Beiträge von Nils

    Einige von euch gehen ja ab und zu auf Creative-Writing Seminare manche davon scheinen hochkarätig besetzt. Ich selbst erinnere mich an ein ziemlich gelungenes, verlängertes Wochenende in Köln mit Mario Giordano.


    Ich hätte wirklich mal wieder Lust, mich in geselliger Runde intensiver mit dem Schreiben zu beschäftigen und weil wir ja im letzten Jahr alle gelernt haben, wie das mit Videokonferenzen funktioniert, könnte ich mir vorstellen, dass es aktuell auch gute online-Angebote gibt.


    Ist das so? Könnt ihr was empfehlen?

    Ich bin hier schon lange Mitglied, ich habe das Buch gelesen, ich bin sogar mit einem Hausboot auf der Müritz gefahren, aber ich habe den Film jetzt erst gesehen (Asche auf mein Haupt).

    Um es kurz zu machen - ich finde ihn großartig.


    Natürlich ist das nicht eins zu eins das Buch, das geht ja auch aus den in diesem Thread ausführlich besprochenen Gründen gar nicht, aber als Filmfassung ist das absolut sehr und total gelungen. Ich finde auch, dass die wesentlichen Aussagen des Buches transportiert werden, man darf sich nur nicht von den (guten!) Scherzen zu sehr blenden lassen.

    Und die Tatsache, dass der Film etwas "entschärft" ist, hat mich eigentlich eher erleichtert. Zum einen weiß ich nicht, ob ich die "Nuttenszene" in dieser Detailtreue filmisch ertragen hätte (oder Männer mit Tangas und solche Sachen), zum anderen hatte ich extra meinen (noch minderjährigen) Sohn rausgeschickt, in Sorge, der Film enthalte vielleicht für Kinder verstörende Abschnitte.

    Ich glaube aber, wir können das durchaus auch zusammen anschauen. Und das ist kein Nachteil.


    Ein guter Film, der einen motivieren kann, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Man muss ja nicht gleich aus der Kirche austreten oder Schauspieler werden. ;)

    Dieser Thread hier ist drei Jahre alt, aber das Thema ist heiß. Gerade hat Apple angekündigt, in seine Podcasts intensiver zu investieren und das bestätigt Jürgens (und auch meinen) Eindruck, dass das Modell Potential hat.


    Es scheint eine noch unerschlossene Konsumentengruppe zu geben, nämlich Leute, die sehr akustisch aufgestellt sind und sich trotzdem Serienerlebnisse wünschen. Spotify ist bei Hörbüchern und Podcasts für meinen Geschmack noch etwas umständlich, aber auch andere Konkurrenten wie Audible oder Podbean sind schwer auf dem Weg.


    Gerade habe ich "Blackout" mit Rami Malek angefangen, weil ich den in der Serie "Mr. Robot" gut fand, aber nicht dauernd vorm TV sitzen kann. Blackout ist aber leider eine Enttäuschung. Kann man Hörspiele nicht ohne ständiges Infodump produzieren?

    Etwa zwei Jahre nach der letzten Antwort in diesem Thread wollte ich mich noch einmal bedanken.

    Vielleicht nützt es ja jemandem zu sehen, dass solche Diskussionen nicht nur leere Worthülsen sind, sondern, dass das auch wirklich etwas bewirken kann.


    Einige der gut gemeinten Vorschläge hier gingen ja in die Richtung, dass es vielleicht einen Versuch wert wäre, ein paar Kurzgeschichten lose oder irgendwann nicht mehr so lose zu einem längeren Text zu verbinden und genau das habe ich mit etwas Verzögerung versucht. Tatsächlich funktioniert das. Und das Ergebnis ist schon cool, ich habe jetzt 40.000 Wörter und bin noch dran.


    Verrückt ist das manchmal...?!?

    Die Links sind beide wirklich schön. Darum liebe ich Schreibregeln und Schulen und Creative-Writing-Zeug. Diese Sachen sind lustig und inspirierend.

    So etwas zu schreiben ist für sich selbst schon eine Kunst.


    Insbesondere der Blogeintrag von (dem übrigens auch von mir verehrten) Richard Morgan ist einfach großartig und liest sich fast wie ein Auszug aus einem seiner Bücher - stark, provokativ, Gegenkultur. Scheiß auf die Regeln. Während der Lektüre hat es mich bestimmt zehn Mal in den Fingern gejuckt, Auszüge mit copy und paste hier reinzukopieren und irgendwas zu schreiben wie "Ist das nicht super?"

    Und dieses Hinterfragen aller Regeln ist auch ungeheuer befreiend. Wenn du es schreibst und es klingt gut, dann ist es richtig.

