Beiträge von Horst-Dieter

    … Sprache ist das einzige nichtorganische, selbstregulierende, basisdemokratische und tatsächlich auch noch funktionierende System, das der Mensch geschaffen hat.

    Ich denke, dass der Begriff "schlau" oder meinetwegen "intelligent", niemals auf ein Produkt oder ein System, das der Mensch geschaffen hat, angewandt werden kann. Zumindest nicht in dem Sinne, wie Intelligenz üblicherweise definiert wird.

    Ich habe selbst ein Online-Seminar gegeben, Ende letzten Jahres. Einen Krimi-Schreib-Kurs an der VHS, den ich zuvor schon mal als Präsezseminar durchgeführt hatte (ein Jahr zuvor). Die Plattform der VHS ist mit guten Werkzeugen ausgestattet, allerdings krankt es bei der Durchführung vor allem an der Performance. Nicht immer konnten sich die Teilnehmer vernünftig einwählen und das ist schon merkwürdig bei einer Teilnehmerzahl unter 10. Außerdem krankt es an der VHS, die merkwürdige Vorstellungen davon hat, was man darf und was nicht. Aufzeichnungen wurden zum Beispiel untersagt, weil die Teilnehmer damit ja etwas unerlaubtes anfangen könnten. Hinzu kam, das versucht wurde, dem Kursleiter "für umme" sämtliche Verwertungsrechte am Kurs abzuluchsen. Derzeit überlege ich, den Kurs als Webinar oder über Zoom o.ä. ohne bevormundende Organisation selbst zu gestalten. Das Feedback der Teilnehmer macht mir dazu allerdings Mut.

    Ich finde, diese Folge über den "Anfang" eines Textes ist etwas undifferenziert. Man steigt mit Günter Grass ein und spricht dann eher über "Unterhaltungsliteratur". Es geht darum, dass "in den Text hineingezogen" wird, das "Spannung aufgebaut" werden soll mit einem guten Anfang usw. Das ist ja alles nicht falsch, aber eben nur für Unterhaltungsliteratur gültig. Bei den Beispielen geht es dann manchmal hin und her, auch die Brüder Grimm und Franz Kafka kommen vor. Na ja, vielleicht ist das ja auch ganz gut, dass es nicht so exakt festgelegt ist.


    Das Diana Hillebrand für die Adjektive in die Bresche springt, rechne ich ihr schon mal hoch an. Positiv ist auch, dass der Podcast sehr lebendig ist durch die beiden gleichberechtigten Sprecher. Kein Interview, eher wie eine Diskussion, die man auch über eine längere Strecke gut verfolgen kann. Ich habe nur bis 33:00 gehört und musste dann unterbrechen, höre mir aber den Rest heute Abend sicher noch an.


    Ein Manko ist natürlich, das man gezwungen ist, den Podcast von Anfang bis zum Ende zu hören, ohne springen zu können. Natürlich kann ich den Regler vorschieben, aber ich weiß nicht, wo ich dann lande. Bei den Podcasts von Wolfgang Tischer im Literaturcafe gibt es eine Gliederung, die es mir ermöglicht, uninteressante Abschnitte zu überspringen. Es geht also doch.

    Vielleicht waren "Äh" und "Ähm" (oder "U" und "Um") die ersten deutlich artikulierten Laute, die ein merkwürdiges Wesen, das sich auf seinen Hinterbeinen aufzurichten begann, von sich gab, um mit seinesgleichen zu kommunizieren.


    ;-)


    Danke für den interessanten Artikel, Jürgen. Jetzt habe ich wieder ein neues Wort … äh … einen neuen Begriff gelernt: Häsitationsmarker-

    Balbina, Sarah Lesch, Peter Maffay und Rocko Schamoni sprechen in einem Interview der SZ (Nr. 97, 28.4.2021, S. 9) über die Bedrohung, die durch die "deutsche" Reform des Urheberrechts für Künstler ansteht. Leider ist dieser Artikel nicht kostenfrei im Netz zu lesen. Hier ein paar Zitate:


    Zitat

    Balbina: Das Hauptproblem ist, dass die EU-Direktive einen ganz klaren Regelungsrahmen vorgibt, um den Urhebern sozusagen wieder faire Wettbewerbsbedingungen zuzugestehen. Das braucht man, um gerechte Lizenzierungen und angemessene Tantiemen mit Plattformen zu verhandeln. Diese EU-Direktive stellt sich klar auf die Seite der Urheber. Diese Direktive wird nun in Deutschland in einem Sonderweg ganz anders ausgelegt.


    Dazu, dass eine verschärftes Urheberrecht im Netz die Meinungsfreiheit gefährde:


    Zitat

    Balbina: Das sind für mich Fake Facts. Ich bin die Letzte, die gegen Meinungsfreiheit ist. Wir werden von Leuten wie Julia Reda von der Gesellschaft für Freiheitsrechte in eine Ecke gestellt, als hätten wir was gegen Meinungsfreiheit …


    Und auf die Frage, warum Deutschland einen Sonderweg beim Urheberrecht wählt:


    Zitat

    Peter Maffay: Aus meiner Sicht macht die Regierung in einem für sie entscheidenende Jahr ganz einfach Wahlgeschenke. Und außerdem hat sie Angst vor den Plattformen. Die geht einfach vor den Lobbyisten in die Knie. Das ist alles.

