Beiträge von Horst-Dieter

    Sie dienen der Publikation von Werken, deren Publikation unwirtschaftlich wäre, aber geboten ist. Das ist ein Bereich, in dem Zuschüsse zur Publikation tatsächlich sehr sinnvoll sind. Und das Gericht hat auch nicht den Sinn dieser Praxis hinterfragt, sondern technische Aspekte.

    Ja, das fürchte ich auch, dass diese Praxis nicht wirklich hinterfragt ist. Ich halte sie aber trotzdemn nicht für sinnvoll. Das müsste heute ganz anders gehandhabt werden. So kommt das Geld an die falschen Adressen.

    … Und das ist auch nur vorerst teilweise gestoppt worden, weil laut Gericht nicht sichergestellt ist, dass auch tatsächlich Ausschüttungsberechtigte von diesem Angebot profitieren. Sobald die VG Wort das gewährleisten kann, kann der Förderungsfonds wieder arbeiten.

    Ja, genau. Aber Druckkostenzuschüsse dienen eben vordringlih der Finanzierung von Druckaufträgen, und dienen damit nur indirekt den Ausschüttungsberechtigten. Den Förderungsfond finde ich gut, den Einsatz der Mittel halte ich aber für fragwürdig.

    Bereits am 11. Oktober d.J. teilte VG Wort auf ihrer Homepage mit, dass der Klage eines Mitglieds gegen die VG Wort vom Landgericht München in erster Instanz stattgegeben wurde.


    Das Herausgeber als Urheber angesehen und entsprechend vergütet werden, darüber gibt es innerhalb der VG Wort schon länger Streit. Zuletzt hat ein Mitglied dagegen geklagt. Ob die VG Wort dagegen Berufung einlegen wird, ist noch offen.


    Auch gegen die Praxis, Druckkostenzuschüsse für wissenschaftliche Werke zu zahlen wurde geklagt und auch das ist jetzt nicht mehr möglich, was mich persönlich sehr freut. Das Entstehen wissenschaftlicher Werke und deren Verbreitung kann man anders und besser fördern, als speziellen Dienstleistern Geld in den Rachen zu werfen.

    Zur Motivation das letzte von Ringelnatz Reisebriefen:


    Antwort an einen Kollegen


    Ob du Artist, ob du Franz Liszt,

    Ein Christ, ein Mist, ein sonst was bist, –

    Bezweifle es. Und dir zum Heil

    Bezweifle auch das Gegenteil.


    Was dir die Ideale nimmt,

    Der Satz: daß nichts, was zutrifft, trifft,

    (Ein Satz, der darum selbst nicht stimmt)

    Ist nur für Überlegne Gift.


    Doch hüte dich, an diesen Satz

    Zu glauben, gar ihn zu betonen.

    Freu dich an Hatz und Schmatz und Spatz.

    An Unzucht oder Kaffeebohnen.


    Doch sollte etwas in dir wohnen,

    Bewirkend, daß du mich verstehst

    Und lachst und dankbar weitergehst

    Und dennoch etwas Beßres weißt,

    Dann glaub’ ich, daß du richtig reist.

    Der Ringelnatz Joachim, der eigentlich Bötticher hieß, ist noch heute für seine skurrile Lyrik berühmt. Ringelnatz war aber nicht nur einer von denen, die still in ihrer Stube vor sich hindichten, sondern er war unterwegs - auf Achse, wie man später sagte – und brachte seine Lyrik so als eine Art Entertainer unters Volk. Dabei dichtete er auch über Städte, durch die er kam und veröffentlichte diese Lyrik als "Reisebriefe eines Artisten" 1927 in Buchform.


    Seine Geburtsstadt Wurzen schreibt diesen Wettbewerb aus, und sucht DichterInnen, die es dem Bötticher aka Ringelnatz Joachim nachmachen. Die Ausschreibung ist hier zu finden.

    Eine meiner liebsten Dichterinnen ist Emmy Ball-Hennings, deren Gedichte nun inzwischen vollständig vorliegen.


    Ich bin so vielfach in den Nächten.

    Ich steige aus den dunklen Schächten.

    Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein.


    So selbstverloren in dem Grunde,

    Nachtwache ich, bin Traumesrunde

    Und Wunder aus dem Heiligenschrein.


