Beiträge von Horst-Dieter

    Das neue Sonderheft aus der Redaktion der IT-Zeitschrift c't bietet einen kritischen Rundumschlag zum Thema KI. Im Themenblock "Arbeiten mit KI" wird untersucht, wie Wirklichkeit und Anspruch derzeit noch auseinander klaffen (KI zwischen Effizienz und Wunschdenken), und die Themen Urheberrecht und Datenschutz angeschnitten und gefragt, ob KI beim Klima hilft oder nicht. Das Fazit dazu lautet: derzeit noch offen.


    Der Themenkomplex "Schreiben mit KI" ist für "Schreibende" besonders interessant. Es wird nicht nur untersucht, wie ChatGPT eingesetzt und ausgereizt werden kann, sondern auch noch andere KI-Schreibhelfer vorgestellt und getestet. Besonders interessant ist das Eingehen auf die Schwachstellen der KI.


    Im Themenblock "Suchen mit KI" ist der dritte Artikel (Wie sich Autoren gegen KI-Bots wehren) am interessantesten. Der macht da weiter, wo der Artikel zum Urheberrecht zu Beginn des Heftes aufgehört hat. Allerdings verspricht der Titel mehr, als er halten kann. Letztendlich ist die Situation noch offen.


    Die Themenblöcke "Kunst mit KI" und "Musik mit KI" handeln Bild- und Musikgestaltung durch KI ab. Interessant, aber für Bild- und Musikschaffende insgesamt zu dünn. Die Schreiberlinge haben da in den vorangegangenen Artikeln deutlich mehr Stoff bekommen.


    Hochinteressant, aber nicht ohne Vorkenntnisse zu genießen, ist der letzte Themenblock: "Hacken mit KI", der allerdings mit zwei Artikeln etwas schmal besetzt ist.


    Eine hochinteressante Zusammenstellung, die viel Information zum Thema "Künstliche Intelligenz im praktischen Einsatz" liefert. Als Ersteinstieg oder Ergänzung vorhandenen Halbwissens sehr gut geeignet. Für eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema nicht ausreichend.

    Freie Marktwirtschaft gibt es nirgendwo, zumindest nicht so, wie Adam Smith sich das vorgestellt hat. Ob diese radikale Form der Marktwirtschaft eine positive Errungenschaft wäre, sei dahingestellt, denn das Spiel von "Angebot und Nachfrage" ohne Regel würde zu einem noch stärkeren sozialen Ungleichgewicht führen, als wir es ohnehin schon haben. Das liegt weniger an dem Modell der Freien Marktwirtschaft als daran, dass sich Marktteilnehmer darin Eingriffe erlauben können, gegen die die staatlichen Eingriffe heute Sandkastenspielchen sind.


    Amazon würde dann beispielsweise noch viel weitgehender soziale Errungenschaften torpedieren oder außer Kraft setzen, als sie es heute schon tun. Wer aus Bequemlichkeit bei Amazon bestellt tut das in dem Bewusstsein, dass dieser Konzern Mitarbeiter extrem ausbeutet und Lieferanten in einem Maße reglementiert, wie das eigentlich nicht sein dürfte.

    … Ich weiß auch, wie lange ich schon keine Buchhandlung mehr aufgesucht habe, weil ich meine Bücher schneller, bequemer und billiger im Internet bestellen kann.

    Bücher unterliegen der Preisbindung. Sie sind im Internet genau so teuer wie in der Buchhandlung (von Remittenden einmal abgesehen). Sie werden in der Buchhandlung auch genau so schnell geliefert, nämlich über Nacht. Wenn Sie dort vorrätig sind, bekommt man sie sogar schneller, nämlich sofort. Nur das bequemer stimmt. Bei Internetbestellungen muss man die Füße nicht mehr vor die Tür setzen. Ich mache das beispielsweise aber ganz gerne. Hinzu kommt, dass man Gespräche führen kann mit Buchhändlerinnen, über Bücher und Gott und die Welt. Geht bei Internetbuchhandlungen auch nicht. Außerdem sieht man bei einem Besuch einer Buchhandlung, dass dort noch andere Menschen zugegen sind und Bücher kaufen, zu manchen Zeiten sogar viele. Der Eindruck, niemand würde mehr in eine Buchhandlung gehen, kann so gar nicht entstehen.

    Sandra Uschtrin hat gerade ein Buch herausgebracht: Schreiben mit ChatGPT für Autorinnen und Autoren.


    ASIN/ISBN: B0C42XTP3G


    Darin berichtet sie, wie sie zusammen mit der KI ein Sachbuch (nämlich dieses) und einen Liebesroman geschrieben hat. Ich werde darüber demnächst in unserem Block berichten (die Rezension ist bereits in Arbeit).