    Man, sometimes it takes you a long time to sound like yourself. Das ist von Miles Davis und das ist wohl das Wichtigste.


    Trotzdem - war klar, dass das jetzt kommen muss - empfinde ich Regeln wie "Show, don't tell" als sinnvoll. Als Richtlinien. Wenn ich mich frage, warum mein Text nicht funktioniert, dann ist die Chance groß, dass da zu viel "Tell" drin ist, oder zumindest dass das "Tell", was da drinnen ist, nicht gut genug ist. Richard Morgan kann auf eine Weise erzählen, dass ich mir von ihm wahrscheinlich auch mit Genuss erklären lassen könnte, wie eine Kaffeemaschine funktioniert.


    Ich kann das so nicht. Ich übe noch 8)

    Ich kann etwas beisteuern, was ich auf einem Seminar vor ein paar Jahren gelernt habe.


    Wie Horst-Dieter schreibt, braucht es möglicherweise zur Geschäftsanbahnung eine kurze Inhaltszusammenfassung und diese sollte dann - etwas kontraintuitiv - nicht wie ein Teaser gestaltet sein. Sprich, es sollen keine Fragen offen bleiben. Schon Formulierungen wie "Es stellt sich schließlich heraus, dass..." sind mir seinerzeit angekreidet worden ("Wie stellt sich das heraus? Was geht genau vor? Wissen Sie das überhaupt, wie Sie das schreiben wollen?")


    Es ist mir ganz schön schwer gefallen, alles wirklich durchsichtig und schlüssig hinzuschreiben. Ich bin viel besser in nebulösen Andeutungen.


    Ob diese Dinge jenseits von Seminaren irgendeine Gültigkeit haben, weiß ich allerdings nicht.

    Wirklich Spaß machen mir im Augenblick so Sachen wie "Essen Sie diese drei Lebensmittel jeden Tag und verlieren Sie ohne Mühe Bauchfett.", oder "Sie schickte ihm dieses Bild und er ließ sich scheiden."


    Da gibt es sicher noch eine Menge mehr. Nennt man das Clickbait?

    Das ist so blöd, dass ist schon wieder lustig.

    Ich muss so ungefähr vierzehn Jahre alt gewesen sein, da habe ich mir aus dem Plattenschrank meiner Eltern eine LP gemopst, die die irgendwann von einem Freund geschenkt bekommen und sowieso nie gehört haben. Wahrscheinlich wollte ich wissen, was ein Typ, der offensichtlich so wenig Angst hat, sich lächerlich zu machen, dass er sich sogar in den megacoolen 80ern als Torero mit Rüschen und allem Pipapo für das Cover ablichten lässt, für Musik macht.


    Das war meine erste Begegnung mit Chick Corea. Das Doppelalbum hieß „My Spanish Heart“. Ich habe die Platte für mehrere Monate in Endlosschleife laufen gehabt, wahrscheinlich hat mir Chick Corea etwas zu früh die Tür zum Jazz aufgestoßen und mir damit leider auch jede Chance auf eine anständige Clique in der Schule genommen. Für Limahl und diese Leute war ich verdorben.




    Chick Corea hat mich auch später begleitet, auch wenn mir irgendwann in den 90ern klar geworden ist, wer dieser komische Ron Hubbard ist, bei dem er sich auf den Plattencovern immer bedankt. Armando "Chick" Corea war ein virtuoses, verrücktes Spielkind, der immer wieder neue Sachen ausprobiert hat, bei dem es nie langweilig wurde.




    Heute lese ich in der Zeitung, dass er gestern von uns gegangen ist.


    Rest in Peace Senor Mouse.

    "Also ich schreibe so eine Art dystopischen Love and Landscape-All Ager mit Einflüssen aus Graveyard und soft Science Fiction"?

    Ich habe gerade festgestellt, dass der große Douglas Adams meinen Witz schon früher gemacht hat. Nicht zu glauben. Er bezeichnet Dirk Gently laut Wikipedia als „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos“.


    Man kann einfach keine neuen Dinge mehr erfinden.

    Ich glaube, dass das sehr damit zu tun hat, was man jetzt unter "Genre" versteht. Eigentlich ist das ja ein etwas abwertender Begriff und bedeutet sowas wie "trivial" und nach einem immer gleichen Strickmuster konstruiert. "Western" und "Science Fiction" enttäuschen ihr Kernpublikum ohne Beachtung einiger grundsätzlicher Konventionen, nur sehr selten geht es da um Liebesgeschichten oder Spiritualität. Zumindest nicht im Kern.

