TA 7: E.T.A. Hoffmann "Der Sandmann"

  • Hallo alle,


    heute startet also die nächste TA-Runde. Dieses Mal werde ich selber moderieren, und es geht um - naja, um wen schon :evil :D?


    Hier erst mal der Text:


    http://gutenberg.spiegel.de/?i…Hash=61f05a2d182#gb_found


    Man kann zu diesem Text sehr viel sagen, es ist sicher eine der am häufigsten interpretierten Erzählungen Hoffmanns. Ich würde aber hier in der TA gerne vor allem das Stilmittel der ironischen Brechung betrachten. Hoffmann erzählt im Grunde eine sehr tragische Geschichte, aber er erzählt sie über weite Strecken mit den Mitteln der Ironie. Nicht durchgängig, sondern nur streckenweise, deshalb kann man hier eben auch von der "ironischen Brechung" sprechen. Und er erzielt meiner Ansicht nach mit dieser Methode eine Wirkung beim Leser. Um die würde es mir gehen.


    Der Text ist zwar insgesamt nicht lang, sollte er Euch aber doch immer noch zu umfangreich sein, könnten wir uns auf die "Olimpia-Episode" (das ist die Liebesgeschichte mit dem Automatenmädchen) beschränken.


    Dann hoffe ich mal trotz Adventszeit auf (halbwegs) viele Beiträge.


    Liebe Grüße
    Anja

  • Bei einer Stelle springt sofort Hoffmanns Ironie ins Auge. Nathanael will im Garten seiner Klara ein Gedicht vorlesen (Ich nutze übrigens die Ausgabe bei [URL=http://www.zeno.org/Literatur/M/Hoffmann,+E.+T.+A./Erzählungen,+Märchen+und+Schriften/Nachtstücke/Erster+Teil/Der+Sandmann]Zeno.org[/URL] - die ist besser, fehlerfreier, weil besser Korrektur gelesen und vor allem mit Nummern versehen, um schneller bestimmte Satzstellen anzuspringen. Ich beziehe mich auf Nummer 393) und …


    Zitat


    Klara, etwas Langweiliges wie gewöhnlich vermutend und sich darein ergebend, fing an, ruhig zu stricken.


    Hoffmann schwächt die Ironie dann sofort wieder ab, in dem er Klara über das grausige Gedicht erschrecken lässt.


    Das mal so als erster Einstieg in die TA des Hoffmannschen Sandmanns (nicht zu verwechseln mit dem so beliebten Sandmännchen Ost ;) )

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    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Hallo HD,


    ja, auch die Abschnitte über Klara sind mit Ironie durchzogen. Wobei es dabei auch sehr um das Selbstbild des Künstlers geht, das Hoffmann hier persifliert. Aber vor allem die Olimpia-Episode ist eine Tragödie und Komödie in einem.
    Ich bin ja mal gespannt, ob hier noch mehr mitschreiben werden :D.


    Liebe Grüße
    Anja

  • Zitat

    Original von Anja
    … Aber vor allem die Olimpia-Episode ist eine Tragödie und Komödie in einem.

    Anja


    Tragödie insofern, als Nathanel sich von der Puppe Olimpia erstmals wirklich verstanden fühlt. Sie hört ihm einfach zu (hat er den Eindruck) und erlaubt sich keine eigene Meinung und keine Einwände, die nur stören. Wenn sie (scheinbar) etwas sagt, bestätigt sie ihn. Und darin liegt auch gleich die Ironie.


    Mechanische Puppen waren ja schon länger beliebt. Es gab mechanische Puppen die sich nur bewegten dank eines eingebauten Mechanismus, der teilweise sehr kompliziert war und es gab auch Versuche, intelligente Automaten/Puppen zu konstruieren, wie zum Beispiel der Schachtürke, der uns dann ja auch noch den Ausdrück »getürkt« verschafft hat für etwas, was offensichtlich Betrug ist. Mit der Art und Weise wie Olimpia auftritt, scheinbar menschlich und puppenhaft zugleich, schafft Hoffmann m.M.n. eine unterschwellig ironische Ebene, die sich durch die Geschichte zieht von dem Augenblick, in dem sie auftritt.