    Noch etwas mehr als eine Woche - dann findet die diesjährige Verleihung des Putlitzer Preises statt. Wo? Natürlich in Putlitz. Jeder ist herzlich eingeladen, sich das einmal anzusehen und anzuhören: die Eröffnung durch den Putitzer Fanfahrenzug, die Lesung der Siegertexte "von der Kanzel" herab und natürlich das genau so wichtige Drumherum wie die Scheunenlesung am Abend zuvor und das "Nachfeiern" im Pfarrgarten mit Spargelsuppe, Lagerfeuer und Gans vielen Gesprächen.


    Soeben habe ich die Druckfreigabe für das Büchlein mit den Siegertexten erteilt. Wer in Putlitz dabei ist, kann sich eines mitnehmen - kostenlos (auch vom Vorjahresbüchlein gibt es noch ein paar Restexemplare). Wer nicht kommen kann und es trotzdem lesen möchte, darf sich für 3 Euro (Porto und Verpackung) eines bestellen.

    Die Stadtdbücherei hat eine interessante Ausschreibung veröffentlicht. Sie sucht "schlechte Gedichte":


    Zitat

    Denn gibt es wirklich schlechte Poesie? Was für den einen nur belanglos ist, eröffnet der anderen die ganze Welt. Was gestern schlechtes Handwerk war, kann morgen Avantgarde sein. Und gerade im Peinlichen kann die eigene Wahrhaftigkeit erstrahlen.

    Die Expressionisten erforschten die Ästhetik des Hässlichen, doch gibt es auch eine Ästhetik des Schlechten: Vor 60 Jahren identifizierte Susan Sontag mit Notes on Camp den Reiz des Kitschigen, des Verklemmten, des unfreiwillig Komischen. Und 2005 proklamierte der Autor Douglas Wolk das Konzept einer Kultur des Trashs: SOBIG - So Bad, It’s Good!

    Also los - schaut in alte Tagebüchern und sucht in Euren Schubladen in den hintersten, verstaubten Winkeln. :)

    … Aber ich sondere Mozart oder Brahms auch nicht aus, bloß weil ihre Kompositionen alt sind.

    Schönes Beispiel auch dafür, dass neben Mozart und Brahms viele andere Komponisten übersehen werden, die auf gleichem Niveau komponiert haben, aber nicht so im Rampenlicht standen. Etwa der im Odenwald aufgewachsene Joseph Martin Kraus, der später am Hof in Stockholm Karriere machte, bei den Schweden heute noch populär ist, sonst aber eher ein Schattendasein in der Musikwelt spielt. Interessant auch seine Lebensdaten (1756 - 1792). W.A. Mozart lebte von 1756 - 1791). Haydn lobte Kraus für seine Sinfonien.


    Bei den bekannten Größen der Literatur dürfte es sich ähnlich verhalten.

    Das ist richtig. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt so richtig erklären kann, aber um in diese Szene, mit der alles beginnt, erklärender Weise Futter einzufügen, würde ich weit bis in Teil sechs vorgreifen, warum, wieso und weshalb dieses oder jenes passiert oder auch passiert ist.

    Man muss nicht erklärender Weise Futter einfügen. Wenn man eine Szene erklären muss, ist sie nicht zu gebrauchen.

    …Kulturhistorisch geht es dabei vor allem um die Wirkmächtigkeit der Werke und ihrer Schöpfer und -innen. In einen kulturhistorischen Literaturkanon gehören deshalb Werke, die epochal waren, die Wirkung hatten, die eine Ära und die folgenden beeinflusst haben. Meilensteine

    Wer trifft die Auswahl? Und wer prüft, ob sie vollständig ist, oder zumindest nichts übersehen ist was außerhalb des eigenen Sichtfelds liegt?


    Außerdem ist meines Erachtens zu berücksichtigen, dass die "Wirkmächtigkeit" oft erst spät erkannt wird, der Kanon also immer wieder anzupassen ist.


    Die "Wirkmächtigkeit" einiger Autorinnen der Vergangenheit könnte deshalb durchaus überprüft werden. Ebenso, ob man nicht andere, die in den Kanon gestellt sind, überschätzt wurden.


    Ich bin froh, dass ich nicht solch einen Kanon aufstellen und auch nicht daran mitarbeiten muss. Ich stelle noch nicht einmal einen Kanon für mich selber auf.


    Zum Schulkanon: Ich stimme Christian insofern zu, dass der Kanon für Schulliteratur "lockerer" gehandhabt werden sollte. Das fixe festlegen zu lesender Literatur mit wenig bis kaum Spielraum für die Lehrer, einzig bestimmt von Verwaltungspädagogen an Kultusministerienschreibtischen ist schädlich. Ärger, wie er letzten noch hochkam bei der Aufnahme von Literatur mit dem bösen N-Wort könnte dadurch vermieden werden. Lehrer und Lehrerinnen, die mit so etwas umgehen können, dürften solche Literatur dennoch einsetzen und andere, die sich persönlich dadurch diffamiert fühlen müssten den Schuldienst nicht aus Protest verlassen. Außerdem würde die Vielfalt der Literatur in den Schulen besser abgebildet werden und die Lust am Lesen - auch des kritischen Lesens - bei den Schülerinnen und Schülern stärker geweckt werden, meine ich zumindest ganz subjektiv.