Beiträge von Katla

    Hallo Silke ,


    es kommt drauf an, wie das verwendet wird. (Buch/KG)Titel und Kapitelüberschriften sind ja nicht auf Ebene der Geschichte bzw. des Erzählers, sondern auf Ebene des Autors. Wenn ein Werk metafiktionale Aspekte hat, sich der Autor selbst mit eigener Stimme kommentierend oder wertend einmischt wie eine körperlose, konkurrierende oder zusätzliche Erzählstimme, mag ich das gern. Dann wird man beim Lesen eben sehr stark auf das 'Gemachte', Konstruiert-Künstliche des Schreibens und Erzählens gestupst. Das mag ein schönes, ironisches Spiel sein.


    Hast du aber einen Erzähler, der wirklich dezidiert nicht der Autor selbst sein soll (also wie es konventionell ist: Unterscheidung Autor = außerhalb der Fiktion vs Erzähler = nur innerhalb der Fiktion), und soll die gesamte Geschichte nur vom Erzähler innerhalb der Fiktion getragen werden, wäre eine Kapitelüberschrift streng genommen sogar ein Formfehler. Dann mag ich es störend finden, weil ich den Eindruck bekomme, der Autor hat seine Erzählung / Erzählhaltung nicht ganz im Griff, oder es kegelt mich einfach aus der Stimmung. Z. B. hätte ich vielleicht das Gefühl, der Autor traut mir nix zu, gängelt mich.


    Ich hab schon beides gemacht: Kapitelüberschriften bei stark strukturellem / 'künstlichem' Aufbau, also bei Geschichten, die nicht verhehlen, gemachter Text zu sein; aber keine in Texten, die die Illusion von unmittelbar erlebter Geschichte schaffen sollen, wo der Leser am besten vergessen soll, dass er liest.


    Magst du vielleicht ein Beispiel posten? Also eine Überschrift mit ein paar Passagen nachfolgendem oder umstehendem Text? Dann könnte man leichter sehen, ob das fluppt.

    Hallo Lea Tomassini ,


    ganz herzlich willkommen hier! Ich führe gerade an anderer Stelle die Diskussion pro/contra Agenturen, das ist ein sehr kontroverses Thema, wie es aussieht. Da hab ich nie dran gedacht (weil ich bei Projekten ein kleiner Kontrollfreak bin :evil), und im Laufe der Zeit trotzdem nahezu 40 Texte veröffentlicht bekommen (50/50 KGs und Essays, klassische Klein- und Kleinstverlage, ein großer in UK). Da hab ich die Erfahrung gemacht, dass man ab irgendeinem Punkt angefragt wird - für Texte oder auch als Herausgeber -, und andererseits Pitchings nicht so oft ins Leere laufen.


    Jeder schreibt und arbeitet anders, manche möchten nur Romane schreiben (was sicher auch Vorteile hat), andere arbeiten vielleicht wie ich und haben mit der Kurzform mehr Spaß. Meine 5 Cents wären: Sich so weit es geht in die Lage zu versetzen, gut zu schreiben; das zu schreiben, was man wirklich möchte und erstmal nur daran arbeiten, möglichst gute Texte zu verfassen - nicht im Hinblick auf Veröffentlichungen, Zielgruppen, Verlage. Die wären imA eher der allerletzte Schritt.

    Selfpublishing wäre für mich aus Kostengründen eher eine der letzten Optionen.

    Wie bereits gesagt wurde: Falls du an DKZ-Verlage denkst: Finger weg! Hast du das im Portfolio, wird dich kein Verlag mehr anfassen. Damit kannst du deinen Namen 'verbrennen'. Das kann auch keine Befriedigung sein, meine ich.

    Self-publishing so über Plattformen und BoD ist vielleicht (hab ich nie gemacht, kenne aber Leute, die so gestartet sind) ein Weg, wenn du Marketingexpertin bist und dein Buch gut unter die Leute bekommst.

    Nach der enttäuschenden Rückmeldung habe ich es über zwanzig weiteren Verlagen und Agenturen angeboten, bisher jedoch ohne Ergebnis. (...)
    Aktuell fällt mir nichts Besseres ein, als einfach weiter zu suchen, bis sich ein Verlag oder eine Agentur findet, die bereit ist, meinen Roman zu publizieren.

    Was soll das bringen, es mit dem gleichen Text immer und immer wieder zu versuchen? Da kann ich eigentlich nur mit Horst-Dieter antworten:

    Mein Tipp ist, bevor Du weiter nach Verlagen oder Agenturen suchst, zunächst den Text noch einmal prüfen zu lassen und mit anderen Autoren zu diskutieren.

    Konkret: Stelle hier ein aussagekräftiges Kapitel vor, das nicht zu lang ist, sodass man intensiv dran arbeiten könnte. Eine oder zwei Seiten sollten reichen, um ggfs. Stärken und Schwächen zu sehen. Lass dir Rückmeldungen geben und nimm die an, auch, wenn sie wehtun sollten.

