Beiträge von Horst-Dieter

    Schreiben und schreiben ist nicht das gleiche. Schreiben im Sinne von "Text produzieren" ist etwas anderes als Schreiben im Sinne von "erzählen". …

    Die Ausgangssituation ist: Achim hat einen Plan (er schreibt "Gliederung") und weiß jetzt nicht, ob er erst schreiben soll, was er erzählen möchte, oder ob er im Schreibprozess bereits mit dem Überarbeiten anfängt. Darauf habe ich geantwortet: Erst schreiben - dann überarbeiten.


    Ich schreibe seltenst ohne Plan. Für kürzere Texte reicht meist eine Idee, für längere nie. Zumindest mir nicht. Aber ich habe aufgehört, bereits im Schreibprozess Überarbeitungen vorzunehmen. So wie Anja das schreibt - die letzten Seiten vom Vortag lesen und dabei korrigeiren – das ja, aber das zählt bei mir nicht zum Überarbeiten. Meiner Meinung nach ist es effektiver, die Gesamtüberarbeitung nach Fertigstellung vorzunehmen. Für manche mag es anderesherum besser sein, aber ich kenne viel zu viele die vor lauter Überarbeiten mit ihrem Projekt nicht fertig geworden sind.

    Siegfried Lenz konnte sein zweites Manuskript, nachdem der erste Roman (Es waren Habichte in der Luft, 1951) gut angekommen war nicht unterbringen. Der Programmleiter wies es mit eigeneartigen Gründen zurück (ebenfalls 1951). Lenz probierte gar nicht erst es woanders und schrieb seinen nächsten Roman. Posthum erschien der zweite dann im Jahr 2016 (Der Überläufer). Man versteht die Ablehnung von damals heute nicht mehr, der Roman hätte gut in die Zeit gepasst. Was aber wäre aus Siegfried Lenz geworden, wenn er sich verbohrt hätte und versucht hättte auf Biegen und Brechen diesen Roman unterzubringen? Vermutlich hätte sein Talent doch irgendwann den Weg gefunden – wieviel Zeit hätte er aber verloren?

    Herzlich willkommen in diesem Forum, Lea. Und herzlich willkommen im Club derjenigen, die Absagen sammeln. ;-) Im Ernst, es ist "normal" als Neueinsteiger Absagen zu bekommen. Und das ist auch für bereits erfahrene Autorinnen keine unbekannte Situation.


    Mein Tipp ist, bevor Du weiter nach Verlagen oder Agenturen suchst, zunächst den Text noch einmal prüfen zu lassen und mit anderen Autoren zu diskutieren.


    Wenn Du ein bisschen in diesem Forum stöberst, wirst Du auch festellen, dass diese Themen bereits vielfältig diskutiert wurden.

    Letzte Woche starb Vangelis. Sein bürgerlichem Name lautete Evangelos Odysseas Papathanassiou, was sich hierzulande nur schwer merken lässt, zumindest nicht nach dem ersten Hören. Vielleicht deshalb ist er manchen nicht aus seiner musikalischen Frühzeit in Erinnerung geblieben. Er war Keyboard bei der in Paris lebenden griechischen Rockband Aphrodite's Child. Mit Hits wie Rain and Tears, It's Five o'Clock und Spring, Summer, Winter and Fall waren sie sogar in den Charts vertreten. Ich erinnere mich allerdings auch an das fast apokalytische Erlebnis als wir Anfang der 70er mit großem Erstaunen jenes knallrote Album mit dem Titel "666" von ihnen hörten. Da war nichts mehr von Chartpop drauf sondern Progressive-Rock vom Feinsten.


    Der Sänger Demis Roussos driftete dann ins extreme Schlagermilieu ab (auch auf Deutsch). Vangelis machte Solo weiter: er schrieb Filmmusik, brachte Alben mit elektronischer Musik heraus, arbeitete mit Yes-Sänger Jon Anderson zusammen. Mit seiner Musik zu 1492 und Blade Runner wurde er größeren Kreisen bekannt. Die NASA nutzte Musik von ihm für die Präsentation ihrer Mars- und Jupitermissionen. Er lebte zuletzt wieder in Athen, wurde aber aufgrund einer COVID-19-Erkrankung in Paris behandelt, wo er am 17. Mai 2022 starb.

