Mein Leben in zwei Welten

  • Hier stellt man also seine Bücher vor.


    Dann mache ich das auch mal, obwohl mein Buch ja schon ein Jahr alt ist. Ihr könnt es hier finden:



    ASIN/ISBN: 342324657X


    Vielleicht sollte ich einen kleine Auszug hier einstellen:


    Wortfluss


    Wie kam ich nur an diese Stelle? Den Stift in der Hand schienen die Worte auf dem Zettel vor ihm zu fließen, ja zu zerfließen. Die Worte zerrannen ihm zwischen den Fingern, tropften auf das Blatt vor ihm, um es zu tränken in dem Saft der ihm entzogen wurde. Es war als sei es sein Lebenssaft, in dem dieses fette Stück Papier langsam und mit einem gewissen Genuss aufquoll. Die Worte auf dem Blatt schienen sich langsam zu bewegen, so als wollten sie sich Luft machen. Erst stießen die ersten Buchstaben leicht an den Rand ihrer Bedeutung, dann erhob sich ein I Tüpfelchen und versuchte mit einem kurzen Sprung vom Blatt zu entkommen. Jetzt geriet das ganze Wort in Bewegung und es entwickelte sich immer schneller und schneller eine Eigendynamik. Das erste Wort fing an zu schwingen und dabei hatte man den Eindruck, dass allmählich auch das Blatt Papier mitschwang. Jetzt erreichte die Welle, die von dem ersten Wort ausgegangen war, das zweite Wort. Auch dieses begann sich unvermittelt in Bewegung zu setzten. Es war ein Hüpfen, ein Räuspern, ein Klagen, ein Stoßen, ein Zupfen, ein Schwingen. Es kam immer mehr ins Schwingen. Nach und nach sah man wie sich eine Ecke des Blattes eselsohrengleich in Bewegung setzte, ein erster Knick war schon geschafft. Das Schwingen wurde heftiger. Die Tinte, die eben noch die Worte geschrieben hatte, geriet in Wallung Sie schwenkte und schwappte immer doller und da war es passiert: Ein Tropfen löste sich vom Blatt und stürzte unaufhaltsam mit vollem Schwung sogleich über den Rand des Tisches. Vom eigenen Schwung in Schach gehalten sauste es zum Boden des Zimmers. Der Tropfen beschleunigte sich wie eine Kugel Blei, die aus einer Kanone direkt nach unten gefeuert wurde. Und in dem Ersinnen, jeden Moment die Schallmauer zu durchbrechen, schlug es mit unvermittelter Wucht in den massiven Holzboden ein. Der Boden des Zimmers erzitterte heftig.


    Die Dynamik der Worte, ihr Streben sich selbst Luft zu machen wurde immer begehrlicher und sie begannen allmählich und mit ihrer ganzen Kraft die Fesseln zu sprengen, die ihnen dieses Blatt so unnatürlich auferlegt hatte. Die ersten Worte versuchten jetzt frei zu kommen und zu fliehen in die Welt. Dieses heftige Bestreben blieb natürlich nicht lange unbemerkt. Schon horchten die ersten Worte, die gerade aus dem Radio kamen auf und bemerkten, dass sich dort auf dem Blatt etwas tat. Nachdem sich diese neuen Worte nun kurz beratschlagt hatten, gesellten sie sich schleunigst zu den frischen Worten auf dem Blatt, um sich mit diesen zu vereinen zu etwas Neuem, ja ganz anderem und doch viel Größerem. Ein Gedanke, der sich mit Geduld und Würde langsam fasste und sich im nächsten Moment schon verdünnisierte um sogleich im Hirn des fast vergessenen Schreibers mit ganzer Fülle aufzutauchen und sich breit zu machen.


    Geboren und gezeugt von dem Kampfesgeist der frischen Wörter vom Blatt und der Leichtigkeit jener aus dem Radio war dieser Gedanke gefasst in einen Rahmen, der ihn einen Siegeszug antreten ließ der seines gleichen suchte. So kühn und wild er war, so gänzlich neu und von Wahrheit nicht befangen suchte er sich seinen Weg im Dickicht der Gefühle und Gedänkchen, die hier wohl zu Hause waren. Diese hatten in all Ihrer Fülle doch nicht viel dem entgegenzusetzen und wurden flugs vereinnahmt und zu treuen Vasallen dieses Neuen Gedankens gemacht.


