Beiträge von Horst-Dieter

    Angesteckt von so viel Aufbruchsstimmung: Wie wäre es, wenn alle neuen Bundestagsabgeordneten vor ihrer Jungfernrede im Rahmen einer Liveübertragung im Plenarsaal ihren Namen tanzen würden?

    Ich fände es besser, jedem Abgeordneten nach der Jungfernrede ein Brandzeichen ein Abzeichen mit dem Text "Entjungfert im Bundestag 2022" anzustecken.

    Das Interview mit der Literatursoziologin über ihr Fachgebiet nennst Du "lockeres Gespräch", um die den darin enthaltenen Fakten jede Bedeutung zu entziehen. Es geht nicht um den Widerstreit der Meinungen, sondern ums Ungültigmachen einer anderen Meinung. Das ist ein wenig irritierend.

    Ich spreche den Fakten nicht jede Bedeutung ab. Das Interview wird mit der Autorin über ihr Buch geführt. Das bedingt durchaus Verallgemeinerungen und Vereinfachungen. Solch ein Interview hat eine andere Qualität, als das Buch selbst. Nichts anderes habe ich geschrieben.


    Und nein, ich mache keine anderen Meinungen ungültig. Wenn ich von einem "Denkfehler" spreche, dann ist das auch eine Meinung aus meiner eigenen Sicht. Damit mache ich keine anderen Meinungen ungültig, wie du behauptest, sondern stelle eine konträre Meinung der zuerst geäußerten gegenüber.


    Aber jetzt geht es auch schon nicht mehr um die Sache. Wenn Diskussionen an den Punkt kommen, das Haltungen interpretiert werden, ist es besser damit aufzuhören. Ich tue das hiermit.

    Ich stelle hier nochmal den Zusammenhang her, in dem die von Dir monierte Äußerung getan wurde. Daraus liest Du eine Anklage oder einen Vorwurf, forderst mich seit gefühlt 20 Beiträgen auf, diese Aussage zu revidieren …

    Ich fordere Dich nicht heraus, das zu revidieren. Ich stelle Deiner Meinung eine andere gegenüber. Das ist nicht in Ordnung?


    Als persönliche Diffamierung fasse ich das übrigens nicht auf.


    Horst-Dieter, in meinem Beitrag # 58 steht "empfinde ich als unredlich". Das steht aus gutem Grund so da, und nicht etwa "ist unredlich". Ich behaupte nicht, dass es so ist und möchte auch niemandem Scham einreden oder das Recht nehmen, anders darüber zu denken.

    Da du das aber öffentlich schreibst, ist deine Empfindung aber aus der ganz privaten Befindlichkeit herausgerückt. Klar, kann man seine Meinung sagen, aber indem man dies tut, ist diese Meinung auch eine Anklage, oder, etwas schwächer, ein Vorwurf. Auf diesen darf und kann auch reagiert werden.

    Stell Dir vor, Dir schaut beim Schreiben jemand über die Schulter und gibt dazu auch noch ständig Kommentare ab! Eine Horrorvorstellung? Vielleicht, aber vor allem ein Erfolgsmodell. Auf der Platform Wattpad werden so Romane vorgestellt - kapitelweise während des entstehens - und viele lesen und kommentieren mit. Die Platformbetreiber schöpfen aus diesem Pool an kostenlosen Stoffen das heraus, was zum Trend passt, veröffentlichen es als Buch oder gleich als Film oder Serienstaffel. Ein Artikel in der SZ von heute (5.1.22.) berichtet ausführlich darüber.


    Und wer es nun gar nicht mehr aushalten kann, der darf sich gleich beim deutschen Portal einloggen.

    …nd bei der Bezeichnung "Schriftsteller" war und ist sie bei Dir, wohingegen ich ihr bei der Etikettierung "von Beruf Schriftsteller" zustimmen würde, aber auf die beziehst Du Dich in Deinen Repliken eigentlich überhaupt nicht. 8)

    Doch, das tue ich, und zwar ziemlich deutlich. Wer sich als Schriftsteller fühlt und dies auch beweist - zum Beispiel durch Veröffentlichungen - der darf als seinen Beruf Schriftsteller angeben dürfen ohne sich zu schämen, selbst dann, wenn er zu seinem Lebensunterhalt auch noch einer (oder mehreren) anderen Tätigkeiten nachgehen sollte.

    Tom: Das mit dem Mechatroniker war Absicht, ja. Mir ist die Diskrepanz durchaus klar. Allerdings ging mir dieses penetrante daraufhinweisen, dass es unlauter sei, sich als Schriftsteller zu bezeichnen, wenn man sein Einkommen aus anderer Tätigkeit bezieht - sei es vom Ehepartner oder der Lebensgefährtin oder einer anderen Tätigkeit - schon ein bisschen auf den Zwirn. Die KSK hat in Zeiten der Pandemie den Beitrag, den man als Künstler mit Nichtkünstlerischer Tätigkeit verdienen darf hochgesetzt. Ich finde es legitim, sich Schriftsteller oder Dichter zu nennen, auch wenn man anderen Tätigkeiten oder keiner nachgeht. Marcel Proust (1871 - 1922) hat von seinem Erbe gelebt, Franz Kafka (1883-1924) war Versicherungsangestellter. Wer käme auf die Idee, beiden den Dichter oder Schriftsteller abzusprechen? Es ist so, wie Du schon weiter oben geschrieben hast: Die wenigsten Schreibenden können von den Ergebnissen dieser Tätigkeit leben. Trotzdem ist es legitim zu sagen, man sei Schriftstellerin, wenn man auch nur ein Buch oder ein paar Gedichte veröffentlicht hat (nicht im Selbstverlag!). Zu sagen, das sei unseriös, ist eine Missachtung, finde ich.