    Andererseits habe ich den Verdacht (!), dass sich in der Puppe Olimpia auch ein wenig Hoffmanns Frauenbild spiegelt. Vereinfacht gesagt erwartete er ja, dass die Frauen und Mädchen hübsch sind, ihm zugeneigt (wenn nicht gar in ihn verliebt) und ansonsten die Klappe halten. Ob er sich mit der Gestaltung der Olimpia selbst auf die Schippe nimmt oder ernsthaft ein Wunschbild zeichnen wollte, ist für mich aber nicht eindeutig zu erkennen.


    analysierende Grüße


    Horst-Dieter

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  • Hallo HD,


    ganz kurz, an sich muss ich jetzt Geld verdienen :):
    Ich denke, dass er sich hier nicht selber ironisiert. Nathanael verliert sich ja völlig in seinen Projektionen, alleine seine Liebeserklärungen an die Puppe sind ja die reine Ironie, die Hoffmann auch gleich als solche erklärt. Da gehts meiner Ansicht nach mehr um diese tragische Form der Selbstbestätigung, die sein Protagonist so sehr sucht, dass er die Puppe für lebendig und die lebendige Verlobte für kalt und tot hält.


    Es stimmt schon, Hoffmann hatte ein gruseliges Frauenbild, aber dass er sich da ironisiert, glaube ich nicht. Dazu endet das Ganze zu tragisch.
    Und selbst diesen Schluss bricht er übrigens nachträglich noch einmal ironisch.
    Textbeispiele zu all dem hier später :).


    Liebe Grüße
    Anja

  • Hallo HD,


    hier jetzt die versprochenen Textausschnitte zu meinen Ausführungen von heute Vormittag.


    Zunächst mal die Selbstbestätigung, die er durch die (eingebildete) Liebe erfährt:


    Nur mir ging ihr Liebesblick auf und durchstrahlte Sinn und Gedanken, nur in Olimpias Liebe finde ich mein Selbst wieder.


    Dann, ganz deutlich ironisch gebrochen:


    »O du herrliches, du tiefes Gemüt«, rief Nathanael auf seiner Stube: »nur von dir, von dir allein werd ich ganz verstanden.« Er erbebte vor innerm Entzücken, wenn er bedachte, welch wunderbarer Zusammenklang sich in seinem und Olimpias Gemüt täglich mehr offenbare; denn es schien ihm, als habe Olimpia über seine Werke, über seine Dichtergabe überhaupt recht tief aus seinem Innern gesprochen, ja als habe die Stimme aus seinem Innern selbst herausgetönt. Das mußte denn wohl auch sein; denn mehr Worte als vorhin erwähnt, sprach Olimpia niemals.


    Oder, in gleicher Weise ironisiert, die Liebeserklärungen:


    Er saß neben Olimpia, ihre Hand in der seinigen und sprach hochentflammt und begeistert von seiner Liebe in Worten, die keiner verstand, weder er, noch Olimpia. Doch diese vielleicht; denn sie sah ihm unverrückt ins Auge und seufzte einmal übers andere: »Ach - Ach - Ach!« - worauf denn Nathanael also sprach: »O du herrliche, himmlische Frau! - du Strahl aus dem verheißenen Jenseits der Liebe - du tiefes Gemüt, in dem sich mein ganzes Sein spiegelt«


    Ich könnte diese Zitatserie noch lange fortsetzen. Die ganze Liebesgeschichte ist ein ständiger Wechsel zwischen Tragik und Komik.


    Und dann, als Olimpia zerstört wurde und Nathanael zusammengebrochen ist, hängt Hoffmann noch einmal diesen Satz an:


