Hallo zusammen, hallo, Tom. Ich will versuchen, deine Frage zu beantworten.
Also: Hätte sich die Branche so geschlossen hinter eine rechts außen ausgerichtete Buchhandlung gestellt wie hinter die drei links außen positionierten?
Und im Subtext (bitte berichtige mich, wenn ich es falsch lese): Wäre es nicht bigott, wenn nicht?
Ich habe auch viel über diese Fragen nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass eine Buchhandlung wie die von dir erwähnte möglicherweise nicht dieselbe Solidarität erfahren hätte wie die Weltkugel, der Golden Shop und die Rote Straße. Das liegt in der Natur der Branche, die von jeher eher für kulturelle Vielfalt steht als für Deutschtümelei und Ausgrenzung. Etwas Bigottes kann ich daran auch nach reiflicher Überlegung nicht finden, denn jedem in der Branche, jedem in jeder Branche, dir als Bürger und mir als Bürgerin steht ja völlig frei, wofür oder wogegen ich mich empöre. Und mich für rechtsgerichtete Buchhandlungen einzusetzen, wäre mindestens so absurd, wie von einem HSV-Fan zu erwarten, dass er sich für einen Strafstoß zugunsten von St. Pauli einsetzt.
Wer aber differenziert und staatsrechtlich denkt - und da unterschätz mir bitte die Buchbranche nicht - wird zu dem Schluss kommen, dass es gleichzeitig (demokratie-überlebens)wichtig ist und bleibt, dass auch die Kollegen von der "Lesen & Schenken-Buchhandlung" jederzeit juristisch gegen einen Ausschluss vorgehen dürften, schlösse man sie nachträglich vom Preis aus. Und dass von einem unabhängigen Gericht geprüft würde, ob der Kulturminister einen von einer unabhängigen Jury gewählten Kulturpreisträger nachträglich aus politischen Gründen streichen darf, oder ob er damit z.B. gegen das Prinzip der Staatsferne verstößt. Von wem die Buchhandlung dabei unterstützt oder nicht unterstütz wird, ist dabei völlig irrelevant, solange sie legal arbeitet.
Ich könnte jetzt noch viel schreiben, von Transparenz und Intransparenz, davon, wie kurz der Weg von nicht näher benannten "Erkenntnissen" zur öffentlichen Wahrnehmung von "linksextrem" ist, von Rufschädigung also, von Beschädigung des eigenen Ressorts samt Schuldumkehr, aber das alles ist ja hier im Grunde schon gesagt worden. Aber eins muss ich noch loswerden: Drei von der Jury ausgewählten Preisträgern per Standardabsage mitteilen zu lassen, dass sie nicht ausgewählt worden seien, ist eine Unwahrheit, sprich: Lüge. Und das sollte sehr wohl und genau so benannt werden.