    Die Herrscher, hier im Reiche der Gedanken, wurden alsbald aufmerksam auf diesen Neuling und versuchten ihn gar aufzuhalten. So geschah es denn, dass der große Wahrheitswächter mit seinen Truppen zu den Waffen gerufen wurde, um sich dem Fremdling mit all der Pracht und dem Glanze seiner Rüstung entgegenzustellen auf das dieser von ihm abpralle. Und so geschah es.


    „Alles Quatsch“ schrie ich, und warf mit einem kurzen aber kraftvollen Schwung die Feder zu Tisch.


    Er wurde also aufgehalten dieser Eindringling, und alles war so schnell gegangen, wie es gekommen war. Doch die vielen, kleinen Gedänkchen, die ihm nachgelaufen waren, die waren jetzt allein gelassen. Sie trollten sich, doch nur in dem Gedanken, und der Hoffnung, dass dieses Hochgefühl sich alsbald wieder einstellen würde.




    Oder den Link zu einer Kritik:


    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/801922/



    So, jetzt aber genug der Selbstbeweihräucherung. Haut mir Eure Komentare um die Ohren


    Liebe Grüße,


    Bert

  • Das hört sich sehr interessant an.
    Meinen Glückwunsch zur Veröffentlichung und viel Erfolg mit dem Buch.
    Nicht nur, damit es in deinem Geldbeutel klingelt sondern auch, weil mehr
    Aufklärung über diese Erkrankung wünschenswert ist.

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • Zitat

    Original von Bert
    „Alles Quatsch“ schrie ich, und warf mit einem kurzen aber kraftvollen Schwung die Feder zu Tisch.

    (Heraushebung von mir)


    Hallo, Bert,


    das ist ganz sicher ein wichtiges Buch. Ich wünschte, es hätte ein besseres Lektorat erfahren. Aber das ist Sache des Verlags, sage ich mal.


    Dir als Autor kann ich nur gratulieren: Zum Buch - und noch mehr zu Deinem Mut, das Thema nicht nur anzugehen, sondern es auch durchzuhalten.
    :anbet


    Alles Gute auf dem Buchmarkt - Dir und Deinem Buch,


    blaustrumpf

  • Hi Bert!


    Gratulation zur Buchveröffentlichung und vor allem zu deinem Mut, mit einem derart persönlichen Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. :blume
    Ich wünsche dir viel Erfolg damit!


    Zitat Blaustrumpf:

    Zitat

    das ist ganz sicher ein wichtiges Buch. Ich wünschte, es hätte ein besseres Lektorat erfahren. Aber das ist Sache des Verlags, sage ich mal.


    Sehe ich leider ebenso. :rolleyes


    Lieben Gruß,
    Manuela :)

  • Zitat

    Original von Petra


    Doch ne Würstchenbude ...?


    Das bei renommierten Verlagen immer ein gutes Lektorat stattfindet, ist auch ein Mythos. Aber die Chance, dass man ein gutes Lektorat bekommt (oder überhaupt eines) ist um ein wesentliches größer, als bei DKZV.


    Und dann muss man auch die Kirche im Dorf lassen. Ich kenne das hier vorgestellt Buch jetzt nicht im Detail. Aber ein Buch 100%ig fehlerfrei zu bekommen ist so gut wie nicht möglich. Und wenn es sich nur um vereinzelte Fehlerchen handelt, dann ist das kein Beinbruch. Die sind für die Leser - damit sie auch noch was haben. :D Und die sind lediglich beim Korrektorat untergegangen. Das Lektorat hat ja noch mehr zu tun. Wenn Lektor und Lektorin nicht auch inhaltlich hinschauen, verdienen sie ja diese Bezeichnung nicht.


    Wenn also Blaustrümpfle und Manuela hier so vorschnell über schlechtes Lektorat meckern, dann sollten sie das näher erläutern. EIN Fehler ist für mich noch kein Beleg.


