Ein Lektor erzählt (SpOn)

  • So isses. Punkt.
    Ob das in gewissen Kreisen gern gelesen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln. Dort wird man sagen: Da sieht man mal wieder die Arroganz der Lektoren! :rofl
    Und weil der Typ eben keine Ahnung hat und mit seiner elitären Verlags-Verbohrtheit so viele große Romnciers an der Veröffentlichung ihrer bahnbrechenden Elaborate hindert, blüht die dumpfe pseudoliterarische Subkultur wuchernd auf, suhlt sich im wachsenden Sumpf der Selbst- und Alternativveröffentlicher, prostituiert sich für 99 Ct pro Buch und will all das, was der Lektor da sagt, nicht wahrhaben.

  • Einerseits ja.


    Andererseits: Wer zum ersten Mal veröffentlicht, muss ein fertiges Manuskript vorweisen können, sonst hat er a priori schon mal keine Chance.


    Und wer sagt dem Autor, der da vor sich hin schreibt, rechtzeitig, ob er das, was er tut, kann oder nicht? Natürlich wollen viele schreiben, ohne es zu können. Aber woher sollen sie das denn wissen? Ich denke, wenn man selber zu denen zählt, die es "geschafft" haben, dann ist es leicht, sich über die zu erheben, die es nicht können und nicht schaffen.


    Problematisch sind meiner Ansicht nach nicht die vielen selbsternannten Autoren, sondern diejenigen, die auch später nicht wahrhaben wollen, dass sie sich verrannt und etwas versucht haben, das ihnen nicht liegt. Und da setzt dann auch das Problem des Selfpublishing ein: Denn inzwischen kann eben jeder in irgendeiner Form veröffentlichen. Aber auch da gibt's ein Andererseits: Denn ich denke, auch dieser Markt reguliert sich von alleine. Die Leser sind ja nicht doof und lesen alles. Sie legen auch E-Books einfach weg. Und wenn nicht, also wenn sie tatsächlich superschlechte Romane, die eigentlich gar nicht mehr "Romane" genannt werden dürften, lesen, weil sie ihnen gefallen, ja, dann muss man das wohl hinnehmen. Aber ich denke eben, dass diese Entwicklung gar nicht eintreffen wird.

  • Problematisch sind meiner Ansicht nach nicht die vielen selbsternannten Autoren, sondern diejenigen, die auch später nicht wahrhaben wollen, dass sie sich verrannt und etwas versucht haben, das ihnen nicht liegt.

    Genau das ist der Knackpunkt, Anja, da stimme ich dir absolut zu. Ich wollte auch keinesfalls das SP-Fass hier wieder aufmachen, sondern lediglich den Zusammenhang dieser beklagenswerten Entwicklung mit den Statements des Verlagslektors aus dem Link herausstellen. Ich "erhebe" mich damit über niemanden, sondern stelle nur die Folgen dar, die heute eben technisch möglich geworden sind - natürlich satirisch überspitzt, wie ich es gern tue, um ein bisschen zu polarisieren.

  • Der Bericht gibt Verlagsrealität wieder. Da ist nicht dran zu rütteln. Die Suche der Lektoren nach brauchbaren und vermarktbaren Autoren auf der einen Seite, die Flut von Autoren und Manuskripten (manchmal beides in Kombination ;) ) auf der anderen Seite. Das man eine Strategie entwickeln muss, nicht zu viel Zeit zu vertun um trotzdem (oder gerade) erfolgreich zu sein, beschreibt der Lektor, in dem er seinen Filter wiedergibt. Unterschlagen wird dabei, dass an den "Grenzen des Sichtfelds" manches nicht bemerkt wird. Trends und Bestseller werden nämlich oft nicht über diesen geraden Weg in den Verlagen gemacht sondern finden außerhalb statt. Nachdem die meisten abgewunken haben findet dann ein Autor mit seinem Buch doch noch einen Platz und hat nicht nur Erfolg sondern überragenden Erfolg. Passiert immer wieder. Man kann das auch kaum steuern.


    @Didi

    Zitat


    Und weil der Typ eben keine Ahnung hat und mit seiner elitären Verlags-Verbohrtheit so viele große Romnciers an der Veröffentlichung ihrer bahnbrechenden Elaborate hindert, blüht die dumpfe pseudoliterarische Subkultur wuchernd auf, suhlt sich im wachsenden Sumpf der Selbst- und Alternativveröffentlicher, prostituiert sich für 99 Ct pro Buch und will all das, was der Lektor da sagt, nicht wahrhaben.


