Beiträge von Anja

    Oje, mal wieder die Schreibratgeber:).

    Wer sie als Orientierungshilfe liest, oder eher: zur Anregung, für den können sie durchaus von Nutzen sein, finde ich. Schreiben nach Anleitung funktioniert natürlich nie, würde ich meinen. Aber klar, das ist der Ansatz hinter vielen Schreibratgebern: Halte Dich einfach an ein paar handwerkliche Grundregeln, dann schreibst Du den Bestseller!


    Aber da fehlt dann eben noch der letzte, aber entscheidende Funke. Vielleicht kann man ihn "Talent" nennen. Denn man kann sich jede Anleitung durchlesen, man muss nur das, was man dort liest, umsetzen können. Und man muss auch in der Lage sein zu entscheiden, welche Aspekte für das eigene Schreiben wirklich nützlich sind.


    Für mich sind diese Bücher als Werkzeugkästen gar nicht schlecht. Man sucht sich das heraus, was man gebrauchen kann, man kommt beim Lesen dieser Bücher sogar manchmal zu Erkenntnissen darüber, warum einem der eigene Text gerade überhaupt nicht gefällt, vielleicht, weil man tatsächlich irgendeinen handwerklichen Aspekt nicht bedacht hat.


    Grundvoraussetzung beim Schreiben ist aber für mich das Sprachgefühl. Wem es daran fehlt, dem helfen auch Ratgeber nicht weiter.

    Bei mir ist das so eine Mischform: Ich brauche ein grobes Konzept für eine Geschichte/Roman. Und dann schreibe ich. Allzu ausführliches Plotten liegt mir gar nicht, weil sich meine Geschichten erst im Laufe des Schreibprozesses entwickeln (so gehe ich übrigens auch bei meinen Sachbüchern vor).

    Allerdings überarbeite ich auch schon zwischendurch. Meistens steht das sogar am Anfang meines Schreibtages, ich steige zwei, drei Seiten vor der aktuellen Stelle in meine Geschichte ein, und während ich die Seiten lese, korrigiere ich gleich, was mir auffällt.


    Aber ich denke, da hat jeder seine eigene Vorgehensweise.

    Hallo Tom,


    wir haben uns gestern die erste Staffel bei Amazon prime gekauft und bereits die erste Folge gesehen, noch ohne Maryl Streep, sie kommt ja im Roman gar nicht vor, soweit ich mich erinnere.

    Der Film ist tatsächlich gut gemacht und bislang auch eng an der Romanvorlage.

    Hallo Tom,


    diese zweite Staffel basiert aber nicht mehr auf dem Roman, richtig? Oder hat sie tatsächlich noch einen Nachfolgeband geschrieben, wenn ja, finde ich den nirgends.

    Ich lese gerade "Die Frau von früher", es gefällt mir nicht ganz so gut wie "Tausend kleine Lügen", allerdings hält es mich trotzdem noch jeden Abend davon ab, so rechtzeitig ins Bett zu gehen, dass ich nicht morgens den Wecker aus dem Fenster werfen will.

    Ich habe das Buch gelesen, das war streckenweise sogar recht lustig. Vor allem hat mir der Erzählstil der Autorin gefallen. Von dem erfährt man ja in dem Film nichts.

    Trotzdem, wenn ich die Serie irgendwo wieder mal entdecke, werde ich sie mir unbedingt anschauen.

    Hallo Tom,


    mal kurz weg von den Filmen, weil Du eben auch die Literatur und da vor allem die Krimis angesprochen hast: Ich oute mich mal als Jo-Nesbö-Fan. Wer die Krimis um seinen Ermittler Harry Hole mitverfolgt, hat bestimmt auch schon festgestellt, dass Nesbö seinen Helden schon mehrmals fast gekillt hätte. Aber eben nur fast. Er hat mal in einem Interview auf Englisch in etwa gesagt, wenn es vorbei sei, dann sei es vorbei, es werde keine "Auferstehung" geben.

    Nur ist Harry Hole vermutlich seine beste Einnahmequelle. Ab und zu schreibt er andere Einzelromane, aber ich habe den Eindruck, dass er mit denen primär Erfolg hat, weil man eben Bücher kauft, auf deren Cover sein Name steht.