    Ein wirklich schlechtes Lektorat habe ich in dieser Rezension gezeigt.


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Zitat

    Wenn also Blaustrümpfle und Manuela hier so vorschnell über schlechtes Lektorat meckern, dann sollten sie das näher erläutern. EIN Fehler ist für mich noch kein Beleg.



    Lieber Horst-Dieter!


    Ich kenne nur den hier vorgestellten Leseausschnitt. Mag sein, dass es sich bloß um Tippfehler beim Übertragen handelt, dann mag ich nichts gesagt haben ... aber wenn nicht ... dann liegt es wohl am Lektorat. Von dem zu Tisch abgesehen gibt es vermeidbare Wortwiederholungen, Kommafehler, zwei Fehler betreffend Groß- und Kleinschreibung, einen in Getrennt- und Zusammenschreibung, und, wenn nicht so beabsichtigt, Perspektivbrüche. (siehe PN)


    Den Text an sich fand ich toll und lesenswert. Das möchte ich schon sehr deutlich zum Ausdruck bringen!


    Lieben Gruß,
    Manuela :)

  • Zitat

    Original von Horst Dieter
    Das bei renommierten Verlagen immer ein gutes Lektorat stattfindet, ist auch ein Mythos. Aber die Chance, dass man ein gutes Lektorat bekommt (oder überhaupt eines) ist um ein wesentliches größer, als bei DKZV.


    Da stimme ich Dir gerne zu.

    Zitat

    Original von Horst Dieter
    (...) Wenn also Blaustrümpfle und Manuela hier so vorschnell über schlechtes Lektorat meckern, dann sollten sie das näher erläutern. EIN Fehler ist für mich noch kein Beleg.
    (...)


    Klar, Meckern muss vorschnell sein, damit es auch so richtig gut einzuordnen ist. Und ja, EIN Fehler macht noch kein schlechtes Lektorat.


    Aber für mich ist es eben auch Aufgabe eines Lektorats, nicht nur unvernittelte Perspektivwechsel ("ich" im ersten Satz des von Bert gesetzten Auszugs, "er" im weiteren Verlauf) eher kritisch zu behandeln, sondern unter anderem auch Wortwiederholungen, wenn sie das Ganze nicht "verdichten". Beispiel?

    Zitat

    Original von Bert
    Wie kam ich nur an diese Stelle? Den(fehlt im Weiteren schlicht ein Komma oder ist das hier der falsche Fall?) Stift in der Hand schienen die Worte auf dem Zettel vor ihm zu fließen, ja zu zerfließen. Die Worte zerrannen ihm zwischen den Fingern, tropften auf das Blatt vor ihm, um es zu tränken in dem Saft der ihm entzogen wurde. (...)


    Nota bene, es geht mir nicht darum, diesen Auszug herunterzumachen. Ich wünsche Bert, dass er ein Lektorat gefunden hätte, dass diesen Namen verdient. Wer einen Text selbst schreibt - und mitten in dem steht, was er beschreibt -, dem fehlt, meiner Meinung nach, schlicht ein bisschen die Distanz zum Text. Da wird es dann schwierig, Stolperfallen überhaupt wahrzunehmen - der Autor/die Autorin weiß ja, was gesagt werden soll.


    Dass es sehr viel eindrucksvollere Beispiele eines schlechten (oder gar nicht stattgefundenen) Lektorats gibt, macht mein Problem mit dem von Bert vorgestellten Buch nicht geringer. Gut, ich bin als Kind in die Buchstabensuppe gefallen, vielleicht sind meine Ansprüche schlicht zu hoch.
    :)

  • Zitat

    Original von blaustrumpf


    Nota bene, es geht mir nicht darum, diesen Auszug herunterzumachen. Ich wünsche Bert, dass er ein Lektorat gefunden hätte, dass diesen Namen verdient. Wer einen Text selbst schreibt - und mitten in dem steht, was er beschreibt -, dem fehlt, meiner Meinung nach, schlicht ein bisschen die Distanz zum Text. Da wird es dann schwierig, Stolperfallen überhaupt wahrzunehmen - der Autor/die Autorin weiß ja, was gesagt werden soll.


