Mir fällt zum Abschluss hier noch was versöhnlich Gemeintes ein. Ich sage derlei auch oft zu mir selbst, es funktioniert unterschiedlich gut. Es geht um Ambiguitätstoleranz und knüpft auch an was von Dir von Popper Zitiertes, Alexander, an: Widersprüche aushalten statt dem oft verständlichen Impuls folgen, die eine Seite zu negieren. Beispielsweise nicht nur andere Meinungen aushalten, sondern auch, dass man aneinander vorbei redet (wei man eben so unterschiedliche Hintergründe hat) und dies nicht persönlich nehmen. "Krieg ist scheiße, aber du kannst dich nicht friedlich gegen einen gewaltsamen Angriff wehren." lässt sich nicht auflösen. Ebenso bei dem, worum es hier geht, dem Widersprich zwischen "die AfDer-Partei ist rechtsextrem aber der Nachbar, der sie wählt, hat auch symathische Seiten". Lässt man den Widerspruch nicht zu, sondern wischt ihn weg, indem man nicht nur mit dem Nachbarn, sondern auch mit der Partei redet, begeht man mMn einen schweren Fehler. Ein weiterer, auch für mich besonders schwerer Widerspruch, den es auszuhalten gilt, lautet: "Ein erwachsener Mensch ist komplett dafür verantwortlich, dass er die Nazis wählt, aber diese berechtigte persönliche Zuschreibung führt im Gespräch mit der Person nur zu Renitenz".
Bonjour, tout le monde,
und hi Michael, Dein Beitrag ist am Ende der vorigen Seite gelandet, und das fand ich betrüblich, weil diese Placierung oft dazu führt, dass ein Beitrag untergeht. Ich stimme nicht ganz mit ihm überein - das wäre so ein Fall für einen 13/16tel-Like, wie ich es oben erwähnte, aber insgesamt finde ich ihn knorke.
Ich habe diesen Beitrag überschrieben mit: "Der durchschnittliche AfD-Wähler ist glücklicherweise ja kein Rechtsradikaler." und Juli Zeh. Mir geht es gar nicht darum, ob dieses Zitat empirisch wahr oder falsch ist. Mir geht es darum, dass die Aussage vertretbar ist.
Das heißt: Vor dem Hintergrund von Demokratie, Rechtsstaat und Grundrechten brauche ich mich darüber nicht zu empören. Ich kann darüber reden. Ich kenne Frau Zeh natürlich nicht persönlich, aber die Dame ist gebildet, rational und für Dialog offen. Außerdem Sozialdemokratin.
Dann ist hier ein Zitat Frank auf Entsetzen gestoßen. Mir geht es auch hier gar nicht darum: Hat er recht oder nicht? - sondern: Kann man das in einem demokratischen Spektrum vertreten? Ja, das geht. Darüber kann man reden, ohne angewidert zu sein oder entsetzt.
Es gibt Meinungen, die sind nicht mehr vertretbar vor einem Hintergrund. Mir scheint nur, dass viele heute zu schnell davon ausgehen zu sagen: Das ist nicht mehr vertretbar.