Deutschland sucht den Sonderweg – Musiker über die Reform des Urheberrechts in der BRD

  • Balbina, Sarah Lesch, Peter Maffay und Rocko Schamoni sprechen in einem Interview der SZ (Nr. 97, 28.4.2021, S. 9) über die Bedrohung, die durch die "deutsche" Reform des Urheberrechts für Künstler ansteht. Leider ist dieser Artikel nicht kostenfrei im Netz zu lesen. Hier ein paar Zitate:


    Zitat

    Balbina: Das Hauptproblem ist, dass die EU-Direktive einen ganz klaren Regelungsrahmen vorgibt, um den Urhebern sozusagen wieder faire Wettbewerbsbedingungen zuzugestehen. Das braucht man, um gerechte Lizenzierungen und angemessene Tantiemen mit Plattformen zu verhandeln. Diese EU-Direktive stellt sich klar auf die Seite der Urheber. Diese Direktive wird nun in Deutschland in einem Sonderweg ganz anders ausgelegt.


    Dazu, dass eine verschärftes Urheberrecht im Netz die Meinungsfreiheit gefährde:


    Zitat

    Balbina: Das sind für mich Fake Facts. Ich bin die Letzte, die gegen Meinungsfreiheit ist. Wir werden von Leuten wie Julia Reda von der Gesellschaft für Freiheitsrechte in eine Ecke gestellt, als hätten wir was gegen Meinungsfreiheit …


    Und auf die Frage, warum Deutschland einen Sonderweg beim Urheberrecht wählt:


    Zitat

    Peter Maffay: Aus meiner Sicht macht die Regierung in einem für sie entscheidenende Jahr ganz einfach Wahlgeschenke. Und außerdem hat sie Angst vor den Plattformen. Die geht einfach vor den Lobbyisten in die Knie. Das ist alles.

    Rocko Schamoni: Und sie haben Angst vor Netzaktivisten. Die SPD geht in die Knie, weil sie so einen Schiss vor dem Hashtag "Nie wieder SPD" haben. Das sie quasi die ganze Künstlerschaft dabei verlieren, interessiert sie offensichtlich nicht. Uns haben sie geopfert.


    Und zur Situation der Künstler in der Pandemie:


    Zitat

    Balbina: […] Ich finde es völlig in Ordnung aus Solidarität mit den Menschen, die auf den Intensivstationen liegen, die dort arbeiten und sich den Arsch aufreißen, nicht aufzutreten. Aber da ist es das Mindeste, dass ich an den Umsätzen beteiligt werde, die jetzt nur deswegen digital explodieren, weil wir nicht in Restaurants gehen, nicht ins Theater, wir gehen nirgendwo hin. Und die Plattformen denken sich, ja geil, 20 Prozent Wachstum. Die fahren unfassbare Gewinne ein. Aber wir, wir sitzen da, und wir müssen Olaf Scholz bitten, Entschuldigung, Entschuldigung. Ich würde gerne meine Miete bezahlen.


    Und zur Frage, wie existenziell die deutsche Vorlage ist:


    Zitat

    Balbina: Ich formuliere das mal umgekehrt. Mit der Direktive der EU ist der erste Grundstein dafür gelegt, dass die Plattformen endlich rechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Wenn wir diese EU-Richtlinie jetzt genau so umsetzen, wie sie gemeint ist, nämlich im Sinne der Urheber, haben wir das Problem gelöst.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    "Einen Roman zu schreiben bedeutet vor allem einen massiven Organisationsaufwand."


    Zadie Smith

    SZ Nr. 144, 26./27.6.2021, S. 56

    Einmal editiert, zuletzt von Horst-Dieter ()

  • Danke für die Ausschnitte. Ich hatte diesen Sonderweg noch gar nicht mitbekommen und habe beim Recherchieren diesen Artikel gefunden, den man kostenlos lesen kann.


    Für alle, die es auch interessiert und die nicht so viel Zeit haben.

    Das sieht der deutsche Sonderweg vor: "bis zu 15 Sekunden je eines Filmwerkes oder Laufbildes, bis zu 15 Sekunden je einer Tonspur, bis zu 160 Zeichen je eines Textes und bis zu 125 Kilobyte je eines Lichtbildwerkes, Lichtbildes oder einer Grafik“ (Quelle wie oben: Die Urheberrechtsreform der EU)


    Weiter wird erläutert, dass derzeit die Künstler auch für solche kurzen Ausschnitte mit einem kleinen Geldbetrag beteiligt werden, was ich auch absolut richtig finde. Immerhin leben die Künstler z. B. von ihrer Musik, egal wo, wann oder wie sie genutzt wird. Deutschen Künstlern würden diese Einnahmen zukünftig entgehen und angesichts der Nutzungsfrequenz von TikTok, Yotube, Instagram etc. dürften die meisten Künstler davon allein zwar nicht reich werden, aber schon zusätzliche Einnahmen haben.

    Wenn es doch bisher schon funktioniert, dass die Künstler auch über die Quellen Einnahmen beziehen, kann ich umso weniger nachvollziehen, weshalb Deutschland da einen Sonderweg gehen will. Der Hintergrund dafür scheint auch nicht bekannt zu sein.