Beiträge von Horst-Dieter

    EXODUS gibt es seit 1975, allerdings mit einer großen Unterbrechung. Ab Heft 24 ist es farbig. Heft 26 (3/2010) war Helmut Wenske gewidmet. Dafür durfte ich auch eine Fabel abliefern (zu einem Bild von Wenske), was mir ein handsigniertes Büchlein vom Meister persönlich einbrachte.

    Die Nummer 44 von EXODUS, dem Magazin für Science Fition Stories & phantastischer Grafik ist raus, wieder gefüllt mit mehr als zwei Handvoll guter Kurzgeschichten und eine Vorstellung des Autoren und Grafikers Thomas Thiemeyer. Es ist schon beachtlich, wie die Herausgeber es über die Jahre geschafft haben, ein hohes Niveau nicht nur zu halten, sondern auch zu steigern. Dieses Mal gibt es in einer Geschichte mit dem Titel "42 Milliarden Jahre" von Peter Schattenschneider ein Wiedersehn mit Gregor Samsa (jawohl, Kafka lässt grüßen). Genauso interessant ist aber die Erzählung "Minerva", die zwar die 42 nicht im Titel führt, jedoch von einer 42er Autorin mitverfasst wurde: Broxi.


    Wie immer, ein lesenswertes Heft.

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    ASIN/ISBN: 3943941205


    Theodor Storms Erstgeborener, Hans, ist ein Problemkind. Zumindest für den Vater. 1877 reist er nach Würzburg, wo der Sohn Medizin studiert. Er hat Sorge, dass der Sohn sein Examen nicht macht und will ihm deshalb zur Seite stehen. Immerhin ist Hans schon 29 und er soll ihm und der Familie nicht weiter auf der Tasche liegen. Doch so richtig klappt das mit der Vater-Sohn-Beziehung nicht. Jeder hat Vorbehalte – und Vorwürfe – dem anderen gegenüber und so kommt es zum Eklat, gerade als Hans sein Examen abgeschlossen hat. Der Vater reist ab, ohne ihn noch einmal getroffen zu haben.


    Die Autorin ist eine Urenklin Theodor Storms, wurde 1930 in Rostock geboren und gehörte zumindest zeitweilig zur Gruppe 47. Der Roman ist sehr dicht erzählt, nicht aus einer Perspektive sondern wechselseitig aus der von Vater und Sohn. Die Innensicht der Personen ist stärker berücksichtig, als das äußere Geschehen, weshalb konsequent auch auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede verzichtet wurde. Als Leser ist man immer ganz dicht dabei, einmal im Kreis um den Vater, der sich vorwiegend aus Akademikern zusammensetzt, und dann wieder beim Sohn, der sich neben Studenten auch mit Arbeitern umgibt und sich seine Geliebte aus diesem Milieu ausgewählt hat. Seinem Vater will er sie nicht bekannt machen, um sie zu schützen, wie er vorgibt.


    Das nicht einmal zweihundert Seiten schmale Buch kommt mir in dieser Ausschnitthaftigkeit weniger wie ein Roman, denn wie eine Novelle vor. Storm hätte vielleicht so geschrieben, hätte er heute gelebt. Dass es jedoch nun seine Enkelin tut, finde ich ganz passend. Dabei geht sie nicht gut mit dem Dichter um. Man merkt schnell, wem ihre Sympathie gilt, auch wenn sie sich Mühe gibt, nicht allzu oberflächlich Partei zu ergreifen. Das schadet dem Roman aber nicht und letztendlich auch nicht dem Dichter, denn seine Hilflosigkeit im Verhalten seinem Sohn gegenüber ist genau so zu bedauern wie die Unmöglichkeit des Sohnes, sich endgültig vom Vater zu lösen.

    Es geht nicht um eine inhaltliche Zensur. Sowohl Vereinsmitglieder als auch angemeldete Forenmitglieder sollen diese Vorstellungsmöglichkeiten nutzen können. Überprüfung nur deshalb, weil wir diejenigen aussortieren wollen, die sich in diversen Foren anmelden um für eigene V eröffentlichungen Werbung zu machen, sich sonst aber im jeweiligen Forum nicht engagieren.

