Beiträge von Christoph

    Eine Mistreiterin aus meinem Skriptorium schwärmt für dieses Buch https://www.rowohlt.de/buch/mi…m-wolfspelz-9783499009204, kann aber nicht sagen wie gut das ist, vielleicht beflügelt es ja, vielleicht schnürt es auch ab, weil einem die Beispiele nicht zu fliegen. Vielleicht hat es ja jemand von Euch schon gelesen und kann berichten.

    Hallo zusammen,

    ich habe das mal gekauft und es macht sich wirklich gut im Regal. Der lila Einband ist töfte.

    Der Inhalt auf den ersten paar zig Seiten ist auch nicht durchgehend schlecht, da hat jemand mit viel Hintergrundwissen ganz viele Textbeispiele hauptsächlich deutscher Autoren rausgesucht und überlegt, was an diesen Stellen gut und schlecht ist, es geht um Metaphern, Adjektive usw. - das Übliche. Die Beispiele sind alle mehrere tausend Jahre alt, Kleist, Fontane und wie sie noch heißen. Und Herrndorfs Tschick, der ist auch dabei. Man kann man da schon was lernen, aber ab man danach besser schreibt? Möglich. Der Ton nervt allerdings nicht nur ein bisschen, der erinnert mich sehr an den Kommentar in den "Kulturnachrichten" auf WDR 3, diese Blumenflüsterer, die Wörter benutzen wie "virulent" und "prätentiös" und immerzu sich und ihr ach so tolles Wissen in den Vordergrund stellen müssen oder ohne nachvollziehbaren Grund plötzlich Französisch reden. Auf keinen Fall während langer Autofahrten hören, das führt mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zu ganz ganz bösen Auffahrunfällen wegen Einschlafens.


    Über Stil gibt es bereits eine Menge Bücher, es ist schwierig, da etwas neues zu sagen, glaube ich. Jetzt gibt es noch eines mehr, das viele Leute gekauft haben, es ist ein "Spiegel Bestseller". Spiegelleser hören offenbar gerne WDR 3. Was an dem Buch neu ist, ist vielleicht die Tatsache, das es so etwas wie eine deutsche Literaturgeschichte des Stils bietet.


    Aber eigentlich wollte ich was anderes sagen, denn es ist ja auch einfach so, dass man nicht alle Fähigkeiten, die man als Autor braucht, aus einem Buch entnehmen kann. Gute Einfälle haben, zum Beispiel, das kann man kaum lernen, vielleicht kann man es üben, aber selbst da bin ich mir nicht ganz sicher. Und ohne gute Einfälle wird es schwierig, ein gutes Buch zu schreiben. Und man muss einen eigenen Geschmack entwickelt haben und vermutlich noch viele weitere Dinge, von denen ich nichts weiß. Sag ich jetzt mal so.

    Mensch Achim, alte Hütte,

    schön von dir zu lesen und schön zu hören, dass du an einem Manuskript sitzt. Von mir aus auch in der Toskana, wenn's unbedingt sein muss. ;) Du hast vor - ähm, mehreren - Jahren mal eine KG über einen Bassisten hier als BT eingestellt, die ist bei mir haften geblieben. Wenn der Roman auch so wird, kauf ich das Ding.:like

    Ich finde an den Konzept des Wettbewerbs erstmal nichts Verwerfliches. Da bekommt man die Chance, eine "Geschichte" zu schreiben und in Buchformat zu präsentieren. Überdies besteht die Möglichkeit, der (Bestseller-)Literaturwelt vorgestellt zu werden

    Sophie, du hast bestimmt recht. Ich glaube, ich sitze ziemlich fest in der Vorstellung, dass ich mich ausschließlich mit dem (selbstverständlich absolut brillanten) Text befasse und den Rest machen andere, vorzugsweise Profis. Aber das muss natürlich nicht so sein, alles mögliche ist denkbar. Und völlig in Ordnung ist das auch, keine Frage.

    Hallo Caro,

    also dieser YSA scheint ziemlich großer Quatsch zu sein. Man soll ein "Buch" aus "12-17 Geschichten schreiben". Inhalt/Genre ist mehr oder weniger egal, Hauptsache man "lässt seiner Kreativität freien Lauf". Das dann entstandene "Buch" soll man selbst mit Cover, Titel und wahlweise Fotos gestalten. Oje oje.

