Beiträge von Jürgen

    Und in Kanada und in Little America werden sehr wohl Mobiltelefone benutzt.

    Das muss ich übersehen haben. Aber die Wächter benutzen Walkie-Talkies.

    Die düsteren Kommandantenhäuser sind im Stil der 30er Jahre eingerichtet, der ja nicht nur schöne Bilder voller (scheinbarer?) Symmetrie erlaubt, sondern auch an die Zeit erinnert, als Amerika sich für New Deal und gegen Faschismus entschied. Die Gilead-Leute gehen also zu dieser historischen Weichenstellung zurück und gehen den anderen Weg - und hoffen auf Appeasement.

    Das ist jetzt immerhin der sachdienlichste Beitrag in der Sache bisher, Natürlich ist das Wort E bescheuert wie U auch. Und es ist auch nicht mehr "state of the art". Schon lange nicht mehr. Die Unterascheidung in Hoher LIteratur, Populärliteratur und Trivialliteratur (ab den 1960er Jahren) differenzierte ja schon etwas genauer. Und auch das ist umstritten. Nicht nur von mir. Zu Goethes Zeit waren übrigens alle Romane eher U (also verrufen), insofern passt das zu Goethe ganz gut. Mit deinem ständigen zitieren von "Heftchenromanen" weichst Du der Diskussion aber gnadenlos weiter aus. Die Bedeutung dieser Literaturform ist ja in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Gehören nur diese für Dich zum "U" und alles andere ist "E"? Die Frage nach der Trennlinie bist Du also immer noch schuldig. Ein schönes Beispiel für einen Autor, der sich der Differenzierung von E und U entzieht, ist Karl May. Der hat von Heftchenromanen über Abenteuergeschichten bis zu hoher Literatur (wie einige meinen) alles geschrieben, sogar ein Drama, das bislang noch nie auf einer professionellen Bühne aufgeführt wurde.

    Sachdienlich, weil ich Wasser auf deine Mühlen leite?:P

    Bei der E-Provokation geht es im Kern um die sachliche Frage, was Kunst sei. Kunstliteratur ist nicht an sich "besser" als andere, sondern anders, und dies nur im Hinblick auf ihr Kunstsein, mehr nicht. Meines Erachtens gibt es viel gute Nichtkunstliteratur, und viel schlechte Kunstliteratur, oder solche, die sich dafür hält.:)

    Diese Einteilung - und das Beharren darauf - geschieht immer aus der Perspektive "E". Schon deshalb ist nicht viel damit anzufangen, sie ist eben elitär und dünkelhaft. Die Frage nach der "Grenzziehung", der "Trennlinie" wurde ja auch nichr beantwortet sondern schön ignoriert. Herr Goethe beispielsweise lobte Autoren wie Scott und Cooper in höchsten Tönen, Autoren also, die schnöde Abenteuerliteratur schrieben. Ob er mit einer Klassifizierung der Literatur in E und U etwas hätte anfangen wollen, bezweifle ich sehr.

    Es werden immer wieder Wort und Begriff verwechselt. Natürlich ist das Wort E bescheuert, bestimmt auch falsch oder zumindest irreführend. Ich vermute mal, er kommt ursprünglich aus der Musik und nimmt Maß an Beethoven, was ja Quatsch ist, da dessen Musik durch und durch humorvoll ist. Naja, Scott und Cooper mal eben zur U von damals zu schlagen, um Goethe zum Liebhaber von Heftchenromanen von heute zu erklären... ist auch eine Form von Humor... Viel besser wäre es gewesen, an seinen Schwager Christian Vulpius zu erinnern, den er tatkräftig dabei unterstützte, dessen Räuberpistole "Rinaldo Rinaldini" bei einem Verleger unterzubringen und die natürlich Auflagenhöhen erzielte, von denen Goethe nur träumen konnte. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass er der Meinung gewesen wäre, es gäbe keinen Unterschied.