    Wenn der hier eingestellte Text durchs Lektorat gegangen ist, habt ihr - du und Manuela - sicher recht. Bert könnte das aufklären.


    Aber deshalb meine ich, war die Kritik etwas vorschnell. Vielleicht auch meine ;)


    Horst-Dieter


    PS: Und das mit den Perspektivwechseln - bei diesem Thema - das könnte auch Absicht sein. Kann auch nur Bert bestätigen oder bestreiten …

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Hallo zusammen,


    ich glaube jetzt ist mein Beitrag hier gefordert. Bevor ich mich zu den fielen Vehlern und dem Lektorat äußere, möchte ich mich erstmal bei allen für die Glückwünsche und die positive Kritik bedanken. Das ist super und baut einen echt auf.


    Zu dem "schlechten Lektorat:"


    Erstmal muss ich sagen, dass nach dem Beitrag von Horst Dieter und den vielen Fehlern die Manuela und Blaustrumpf entdeckt haben, bei mir Zweifel aufkommen, ob das wirklich die endgültige Fassung war. Wenn man ein Buch schreibt, entstehen auf dem Computer leicht mal manigfaltige Versionen, wobei man die endgültige dann oft nicht mal als Word Dokument hat. Ob es sich um einen solchen Fehler handelt, muss ich in aller Ruhe in den nächsten Tagen prüfen. ?(


    Zweitens ist es leider so, dass ich als Kind nicht in die Buchstabensuppe gefallen bin, sondern eher in die Formelsuppe. Das ich auch jetzt noch ein absoluter Schreibanfänger bin, erlebe ich jeden Tag und ihr werdet es wahrscheinlich am Sonntag in meinem BT selber lesen können. Als ich mein erstes Buch geschrieben habe, hatte ich weder von Rechtschreibung und Zeichensetzung, noch von Stil, Perspektiven und ähnlichem eine Ahnung. Ich hoffe, dass sich das langsam bessert. Ansonsten bin ich doch nur ein hoffnungsloser Legastheniker :bonk


    Das ganze hätte durch ein besseres Lektorat behoben werden können! Stimmt zum Teil. Uns ist in den Kritiken zu diesem Buch oft schlechter Stil und einmal sogar direkt schlechtes Lektorat vorgeworfen worden. Kann also sein, aber meine Lektorin hat dazu eine spezifische Meinung und zwar die, dass sie nicht alles wegkorrigieren wollte, was zum Teil schlechter Stil aber zum Teil auch Ausdruck meiner Krankheit ist. Sie legte bei dem Buch viel Wert auf Authentizität. Ob ihr dieser Spagat gelungen ist, darüber kann man streiten. Aber zumindest würde ich nach diesem einen Beispiel weder aus meiner Lektorin ein Würstchen, noch aus dem dtv eine Würstchenbude machen. Mir kam sowohl das Lektorat als auch der gesamte sonstige Prozess (Marketing etc.) sehr professionell vor. Allerdings habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. :auslach


    Aber vielleicht noch eine kurze Erklärung zu der Schizophrenie: Bei der Schizophrenie erleben die davon Betroffenen schrecklichste geistige Zustände, die man etwas einfach auch als das Verrauschen von Information bezeichnen könnte. Sie bewegen sich auf eine Schwelle zu, an der in ihrem Denken, aber auch in ihrer Sprache, immer mehr Fehler entstehen. Dies geht soweit, dass, wenn man jenseits dieser Schwelle ist, die Information komplett verrauscht ist und kein Sinn mehr in dem Gesagten zu erkennen ist. Dieses inhaltliche Verrauschen von Information spiegelt sich natürlich auch in der Form wieder. Die exemplarisch von mir eingestellte Szene beschreibt den inneren Prozeß von jemand, der genau an dieser Schwelle ist. Da stellt sich dann die Frage, ob im Moment des Wahnsinnig werdens grammatikalisch korrekte Sätze zum Inhalt passen. (Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich auch jetzt noch keine Ahnung von Grammatik und Stil habe. ) Ist sicher eine schmale Gratwanderung und ich müsste selber mal überprüfen, ob denn am Anfang des Buches weniger Fehler auftreten (als ich noch normal bin) als später (während der verrückten Phase). :bruell


    Ich hoffe, dass diese Äußerungen etwas mehr Klarheit bringen.


