:like

    Ich finde an den Konzept des Wettbewerbs erstmal nichts Verwerfliches. Da bekommt man die Chance, eine "Geschichte" zu schreiben und in Buchformat zu präsentieren. Überdies besteht die Möglichkeit, der (Bestseller-)Literaturwelt vorgestellt zu werden

    Sophie, du hast bestimmt recht. Ich glaube, ich sitze ziemlich fest in der Vorstellung, dass ich mich ausschließlich mit dem (selbstverständlich absolut brillanten) Text befasse und den Rest machen andere, vorzugsweise Profis. Aber das muss natürlich nicht so sein, alles mögliche ist denkbar. Und völlig in Ordnung ist das auch, keine Frage.

    Hallo Caro,

    also dieser YSA scheint ziemlich großer Quatsch zu sein. Man soll ein "Buch" aus "12-17 Geschichten schreiben". Inhalt/Genre ist mehr oder weniger egal, Hauptsache man "lässt seiner Kreativität freien Lauf". Das dann entstandene "Buch" soll man selbst mit Cover, Titel und wahlweise Fotos gestalten. Oje oje.

    Da steht nichts von Korrektorat oder Lektorat - und so sehen die dort veröffentlichten "Geschichten" auch aus. Eine Geschichte habe ich da nicht gefunden. Ich sag mal so, schlecht schreiben tun am Anfang alle, aber man muss wirklich nicht alles auf die Öffentlichkeit loslassen. Und da ist dann vielleicht auch der Bezug zu deiner Frage. Nimmt man sich damit Chancen? Nein, tut man nicht. Wenn man mit solchen Texten hausieren geht, hat von vornherein keine.;):evil