    Aber auch hier gilt: "Ernst" als Begriff, der die "hohe" etc. Literatur erfassen will, hat nicht mehr die gleiche Bedeutung wie das normale Wort "ernst", das das Gegenteil von heiter, lustig etc. ist. So lustige Bücher wie Faust, Buddenbrooks, Zettels Traum etc. etc. würden zur E zählen, obwohl sie natürlich nicht "ernst", sondern anspruchsvoll und unterhaltsam (als Junktim!) sind. Und, mal als These: Anspruchsvolle und unterhaltsame E-Werke, die die Wirklichkeit in einer stark verfremdenden Weise auf verschiedenen Ebenen widerspiegeln, sind in hohem Maße "korrekt" und realistisch in ihrer Darstellung des Menschen in der Welt.:)

    Ob nun "E-Literatur" oder "anspruchsvolle Belletristik": Das sind verschiedene Worte, die für den gleichen gedanklichen Inhalt stehen und Literatur als Kunstform auffassen. Es gibt einen Unterschied zwischen Heftchenroman und Epopöe, aber wenn man den nur in einem Geschmacksurteil sehen will, wäre jedes weitere Wort Verschwendung, denn über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten (weil er gemäß Kant der Sinnlichkeit und nicht der Vernunft zugeordnet ist). Wenn man aber zu einem begründeten Unterscheidungsurteil kommen will, führt kein Weg am Nachdenken vorbei: Literatur als besondere Kunstform muss reflektiert und auf den Begriff gebracht werden. Kant unterscheidet sehr wohl scharf zwischen Alltag, Wissenschaft, Kunst, Religion etc. Die Kunst fasst er als etwas, das "interesseloses Wohlgefallen" stiftet, das heißt, dass es weder vorrangig die Sinne und Triebe anregt und befriedigt noch Ausdruck hoher moralischer Werte ist. Von da ausgehend müsste nachgedacht werden, durch welche konkreten Formen "anspruchsvolle Belletristik" gekennzeichnet ist. Ob "unterhaltsam und leicht lesbar" als Junktim dazugehören? Wer hat überhaupt die bescheuerte Vorstellung in die Welt gesetzt, dass sich anstrengen, abmühen, kämpfen etc. partout nicht zum Unterhalten gehören???:evil

    Unterscheidung zwischen E und U prangere nicht nur ich an. Zu behaupten, diese Entscheidung nicht zu akzeptieren, hieße "kriterienlos" zu sein, ist ebenfalls elitär und borniert dazu. Im Grunde ist es eine wertende Klassifizierung. Bestes Beispiel dafür ist die Reaktion von Literaturzar MRR zu Jörg Fauser beim Bachmannpreis.

    Klar ist es eine wertende Unterscheidung, aber eine, die sachlich begründet ist, auch wenn das ein Max Weber mit seinen Werturteilen "verbieten" will. Ganz einfach: E = U + X. Da darf man sich kein X für ein U vormachen. Oder umgekehrt proportional ausgedrückt: E bietet dem Leser auch ein U, aber U kein E. 😎

    Wenn es für die Geschichte nicht essentiell ist, kann man doch historische oder sachliche Fehler auch korrigieren. Rechtschreibe- und Tippfehler korrigiert man doch auch und stellt sich nicht auf den Standpunkt, daß eine gute Geschichte auch mit schlechter Ortografie klar kommt, oder daß es Ausdruck künstlerischer Freiheit sei, wie ein Sechsjähriger zu schreiben.