    Er (gemeint ist Olimpias Erfinder Spalanzani) mußte indes die Universität verlassen, weil Nathanaels Geschichte Aufsehen erregt hatte und es allgemein für gänzlich unerlaubten Betrug gehalten wurde, vernünftigen Teezirkeln (Olimpia hatte sie mit Glück besucht) statt der lebendigen Person eine Holzpuppe einzuschwärzen. Juristen nannten es sogar einen feinen und um so härter zu bestrafenden Betrug, als er gegen das Publikum gerichtet und so schlau angelegt worden, daß kein Mensch (ganz kluge Studenten ausgenommen) es gemerkt habe, unerachtet jetzt alle weise tun und sich auf allerlei Tatsachen berufen wollten, die ihnen verdächtig vorgekommen. Diese letzteren brachten aber eigentlich nichts Gescheutes zutage. Denn konnte z. B. wohl irgend jemanden verdächtig vorgekommen sein, daß nach der Aussage eines eleganten Teeisten Olimpia gegen alle Sitte öfter genieset, als gegähnt hatte? Ersteres, meinte der Elegant, sei das Selbstaufziehen des verborgenen Triebwerks gewesen, merklich habe es dabei geknarrt usw. Der Professor der Poesie und Beredsamkeit nahm eine Prise, klappte die Dose zu, räusperte sich und sprach feierlich: »Hochzuverehrende Herren und Damen! merken Sie denn nicht, wo der Hase im Pfeffer liegt? Das Ganze ist eine Allegorie - eine fortgeführte Metapher! - Sie verstehen mich! - Sapienti sat!« Aber viele hochzuverehrende Herren beruhigten sich nicht dabei; die Geschichte mit dem Automat hatte tief in ihrer Seele Wurzel gefaßt und es schlich sich in der Tat abscheuliches Mißtrauen gegen menschliche Figuren ein. Um nun ganz überzeugt zu werden, daß man keine Holzpuppe liebe, wurde von mehrern Liebhabern verlangt, daß die Geliebte etwas taktlos singe und tanze, daß sie beim Vorlesen sticke, stricke, mit dem Möpschen spiele usw. vor allen Dingen aber, daß sie nicht bloß höre, sondern auch manchmal in der Art spreche, daß dies Sprechen wirklich ein Denken und Empfinden voraussetze. Das Liebesbündnis vieler wurde fester und dabei anmutiger, andere dagegen gingen leise auseinander. »Man kann wahrhaftig nicht dafür stehen«, sagte dieser und jener. In den Tees wurde unglaublich gegähnt und niemals genieset, um jedem Verdacht zu begegnen. - Spalanzani mußte, wie gesagt, fort, um der Kriminaluntersuchung wegen [des] der menschlichen Gesellschaft betrüglicherweise eingeschobenen Automats zu entgehen


    Wenn jetzt nicht demnächst noch ein paar mehr mitmachen, halten wir hier ein hübsches kleines Privatissimum :D


    Liebe Grüße
    Anja

  • Zitat

    Original von Anja


    Und dann, als Olimpia zerstört wurde und Nathanael zusammengebrochen ist, hängt Hoffmann noch einmal diesen Satz an:


    Satz? Ein Satz? Endet ein Satz nicht hinter dem Punkt?

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  • Zitat

    Original von Anja
    Pedant X( :)
    Kann sein, dass es zwei Sätze sind :)


    15!


    In Worten: Fünfzehn (oder wie in einigen Gegenden Deutschlands gesagt wird: Fümfzehn)

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  • Bei Arno Schmidt gefunden (beim Wiederlesen von »Das steinerne Herz«):


    Zitat


    …ETA Hoffmanns literarische LIeblingstechnik, mit der Katastrofe anzufangen, ist zweifellos durchseinen Beruf als Jurist begründet gewesen : da liegt auch immer erst ‹ Die Tat › als Kanlleffekt vor, und wird danach, von hinten her, aufgeklärt. …


    Zweifellos ist das auch in der Erzählung der Sandmann so, wo der Tod des Vaters am Anfang steht. Die Ironie mag bei Hoffmann insofern auch die Funktion haben, alles andere etwas erträglicher zu machen.

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  • Hallo HD,


    dass der Tod des Vaters und damit auch die Begegnung mit dem "Sandmann" am Anfang steht, hat sicher zum einen dramaturgische Gründe: Hoffmann beherrscht die Technik des geschickten Einstiegs in eine Erzählung sehr gut.
    Beides, Tod des Vaters und Einführung des "Sandmanns", müssen aber auch am Beginn stehen, denn nur mit der Kindheitserfahrung lässt sich ja die "Vorahnung" erklären, die Hoffmanns Hauptfigur hat, als der Optiker Coppola ihm begegnet.


    Was die Ironie in dieser Geschichte betrifft, würde ich hier gar nicht einmal sagen, dass er "abschwächt", das sicher auch. Aber in erster Linie stellt er damit Distanz zum Geschehen her.

    Er persifliert aber in der Puppe und vor allem in ihrer "Nachwirkung" auch die Gesellschaft als solche. Das ist eine von Hoffmanns geliebten Teegesellschaften, die er in Bamberg kennen und (würde ich meinen) auch hassen gelernt hat. Olimpia führt in ihrer leblosen Perfektion diese Gesellschaft und ihre Gepflogenheiten vor.


    Aber Hoffmann erzählt meiner Ansicht nach zu gleichen Teilen die komische und tragische Geschichte einer narzißtischen Selbstliebe. Nathanael findet niemanden, der ihn als Künstler bestätigen würde, wobei das, was er als Kunst betrachtet, von Hoffmann ja genauso ironisiert wird. Die Puppe kritisiert ihn nicht, deshalb erscheint sie ihm als der einzige Seelenverwandte, den er hat.