    Mit anderen Worten: Harry Hole lebt noch immer! Das hat schon mal fast Dallas-hafte Züge angenommen, wenn sich im Folgeband herausgestellt hat, dass der Herr Ermittler nur scheinbar ermordet wurde, in Wirklichkeit aber vor der Öffentlichkeit verborgen zunächst im Koma lag, um dann ab der Mitte des (Folge)Romans genesen und in alter Form weiterzumachen :).

    Nesbö hat seinen elften Roman schon selbstironisch "Nummer elf von zehn" genannt und spielt damit auf eine Tradition an, derzufolge skandinavische Krimireihen grundsätzlich nur zehn Bände umfassen. Ich glaube, mittlerweile ist er bei Band 13, und inzwischen lässt er jeden Band so enden, dass sich auch die Entwicklung des Helden grundsätzlich noch weiterspinnen ließe.


    Schon faszinierend mitzuerleben, wie ein Autor seine beste Geldquelle sicherheitshalber nicht endgültig umbringt. Und bisher ist ihm die Weiterentwicklung seiner Figur sogar immer halbwegs glaubhaft gelungen.


    P.S.: Ich denke immer mehr über Netflix nach. Nur schauen wir an sich sowieso eher wenig fern, das nimmt zu viel Zeit weg, die man anders genauso gut oder besser verbringen könnte. Bin mir nicht sicher, ob sich die Investition lohnt. Und WENN sie sich lohnt, ist das auch nicht unbedingt das Nonplusultra:).


    Gute Mini-Serien sind übrigens auch die Verfilmungen der Tetralogie ("Meine geniale Freundin") von Elena Ferrante. Leider sind bisher nur die ersten beiden Bände verfilmt, jeweils als 8-teilige Serien. Aktuell gibts die bei Amazon Streaming, allerdings auch nicht gratis.

    Hallo Tom,


    Amazon-Streaming haben wir schon, da gibts allerdings nicht so besonders viel Überzeugendes. Und die meisten Filme muss man ohnehin noch mal gegen Gebühr leihen, ein paar Serien haben wir gefunden, aber viele waren das nicht. Wir haben teilweise wieder auf die guten alten DVDs zurückgegriffen.

    Was das Angebot des öffentlich-rechtlichen Fernsehens betrifft, hast Du recht, und das, obwohl wir sogar noch den ORF als Alternative haben. Höchstens ORF III hat ab und zu mal was Sehenswertes.


    @Clarissa: Ist die Serie als Buch unter dem Titel "Tausend kleine Lügen" erschienen? Dann habe ich das nämlich gelesen. Hat mir sehr gefallen. Leider können meiner Ansicht nach die anderen Romane der Autorin nicht mithalten.

    Hallo Tom,


    und wie hat Euch Staffel 1 gefallen?

    Immerhin war das mal die ARD, ich habe den Eindruck, für Serien braucht man heute Netflix. Und dazu haben wir uns noch nicht durchringen können. Ich weiß auch immer noch nicht, ob sich die Investition lohnt oder ob das nur dazu führt, dass man permanent vorm Fernseher hängt;).

    Hallo Tom,


    die erste habe ich verpasst, und in der ARD-Mediathek war sie bei uns leider nicht abrufbar. Anders als Staffel 2, die kann man anscheinend nun auch im Ausland anschauen. Klappt das, oder sollte man die erste Staffel besser auch kennen, bevor man sich die zweite ansieht?


    Liebe Grüße

    Anja

    "fand" ist richtig.

    finden - fand - gefunden. Es ist ein unregelmäßiges Verb, das folgt nicht immer der Logik und man kann die Vergangenheitsform hier auch nicht (immer) analog zu der eines anderen unregelmäßigen Verbs bilden.

    Glaube ich zumindest mal.

    Hallo Tom,


    da gebe ich Dir zwar recht mit Deinen Äußerungen zur Empathie. Aber ... alles könnte ich nicht. Beziehungsweise in alle Menschen könnte ich mich nicht hineinversetzen. Zum Beispiel nicht in Techno-Fans. So wie Du Dich vielleicht nicht in Klassikhörer hineinfühlen kannst (ist aber nur eine Vermutung).


    Gerade bei Musik setzt meine persönliche Empathie völlig aus. Was fühlt jemand, der sich Sachen anhört, die für mich allenfalls als Urlaute durchgehen würden, aber nicht mehr als Melodie? Oder für den Musik gar nicht hart und aggressiv genug klingen kann, obwohl er oder sie selber gar nicht aggressiv ist, die Musik also gar nicht als Katalysator einsetzt?