    Inhaltliche und Rechtschreibrichtigkeit sind für mich unterschiedliche Sachverhalte. Die Standardisierung der RS hat ja den Sinn, dass die Form gegenüber dem Inhalt zurücktreten kann. Jede Abweichung von der Norm drängt sich in den Vordergrund und wird zu einem eigenen Inhalt, der vom eigentlichen Inhalt des Textes ablenkt. Zum Beispiel in dem obigen Zitat: Einmal wird "daß" gemäß der alten RS geschrieben, aber bei "Ortografie" wird plötzlich die neue Schreibung mit einem th-Fehler gewählt. In dieser Inkonsequenz widerspricht die Rechtschreibform dem inhaltlichen Plädoyer für eine gute Orthografie, sodass die Argumentation fast zwangsläufig an Überzeugungskraft verliert.

    Auch meines Erachtens ist die "korrekte Darstellung" vorrangiges Merkmal von Sachtexten, aber eben nicht von erzählenden Texten. Literatur soll beim Leser eine ästhetische Wirkung erzielen, was nur durch Modifizierung der Fakten gelingt, oder, um es mit Brecht zu sagen: durch Verfremdung. Die empirische Beschreibung einer Landschaft schafft keine Wirkung, erst wenn sie auch als schön, lieblich, unheimlich etc. erlebt werden kann, stellt sich diese ästhetische Wirkung ein. Dies gelingt aber nur, indem die fotografierbaren Erscheinungen als äußere, stimmungserzeugende etc. Momente einer erzählten Geschichte verfremdet werden. Insofern ist also jeder erzählende Text nicht faktenreduziert (früher hätte man gesagt: "positivistisch") wie ein Sachtext.

    Darüber hinaus ist noch zu beachten, dass die Art der Verfremdung abhängig ist, ob ein U- oder E-Text erzählt werden soll. Bei den klassischen historischen Romanen von Döblin, H. Mann, S. Zweig etc. steht nicht die bruchlose Identifikation des Lesers mit Personen und Handlung der Romane im Mittelpunkt, sondern die durch Verfremdung erzeugte distanzierte Haltung, die es erlaubt, den erzählten historischen Vorgang auf die Gegenwart zu beziehen.

    Meiner Meinung nach hat die "Sauerstoffflasche" nicht in erster Linie mit Recherche und sachlicher Richtigkeit zu tun, sondern mit dem Sprachgebrauch. In der Umgangssprache hat "Sauerstoff" eben häufig die Bedeutung von "Luft zum Atmen". Das bedeutet also, dass die "Sauerstoffflasche", insofern sie zum Tauchen oder zur Wiederbelebung gebraucht wird, Luft zum Atmen enthält. Diese Wortverwendung ist kein Zeichen von Ungebildetheit etc. , sondern im Gegenteil: Ein Ganzes nach einem Teil von ihm zu benennen, kann man auch Synekdoche oder pars pro toto nennen.

    Okay: Im Dialog unter Fachleuten sollte der Fachbegriff auftauchen, aber sobald der Taucher mit einem Laien spricht, könnte er wieder in die Umgangssprache zurückfallen und "Sauerstoffflasche" sagen. Das würde ihn für den Leser evtl. sogar sympathisch erscheinen lassen. Wenn er jedoch nachdrücklich und mit einem Vortrag untermauernd auf "Pressluftflasche" besteht, zeigt er sich als eine andere Person.

    Bei der Frage "Sauerstoff-" oder "Pressluftflasche" kommt es also darauf an, wie man die Person gerne charakterisiert haben möchte.

    Ich kenne die Sauerstoffflasche noch von früher, wo sie als Beispiel für ein Wort mit drei aufeinanderfolgenden Konsonannten herhalten musste (wie auch Pappplakat), während die Schiffahrt natürlich nur mit zwei f geschrieben werden durfte.

    Wortkunde und Aus dem Schrifttum haben ihre Bedeutung und können nicht einfach verschoben werden, das wäre auch ein ungehöriger Eingriff in ein Kunstwerk. Okay, der Leser kann natürlich machen, was er will.

    Wenn Melville seinem Mobydick ein erläuterndes langes Vorwort über Walfang vorangestellt hätte, wäre das Buch vermutlich nicht von so vielen Leuten gelesen worden.