    Liebe Grüße
    Anja

  • Zitat

    Original von Anja


    Aber Hoffmann erzählt meiner Ansicht nach zu gleichen Teilen die komische und tragische Geschichte einer narzißtischen Selbstliebe. Nathanael findet niemanden, der ihn als Künstler bestätigen würde, wobei das, was er als Kunst betrachtet, von Hoffmann ja genauso ironisiert wird. Die Puppe kritisiert ihn nicht, deshalb erscheint sie ihm als der einzige Seelenverwandte, den er hat.


    Liebe Grüße
    Anja


    Ich weiß nicht, ob man Nathanaels »narzistische Selbstliebe« - die durchaus zu erkennen ist - so herausstellen sollte, denn meiner Meinung nach handelt es sich um eine Geisteskrankheit, die Hoffmann beschreibt. Und aus diesem Blickwinkel - und nur aus diesem - hilft die Ironie, die ganze Geschichte erträglicher zu machen indem Sie - und da stimme ich dir zu - Distanz erzeugt. Hoffmanns Erzählungen und Romane sind nie nur aus einer Richtung zu deuten, so dass ich diese Aussage machen kann, ohne dir eigentlich zu widersprechen :)


    Allerdings scheint diese Ironie zu seiner Zeit nicht groß angeschlagen zu sein, denn die positiven Stimmen, die es zu seinem Buch »Fantasiestücke in Callots Manie« gab - Jean Paul schrieb dazu selbst ein ironisch-positives Vorwort - verstummten oder schlugen ins Gegenteil um. Es gab kaum jemand, der sich zu Hoffmanns »Nachtstücken« positiv äußerte. Man empfand diese als bedrückend und krank. Jean Paul, der Hoffmann anfangs zugeneigt war, schrieb zu den Nachtstücken: »Neuere Zeit nun weiß er allerdings die humoristischen Charaktere - zumal in der zerrüttenden Nachbarschaft seiner Morgen-, Mittag-, Abend- und Nachtgespenster, welche kein reines Taglicht und keinen festen Erdboden mehr gestatten - zu eine romantischen Höhe hinaufzutreiben, daß der Humor wirklich den echten Wahnwitz erreicht - was einem Aristophanes und Rabelais und Shakespeare nie gelingen wollen.« Das Lachen blieb ihm (und anderen) im Halse stecken - der eigentliche Zweck der Ironie verfehlte in seiner Zeit die Wirkung. Zumindest die, Distanz zu schaffen, denn die Wirkung, gesellschaftliches Verhalten zu kritisieren scheint erreicht worden zu sein. Ablehnung und heftige Kritik erfolgen ja immer, wenn gesellschaftliche Zustände kritisiert werden.


    Übrigens meine ich, noch eine andere Richtung für Hoffmanns Ironie im Sandmann auszumachen. Olimpia, die Puppe, als Zerrbild einer Frauenvorstellung, die sich zurückhält und dem Mann unbedingt zustimmt gestaltet, nicht der Liebe sondern nur der Unterordnung verwiesen steht Klara gegenüber. Hier sagt der Name schon viel (lat.: clarus, übertragen etwa die „Leuchtende“, „Helle“ oder auch „Berühmte“) aber auch die ganze Haltung ist das Gegenteil von Nathanael: Gesund, statt krank - besonnen, statt emotional aufgewühlt - klärend, statt verwirrend (als Nathanael Coppola und Coppelius nicht mehr auseinanderhalten kann, versucht sie dies rational auszudeuten). Mit der Figur »Klara« wächst Hoffmann über sein eigenes Frauenbild hinaus und kritisiert eben auch durch seine ironische Gestaltung der Erzählung die gesellschaftlichen Anforderung an die Frau. Im dritten Brief (Nathanael an Lothar) schreibt er:


    Zitat


    Sehr unlieb ist es mir, das Klara neulich den Brief an Dich aus, freilich durch meine Zerstreutheit veranlaßtem, Irrtum erbrach und las. Sie hat mir einen sehr tiefsinnigen philosophischen Brief geschrieben, worin sie ausführlich beweiset, daß Coppelius und Coppola nur in meinem Innern existieren und Phantome meines Ichs sind, die augenblicklich zerstäuben, wenn ich sie als solch erkenne. In der Tat, man sollte gar nicht glauben, daß der Geist, der aus solch hellen holdlächelnden Kindesaugen oft wie ein lieblich süßer Traum hervorleuchtet, so gar verständig, so magistermäßig distinguieren könne. Sie beruft sich auf Dich. Ihr habt über mich gesprochen. Du liesest ihr wohl logische Collegia, damit sie alles fein sichten und sondern lerne. - Laß das bleiben!


