Beiträge von Horst-Dieter

    Baxter ist Schlafwagendiener bei der kanadischen Eisenbahn und fährt auf den langen Strecken zwischen Ost- und Westküste hin und her. Nach zwei Jahren Studium der Zahnmedizin hat er unterbrechen müssen, um sich das Geld für das weitere Studium zu verdienen. Schlafwagendiener bei der Bahn ist ein Knochenjob. Kaum Schlaf, von Essen bis Schuhcreme muss alles selbst finanziert werden, der Lohn ist niedrig, das Trinkgeld der Fahrgäste meistens mau. Man muss mit den Befindlichkeiten der Reisenden auskommen, von denen kaum jemand im Normalmodus unterwegs zu sein scheint. Über all dem hängt das Damoklesschwert der Strafpunkte, die man für alles und nichts bekommen kann und hat man zu viel davon, fliegt man raus. Für Baxter würde das bedeuten: Studium ade. Er hat es ohnehin schwerer als alle anderen, weil er Science Fiction und Horror-Storys liest und von den anderen deswegen gehänselt wird. Doch für ihn ist das mehr als nur Unterhaltung, denn schon seit der Kindheit sieht er Dinge, die andere nicht sehen. Hauptteil des Buches ist die mehrtägige Reise von Toronto nach Vancouver, die nicht problemfrei abläuft, vor allem länger als geplant dauert. Die Geschichten der Reisenden aus der Sicht des Schlafwagendieners Baxter zu Beginn des 20. Jahrhunderts bilden die Handlung des Romans, der ohne Plot auskommt und dennoch spannend und kurzweilig zu lesen ist. Drei Seiten Literaturhinweise am Ende deuten darauf hin, dass die Autorin umfangreich recherchiert hat, bevor sie diesen Roman schrieb. Diese Literaturliste hätte es dafür allerdings nicht gebraucht, man spürt dies auf jeder Seite beim Lesen.


    ASIN/ISBN: 3803133572

    Drei Namen sind zumindest mir bekannt: Sebastian Haffner, Thomas Melle und Feridun Zaimoglu. Das nicht die allerbekanntesten Namen auf der Liste sind, finde ich eher anregend und interessant.


    Wer die "renommierte" Jury ist, habe ich dann auch schnell noch gegoogelt:

    • Eva Horn, Germanistin und Literatur­kritikerin

    • Juliane Liebert, Schrift­stellerin und Kritikerin

    • Miryam Schellbach, Programm­leiterin des Claassen-Verlags und Kritikerin

    • Nora Zukker, Literatur­kritikerin

    • sowie den SPIEGEL-Literatur­redakteur:­innen Sebastian Hammelehle, Xaver von Cranach und Elisa von Hof.

    Der weibliche Überhang kommt - zumindest bei mir - erst einmal positiv an. Ob die Zusammensetzung "renommiert" ist, entzieht sich zumindest meiner Kenntnis (vorläufig noch). Das die Auswahl auf den ersten Blick positiv auf mich wirkt habe ich eingangs schon bemerkt. Ich werde mir die Titel der Liste jetzt mal genauer vornehmen. Vielleicht ist ja Lesestoff für mich dabei.


    Welche Opfer der Christen (oder aktueller Islamisten) waren oder sind denn selbst Schuld an ihrer Verfolgung, Folter und Ermordung?

    Nein, ganz sicher nicht. Das habe ich auch nicht geschrieben oder behauptet. Solche extrem negativen und schädlichen Auswüchse, wie sie bei den Islamisten vorkommen (bei anderen Religionen vorkommen oder -kamen) sind niemals zu entschuldigen oder gutzureden. Sie sind auch Thema in der Kultur, gehören da absolut hin und können auch in einem Literaturforum auf dieser Ebene diskutiert werden. Was nicht geht, sind persönliche Anschuldigungen oder Angriffe oder Behauptungen aus der eigenen Position und Anschauungen heraus. Mein Ansatz war zu sagen, dass die Motivation für Missbrauch (nicht nur der Religionen) nicht in der Sache selbst liegt, sondern tiefer und/oder dahinter.


    Mich interessieren am allerwenigsten die Meinungen, die von einem besserwisserischen Standpunkt ausgehen, egal von welcher Seite sie kommen.


    An deiner Stelle würde ich mir mal ansehen, wie abrahamische Religionen, z.B. das Christentum, verbreitet wurden. …

    … und am besten auch, welche Interessen dahinter standen (weltliche Macht). Dass Religionen hervorragend für diverse Zwecke missbraucht werden können, entschuldigt die Religion(en) nicht, Aber einseitige Schuldzuweisungen auf diese blendet eben den Rest aus. Die plakative Behauptung unterschlägt auch, dass es bei den Nicht-abrahamitsichen Religionen nicht besser aussieht. Und dass a-religiöse Weltanschauungen letztendlich nicht besser dastehen, lässt sich auch schnell feststellen.


    Ich habe einen ganz persönlichen Hader mit allem, was mit "Kirche" zu tun hat. Ich sehe aber keinen Grund, dies hier auszubreiten oder als Argument gegen diejenigen zu nutzen, die diesen Hader nicht haben.

    Ich habe von Ken Follett nur die Jahrhundertrilogie gelesen (den 3. Band erst letztes Jahr). Mit dem 1. Band hat er mich noch beeindruckt, beim 2. Band hatte ich erkannt, dass vieles schabloniert war und den 3. Band, der über die Zeit handelt, die ich selbst teilweise miterlebt habe, betrachte ich inzwischen mit viel Skepsis, die sich auch auf die ersten beiden Bände überträgt. Ken Follett schreibt nicht literarisch, selbst wenn es um die bei ihm unvermeidlichen Sexszenen geht bleiben Gefühl, Emotionen und vor allem Poesie weitgehend außen vor. Ich habe nicht vor, ein weiteres Buch von ihm zu lesen.