    Melvilles "erläuterndes Vorwort" besteht recht besehen aus 16 Seiten Zitaten aus Wörterbüchern, Forschungsliteratur, Romanen, Goethes Gesprächen mit Eckermann etc., dann folgen 132 enzyklopädieartige Kapitel über die Sozialgeschichte des Walfangs. Erst auf den letzten nicht mal 30 Seiten (von insgesamt 913 ) geht es richtig mit der Jagd auf den weißen Wal los. Mit anderen Worten: Selbst Romane, die fast nur aus Einleitung bestehen, werden - aus welchen Gründen auch immer - "von so vielen Leuten" gelesen. :)

    Zu Allergie:

    Im Sprachbrockhaus von 1949 fehlt A., ab 1951 ist sie als "Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe" notiert. In dem Großen Wörterbuch von Duden (1976) steht unter anderem, dass dieses Wort schon 1906 geprägt worden sei und auch im übertragenen Sinne gebraucht wird: Allergisch "gegenüber abgerundeten Bildecken", aber auch: "meine Haut ist a. gegen das Waschmittel". "Nahrungsmittelunverträglichkeit" finde ich allerdings erst in meiner 25. Auflage des Rechtschreibduden (2011).

    Hier kann man aus erster Hand erfahren, was den "Zauber", "Glanz" und "Duft" der Zwanziger Jahre ausgemacht hat: das Erlebnis der politischen und erotischen Freiheit. Und wie der Haifischsong aus der Dreigroschenoper entstanden ist. Ein Podcast aus dem Jahr 1960. Viel Spaß!

    Bei mir gibt es ein wiederholbares Verfahren. Ich brauche immer eine Heraus- oder Aufforderung von außen, so ist auch die Teddy-Liebesgeschichte entstanden, die heute im Blog erschienen ist. Ingrid, unsere damalige Blogcheffin, hat vorgeschlagen, passend zur Jahrszeit eine Reihe mit Liebesgeschichten zu veröffentlichen, Höchstumfang: drei Seiten. Zuerst denke ich noch, nee, Liebesgeschichte? interessiert mich nicht. Doch dann fühle ich mich am Ehrgeiz gepackt und lege los. Zuerst suche ich ein Sujet, das darf gern etwas schräg sein. Neue Personen muss ich mir nicht ausdenken, ich fahre gern das bewährte Personal aus anderen Geschichten auf. Dann geht die Suche nach dem ersten Satz los, den ich meistens beim improvisierenden Schreiben am Laptop finde oder besser umgekehrt: er findet mich, er trifft mich blitzartig, dann weiß ich sofort: das isser. Wenn sich keiner meldet, mache ich meine Schreibbude dicht und mähe den Rasen. Von diesem ersten Satz aus ent-wickle ich die Geschichte, das Schreiben ist dann so ein Schweben zwischen geplanter Story und Improvisation. Wenn ich Glück habe, entsteht ein regelrechter Flow und die Muse flüstert mir Satz um Satz ins Ohr, so dass ich nur noch schnell genug mitkommen muss. Die Geschichte endet, wenn sie den letzten Satz erreicht, der in einer gewissen Korrespondenz zum ersten Satz steht, keine Ahnung. Mein Tagespensum drucke ich am Abend aus, denn ich kann sie am besten in vergegenständlichter und verselbstständigter Papierform überarbeiten. Am nächsten Tag pflegt ich die Änderungen ein, Ausdruck, Korrektur und so weiter. Das geht so lange, bis ich das sichere Gefühl habe, sie lässt sich nicht weiter bearbeiten, sie hat ihre (vorerst) endgültige Form erreicht. Wenn ich dann Pech habe, hat die Geschichte das Blogquorum von drei Seiten überschritten, wie bei meiner Liebesgeschichte mit Werwölfen geschehen, Arschkarte, nun muss sie selbst zusehen, wo sie unterkommen kann.:)