Mehr als schreiben

  • Viele bekannte Autoren sind ja in vielen künstlerischen Bereichen tätig; Stehen auf diversen Bühnen, oder arbeitet nebenher aktiv bei Funk und Fernsehen mit, Singen oder machen dergleichen.
    Schon allein, weil die Kreativität bei vielen droht, überzukochen.


    So ist es z.B. auch bei mir, wenn ich nebenbei bastle, zeichne oder sonstwie die Phantasie fließen lasse. Tatsächlich empfinde ich es als sehr entspannend, mehrere Ventile zu haben, da das Schreiben gerade durch das notwendige Überarbeiten oder auch anpassen oft in echte Arbeit ausartet.


    Wie ist das so bei euch?
    Betreibt ihr nebenbei auch noch kreative Hobbys, oder ist eher das Schreiben das eigentliche Hobby, während ihre euren Brotjob eher als Beruf bezeichnet?

  • Hallo, Galax.


    Viele - auch bekannte - Autoren machen nebenbei noch andere Sachen, weil man mit dem belletristischen Schreiben einfach zu wenig Geld verdient, um davon leben zu können. Man schätzt, dass es so Fensterkreuz mal Pi zweihundert Autoren in Deutschland gibt, die das können, also nur vom Romaneschreiben leben. Die anderen haben noch weitere Jobs oder großzügige Partner. Es liegt m.E. nicht an der überkochenden Kreativität, sondern schlicht am Geld. Irgendwer hat vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren mal gesagt, dass es im Schnitt zehn Jahre ab der ersten Romanveröffentlichung dauert, bis man vom Schreiben leben kann. Ich glaube, diese Spanne ist inzwischen sogar noch länger geworden. Ausnahmen bestätigen undsoweiter.


    So oder so. Falls ich Deine Frage falsch verstanden habe: Ich habe das Schreiben nie als Hobby betrachtet. Ich weiß allerdings auch nicht so wirklich, was das ist, ein "Hobby". Ich kenne Leute, die kuriose Sachen sammeln und damit ihre Freizeit füllen. Das Schreiben war nie eine kuriose Sache, mit der ich meine Freizeit gefüllt habe, sondern eine Profession, in die ich mich hineinzufrickeln versucht habe, weil es keine Ausbildung gibt. Irgendwann hat das dann halbwegs geklappt. Auch ich habe noch ein zweites "Standbein", weil ich allein vom Schreiben nicht leben könnte - und auch nicht wollte. Aber im Hinblick auf Anspruch und Wahrnehmung gibt es keinen qualitativen Unterschied. Einen Ausgleich für überbrodelnde Kreativität brauche ich auch nicht, weil sich die, insofern nötig, nahezu komplett in Texte ventilieren lässt.

  • Ich weiß schon, was du meinst, Galax. Schreiben ist auch für mich eine Profession, ich muss einfach schreiben. Leben kann ich davon nicht. Um meine Familie zu ernähren, arbeite ich als Biologin. Aber das mache ich auch gern.


    Nebenbei sammle ich aber geradezu diverse kreative Hobbies: Rollenspiel (P&P, LARP), Gitarre spielen, Bauchtanz, Klass. Ballett, Häkeln, Stricken, Gärtnern. Und seit neuestem singe ich auch in einer Band. Mal sehen, wie lange die mich ertragen. Das bedeutet aber nicht, dass ich für eins dieser Hobbies jemals das Schreiben aufgeben würde.


    (Gezeichnet habe ich früher auch. Aber Schreiben war effektiver, deshalb habe ich das Zeichnen aufgegeben. Aber die Musik könnte ich nicht komplett aufgeben - in welcher Form auch immer.)

  • "Überkochende Kreativität" kenne ich nicht. Muss ja auch ziemlich peinvoll sein. Brandblasen und so.


    Gnädigerweise ward mir zudem schon früh die Einsicht zuteil, dass ich weder basteln noch zeichnen kann. Ich hatte nur den Eindruck, ein gewisses Talent für das Erzählen spannender Geschichten zu besitzen. Dass dazu allerdings auch ein anspruchsvolles Handwerkszeug gehört, habe ich erst jahrelang lernen müssen - also sowohl diese Erkenntnis als auch besagtes Handwerkszeug selbst.


    Als Hobby hab ich das Schreiben nie gesehen. Ich mach es recht gern, aber es ist Arbeit. Wenn´s gut werden soll, sogar harte Arbeit. Die kann manchmal auch Spaß machen, aber ein Tag auf See bei gutem Wind und auf einem feinen Boot macht mehr Spaß. Mir jedenfalls.