    Liebe Grüße,


    Bert

  • Zitat

    Original von Bert
    Uns ist in den Kritiken zu diesem Buch oft schlechter Stil und einmal sogar direkt schlechtes Lektorat vorgeworfen worden. Kann also sein, aber meine Lektorin hat dazu eine spezifische Meinung und zwar die, dass sie nicht alles wegkorrigieren wollte, was zum Teil schlechter Stil aber zum Teil auch Ausdruck meiner Krankheit ist.


    (Uns?)


    Kann zwar jetzt jeder sagen, aber genau das habe ich mir auch gedacht. Da ich das Buch (noch) nicht gelesen habe, wollte ich mir dazu kein Urteil erlauben. - Würde mir allerdings einleuchten.

  • Ja, Bert, das ist natürlich eine Gratwanderung.


    Ein Problem sehe ich darin, dass Dein Publikum ja nicht in Deinen Kopf hineinsehen kann (oder gar drinsteckt, auch wenn das bei einer Schizophrenie eventuell tatsächlich so erlebt wird). Ein Buch ist - wie ein Film - ein Medium: Es vermittelt mir etwas. Es stellt mir nicht den Schizophrenen neben meinen Lesesessel, sondern sorgt - hoffentlich - dafür, dass mein Geist sich auf den Weg in die Lebenswelten des Schizophrenen machen kann. UND es sorgt - hoffentlich - dafür, dass mein Geist sich dort auch zurechtfinden kann.


    Touristen sind in den allermeisten Ländern durchaus beliebt. Und damit die Touristen auch etwas verstehen vom Land, sind eine ganze Menge Dinge für Einheimische auf völlig überflüssige Art und Weise beschildert und vielleicht sogar erklärt. Und diese Beschilderung ist eben zumeist auch in einer Sprache/Schrift gehalten, die die Touristen verstehen können. Es ist also ein schöner Ansatz, statt der Ruine der Großen Mauer in China beispielsweise die Zersplitterung der Wahrnehmung und das Zerfallen der Sprache darstellen zu wollen. Aber wenn sich das zwar der Sprache des Publikums bedient, die gewünschte Aussage jedoch nur durch erheblichen Eigeneinsatzes ebendieses Publikums herstellen lässt, was dann? Mit anderen Worten: Zuweit weg vom so genannten "Normalen" (weil vom touristischen Publikum Gewohnten) bringst Du ebendieses Publikum, das touristische, nicht nur darum, sich wirklich mit der Sache beschäftigen zu können - eventuell nimmst Du ihm irgendwann überhaupt auch den Willen, ebendas zu versuchen. Klingt dramatisch? Kann es auch sein, wenn das Resultat dann beispielsweise negative Kritiken sind, die sich am "Wie" festbeißen und so gar nicht zum "Was" vordringen.


    Der Ansatz Deiner Lektorin "Nicht zuviel wegnehmen vom Ursprünglichen" ist durchaus lobenswert. Meiner Meinung nach hat sie zuwenig des Guten getan. Ich habe nichts gegen Perspektivenwechsel, beispielsweise. Aber sie müssen für mich, die ich ja ohnehin eine ganz andere Perspektive habe, nachvollziehbar sein - und sei es dadurch, dass sie mehrmals hintereinander auf eine Art geschehen, dass ich irgendwann kapiere, aha, das ist gewollt, das ist Stil, das will mir durch sich selbst etwas sagen.


    Ich wünsche Dir, dass Dein Buch sein Zielpublikum erreicht.

