Herbert Klaeren
Viren, Würmer und Trojaner
Streifzüge durch die Computerwelt
Klöpfer&Meyer
Eigentlich wollte ich das Buch gar nicht in die Hand nehmen. Ein Buch über "Viren, Würmer und Trojaner" hatte ich nicht gesucht. Der Untertitel "Streifzüge durch die Computerwelt" machte aber doch neugierig.
Tatsächlich handelt nur eines von 12 Kapiteln von diesen digitalen Schädlingen. In allen Kapiteln geht es wirklich um einen Streifzug durch die Computerwelt, und zwar von der Entstehung des Personal Computers (Wie entstand die Marktmacht von Microsoft?), über Programmiersprachen (Wieso LISPeln Programmierer) und die amerikanischen Eliteuniversitäten für Informatik (Wo liegt eigentlich Stanford?) bis zur Klärung der Frage, um die es eigentlich in diesem Buch geht (Was ist überhaupt Informatik?).
Klaeren ist Professor für Programmiersprachen an der Universität Tübingen und bevor jetzt einige Abwinken und aufhören zu lesen: Nein, er schreibt wirklich verständlich und interessant. Und er geht so einige Vorurteile an, etwa gegen die, dass Hacker etwas Gefährliches und subversives sind (im Kapitel: Womit beschäftigen sich Hacker).
Mit Sicherheit wird sein Buch nicht überall positiv aufgenommen. Im Kapitel "Wieso gründen Informatiker keine Microsoft-Fanclubs?" nimmt er die Geschäftspraktiken der Redmonder Firma differenziert auseinander, ohne in die übliche Kerbe (schlechte Software) zu schlagen.
In den letzten beiden Kapiteln beschäftigt er sich mit den Problemen der künstlichen Intelligenz (KI) und der Robotik, sowie der Ethik des Computers. Seit Theodore Roszak (Der Verlust des Denkens) habe ich keine so guten Texte zu diesen Themen mehr gelesen. Klaeren geht zwar nicht sehr tief, schafft aber einen guten Überblick über verschiedene Denkrichtungen und bleibt trotz allem nicht oberflächlich. Zu jedem Kapitel gibt er außerdem noch Quellen an, mit denen eine weitere Vertiefung möglich ist.
Ein rundum empfehlenswertes Buch, selbst für diejenigen, die glauben, sich für diese Thematik nicht interessieren zu müssen. Wer sich täglich für kürzere oder längere Zeit an einen PC begibt, der kann durchaus auch ein wenig Hintergrundwissen darüber verkraften, wie es zu diesem Arbeitsgerät gekommen ist und was davon für die Zukunft noch erwartet werden kann. Nachteilig ist, das für eine kurze Zeit (es ist wirklich schnell durchgelesen) das Buch von "wichtiger" Arbeit abhalten kann.
Es ist eines der Bücher, die ich selbst gern geschrieben hätte - das mit Sicherheit aber nicht so kompetent gekonnt hätte, wie der Autor das hier vorgemacht hat.