    Die positive Frauengestalt Klara wird gleichermaßen von ihm in der Erzählung kritisiert. Und dabei geht es nicht um das »Selbstbild des Künstlers« sondern um das »Bild der Frau in der Gesellschaft«. Die Puppe Olimpia ist viel eindrucksvoller für den ersten Blick auf die Geschichte, vor allem kurioser und leichter zu deuten. Deswegen wurde sie ja auch für die Operette adaptiert (von Offenbach) und nicht Klara. Diese ist aber eigentlich der interessantere Frauenpart in Hoffmanns Erzählung, nicht zuletzt weil sie nicht nur ein Zerrbild ist, wie die Puppe.


    analytische Grüße :brille


    Horst-Dieter

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  • Zitat

    Original von Anja
    Nur mal ganz kurz: Das ist meiner Ansicht nach keine Operette, sondern eine Oper. Wenn auch mit operettenhaften Melodien zum Teil :).
    Aber na gut, hier gehts ja nicht um die Musik.
    Und zum Text später mehr.


    Liebe Grüße
    Anja


    Nein, nicht um die Musik, sondern um die Geschichte. Und da habe ich das Fragment angesprochen, das Offenbach in seine letzte, unfertige Oper übernommen hat. Das ich Operette geschrieben habe war pure Ironie, weil er - wie ich meine - nur das operettenhafte Thema aus dem Sandmann übernommen hat :)


    Und um Ironie geht es doch in dieser TA - oder?

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  • Hm. Er hat das Thema der Liebesbeziehungen in seine Oper übernommen. Ob das nun unbedingt "operettenhaft" ist? Ohne Musikwissenschaftlerin zu sein, würde ich sogar meinen, dass er die Ironie aus der Olimpia-Episode sogar in die Musik übernommen hat. Mindestens mal die Gesellschafts- oder eher Societysatire, aber auch die Ironie der Liebesgeschichte selber.


    Liebe Grüße
    Anja

  • Zitat

    Original von Anja
    Hm. Er hat das Thema der Liebesbeziehungen in seine Oper übernommen. Ob das nun unbedingt "operettenhaft" ist? Ohne Musikwissenschaftlerin zu sein, würde ich sogar meinen, dass er die Ironie aus der Olimpia-Episode sogar in die Musik übernommen hat. Mindestens mal die Gesellschafts- oder eher Societysatire, aber auch die Ironie der Liebesgeschichte selber.


    Liebe Grüße
    Anja


    Er hat die Ironie übernommen, vielleicht sogar etwas zu überdeutlich ins Komische gezogen (das zweimalige Aufziehen der Puppe bei ihrer Arie). Das will ich hier aber gar nicht kritisieren und schon überhaupt nicht die Oper, die ja ein eigenständiges Werk nach Motiven von Hoffmann ist. Mir ging es nur darum zu sagen, dass aus dem Sandmann eben nur die Puppe als Frauengestalt übernommen wurde und NICHT die wirkliche Frau: Klara.


    Und »Liebesbeziehung« halte ich für etwas überzogen. Die Puppe Olimpia im Sandmann kann nicht lieben, weil sie mechanisch ist. Und Nathanael glaubt, sie zu lieben, weil er zwischen Selbstverliebtheit und Wahn seine Gefühle überhaupt nicht mehr kontrollieren kann, noch weniger seinen Verstand. Von außen betrachtet - und nichts anderes tun wir ja - ist das allenfalls eine Verliebtheit und keine Liebesbeziehung.


    Meint


    Horst-Dieter

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  • Zitat

    Original von Anja
    Nur mal ganz kurz: Das ist meiner Ansicht nach keine Operette, sondern eine Oper. Wenn auch mit operettenhaften Melodien zum Teil :).
    Aber na gut, hier gehts ja nicht um die Musik.
    Und zum Text später mehr.
    Liebe Grüße
    Anja


    Wann ist später? Und was ist mehr?

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  • Hallo ihr Lieben,


    ich komme erst Weihnachten zu irgendwas, aber es kommt noch.


    Liebe Grüße
    Judith

    Nay, thy lordship, me ain't no thief, not even a smart one - Piper Quickfingers



    Der Tokee in Die rote Kammer [buch]393991407X[/buch]

  • Zitat

    Original von Judith
    Hallo ihr Lieben,


    ich komme erst Weihnachten zu irgendwas, aber es kommt noch.


    Liebe Grüße
    Judith


    … wenn wir dir bis dahin noch ein Stück Ironie übrig lassen ;)

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