    Da steht nichts von Korrektorat oder Lektorat - und so sehen die dort veröffentlichten "Geschichten" auch aus. Eine Geschichte habe ich da nicht gefunden. Ich sag mal so, schlecht schreiben tun am Anfang alle, aber man muss wirklich nicht alles auf die Öffentlichkeit loslassen. Und da ist dann vielleicht auch der Bezug zu deiner Frage. Nimmt man sich damit Chancen? Nein, tut man nicht. Wenn man mit solchen Texten hausieren geht, hat von vornherein keine.;):evil

    Ja, Butcher's Crossing hat mich auch gepackt und ach längerfristigen Eindruck hinterlassen. Kann mich noch gut an mein Entsetzen erinnern, als die Vier-Mann-Tötungs-Maschinerie loslegt und die im Tal gefangenen Büffel systematisch bis zum letzten Tier abknallt und verarbeitet. Das ist so glaubhaft geschildert, dass man denkt der Autor muss dabeigewesen sein. Das Ding ist echt klasse. Und ein, zwei schöne Wendungen / Entwicklungen sind auch drin.


    Christoph

    Liebe Leute,

    nach langer Zeit des Zwischendurch-Mitlesens habe ich Lust, wieder im Forum mitzumischen und stelle mich kurz vor, da es doch ein paar neue Gesichter zu sehen gibt, die mit meinem Namen eher nichts anfangen können.

    Vor rund zehn Jahren habe ich beschlossen, dass es mir mit dem Schreiben ernst ist. Es gab die ersten Gehversuche hier in der BT-Runde und dann später ein paar Jahre Mitgliedschaft im Verein. Danach habe ich fleissig weitergeschrieben, kürzere und längere Sachen, bin knapp an einem Agenturvertrag vorbeigeschrappt, habe nebenbei festgestellt, dass ich Haikus mag und immer noch schreiben und gelesen werden will. Ich freue mich auf den Austausch über Bücher, Schreiben und alles mögliche andere. Es war glaube ich mal mehr los, aber trotzdem schön, dass hier noch Leben drin ist.


    Christoph

    Wiederholbare Verfahren sind ebenso ein berechtigter Wunsch, aber schwierig im kreativen Bereich zu realisieren. Eher ist es so, dass man im Laufe der Zeit und mit ausreichender Übung eine "Palette an Verfahren" entwickelt, die aber so nur Gültigkeit für einen selbst haben.

    HD, du bist ein kleiner Klugscheißer. Aber ein netter.:)

    "Man" hat vielleicht so eine Palette, das kann sein. Ich habe (genau wie Jürgen und vermutlich auch noch andere) ein wiederholbares Verfahren für mich zusammengeschustert. Du glaubst nicht, dass du das besser weißt als ich selbst, oder?

    Hallo,

    den Thread muss ich nochmal hochholen, das finde ich spannend.

    Denn ich glaube, das ist eine total wichtige Frage, auf die man unbedingt eine Antwort finden muss, weil das einfach so grundlegend ist. Wenn man sich und seine Schreiberei irgendwie so halbwegs ernst nimmt, dann will man ein wiederholbares Verfahren, eine Methode um an Text zu kommen. Vielleicht sogar an brauchbaren.

    Bei mir fängt es ebenfalls mit einer Idee an, irgendwas hat mein Interesse geweckt und mein Gefühl sagt mir, dass da noch mehr ist, also dass mir dazu ziemlich viel einfallen wird. Da ist dann auch so eine gewisse Aufregung dabei, so ein Gefühl, dass jetzt gleich etwas total tolles passieren wird. Zum ersten Mal mit der neuen Freundin schlafen, so ungefähr. Zu diesem Zeitpunkt denke ich noch nicht über Handlung oder Figuren nach, sondern bleibe bei der Idee und recherchiere. Das mache ich ziemlich gründlich. So gründlich, dass ich sicher bin, dass mir meine Unwissenheit beim Schreiben nicht mehr in die Quere kommen wird. Manchmal sind dann Figuren da, manchmal reden sie auch, und das ist ein sehr gutes Zeichen, denn genau das will ich ja.

    Dann folgen mehrere Tage, in denen ich versuche, nicht mehr an das alles zu denken. Falls es trotzdem hochkommt, ist das ok, aber ich lasse mich nicht drauf ein. Ja und danach ist die Kurzgeschichte normalerweise fertig, manchmal fehlt das Stück vor dem Ende, der Höhepunnkt quasi, aber das ist egal. Jetzt haue ich in die Tasten und eine Stunde später habe ich dann meine Geschichte.