  • hallo bert,


    ich habe dein buch gelesen und fand es -- bewegend.


    die perspektivwechsel sind für mich auch nicht wirklich rund, und auch der aufbau holpert für meinen geschmack etwas (zb nachdem man bereits meint, der autobiographische teil sei vorbei und es käme nur noch abschließende theorie, geht die autobiographie auf einmal wieder weiter).


    das schizophrenie-modell am ende finde ich äußerst interessant, könnte sogar brilliant sein, falls es wirklich neu ist und sich was nützliches ableiten lässt (behandlung, vorhersage des verlaufs etc). hast du mal kontakt mit bekannten forschern zu dem thema aufgenommen, versucht, es in der wissenschaft zu publizieren?


    viele grüße,
    michael

  • Hallo Michael,


    freut mich zu hören, dass Du mein Buch bewegend fandest.


    Den Perspektivwechsel zuerst in der ersten und dann in der dritten Person zu schreiben habe ich mir lange überlegt. Aber ich wollte damit die Entpersonalisierung zum Ausdruck bringen, die mit den Hochphasen dieser Krankheit einher geht.


    Auch die Form des Buches sollte angelehnt sein an den Verlauf einer solchen Krankheit. Erst normaler ruhiger Verlauf, dann dramatisiert sich im zweiten Abschnitt alles, bis plötzlich die Information verrauscht und im dritten dann alles abgehackt und durcheinander wirkt. Erst im vierten Teil beruhigt es sich wieder. Der Theorieteil allerdings steht daneben. Das dort noch etwas autobiographisches kommt, sollte nur als Beleg für die These dienen.


    Den Theorieteil habe ich vorab dem Leiter einer Universitätsklinik für Psychiatrie vorgelegt und der hat es so abgenickt. Allerdings ist kein wissenschaftlicher Dialog daraus entstanden. Zwei befreundete Psychologen sind sehr darauf angesprungen, waren geradezu fasziniert von der Theorie. Das ist dann aber auch schon alles. Vielleicht sollte ich mal etwas davon Fachleuten vorlegen. Danke für den Reminder.


    Liebe Grüße,


    Bert

  • Zitat

    Original von Bert
    Den Theorieteil habe ich vorab dem Leiter einer Universitätsklinik für Psychiatrie vorgelegt und der hat es so abgenickt. Allerdings ist kein wissenschaftlicher Dialog daraus entstanden. Zwei befreundete Psychologen sind sehr darauf angesprungen, waren geradezu fasziniert von der Theorie. Das ist dann aber auch schon alles. Vielleicht sollte ich mal etwas davon Fachleuten vorlegen. Danke für den Reminder.


    nichts zu danken. ich würde mir aber mal einem der wichtigen internationalen leute auf dem gebiet schicken. wenn du nicht eh weißt, wer das ist, würde ich hier schauen.


    viele grüße,
    michael

  • Hallo Bert!


    Sorry, ich bin spät dran, aber immer noch dabei, mich durch das Forum zu wühlen und finde diese Vorstellung hochspannend.


    Was das Lektorat angeht. Ich hatte in meinem ersten Roman eine Ich-Form eingebaut und jemand schrieb selbst seine Geschichte auf. Mein Held war aber alles andere als ein Literat, das ganze sollte nach überemotionalen und schlecht verarbeiteten Erinnerungen an menschliche Katastrophen klingen. Da war das hektisch - übereilte, mal zu pathetische, mal zu schwache durchaus ein Stilmittel.


    Mein damaliger Lektor hat nachgegeben, weil wir an nur einem gemeinsam überarbeiteten Absatz gemerkt haben,. dass das Authentische völlig verloren ging.
    Kritik, die deswegen kam, habe ich eher achselzuckend zur Kenntnis genommen. Doch die Frau Autorin kann das besser, nur M. v. Orkney nicht :) Bei dir liegt der Fall ja noch anders.


    Ich werde das Buch auf jeden Fall auf meine to-do-List setzen :)


    AnjaT

  • Sehr mutig. Und sehr spannend. :blume Möcht ich gern lesen, irgendwann. Werd es auch weiterempfehlen, es gibt ja Menschen, die aus diesen oder jenen Gründen mit derlei Themen öfter befasst sind.

    Frau: "Warum müssen Frauen immer still sein?"
    Mann: "Weil sie dann länger schön bleiben."
    (Der Hexer, 1964)