    Das, was der Artikel über den Bericht des Lektors widergibt, ist keineswegs elitär, sondern realitätsnah. Elitär sind solche plakativen und diskriminierenden Äußerungen, wie du sie hier nicht zum ersten Mal wiedergibst.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • … natürlich satirisch überspitzt, wie ich es gern tue, um ein bisschen zu polarisieren.


    Satire ist in deinen Äußerungen nur mit äußerster Mühe und allem guten Willen, den man noch finden kann, zu erkennen.

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  • Hallo, Anja.


    Zitat

    Und wer sagt dem Autor, der da vor sich hin schreibt, rechtzeitig, ob er das, was er tut, kann oder nicht?


    Da kann man ein Orakel befragen. Wirf fünfzig Würfel in die Luft. Wenn alle so landen, dass sie Sechsen zeigen, kannst Du's. :evil


    Spaß beiseite. Diese Äußerungen sind ja nicht neu. Wir alle sollten wissen, dass - wohlmeinend geschätzt - eines von tausend unverlangt eingesandten Manuskripten zur Veröffentlichung kommt, wir alle wissen, dass strunzdoofe Anschreiben, beigelegte Coverentwürfe, Hinweise auf die Begeisterung der Großeltern und ähnliches zur Disqualifikation führen. Wir alle wissen, dass es größeren Verlagen nur darum geht, Bücher zu veröffentlichen, die mehr Leute interessieren, als in eine Telefonzelle passen. Wir alle wissen, dass es interessante und uninteressante Genres gibt, gute und schlechte Themen, langweilige und inspirierte Geschichten. Wir alle wissen auch, dass es unterschiedliche Arten von Verlagen gibt, und zusätzlich andere Wege, um mit Texten zu reüssieren, wenn man das denn unbedingt will.


    Es gibt Wettbewerbe und Poetry Slams, es gibt Autorenforen und Lesergemeinschaften, die sich als Testleser anbieten. Es gibt Bücherregale, die vollgestopft mit erfolgreichen Büchern sind, die allesamt die Chance bieten, sich zu vergleichen. Es gibt zehntausend Möglichkeiten, um herauszufinden, ob man das kann, was man zu können glaubt. Und es gibt - wie im Text genannt - Dinge, die man einfach nicht tun sollte. Die Lebensgeschichte des Onkels aufschreiben. Noch einen Sexdrogencomingofageroman verfassen, weil das so lässig ist. Bevorzugt, ohne je irgendwas davon erlebt zu haben.


    Das Problem ist, dass es hier um einen "Wettbewerb" ohne Abstufungen geht. Wenn ich einen Leistungssport betreibe, darf ich erst bei den Landesmeisterschaften antreten, nachdem ich Jahre des Trainings und hunderte anderer Wettbewerbe absolviert habe. Wer schreibt, schreibt eben oft einfach fertig und schickt das Zeug sofort an/in die erste Liga. Dass die sich für 99,99 % der Einsendungen nicht interessiert, liegt bei dieser Vorgehensweise in der Natur der Sache.

  • Aber das schaffst du, Horst-Dieter, da bin ich absolut sicher. :rofl


    Manchmal mehr, manchmal weniger ;)


    In diesem Fred - auf die sich meine Bemerkung bezog - eher weniger.

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  • Ein gutes Anschreiben ist ganz simpel, darin muss nur stehen, an welchen Schreibwerkstätten der Autor teilgenommen, wo er schon publiziert und welche Preise er gewonnen hat.


    :oo)

  • Dieses Lamento vermischt aber auch munter die Begriffe Qualität und Quantität. Und die verhalten sich bekanntermaßen meistens diametral, je massiger, desto Bild... Man schaue zB. nur in die Rubrik "Meistgeladene E-Books" der Welt. Da sagt der Titel schon alles, über den komme ich schon nicht hinaus. Und sowas schreiben zu müssen oder als Lektor weiter zu winken, das grenzt an Prostitution. Von diesem Grat eine breite Leserschaft zu erreichen und trotzdem eine Qualität zu wahren, darüber berichtet er nichts, und das disqualifiziert ihn für mich ein bisschen.


  • Ich hätte gerne den Jack, wenn ich darf 8-)

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  • Ich wäre jetzt eher auf Waldorf und Statlergekommen.


    Von denen will ich den grünen 8-)

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