    Was den "Brotberuf" angeht: Brauch ich nicht mehr (hatte nacheinander drei davon). Bin in Rente. :D

  • Lieber Galax,


    für mich ich das Schreiben 2006 zum Hauptberuf geworden. Allerdings könnte ich nicht allein davon leben, sondern habe von Anfang an auf zwei Beinen gestanden: Ich schreibe selbst und ich gebe Schreibkurse.
    Vorher habe ich auch schon geschrieben, musste aber meinen Lebensunterhalt nicht davon bestreiten. Als Hobby hätte ich es dennoch nicht bezeichnet, sondern eher als Teil von mir selbst. Ein Hobby wählt man sich für mein Empfinden bewusst aus, das Schreiben war bei mir schon immer da. Es war so normal, dass ich lange gar nicht darüber nachgedacht habe, was ich da mache. Es war so selbstverständlich wie Zähneputzen. Wenn man hauptberuflich schreibt, ändert sich diese Wahrnehmung etwas und nicht selten steht man unter Zeit- und Erfolgsdruck. Doch die Selbstverständlichkeit es zu tun, ist bis heute ungebrochen.


    Nebenbei (und nur für mich) spiele ich seit vielen Jahren Altsaxophon. Ein Instrument, mit dem man seine Gefühle hervorragend ausleben und Druck ablassen kann. :D Und ja, meine Nachbarn reden noch mit mir. Vielleicht liegt das aber nur an der wirklich dicken, schalldichten Wohnungstür und den Brandschutzwänden.


    Lieber Gruß aus München
    Diana

  • Hallo Galax,


    Was das Schreiben betrifft, gebe ich Didi Recht: Das ist Arbeit, kein Hobby zum Abschalten. Eine Freizeitbeschäftigung war es, solange ich es für die Schublade gemacht habe.
    Und irgendwie mag ich den Begriff "Kreativität" überhaupt nicht. Erstens ist er verdammt abgegriffen, zweitens heißt das doch einfach nur "etwas herstellen".
    Man stellt sich darunter immer so ein inspiriertes, wildes Schaffen vor, dabei heißt es wirklich nur, dass etwas hergestellt, erschaffen wird. Ich weiß nicht, kann man nicht einfach "nur" etwas tun, muss man das immer gleich "kreativ" nennen?


    Aber ich will hier keinen Unfrieden sähen. Mir gehts eher um die Sprache, mit der wir ja alle arbeiten. Und das Wort "Kreativität" sollte man mal eine Weile in die Pause schicken :)


    Was ich neben dem Schreiben, das ja bei mir, wie gesagt, ein Teil meiner Arbeit ist, sonst noch mache: Handarbeiten, Lesen (hm, ist das überhaupt kreativ?). So furchbar viel Zeit habe ich sonst gar nicht mehr, mit Kind und Haushalt und Arbeit.


    Wenn Du übrigens eine Art Universalkünstler suchst, dann schau Dir mal die Biographie meines erklärten Lieblingsdichters E.T.A. Hoffmann an. Bekannt und erfolgreich, und zwar schon zu Lebzeiten, ist er als Schriftsteller geworden. Eigentlich wollte er aber Musiker sein, Dirigent und Komponist. Er hat sogar mindestens eine Oper komponiert, die zu ihrer Zeit auch recht populär war. Und er hat gezeichnet, Karikaturen vor allem. Und "nebenbei", nein, natürlich hauptberuflich, war er Jurist. So was ist für mich ein Universalgenie, denn er war in allen Bereichen besser als viele andere seiner Zeitgenossen. Aber ich wäre mir gar nicht sicher, ob er sich selber mit dem Modewort "kreativ" beschrieben hätte. Der Mann hat einfach verdammt viel gearbeitet :)


    Liebe Grüße
    Anja

  • … Der Mann hat einfach verdammt viel gearbeitet :)


    Liebe Grüße
    Anja


    Und viel getrunken. Und neben Arbeit und Sauferei hat er auch noch Zeit für die Weiber Frauen gehabt.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Hallo HD,


    getrunken definitiv. Wahrscheinlich wäre er nach heutigen Maßstäben ein veritabler Alkoholiker.


    Und Frauen? Ein paar sicher, darunter aber wohl auch solche, für deren Dienste er gezahlt hat. Und wohl auch noch die eine oder andere sonst, neben seiner Ehefrau übrigens :). Aber ... naja ... so wahnsinnig attraktiv dürfte er nicht gewesen sein, um das mal vorsichtig zu formulieren. Auch dann nicht, wenn man bei seinen Selbstporträts noch einiges an Ironie abzieht. Bei der entsprechenden Ausstrahlung muss natürlich auch das noch kein Hinderniss gewesen sein.

    Besonders liebe ich allerdings die Art, wie er über die Frauen gedacht hat. Eine hat er mal in seinem Tagebuch als "Blitzableiter" für eine andere unglückliche Liebe bezeichnet. Sehr, sehr charmant :). Mal ganz davon abgesehen, dass Frauen für ihn vor allem hübsch und jung sein sollten. Und bitte nicht klug, das mochte er gar nicht.
    Aber mit Kreativität hat das hier wohl nicht mehr allzu viel zu tun :D . Wechseln wir also zurück zu den Beschäftigungen neben dem Schreiben.


  • Aber mit Kreativität hat das hier wohl nicht mehr allzu viel zu tun :D . Wechseln wir also zurück zu den Beschäftigungen neben dem Schreiben.


    Doch, das ist alles sehr kreativ. :)


    Und die wichtigest Beschäftigung neben dem Schreiben (für Schriftsteller) ist Lesen!

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    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos