Hiermit lade ich herzlich ein zu einem Besuch bei den Vernianern. In 80 Millisekunden seid Ihr da.
Beiträge von Jürgen
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Erste Reaktionen auf mein Bayerisch in der Biergarten-Geschichte. Ich erfuhr von süddeutschen Freunden, dass mein erfundener Dialekt eine Mischung von wahlweise Ober- und Niederbayerisch, Bayerisch und Fränkisch, bzw. Bayerisch und Österreichisch sei. Was ich so alles kann. Eine kritischere Stimme meinte, dass kein Bayer, wie ich es phonetisch notiert habe: "Moaß" für ein Maß Bier sage. Nein, der Bayer sage vielmehr: "Moaß". Daran hatte ich nicht gedacht, dass ich mich bei meiner phonetischen Schreibweise an meiner nordwestdeutschen Lautung (westlich von Hamburg) orientiert habe, denn für mein nordwestwestdeutsches Ohr schwebt das Bayerische a eben zwischen o und a. Dies werde ich bei meinem nächsten Ausflug in einen deutschen Dialekt, nämlich das Sächsische, natürlich berücksichtigen.
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Vielen Dank, Friecko und Ingrid, jetzt ist mir vieles klarer geworden.
Mit "Verständnis" ist nicht nur gesunder Menschenverstand, sondern parallel zur ewigen Gnade wohl ein Verständnis in Richtung Nachsicht, Verzeihen gemeint. Im Gegensatz zu den Vertretern der bürgerlichen Gesellschaft (den Stadtleuten), die den Leverkühn plötzlich wegen seiner angeblichen (eingebildeten?) Teufelsverstrickung verachten, ihm letztlich das Menschsein absprechen, fordert die Wirtin auf, Nachsicht, vielleicht auch Verzeihung mit Leverkühn und jedermann ("des langt für all's") zu üben, selbst wenn er die Aussicht auf göttliche Gnade verloren hat und aus der religiösen Gemeinschaft der Protestanten ausgeschlossen ist. Damit erweist sich Else Schweigestill (nomen non est omen) als einzige (?) humane Stimme im Roman, und zwar im Jahr 1930, am Vorabend der Machtergreifung der Nazis.
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Moin,
die vielleicht wichtigste Stelle im "Faustus" von Thomas Mann ist die Rede der Wirtin Else Schweigestill, die einen (Kunst-) Dialekt aus der Gegend zwischen München und Garmisch sprechen soll. Ich möchte gerne ganz genau wissen, was die gute Frau zu der entsetzten, flüchtenden bürgerlichen Bagage sagt, nachdem die Hauptperson Adrian Leverkühn ihre Teufelsbesessenheit beschworen hat und dann zusammengebrochen ist:
ZitatMacht's, daß weiter kommt's, alle miteinand! Ihr habt's ja ka Verständnis net, ihr Stadtleut, und da g'hert a Verständnis her! Viel hat er (i.e. Leverkühn) von der ewigen Gnaden g'redt, der arme Mann, und i weiß net, ob die langt. Aber a recht's a menschlich's Verständnis, glaubt's es mir, des langt für all's.
Es geht vor allem um den unterstrichenen Satz. Welche Übersetzung würdet ihr anbieten?
Danke im Vorabbereich!
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Danke für den schönen Blog-Beitrag!
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Hat jemand Erfahrungen mit Boox Go Color 7 (Gen II)? Meine Tochter wünscht sich so ein Gerät, statt Kindle oder Tolino.

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Das ist auch so eine Langzeitfolge des Deutschunterrichts, dass in allen Texten der Sinn gesucht werden muss.
Hä, was soll denn ein Text ohne Sinn sein? Ohne Sinn wäre es kein Text. Und wenn wir darauf verzichteten, in (gesprochenen und schriftlichen) Texten einen Sinn zu suchen, gäbe es auch nichts mehr, worüber wir kommunizieren könnten, ja, es gäbe keine Kommunikation (und kein Denken) mehr. Dabei kann man unterscheiden: Alltags- und Sachtexte sind durch einen eindeutigen Sinn gekennzeichnet, literarische Texte durch Doppeldeutigkeit: Ambiguität. Es ist richtig, dass es falsch ist, in literarischen Texten einen eindeutigen Sinn festlegen zu wollen.
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Wow, toll!
Viele Grüße aus dem warmen Nordwesten!
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Super! Herzliche Glückwünsche!
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Danke, beim Schreiben war mir auch etwas frisch. ????
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Im Blog ist nun die nackte Wahrheit über meine Lesung in Plön anlässlich der Mitgliederversammlung der 42erAutoren im April 2022 nachzulesen. Ich bin älter als 18 Jahre
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Heute geht es im Blog wieder hoch her, Besuch von Venus und einem Überraschungsgast, in unserer Serie: Zeitgeschichte in der Lyrik.
Vielen Dank!
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Der Trigger, dies unbedingt schreiben zu wollen, lag - natürlich - in meiner eigenen Biografie, der Erfahrung, mich nach dem Zusammenbruch einer Gesellschaft in einer neuen zurechtfinden zu müssen. Eine einschneidende Erfahrung,
Die Frage ist doch nicht, ob Lebenserfahrungen transformiert werden; was denn sonst? Es kommt darauf an, dass etwas Existenzielles "transformiert" wird und nicht nur die Scheidung der Eltern oder ein besonders garstiger Schnupfen. Viele Geschichten leiden an einer Erlebnis-, Gedanken- und Ausdrucksarmut - für die die AutorInnen nichts können, da wir im Frieden etc. aufgewachsen sind. Mit Ausnahme vieler DDR-BürgerInnen, denen man ein Leben genommen hat.
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Ich sehe das ganz entspannt so: zumindestens und einzigste sind hyperbolische Übertreibungen
, die einer Aussage durch mehr Silben- und Lautquantität Gewicht verleihen. Das hat nichts mit Blödheit, sondern ehrer
mit rhetorischer Raffinesse zu tun.
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Unser Deutsch wird nicht besser, wenn wir statt des (daktylischen!!!) "zumindestens" (das ich seit mindestens 50 Jahren in meiner Umgebung höre, wie lange soll seine Bewährungszeit noch dauern?) das schlichtere "zumindest" nutzen, sondern indem wir in seinen vorgegebenen Formen in ihrer Gesamtheit (was soll immer dieser bornierte Ausschluss von Alternativformen?) immer genauerer denken.
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Letzte Bemerkung: Weil unsere Sprache ein halbintentionales System ist, das im Ganzen noch gar nicht erforscht ist, wird sie sich auch in irgendeiner Form rächen, wenn man sie bewusst mit Halbwissen "verbessern" will. ????
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Mir rutscht ein "ich fande" raus, nicht weil ich zu faul oder zu blöd bin, ein richtiges Deutsch zu sprechen, sondern weil ich damit unbewusst einer ehemaligen und vielleicht dereinst wieder aktuellen Grammatik folge. Dagegen wäre ein "ich fandst" oder "ich fanden" eine ungrammatische Äußerung, die selbst dem ungebildetsten Slangsprecher höchstens als Versprecher (wie jedem anderen auch) unterlaufen würde.
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Den Inhalt kontrollieren wir (idealer Weise), aber eben nicht die Form, die Grammatik. Diese geht dem Sprechen voraus.