    Ich glaube, Erzählen ist nicht so sehr eine Tätigkeit des logisch denkenden Verstandes (Recherche aber schon), sondern mehr des Gefühls. Des Gefühls für Proportionen beispielsweise. Niemand zählt Wörter, um herauszufinden, wie lang eine Beschreibung sein muss. Man merkt eben einfach, wann man genug gesagt hat. Hoffentlich. Man entwickelt ein Gefühl dafür. Und auch bei Figuren geht es mehr darum, ein Gefühl für sie zu entwickeln, dafür, wie sie sich verhalten und wie sie denken. Das will ich als Leser übrigens auch. Ich will ein Gefühl für die Figur bekommen und auch die Welt, in der sich die Figur bewegt, da will ich eher fühlen als faktenbasiert wissen.


    Wir brauchen einen Thread darüber, wie ihr an Romane herangeht.


    Christoph

    Hallo Dorit,

    also für Heimarbeit ist das richtig gut geworden, ich glaube nicht, dass ich das könnte. Ich kann dir leider nicht mehr sagen, ob ich das Hakenkreuz erkannt hätte - hatte vor dem Anschauen schon die Postings der anderen gelesen.


    Und ja, der Ton ist auch in meinen Ohren nicht einheitlich, bei dem Schallplattenteil ist die Musik relativ schlecht zu hören (das Kratzen dafür gut ;-) ), bei der gesprochenen Passsage, äh, weiß gerade nicht, wie ich das beschreiben soll, es klingt wie ein schlecht komprimiertes mp3, die Höhen sind irgendwie im Eimer, bzw. ich glaube zu laut, die "s"-Laute bspw. tun ein bisschen weh. Aber was soll ich sagen, trotzdem cooles Filmchen.

    Mariana Leky steht mit ihrem aktuellen Roman auf der Spiegel-Bestsellerliste und hat auf Amazon derzeit 239 Rezensionen. Vielleicht kann sie erzählen, dachte ich. Da mir 20 Euro für die gebundene Ausgabe jedoch zu teuer sind, habe ich mal nach Taschenbüchern von ihr geschaut und „Die Herrenausstatterin“ gefunden. Und gekauft. Und es nicht bereut. Der Roman erzählt eine eigentlich ziemlich traurige Liebesgeschichte auf so liebevolle Art und Weise, dass es zum Niederknien ist.


    Das Ganze ist sprachlich unglaublich schön und treffsicher, stellenweise hätte man sich fast ein bisschen mehr Geschwätzigkeit gewünscht, sehr berührend, so richtig zum Mitleiden, dann wieder witzig, die ganze Zeit auf sympathische Weise herrlich absurd und skurril und ja, einfach – und das ist total lieb gemeint – sinnlos. Vermutlich gerade deswegen fühlt man sich dem Personal so nahe, lernt ihre Macken (es gibt einige) lieben, erkennt sich in einigen sofort wieder und will dann wieder weinen, über die Ungerechtigkeit der Welt und des Schicksals, über Rücksichtslosigkeit und soziale Kälte. Ich würde jederzeit schwören, dass hier etwas grundlegend menschliches beschrieben wird, um das man einfach nicht herumkommt, vielleicht sogar das Leben an sich, aber das ist natürlich Quatsch. Es macht nur eben tierisch Spaß, der sich selbst und den anderen verlorengehenden Hauptfigur in ihre verworrenen Gedankengänge zu folgen und mit ihr zusammen in der völlig versifften Wohnung zu verwahrlosen und den elenden Porzellanflamingo zu kleben. Leky ist ein toller Roman gelungen. Allein der Umgang mit dem abgehalfterten Karatefilm-Darsteller McQuincey, der von Karate Null Ahnung hat und mittlerweile fett, alkoholkrank und auf dem Weg in den Beruf des Bademeisters ist – im Roman eigentlich nur eine Randfigur – lohnt die Lektüre und zeigt, wie viel es ausmacht, wenn Autoren ihre Figuren richtig richtig gerne haben. Nämlich vermutlich bisweilen den Unterschied zwischen einem fantastischen und einem Scheißroman. Hier liegt jedenfalls ein fantastischer vor.


    Wer es wissen will: In dem Roman geht es um eine in die Depression abrutschende Witwe, ihre Liebesbeziehung zu einem Toten und einem Feuerwehrmann mit einem Faible für hochkalorische Trinknahrung. In Wirklichkeit ist alles natürlich viel komplizierter und überraschender, wie sich ganz leicht jeder selbst vorstellen kann.

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