    "Das Ergebnis ist ausschlaggebend"? Ja. - Und wenn ich sich schlecht verkaufende Romane - ob die nun mies oder brillant sind - produziere, dabei aber darauf beharre, freier Schriftsteller zu sein, dann stimmt da für mich etwas nicht. Ich kann mich zum Schreiben berufen fühlen, vielleicht bin ich es sogar, aber das ist dann nicht mein Beruf.

    Mag sein, dass wir ein unterschiedliches Verständnis des Begriffs "Beruf" haben.

    Peter Hille (1854-1904) hat nie von seinem Schreiben leben können. Kollegen und andere Mitleidige haben ihn unterstützt. Und doch hat er sich und haben ihn andere als Schriftsteller oder Dichter bezeichnet.


    Ein Arberitsloser Mechatroniker darf sich demnach auch nicht als Mechatroniker bezeichnen, weil er damit gerade kein Geld verdient?

    Natürlich dürfen sie das, Horst-Dieter. Das habe ich nie abgestritten.

    Aber es ist für die Genannten Augenwischerei und Selbstbetrug, wenn sie sich als Künstler bezeichnen (bzw. bezeichnet haben) - oder?


    Ich halte diese Art der Klassifizierung für unwesentlich. Nicht die Position, aus der heraus das künstlerische Werk geschaffen wird, ist maßgebend, sondern allein und ausschließlich das Ergebnis.

    Die einen sagen so, die anderen sagen so 🙂


    Hinter der Vokabel „unredlich“ steht für mich nicht etwa eine moralische Gewissensfrage. Wenn man finanzielle Absicherung ausklammert, kann natürlich jeder jederzeit für sich beanspruchen, Künstler, also auch Schriftsteller, zu sein bzw. dazu berufen zu sein oder sich berufen zu fühlen. Bloß dann nicht „hauptberuflich“. Dieser Zusatz macht es für mich zur Augenwischerei und ein Stückweit zum Selbstbetrug.

    Goethe war hauptberuflich Regierungsbeamter, Schiller zumindest in den letzten Jahren Universitätsprofessor. Juli Zeh ist Juristin und Siri Hustved mit Paul Auster verheiratet. Dürfen die alle nicht mehr Künstler genannt werden?

    Mal angenommen, ich käme auf die Idee, mein Leben für ein Sachbuch aufzubereiten, also nah an der Wirklichkeit, womöglich noch mit Fotos. Dann würde ich als erstes eine Liste aller Arschlöcher machen, die mir in meinem Leben begegnet sind und recherchieren, wer von denen noch lebt. Die verstorbenen Arschlöcher könnte ich dann schon mal abhaken. Zwar könnte dann noch die Familie klagen, aber die Beweislast, dass das nicht stimmt, was ich geschrieben habe, läge bei denen und wäre nicht leicht zu erbringen. Bei den anderen würde ich überlegen, wenn ich unbedingt für das Buch brauche - die anderen streichen. Mit den Lebenden Arschlöchern würde ich KEIN Gespräch führen, aber sehr sensibel sein mit dem, was ich im Buch anführe und lieber etwas weglassen, als mich dadurch in Schwierigkeiten zu bringen. Mal ganz ehrlich: Eine minutiöse Autobiografie mit zigtausend Seiten ist erstens schwer zu schreiben und zweitens noch viel schwerer zu verkaufen. ;)

    Hallo Archivar,


    zunächst einmal willkommen in unserem Forum.


    Zum Thema Schreibsoftware: Die Trennung von Text und Layout erreichst Du ganz einfach dadurch, dass Du für das eine ein Textprogramm und für das andere ein Layoutprogramm wählst. Als Autor interessiert sowieso nur das Textprogramm und da tut es auch Word & Co. oder sogar ein einfacher Editor (mit dem man allerdings bei längeren Texten, etwa Romanen, dann doch an Grenzen stößt).


    Grüße aus dem Taubertal


    Horst-Dieter

    …Umgekehrt: Sich selbst als freiberuflichen Schriftsteller zu bezeichnen, wenn man (oder der Ehepartner) eigentlich noch eine Reihe anderer Dinge tut, um Miete und Mittagessen zu bezahlen, empfinde ich als unredlich. Das mag dem Ego schmeicheln oder deutlich machen, wo man seine "Berufung" sieht, verzerrt aber die Realität

    Beruf ist Beruf. Es ist egal, was der Lebenspartner macht, wenn der Beruf ausgeübt wird und vorzeigbare Ergebnisse bringt - also Buch- oder sonstige Veröffentlichungen (keinen Selbstverlag!) – dann ist das nicht unredlich sondern seriös. Egal, ob der Ehepartner mehr verdient oder nicht. Wenn beide Ehepartner einen anderen Berruf ausüben, sagt man ja auch nicht zu dem, der weniger verdient, es sei unredlich, wenn er sich Arbeitnehmer oder meinetwegen auch Freiberufler (zum Beispiel als Handwerker) nennt.


    Bei dieser Betrachtung liegt ein Denkfehler vor. Natürlich trifft es zu, dass soziale Verhältnisse eine Rolle spielen, wer hat das abgestritten? Ausgangspunkt der Diskussion war die Fixierung auf Akademiker unter den Schriftstellern, und diese Behauptung, dass es genau diese Ausgangsvoraussetzung bei den meisten halbwegs erfolgreichen Schriftstellern und Schriftstellern ist, halte ich nach wie vor für sehr fragwürdig.