    Und auch, wenn das zwei verschiedene Textformen sind, und eine gute KG nicht bedeutet, dass man unbedingt auch einen guten Roman schreiben kann, lassen sich ggfs, Probleme sehr viel besser an Kurztexten beheben. Also ich meine: Aufbau, Plot, Konflikt, Charakterisierung, Weltenbau / Setting, Flow vs Infodump, Sprache überhaupt: wie ist es mit Vokabular, wie sicher bist du im gewählten Register etc. etc.


    An einem 400-Seiten Text zu arbeiten, falls es grundsätzliche Probleme geben sollte, ist zu schwierig, sowohl für die Kommentierenden (das schreit nach bezahltem Lektorat) als auch für dich. Abgesehen davon: Jeder Text kann durch Fremd-Edit verbessert werden.


    Das wäre so der Weg, den ich vorschlage. Mach dir erst mal keinen Kopp um einen Verlag. Geh erstmal zurück in den Text, bzw. besser in einen Kurztext, guck den zusammen mit anderen Leuten an. Editiere bis zum Umfallen, gewöhne dir selbst einen 'kalten Blick' auf dein Geschriebenes an, Abstand.


    Liebe Grüße und ganz viel Spaß beim Arbeiten,

    Katla

    Als kürzlich Auch-wieder-hier-Aufgetauchte sag ich auch: Ganz herzlich willkommen zurück!


    z.T. bekam ich wenig, manchmal positives Feedback, jedoch meist mit dem Vermerk, dass das Themen nicht vermarktbar genug seien

    Letztres dürfte doch eigentlich grad bei der Fantasy eher ein Vorteil sein - dann da höre ich ziemlich viel Gestöhne, dass das alles ein generischer Brei sei. Klar, es muss halt auch ins Programm passen, aber zumindest in meinen Augen klingt das sehr spannend.


    Ich warte noch auf die Freischaltung für die Textarbeitsgruppe, aber vielleicht magst du ja einen der Texte dort zur Diskussion stellen? :write

    Wobei die Frage ist, was das dann bedeutet, "weiterhilft".

    Ein paar weitere Stufen sind vielleicht weniger hoch. Damit meine ich wie gesagt auf keinem Fall, dass einem das bei einem riesigen Publikumsverlag helfen wird. Es ist einfach ein Aspekt, den ich mal ansprechen wollte.

    Wurdack zB ist ja sogar mir ein Begriff, obwohl ich ein ziemlicher Spießer bin.

    :nick Hehe, klasse, das freut mich zu hören.

    Kaum eine Agentur kümmert sich heutzutage um kürzere Prosatexte oder sucht Nischen für abseitige Genres. Da ist dann die direkte Ansprache bei einem kleinen oder mittelgroßen Verlag (kein Kleinstverlag!) manchmal die bessere Lösung.

    Ja, das sehe ich ganz genauso. Bei Kleinverlagen oder Literaturliebhabern, die in Eigenregie kleine Sammlerstücke herausbringen (z.B. Neuauflagen von Phantastik um 1900 oder entsprechende Übersetzungen ...) ist der Umgang ja ohnehin sehr familiär, ich denke, da fiele ein Agent sogar unangenehm auf.


    In einem anderen Forum las ich von einer Hobbyschreiberin, die eine Agentin hat, damit sie ihre Kurzgeschichten u.a. in Literaturmagazinen unterkriegt. Das finde ich nun wirklich albern, zumal sie leichte Unterhaltungsliteratur sprich Mainstream schreibt.


    Kurze Zwischenfrage, weil ich das so bislang noch nicht unterschieden gesehen hab:

    Wo ziehst du (oder zieht ihr, hier im Forum) die Linie zwischen Klein- und Kleinstverlag? Hast du da ein paar Beispiele zu besseren Einordnung? Kleinstverlage - falls ich da mit meiner vermuteten Einordnung richtig liege - sehe ich übrigens nicht als Problem, wenn man Genretexte schreibt. Worauf genau beziehst du z.B. deine 'Warnung' vor Kleinstverlagen?

    Manche winzigen Verlage haben Kultstatus, da geht die Anerkennung nicht über die Anzahl verkaufter Exemplare, sondern eine Art In-Group-Status, der einem - wie gesagt, auf Genreliteratur bezogen - tatsächlich weiterhilft.


    Zu der Diskussion an sich: Das ist ein wirklich wichtiges Thema.

    Ich hab im vergangenen Jahr Erfahrungen als Herausgeberin in einem Kleinverlag gemacht (Genreliteratur Phantastik, Output pro Jahr: über 200 Print-Titel), und dort eben den Vertrag umfassend geändert. Nämlich angeglichen an die Anthologien-Vorlage von verdi. Grad Kleinverleger sind nicht so bewandert, was die Bedeutung (und Konsequenzen) des genauen Vertragswortlautes angeht. Ich habe meinen Vertragsentwurf in mehreren Emails ausführlich dargelegt und am Wortlaut direkt erklärt und er wurde ohne jegliche Änderung angenommen.


