Beiträge von Horst-Dieter

    Das KI und digitale Systeme einen enormen Energieverbrauch haben, ist bekannt, die Dimension aber den meisten, die darüber Reden, nicht. Einen Bericht darüber kann man bei Spektrum der Wissenschaft lesen (man muss allerdings ein Werbe-Video vorher aushalten, das auch nicht ohne Energie, vermutlich mit geringem Anteil aus erneuerbaren Energien, auskommt). Weniger bekannt ist, dass KI einen hohen Wasserverbrauch hat. 700.000 Liter Süßwasser werden zum Beispiel von Microsoft beim Training von GPT-3 verbraucht und die Serverfarmen von Microsoft stehen dort, wo sowieso Wasser knapp ist. Meine KI (=kreative Intelligenz) verbraucht etwa 2 Liter Flüssigkeit am Tag. Die 700.000 Liter würden bei mir geschätzt noch fast 960 Jahre reichen. Da ich davon nur noch einen Bruchteil zu leben habe, bleibt von dem Wasser auch noch für andere etwas übrig. ;)

    Ich werde mir den Film übrigens (freiwillig) nicht ansehen, schon aus dem Grund, weil ich Leute wie Elisabeth von Österreich und Ludwig II. von Bayern für völlig aus der Zeit gefallene, widersprüchliche Personen halte, die auch mit solchen scheinbar kritischen Darstellungen immer noch eine Art Verherrlichung finden, die nicht angemessen ist. Ich lese auch das Buch von Duve nicht, die ich sonst sehr schätze.

    "fortschrittlich denkender Mann" - ist etwas schwächer kritisch. Zeigt aber für mich auch in die falsche Richtung. Es sagt eigentlich nichts darüber aus, WIE der Mann denkt. "fortschrittlich" kann genau so divers belegt werden wie "modern", eben von jedem anders, ganz nach der jeweiligen Sichtweise. Warum nicht direkt sagen, dass der Mann gemeint ist, der nicht mehr in alten Klischees denkt und schon gar nicht in alten Geschlechterrollen?

    Mit den Klassikern ist das so eine Sache, sie sind sicher alle lesenswert aber nicht alle von allen. Das Kaelo sich beim "Steppenwolf" vergriffen hat löst bei mir eher ein Schmunzeln aus. Das ist und bleibt Hesses sprödestes Werk. Da hat auch die Verfilmung nicht funktioniert - nicht funktionieren können. Dieses Buch kann man eigentlich auch nur mit Gewinn lesen, wenn man in einer ähnlichen Situation ist, wie Hesse in seinen Fünfzigern war. Und sonst als Außenstehender eher analytisch und mit einer gehörigen Portion Skepsis. Andere finden das "Glasperlenspiel" abartig, das ich aber eher großartig und für fast gelungen halte. Von Fontane habe ich bislang noch nichts gelesen, was mich gelangweilt hat, noch nicht mal die Poggenpuhls, ein Roman, in dem fast nichts passiert. Dagegen werde ich mit Jean Paul nicht glücklich. Ich kann ihn über kurze Strecken mit Vergnügen lesen, aber das flacht dann ganz schnell ab und schon wieder habe ich ein Buch von ihm nicht durchbekommen. Das wird sich wohl in diesem Leben nicht mehr ändern.

    Übrigens habe ich bei der Formulierung "modern denkende Männer" nicht lange über Interpretationen nachdenken müssen.

    Ich finde diese Formulierung immr noch nicht gut. Ist es "modern", wenn man als Mann nicht mehr machohaft und "frauenfreundlich" denkt? Haben gestern oder vorgestern oder vor x-Jahren die Männer alle machohaft und frauenfeindlich gedacht? Modern ist für mich ein zeitbehafteter Begriff. Was heute mordern ist, es übermorgen nicht mehr. Ist damit eine Anischt, die man vorgestern hatte, schon veraltet? Ich weiß sehr gut, was Vichara damit ausdrücken will, aber ich halte die Formulierung für überdenkenswert.

    Adele Spitzeder, eine mittellose Schauspielerin, gründete 1869 in München eine Bank, indem sie Geld zu 10% Monatszinsen annahm und die Zinsen sofort auszahlte. Das sprach sich herum und sorgte für einen enormen Zulauf an Geldgebern, später auch an solchen, die sich Geld von der Spitzeder liehen. Sie machte sich nicht nur Freunde damit, insbesondere die Münchner Sparkasse geriet dadurch in Schwierigkeiten. Da es keine Buchführung gab und das Geld in der Wohnung herumlag, die Spitzeder zudem einen aufwändigen Lebensstil pflegte, musste es irgendwann zu einer Katastrophe führen. Aus dieser historische Begebenheit machte Bhavya Heubisch einen (historischen) Roman. Dafür nutzt sie alle verfügbaren Quellen – sie sind sogar im Anhang des Romans aufgelistet! – weist aber im Nachwort darauf hin, dass sie sich keiner Quelle verpflichtet fühlt und einen eigenen Weg gegangen ist. Das ist ihr gut gelungen, sie hat die Persönlichkeit der Adele S. nicht verzerrt, sondern ist bei allen Freiheiten, die sie sich genommen hat, nah bei realen Persönlichkeit geblieben. Die eingebauten Figuren und Schicksale, zeigen ein lebendiges Bild der Münchner Gesellschaft um 1870 herum und machen deutlich, warum solch ein Aufstieg damals überhaupt möglich war. Ein lesenswertes Buch.


    ASIN/ISBN: 3862223531

    Natürlich nicht. Aber das Thema ist durchaus komplex.


    MIr ging es ja auch nur darum, meine Beobachtung zu teilen, dass dieselben, die es sich in ihrer Opferrolle bequem machen, anderen genau das nicht zugestehen.


    Aber das hattest Du schon so verstanden, nehme ich an ;)

    Hatte ich!

    Und nach meiner Beobachtung ist das dieselbe Fraktion, die findet, dass z.B. die Afrikaner mal so ganz grundsätzlich aufhören sollen, über Kolonialismus zu reden, weil das ja alles schon ewig her ist. …

    Ist es eben nicht!