    Aber das wäre eigentlich ein ganz eigener Thread, ich finde es nur gerade interessant.

    Hallo Felix,


    ich komme ja ursprünglich aus Norddeutschland. Aber "weißeln" finde ich ganz normal. Ich glaube, das schreibt auch Max Frisch in "Andorra", aber gut, der Mann war Schweizer, vielleicht ist es da auch üblich.


    Eine andere schöne dialektale Form ist "haltet" statt "hält". Sagt mein Sohn immer. "Der Zug haltet dort nicht" / "Der Nagel haltet das Bild nicht." etc.


    @Jo: Ich leiste hiermit Abbitte. Mit dem Schwäbischen kenne ich mich so gut wie gar nicht aus. Aber klar, es gehört ja auch zu den oberdeutschen Mundarten.

    Hallo Felix,


    ein bisschen off-topic, aber trotzdem: Kommst Du aus Österreich?

    Wenn Du die Frage beantwortet hast, verrate ich Dir auch, wieso ich gefragt habe:).

    Hallo Tom,


    von dem Buch habe ich zwar schon gehört und auch mal hineingelesen. Aber es hat ja eine ganz andere Ausrichtung. Die Autorin ist aus der Gemeinde in Williamsburg geflüchtet und erzählt natürlich sehr kritisch über die Lebensweise der chassidischen Juden.


    Was mich an den beiden Romanen fasziniert, ist, dass sie die Perspektive "von innen" einnehmen: Es wird beim Lesen natürlich klar, dass die Frauen dort nach strikten Rollenvorgaben leben, und ich könnte nicht sagen, dass ich selber mir so ein Leben vorstellen könnte. Aber die Figuren der Romane leben in dieser Gemeinschaft. Das Frauenbild dort wird nicht schöngeredet oder als vorbildhaft dargestellt, und auch in diesen Geschichten klingt bisweilen eine Distanz an. Aber die Bücher sind keine "Abrechnungen" mit diesem Lebensmodell.

    Der Blick in den Romanen von Harris und Goldbloom überlässt es den Lesern zu entscheiden, wie sie über diese Gemeinschaft denken wollen. Man spürt aber auch, dass diese orthodoxe Religionspraxis vielen Mitgliedern einen Halt gibt. Gleichzeitig gibt es aber gerade im Roman von Harris eine Figur, die nicht in die orthodoxe Gemeinde hineingeboren wurde und die auch wieder in Distanz zu ihr tritt. Mehr möchte ich über ihre Entwicklung aber nicht verraten, falls sich jemand das Buch kaufen will.


    Die chassidischen Juden erinnern mich ein bisschen an die Amishen. Ich möchte so nicht leben. Darüber zu lesen, finde ich aber sehr interessant. Entscheidend finde ich auch, dass zumindest Frau Harris selber keine orthodoxe Jüdin ist. Goldie Goldbloom gehört der Gruppe sogar an, scheint sich aber über einige Statuten hinwegzusetzen.

    Chani ist neunzehn Jahre alt, ihr Bräutigam Baruch Levy kaum älter. Bisher haben sie sich erst drei Mal gesehen, sich noch nie berührt. Denn in der orthodoxen jüdischen Gemeinschaft, der beide angehören, herrschen strikte Regeln.


    Dieser Roman aus dem Jahr 2015 ist der erste und, wenn ich mich bei meiner Suche nicht hoffnungslos dumm angestellt habe, auch der bisher einzige von Eve Harris. Leider. Denn am Ende wünscht man sich, die Geschichte möge weitererzählt werden.


    Die Geschichte spielt im London unserer Gegenwart, als Rahmen dient die Hochzeitszeremonie und in Rückblenden erzählt die Autorin aus dem Leben der unterschiedlichsten Figuren: Man lernt Chani als eine selbstbewusste junge Frau kennen, die sich in den Riten und oft strengen Regeln ihrer Religionsgemeinschaft wohl und aufgehoben fühlt, die aber doch einiges in Frage stellt. Darin gleicht sie ihrem zukünftigen Mann. Die beiden werden sich, so hofft man am Ende, zusammenfinden, vielleicht werden sie einander im Laufe der Zeit wirklich lieben, vielleicht werden sie einfach nur eine Ehe führen, die von denselben Wertvorstellungen zusammengehalten wird. Vermutlich aber wird mehr aus diesem Paar als eine reine Ehegemeinschaft auf der Basis religiöser Gesetze.