    Das hat mich auch ein paar schlaflose Nächte gekostet, weil ich - wie ihr oben auch teils geschrieben hattet - durchaus Befürchtung hatte, mein Projekt würde vielleicht gecancelt. Der Austausch war aber extrem angenehm, ohne den Hauch von Streit, und ich bin heilfroh, dass ich meinen Entwurf verteidigt habe. Jetzt ist dieser für all meine Projekte angenommen, was auch - es ging um alleinige Verwertungsrechte vs einfaches Nutzungsrecht - nicht nur mir, sondern auch meinen Autoren zugute kommt.


    Daher meine ich: Man kann sich auch als kleines Licht (es betraf mein erstes Projekt dort, und die kannten mich letztlich kaum) durchsetzen, wenn man das ganz diplomatisch und freundlich tut.

    Danke, liebe Leute, ich freue mich wirklich riesig über eure nette Begrüßung! :blume


    Nils Ja, manchmal muss man den Kopf bissl auslüften und Platz für frische Ideen schaffen, auf See geht das wunderbar. Dort hat man aber auch keine Zeit / Kraft für viel anderes.


    Ich bin fast ein bisschen neidisch

    Beruhigt es dich, wenn ich sag: beide Beine davon (unterschiedlich) lädiert? :krueck <- So schlimm nun auch wieder nicht, aber die Sache ist nicht ungefährlich, man hat da eben mit ziemlichen Kräften und Gewichten zu tun, und das noch in Bewegung ...

    Heißen Dank für euer liebes Willkommen Dorrit (ach ja, das unsichtbar-No-Go habt ihr mir glaube ich damals schon gesagt =), ist ein Automatismus und schon abgeschaltet) und Silke (deinen Nick hatte ich auf der Suche nach meinem alten bereits gefunden :gimme5).


    Ja, Helsinki ist wirklich sehr schön und die Finnen super angenehm. War auch kein Zufall, dass ich hier gelandet bin.

    Hallo liebes Forum,


    vor 10 Jahren war ich schon mal hier unterwegs – da ich aber weder meinen alten Nick im System fand (eigentlich ganz simpel, wie ich inzwischen sah: mein Klarname, Silke Brandt), noch Zugang zu meiner damaligen E-Mail-Adresse habe, nun unter meinem Textarbeits-Nick angemeldet.


    Und weil alles so lange her ist und viel passiert: Alles neu macht der März. Meine Schreibpause war dem Segeln geschuldet, bzw. einer Ausbildung und Arbeit als Vollmatrosin auf Segelschiffen.


    Ich lebe seit 14 Jahren – nun mit doppelter Staatsbürgerschaft – in Helsinki und schreibe semiprofessionell Essays und Kurzgeschichten als Hobby, heißt: einige Texte werden bezahlt, andere gegen Belegexemplare veröffentlicht. Mir passt das aus vielerlei Gründen sehr gut so.


    Bevorzugte Genres: Spekulativer Realismus, Dunkle Phantastik (nicht zu verwechseln mit der kitschigen Dark Fantasy), Horror mit historischen und/oder maritimen Settings, Science Fiction und neuerdings auch Science Fantasy. Das ist für mich Rationalistin das Maximum an Konflikt-Bau/Konfliktlösung mittels „Magie“. Ursprünglich komme ich aus dem unromantischen Erotik-Genre.

    Neuerdings bin ich zudem Herausgeberin für zwei Kleinverlage: Wurdack und Blitz, und bin Co-Lektorin für die Anthologiereihe Zwielicht (v.a. für die Übersetzungen aus dem Englischen). Beim Herausgeben geht es mir darum, Texte zu veröffentlichen, die nicht nur handwerklich und erzählerisch gut gemacht sind, sondern auch eine ganz individuelle Stimme, eigene Plots, Figuren und Konflikte bieten. Also Texte, die man – egal, welchem phantastischen Genre sie angehören – so nicht schon Tausend Mal gelesen hat.


    Kritische Textarbeit ist mir enorm wichtig, weil ich davon ausgehe, dass schlichtweg jeder Text verbessert werden kann. Ich meine, beim Schreiben wäre es so wie beim Segeln: Man lernt nie aus. Das ist für mich auch das Schöne und Spannende daran.


    Übrigens: Die Admin ist über die Doppelanmeldung unterrichtet (der alte Account kann gelöscht oder unter diesem subsumiert werden). Ich freue mich schon sehr, wieder im Forum einzusteigen!


    Ganz herzliche Grüße aus der Frühlingssonne,

    Katla


    Anlegen nach einer Traditionsschiff-Regatta, Helsinki Südhafen 2021. Und mein erstes Herausgabeprojekt, das Phantastik mit Segeln & Meer verbindet (Wurdack Verlag, 9/2021):

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