    Es öffnen sich mir viele Pforten.

    Bin ich nicht da? Bin ich nicht dorten?

    Bin ich entstiegen einem Märchenbuch?


    Vielleicht geht ein Gedicht in ferne Weiten.

    Vielleicht verwehen meine Vielfachheiten,

    Ein einsam flatternd, blasses Fahnentuch.


    ASIN/ISBN: 3835335030


    Scherz, du hast natürlich recht, HD. Der Bachmann-Preis ist wohl eher der Nachfolger der 47er, und jetzt direkt was Schlechtes kann ich an der Veranstaltung nicht finden. Ich hab mir am Samstag auch mal auszugsweise ein paar Leserunden plus Juryurteile angeguckt, gibt es ja gerade an der 3sat-Mediatheke, und das ist ganz interessant.

    Nein, etwas Schlechtes gibt es daran nicht. Mir persönlich gefällt das "Elitäre" nicht, aber das hätte mir auch bei den 47ern gestunken. Ist eben eine persönliche Macke von mir. Die Veranstaltung an sich (Bachmann-Preis) ist ansonsten ganz in Ordnung und das sie in aller Öffentlichkeit stattfindet noch das Schmankerl dabei.

    Die Nachfolger sitzen garantiert nicht in Rösrath. Als eine "Art von Nachfolge" kann der Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gesehen werden. Er ist inspiriert von der Gruppe 47 und auch die Art und Weise der öffentlichen Diskussion über die Beiträge zeigt die deutliche Verwandschaft. Das Teilnehmer "eingeladen" werden und nicht sich bewerben müssen (noch dazu mit einem Geldbetrag) unterstreicht diese Verwandschaft zusätzlich.


    Mir gefällt die Bachmann-Preis-Veranstaltung nicht, aber ich halte sie für seriös und sehe auch einen "würdigen" Nachfolger der Gruppe 47 darin. Selbsternannte 48er kommen nicht mal in die Nähe des 47er Geruchs. Das eine einzelne Autorin ein willkürliches Statement zu den Texten abgeben soll, das hätte sämtlichen 47er damals den Magen umgedreht.

    Sonst gibt's aus dem Barock viele schöne Gedichte.

    Zum Beispiel die erotischen Gedichte von Celander.


    An die manierliche Brunette

    Ode


    1.

    Ich thu dir alles zu Gefallen,

    Es sey auch immer, was es sey,

    Ich will, mein Kind, in allen Dingen

    Gehorsamst dein Geboth vollbringen,

    Das würckt die feste Liebes-Treu.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.


    2.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.

    Ich ziehe dir das Hembdgen an,

    Ich will mit schwartz-polirten Zwecken

    Dir selbst geschickt die Hauben stecken,

    Das hat dir keiner noch gethan.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.


    3.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.

    Ich lege dir recht nett und schön,

    Wie deine Mutter ihren Rocken,

    Das Haar in rundgerollte Locken,

    Das wird galant vor andern stehn.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.


    4.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.

    Ich küsse deinen Zucker-Mund,

    Ich streichle deine zarten Wangen,

    Wo Tuberos und Nelcken prangen,

    Und mache dir mein Lieben kund.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.


    5.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.

    Ich schencke dir ein göldnes Band,

    Ich schmiege mich an deine Brüste,

    An das entzückte Lust-Gerüste,

    Und thale mit der weissen Hand.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.


    6.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.

    Ich krable dich auf deinen Bauch,

    Sowohl bey Tag als Finsternissen

    Bin ich auf deinen Dienst beflissen,

    Befiehl, du hast mich zum Gebrauch.

    Ich thu dir alles zu Gefallen.


    7.

    Drumb thu mir auch was zu Gefallen.

    Denn ich begehre gar nicht viel,

    Nimm mich, annehmlichste Brunette,

    Dreymal die Woche mit zu Bette,

    So krieg ich mein verlangtes Ziel.

    Ach! thu mir solches zu Gefallen.


    8.

    Ach! thu mir solches zu Gefallen,

    Und stärcke meine matte Brust,

    Du solt allein mein Schätzgen bleiben,

    Ich will mit dir die Zeit vertreiben,

    Ich lieb in glutbeseelter Lust

    Ach! thu mir dieses zu Gefallen.