Martin, ein sechsundsiebzigjähriger emeritierter Jura-Professor erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Auf den Vorschlag seines Arztes, trotz geringer Hoffnung noch eine Therapie zu versuchen, geht er nicht ein. Er konfrontiert damit seine dreißig Jahre jüngere Frau und seinen sechsjährigen Sohn und versucht in der verbleibenden Zeit alles richtig zu machen und vor allen Dingen seinem Sohn etwas zu hinterlassen. Das ist aber nicht so einfach, denn mit all seinen Bemühungen – ob es ein Brief ist, den er zu schreiben beginnt oder der Komposthaufen, den er mit seinem Sohn anlegt – kommt er nicht so recht an. Und dann kommen noch Entwicklungen in der Beziehung hinzu, die er sich so nicht vorgestellt hatte.
Der Autor kann erzählen, so dass trotz der handlungsarmen und einfachen Story der Lesefluss nicht versandet. Gegen Ende des ersten Teils wäre so ein Punkt beinahe erreicht, doch bringen die Entwicklungen zu Beginn des zweiten Teils wieder ein wenig Schwung in die Geschichte, sodass man ohne Mühe bis zum Ende durchhalten kann.
Und dann? Es hätte ein Roman werden können, der nachdenklich macht. Bei mir hat das nicht geklappt. Der ein wenig wehleidige, selbstbezogene Protagonist wirkt auf mich nicht glaubhaft. Dass er am Anfang einmal gegen die Diagnose aufbegehrt, scheint stimmig zu sein. Warum er aber nicht auf eine Therapie eingeht und stattdessen die Familie gleich mit in die Todesgewissheit einbezieht, wird nicht wirklich deutlich. Ich halte so etwas nicht für unwahrscheinlich, aber, wie schon gesagt, mit diesem Protagonisten wird kein stimmiges Bild daraus. Der Roman lässt mich unzufrieden zurück.