    EXODUS gibt es seit 1975, allerdings mit einer großen Unterbrechung. Ab Heft 24 ist es farbig. Heft 26 (3/2010) war Helmut Wenske gewidmet. Dafür durfte ich auch eine Fabel abliefern (zu einem Bild von Wenske), was mir ein handsigniertes Büchlein vom Meister persönlich einbrachte.

    Die Nummer 44 von EXODUS, dem Magazin für Science Fition Stories & phantastischer Grafik ist raus, wieder gefüllt mit mehr als zwei Handvoll guter Kurzgeschichten und eine Vorstellung des Autoren und Grafikers Thomas Thiemeyer. Es ist schon beachtlich, wie die Herausgeber es über die Jahre geschafft haben, ein hohes Niveau nicht nur zu halten, sondern auch zu steigern. Dieses Mal gibt es in einer Geschichte mit dem Titel "42 Milliarden Jahre" von Peter Schattenschneider ein Wiedersehn mit Gregor Samsa (jawohl, Kafka lässt grüßen). Genauso interessant ist aber die Erzählung "Minerva", die zwar die 42 nicht im Titel führt, jedoch von einer 42er Autorin mitverfasst wurde: Broxi.


    Wie immer, ein lesenswertes Heft.

    Dateien

    ASIN/ISBN: 3943941205


    Theodor Storms Erstgeborener, Hans, ist ein Problemkind. Zumindest für den Vater. 1877 reist er nach Würzburg, wo der Sohn Medizin studiert. Er hat Sorge, dass der Sohn sein Examen nicht macht und will ihm deshalb zur Seite stehen. Immerhin ist Hans schon 29 und er soll ihm und der Familie nicht weiter auf der Tasche liegen. Doch so richtig klappt das mit der Vater-Sohn-Beziehung nicht. Jeder hat Vorbehalte – und Vorwürfe – dem anderen gegenüber und so kommt es zum Eklat, gerade als Hans sein Examen abgeschlossen hat. Der Vater reist ab, ohne ihn noch einmal getroffen zu haben.


    Die Autorin ist eine Urenklin Theodor Storms, wurde 1930 in Rostock geboren und gehörte zumindest zeitweilig zur Gruppe 47. Der Roman ist sehr dicht erzählt, nicht aus einer Perspektive sondern wechselseitig aus der von Vater und Sohn. Die Innensicht der Personen ist stärker berücksichtig, als das äußere Geschehen, weshalb konsequent auch auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede verzichtet wurde. Als Leser ist man immer ganz dicht dabei, einmal im Kreis um den Vater, der sich vorwiegend aus Akademikern zusammensetzt, und dann wieder beim Sohn, der sich neben Studenten auch mit Arbeitern umgibt und sich seine Geliebte aus diesem Milieu ausgewählt hat. Seinem Vater will er sie nicht bekannt machen, um sie zu schützen, wie er vorgibt.


    Das nicht einmal zweihundert Seiten schmale Buch kommt mir in dieser Ausschnitthaftigkeit weniger wie ein Roman, denn wie eine Novelle vor. Storm hätte vielleicht so geschrieben, hätte er heute gelebt. Dass es jedoch nun seine Enkelin tut, finde ich ganz passend. Dabei geht sie nicht gut mit dem Dichter um. Man merkt schnell, wem ihre Sympathie gilt, auch wenn sie sich Mühe gibt, nicht allzu oberflächlich Partei zu ergreifen. Das schadet dem Roman aber nicht und letztendlich auch nicht dem Dichter, denn seine Hilflosigkeit im Verhalten seinem Sohn gegenüber ist genau so zu bedauern wie die Unmöglichkeit des Sohnes, sich endgültig vom Vater zu lösen.

    Es geht nicht um eine inhaltliche Zensur. Sowohl Vereinsmitglieder als auch angemeldete Forenmitglieder sollen diese Vorstellungsmöglichkeiten nutzen können. Überprüfung nur deshalb, weil wir diejenigen aussortieren wollen, die sich in diversen Foren anmelden um für eigene V eröffentlichungen Werbung zu machen, sich sonst aber im jeweiligen Forum nicht engagieren.