    Chani und Baruch sind aber nur eines der Paare, von denen Eve Harris erzählt. Die beiden werden in eine unbekannte Zukunft entlassen. Zugleich schildert die Autorin aber auch andere Lebenswege innerhalb dieser orthodoxen und damit stark in sich geschlossenen Gruppe. Da ist zum einen Rebecca, die sich vor Jahren aus Liebe zu ihrem Mann dem orthodoxen Zweig angeschlossen hatte und die nun an ihrer Ehe und dem gesamten Lebenkonzept zu zweifeln beginnt. Als Rebbetzin, als Frau eines Rabbis, begleitet sie Chani durch die Ehevorbereitungen. Da ist Rebeccas Sohn, der sich in eine nicht-jüdische Mitstudentin verliebt.


    Harris gewährt in diesem Roman Einblick in eine Welt, die den meisten Menschen völlig fremd ist. Sie tut das mit viel Respekt, erzählt eine mal traurige, mal humorvolle Geschichte. Und sie erschafft Figuren, deren Schicksal mich noch lange nach der Lektüre beschäftigt haben.


    Übrigens: Erst in diesem Jahr ist ein weiterer Roman erschienen, der eine „Innenansicht“ der jüdisch-orthodoxen Gemeinde schildert. „Eine ganze Welt“ von Goldie Goldbloom spielt im New Yorker Stadtteil Williamsburg. Auch hier leben die chassidischen Juden in einer eigenen, in sich geschlossenen Welt. Surie, die Hauptfigur dieses Romans, erfährt mit 57 Jahren, dass sie noch einmal schwanger geworden ist, gleichzeitig kommt demnächst ihr erstes Urenkelkind zur Welt. Surie muss ihre Schwangerschaft verstecken, zu spät erwartet sie dieses Kind, eine Frau nach den Wechseljahren hat in ihrer Gemeinschaft schlicht keinen Sex mehr. Die Schwangerschaft würde sie und ihre Familie um ihr Ansehen bringen. Nicht einmal ihrem Mann erzählt sie davon.


    Beide Bücher zusammen ergeben eine schöne Kombination. Auch diesen Roman habe ich gerne gelesen, mir persönlich hat allerdings „Die Hochzeit der Chani Kaufman“ besser gefallen.

    Ich habe mir diesen Roman als Hörbuch angehört und bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Klar liefert Fitzek hier keine hohe Literatur, an dem Anspruch möchte er aber auch gar nicht gemessen werden, und darum messe ich ihn daran auch gar nicht erst.


    Zu Beginn finde ich das Buch sogar recht spannend, damit erfüllt es genau den Zweck, den sein Autor beabsichtigt. Probleme habe ich allerdings mit der Figur des Antagonisten. Das Buch ist an sich (auch wenn es gar nicht als solches deklariert wird) der dritte Teil einer Trilogie mit immer demselben Widersacher. Und genau der ist ... in allem zu viel: zu grausam, zu psychisch abgedreht, zu böse. Es fehlt ihm dabei allerdings an Charme und an der Größe eines Hannibal Lecter, mit dem ja immerhin auch drei Romane gefüllt wurden.


    Der Rest des Romans ist vertrautes Handwerk, wie Fitzeks Leser es erwarten. Und damit ist "Playlist" in Ordnung. Handwerk eben. Kann man lesen/hören, wenn man einfach nur abschalten und sich über das Gelesene/Gehörte nicht weiter Gedanken machen möchte. Denn zu letzteren regen weder die Figuren noch die Handlung an. Man liest es und vergisst es gleich wieder, hat sich aber ein paar Stunden ganz nett unterhalten.


    Grundsätzlich mag ich auch im Spannungsgenre subtilere Romane lieber. Aber wenn man sich auf Fitzek einlässt, weiß man, was man hören wird. Nicht weniger. Aber natürlich auch nicht mehr.

    Danke Euch beiden,


    Das ist ein sehr netter Verlag, HD. Angenehme Zusammenarbeit. Von alchemistischen Umtrieben haben wir nichts gemerkt;).


    Ich habe mir die Ränge noch gar nicht angeschaut, mache ich eigentlich nie. Aber 42 ... das ist doch mal was!