    Kurze Zwischenfrage, weil ich das so bislang noch nicht unterschieden gesehen hab:

    Wo ziehst du (oder zieht ihr, hier im Forum) die Linie zwischen Klein- und Kleinstverlag? Hast du da ein paar Beispiele zu besseren Einordnung? Kleinstverlage - falls ich da mit meiner vermuteten Einordnung richtig liege - sehe ich übrigens nicht als Problem, wenn man Genretexte schreibt. Worauf genau beziehst du z.B. deine 'Warnung' vor Kleinstverlagen?

    Manche winzigen Verlage haben Kultstatus, da geht die Anerkennung nicht über die Anzahl verkaufter Exemplare, sondern eine Art In-Group-Status, der einem - wie gesagt, auf Genreliteratur bezogen - tatsächlich weiterhilft.

    Ein Kleinstverlag ist so klein, dass eine weitere Reduzierung ihn zum Verschwinden bringen würde: Außer dem Verleger/Inhaber ist sonst niemand dort fest angestellt. Die Reichweite solcher Verlage ist oft sehr gering, kann im Einzelfall aber auch abweichen. Ich selbst habe bei einem Kleinstverlag dieser Art veröffentlicht (vermittelt übrigens durch einen Agenten). Bevor ich den ersten Vertrag unterschrieben habe bin ich hingefahren um den Verleger kennen zu lernen, was zu einer positiven Einschätzung führte. Die Umsätze waren von Anfang an nicht schlecht, weil der Verleger ein gutes Vertriebskonzept hatte und mit freien Buchhandelsvertretern zusammen arbeitete. Trotzdem passierte dann das, was solchen kleinen wirtschaftlichen Betrieben passieren kann, er ging in Insolvenz, weil die finanziellen Mittel nicht mehr ausreichten. Glücklicherweise kaufte ein anderer Kleinverlag diesen auf und rettete ihn damit. Inzwischen ist es also ein Kleinverlag. Der alte Verleger arbeitet weiter im neuen Verlag mit, in dem es nun auch andere Mitarbeiter gibt. Ein Buchprojekt in einem anderen Kleinstverlag, für das es sogar schon Coverentwürfe gab und das Manuskript ans Lektorat weitergeleitet war, wurde im ersten Corona-Jahr gestrichen. Die Verlegerin hatte Angst bekommen. Ich kann sie zwar verstehen, enttäuscht war ich trotzdem. Von einem Autor, der bei einem großen Publikumsverlag veröffentlicht hatte, habe ich letztens gehört, dass ihn der Verlag ausgemustert hat, weil die Buchumsätze nur im unteren fünfstelligen Bereich lagen. Als AutorIn sollte man also besser mit Enttäuschungen leben lernen.


    Es stimmt, Kleinverlag muss nicht schlecht sein, insbesondere wenn ein guter Ruf geschaffen wurde (oder anders gesagt Kultstatus erlangt wurde). Der Maro-Verlag hält sich seit mehr als einem halben Jahrhundert als unabhängiger Kleinverlag. Blumenbar hat es nicht einmal ein Jahrzehnt geschafft, wird aber immerhin nun von Aufbau als Imprint weitergeführt. Der Wurdack-Verlag hat sich einen guten Ruf unter SF- und Phantastik-Lesern geschaffen und ist m.W.n. im zweiten Jahrzehnt seines Bestehens. Ob es ein Kleinst- oder Kleinverlag ist kann ich nicht beurteilen, da ich die Verhältnisse innerhalb des Verlags nicht kenne. Wer innerhalb dieses Genres veröffentlichen will, ist mit diesem Verlag jedenfalls nicht schlecht beraten (falls das Manuskript dort genommen wird). Rufschädigend ist das jedenfalls nicht.