    Rocko Schamoni: Und sie haben Angst vor Netzaktivisten. Die SPD geht in die Knie, weil sie so einen Schiss vor dem Hashtag "Nie wieder SPD" haben. Das sie quasi die ganze Künstlerschaft dabei verlieren, interessiert sie offensichtlich nicht. Uns haben sie geopfert.


    Und zur Situation der Künstler in der Pandemie:


    Zitat

    Balbina: […] Ich finde es völlig in Ordnung aus Solidarität mit den Menschen, die auf den Intensivstationen liegen, die dort arbeiten und sich den Arsch aufreißen, nicht aufzutreten. Aber da ist es das Mindeste, dass ich an den Umsätzen beteiligt werde, die jetzt nur deswegen digital explodieren, weil wir nicht in Restaurants gehen, nicht ins Theater, wir gehen nirgendwo hin. Und die Plattformen denken sich, ja geil, 20 Prozent Wachstum. Die fahren unfassbare Gewinne ein. Aber wir, wir sitzen da, und wir müssen Olaf Scholz bitten, Entschuldigung, Entschuldigung. Ich würde gerne meine Miete bezahlen.


    Und zur Frage, wie existenziell die deutsche Vorlage ist:


    Zitat

    Balbina: Ich formuliere das mal umgekehrt. Mit der Direktive der EU ist der erste Grundstein dafür gelegt, dass die Plattformen endlich rechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Wenn wir diese EU-Richtlinie jetzt genau so umsetzen, wie sie gemeint ist, nämlich im Sinne der Urheber, haben wir das Problem gelöst.

    Ich kann dich gerade nicht leiden, Tom. Erst habe ich mich gefreut, über die schöne Aufmunterung, das Buch nicht zu lesen, da kommst du mir mit einer positiven Motiviation. Meine Güte, und der Anfang mit den Wölfen und den Raben ist außerdem noch alles andere als abschreckend.

    Ich finde schon, dass man beim Ulysses mehr als zwei bis drei Seiten am Stück lesen kann und meine auch, einen Zusammenhang darin zu erkennen. An die anderen Werke habe ich mich noch nicht herangewagt, weil mir einfach die Motivation fehlt. Gut von Wallace habe ich einen Band mit drei längeren Erzählungen gelesen, was nicht einfach war, allein schon weil das nicht ohne Fredmwörterbuch und Tante Wiki ging, durchaus aber Spaß gemacht hatte (den Unendlichen Spaß hatten wir hier ja schon mal "am Auszug" diskutiert, das hat mir dann auch gereicht). An den Darth werde ich mich nach dieser wirklich schönen Rezension nicht heranmachen, allein schon weil mich jetzt dieses Bild vom Halbverhungerten und dem steinharten Brot verfolgen wird ;) Doch ich nehme es mal als Anregung hier ab und an auch ein paar Bücher vorzustellen, die sich dem gemeinen Normalleser und der gemeinen Normalleserin beim ersten Anlesen entziehen und die doch, wie ich meine, mit Gewinn gelesen werden können.

    Ab heute exklusiv auf EBook.de zu haben (in 6 Wochen auch auf anderen Portalen): Ein Sommer auf Hiddensee. Ein Ostseeroman, geschrieben zusammen mit Monika D. aus B. Darum geht es in der Geschichte: Krischan, ein erfolgreicher Industriefotograf hat sich noch vor Erreichen des Rentenalters auf der Insel Hiddensee zur Ruhe gesetzt. Da fegt ihm die Finanzkrise sein angespartes Vermögen weg. Nun muss er doch noch mal ran, aber es ist gar nicht so leicht, die alten Auftraggeber zu reaktivieren. Eine geschickte Hilfe ist ihm dabei die junge Sonja, die ihm - so glaubt er - ein Zufall auf die Insel geweht hat. Und sie ist noch in ganz anderen Dingen geschickt. Krischan könnte das genießen, wenn da nicht die geheimnisvolle Nora wäre, die, wie er, von fern her auf der Insel gestrandet ist und wenig bis nichts über sich preis gibt. Ein Mann - zwei Frauen, das ist beinahe etwas alltägliches. Doch jede/r hat noch eine Leiche im Keller und die gebärden sich zeitweise noch sehr lebendig.


    Der richtige Lesestoff für Corona-Zeiten, wenn man nicht selbst mal eben auf "die Insel" kann.

    Als der Roman vom Selami Capin letztes Jahr in der Türkei erschien, brachte ihm das Gefängnis und Folter ein. Grund: Er thematisiert darin auch den Genoizid an den Armeniern in der Türkei. Um sein Leben zu schützen musste Capin fliehen. Nun soll sein Roman übersetzt werden und in Deutschland erscheinen. Wer dabei mithelfen will, beteiligt sich an der Crowdfunding-Aktion.