Beiträge von Kristin

    Kein literarisches No-Go, nein. Alles geht, was gut gemacht ist und gut rüberkommt. Allgemein würde ich zum vorsichtigen Dosieren raten. Eine Nebenfigur in meinem Roman hat anfangs durchgehend platt geschnackt, ich hatte geplant, es soll familiär- vertraut klingen, aber es war zu viel. Aufgesetzt, fremdkörperartig. Ein paar Einsprengel sind geblieben, gerade so viel, dass man (hoffentlich) beim Lesen das Gefühl hat: Ah, das ist Papa. Das ist "zu Hause". Bei einer Hauptperson kann ich es mir nur schwer vorstellen. Scheint ein Don't zu sein, wie ja auch im Fernsehen. Da schwäbelt immer nur die Gehülfin, nie der Kommissar!

    Den Schatten des Windes fand ich ein sehr, sehr schönes Buch. Alles drin: Geschichte, Abenteuer, Geheimnis, ein bisschen Schauder, Liebe, Bildung, Vater- Sohn- Geschichte, Krieg. Als ich die Schlagzeile heute ganz frisch gelesen habe, war das Lager des Großhändlers schon leergefegt. Schwups, so ist es jedes Mal!

    Hallo, A.J.,


    so wie meine Vorschreiber sehe ich es auch: zu lang und zu sehr Rechtfertigung. Letztere ist absolut nicht nötig, erstmal sowieso nicht, und dann, weil diejenigen, die zu deinem Roman greifen, ja grundsätzlich dem Thema gegenüber aufgeschlossen sind, Dorrit schrieb es ja schon. Noch ein Gedanke: Es ist der Roman selbst, der all das, was du im Vorwort schreibst, ausdrücken muss und hoffentlich ausdrückt. Ich würde mich sehr wundern, wenn ich beispielsweise einen Krimi zur Hand nähme, und der Autor würde mir als erstes seitenlang schildern, warum es so wichtig ist zu verstehen, warum der Serienmörder dies und die Psyche des Opfers das etc. Ich möchte mir das selbst erlesen!

    dennoch ist mein Ziel auch, über das Thema aufzuklären.

    Genau. Aber das muss - neben der Unterhaltung, die der Leser erwartet - der Roman bringen und nicht irgendein Vorwort. Vertrau deinem Roman ( oder schreib ihn so, dass du ihm vertrauen kannst)!

    Finde es seltsam, dass Agenturen die Vorkasse verlangen, nicht mit dem gleichen Einsatz niedergemacht werden. Sollte über eine solche Agentur widererwarten doch ein Vertrag mit einem Verlag zustande kommen, wird darüber kein Wort verloren.

    Doch, würde bestimmt! Seriöse Agenturen zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass sie nie, nie, nie Vorkasse verlangen. Zahlen muss der Autor nur im Erfolgsfall - alles andere ist Betupp.

    Meine Mutter erzählte immer die Geschichte, wie sich alle über ihre verwöhnte Klassenkameradin Sybille lustig machten, deren Mutter in Zeiten, in denen man wirklich nicht wählerisch sein durfte (ca. 40er) immer sagte: "Billchen kann kein Fleisch essen!" Das war sogar ein geflügeltes Wort bei uns, und noch in den Siebzigern waren wir überzeugt, dass sich das arme Billchen wirklich nur geziert hatte und albern war. Eigentlich geht mir jetzt gerade erst auf, dass möglicherweise ein Unverträglichkeit dahintersteckte.

    Weiß offenbar niemand so recht … Nur aus dem Bauch: Wahrscheinlich hätte ein Arzt es diagnostizieren können, wäre aber nicht auf die Idee gekommen. Er hätte dem Patienten wohl eher gesagt: Wenn Sie Hühnchen nicht vertragen, lassen Sie's lieber weg. Auch Laien werden von "nicht vertragen" gesprochen haben. Bei Medizinern untereinander kann es natürlich auch in der Zeit schon anders gewesen sein. Und nee, "Allergien" gab es in meinen Siebziger Jahren im Volksmund nicht, höchstens "Heuschnupfen".

    PS: Entschuldige, ich hatte übersehen, dass deine eigentliche Frage gar nicht lautet: Prolog ja oder nein. Sondern du fühlst dich unwohl mit dem Perspektivwechsel innerhalb des Prologs. Auch das kann ich natürlich nicht konkret beurteilen, aber grundsätzlich kann ich mir, wenn ich davon ausgehe, dass ein Prolog an sich schon genau überlegt sein will, eine weitere Verkomplizierung nur schwer vorstellen. Aber wie Horst-Dieter schon anmerkte: Erstmal beiseite damit, lass dich nicht davon piesacken, das wird schon irgendwann an die richtige Stelle fallen. Vielleicht gar nicht beim Schreiben, sondern auf einem Spaziergang oder unter der Dusche.

    Ich hatte bei meinem Roman sowohl einen Pro- als auch einen Epilog vorgesehen, weil ich der festen Überzeugung war, ich bräuchte eine Klammer, die alles zusammenhält. Dass mit dem Prolog etwas nicht stimmte, merkte ich erstens daran, dass ich wochenlang daran herum murkelte, ohne dass die fünfzehnte Version gegenüber der furchtbaren ersten irgendwie weniger furchtbar war, zweitens, dass er hier im BT durchfiel und drittens, dass mindestens drei Testleser sich und mich sinngemäß frugen: Was soll eigentlich der komische Prolog? Da fiel er. Ich habe sehr geweint, aber er fiel. Als später auch noch der Epilog (den ich sehr mochte) fiel, habe ich noch mehr geweint.


    Als Leser bin ich aber durchaus ein Freund von (gut gemachten, sinnvollen) Prologen. Aber sie sollten nicht, wie es oft der Fall ist, eingesetzt werden, weil man geheimnisvoll wirken will, oder weil man es in 327 Krimis so gelesen hat und es einem daher irgendwie trendy erscheint. Und darum kann ich deine Frage, Franzi, noch so gar nicht beantworten. Da braucht es die Draufschau (z.B. im BT), wahrscheinlich aber sogar die Gesamtschau.

    Tach, Franzi, schön, dass du vorbeischaust. Ja, auf spannende Diskussionen! - und eins kann ich dir selbsternanntem Frischling auf jeden Fall schon mal versprechen: Für jede Frage beim Schreiben, auf die man Antwort erhält, tun sich fünf neue auf (ich glaube, nein: ich hoffe, dass sich das nach ca. siebzig Jahren Schreiberfahrung gibt).