    Nils

    Nein, ich habe nicht deinetwegen diese Diskussion begonnen. Der Anstoß kam durch einige AutorInnenbegegnungen außerhalb von Verein und Forum. Außerdem will ich keineswegs den Eindruck erwecken, dass es nicht gut ist, in größeren Dimensionen zu denken. Wer gut schreiben kann und auch bereits ein halbwegs brauchbares Manuskript vorlegen kann, tut durchaus gut daran, sich nach einer Agentur umzusehen. Die nehmen den Autoren zwar nicht alles ab, aber doch sehr viel und können manche Tür öffnen. Aber für Randbereiche der Literatur ist das möglicherweise vergebliche Mühe. Kaum eine Agentur kümmert sich heutzutage um kürzere Prosatexte oder sucht Nischen für abseitige Genres. Da ist dann die direkte Ansprache bei einem kleinen oder mittelgroßen Verlag (kein Kleinstverlag!) manchmal die bessere Lösung. Meine ich. Das hier auch andere Meinungen auftauchen und disktuiert werden, finde ich richtig und gut.

    Diese Frage bewegt sicher jede, die schreibt. Viele fühlen sich zwar dem Schreiben, nicht aber dem "Verkaufen des Geschriebenen" gewachsen, weshalb es als ideale Wunschvorstellung gilt, einen Agenten, eine Agentin oder eine Agentur zu bekommen. Man muss sich dann nicht mehr um das Verkaufen kümmern, sondern nur noch um das Schreiben. In dieser Vorstellung liegt ein Missverständnis. Literaturagenturen leben davon, dass ihre Autorinnen und Autoren gut verkäufliche Manuskripte liefern. Dass sie unbesehen alles abnehmen, was die fleißige Autorin und der rege Autor abliefern, ist eher die Ausnahme, denn die Regel. Es kommt auch bei renommierten Autoren vor, dass ein Manuskriptvorschlag zurückgewiesen wird, weil die Agentin ihn nicht für verkaufbar hält. Außerdem ist es auch nicht leicht als Neuling eine Agentur zu finden. Das Klinkenputzen kostet Zeit und das Wandern von einer Agentur zur nächsten Absage ebenfalls, so dass bereits fertig geschriebene Manuskripte anfangen zu schimmeln.


    Ich meine, es ist sinnvoll dann bei Literaturagenturen vorstellig zu werden, wenn man für Genres und Literaturgattungen schreibt, die sich gut verkaufen und wenn man etwas anzubieten hat, das massentauglich ist. Wer für kleinere Zielgruppen schreibt (etwa im Bereich Science Fiction oder Fantasy) sollte besser selbst auf Verlagssuche gehen. Da man – anders als bei Agenturen – sein Manuskript auch gleichzeitig mehreren Verlagen anbieten kann, spart man unter Umständen Zeit und kommt schneller zum Erfolg (oder schneller zu der Einsicht, dass das Manuskript doch wohl eher nicht gebraucht wird). Auch dabei gilt, dass größere Publikumsverlage eher mit marktgängigen Titeln und Themen angegangen werden können. Nicht unterschätzt werden dürfen aber die kleinen und die mittleren Verlage. Die Chance dort zu einer Veröffentlichung zu kommen, ist gerinfügig größer. Auch über die Verkaufszahlen sollte man sich keine zu großen Illusionen machen. Die Frage ist nur, welcher "kleine" Verlag kommt in Frage? In Buchhandlungen stöbern bringt selten einen guten Überblick. Der jährlich erscheinende Katalog der Kurt-Wolff-Stiftung ist da schon eine bessere Alternative. Eine andere Möglichkeit ist das Magazin schöne bücher. In beiden Fällen gibt es jeweils einen knappen Fokus auf den Verlag, so dass man schnell weiß, ob sich ein Manuskriptangebot dort lohnt oder auch nicht.


    Diese persönlichen Anmerkungen bleiben hoffentlich nicht einsam und allein stehen. Ergänzungen sind nicht nur willkommen, sondern auch erwünscht.

    Ja, es muss schon eine Weile ein Wahrnehmungsvertrag abgeschlossen sein und Ausschüttungen stattgefunden haben, bevor man Mitglied werden kann. Die Schwelle wurde aber vor ein paar Jahren deutlich gesenkt, so dass inzwischen mehr Autorinnen und Autoren zum Mitgliederkreis gehören.


    Anders als bei Belletristik müssen wissenschaftliche Werke (darunter zählt VG Wort alles von der Doktorarbeit über Sachbücher bis hin zu Ratgebern) gemeldet werden.