    Deswegen verkauft sich Genre auch gut, ich gebe zu, dass ich das oft eben auch sehr mag. Ich kaufe mir ein "hirnloses" Buch zur Unterhaltung und lese es schnell durch.

    Wenn ich einen Roman mit einem dunklen Cover aus dem Regal ziehe, von einem Autoren, dessen Name mit "döttrson" endet und mit einem Blurb von einem skandinavischen Krimibestsellerautor, dann erwarte ich und will ich, dass da ein depressiver Ermittler einen sadistischen Serienmörder jagt. Wenn es dann plötzlich drei andere Handlungsstränge gibt, von denen einer im Weltraum und einer in Cornwall spielt, dann bin ich eher nicht so zufrieden.

    So funktioniert Genre nunmal und wenn man sich in dieser Riege umtun will, dann muss man diese Regeln auch beachten.


    Wenn einem diese Festlegungen aber nicht liegen, dann könnte man versuchen, sich eher an ernsthafter Literatur zu orientieren, die sich eben dadurch auszeichnet, dass sie eben nicht nach Schema F funktioniert. Die von tortitch angeführten Leute würde ich in diesem Sinne alle nicht in der Genreecke verorten.

    Die Musik ist mir dann meistens nach einiger Zeit doch etwas zu langweilig, aber das Konzept mit der Live-Performance von Sleep war schon genial. Beginn um 0.00 Uhr, im Auditorium Betten statt Stühle und eine Konzertdauer von 8 Stunden. Zuhörer durften und sollten währenddessen schlafen. Cool.

    und selbst die unterliegen Regeln.


    Geübt wird vorher (Konzeptionelles zurechtlegen, Techniken einschleifen).

    Aber das ist ja gerade der Punkt. Erzählendes Schreiben unterliegt auch Regeln, aber diese Regeln sollte man vorher verinnerlicht haben, damit man dann ganz natürlich und mit Spaß damit spielen kann. Ich finde das Bild in der Hinsicht schon treffend, Improvisation ist eine der entscheidenden Eigenschaften, aus denen sich Jazz definiert.

    Aber das bedeutet nicht, dass man das nicht üben oder strukturiert lernen kann. Es gibt ja auch in der Musik diese Leute, die meinen, man müsste nur ganz viele Platten hören und dann versuchen nachzumachen, was man da hört. Es mag ein paar Genies geben, bei denen das so läuft, aber für die Allermeisten ist es echt schon irgendwo ein Vorteil, wenn ihnen mal jemand das grundsätzliche Konzept von Dur und Moll erklärt8).


    Und genau deswegen mag ich auch Schreibratgeber sehr gerne. Schon klar, wer kennt die Romane, die Sol Stein geschrieben hat? Aber die Platten von Peter Bursch sind mir auch nicht geläufig und trotzdem hat der Mann einer ganzen Generation zu akzeptabler Schrammelgitarre verholfen.

    Dagegen spricht, dass es nicht unmotiviert geschehen sollte.

    Das ist ja völlig richtig, aber das macht es unheimlich schwer, weil ich mir fast nie Gedanken darüber mache, wie groß Leute sind, oder welche Augenfarbe sie haben. Und weil ich mir aufrichtige Mühe gebe, möglichst authentisch zu schreiben, bin ich inzwischen bei irgendwas mit 30.000 Worten (!), ohne dass ich weiß, wie groß ich so in etwa bin. Also in der Geschichte jetzt. Für mich ist das kein Problem, aber ich schreibe ja für Leser und ich befürchte, die wollen sowas wissen.


    "In zwei Tagen zum Fitzek-Successalike"

    Kannst du da vielleicht noch einen Amazon-Link einfügen? Ich kann es nicht finden, aber es klingt wirklich interessant.:evil

    Ich bin wirklich überrascht. Erwartet hatte ich in der Mehrzahl Aussagen, die in die entgegengesetzte Richtung weisen, also erst mal auf Biegen und Brechen die komplette Geschichte raushauen, auch auf die Gefahr hin, dass das Ergebnis bei Feingeistern Würgreflexe auslöst. So hatte ich es bisher auch und gerade von gestandenen Profis gehört und gelesen.

    Ich habe diese Vorgehensweise auch in zahlreichen Interviews gelesen und mir ist das immer komisch vorgekommen. Ich müsste mich mit einiger Anstrengung dazu zwingen, wollte ich nicht die letzten Seiten lesen, die ich geschrieben habe, und während des Lesens auch korrigieren, ändern, streichen usw.


    Kann es sein, dass das etwas damit zu tun hat, ob man auf Papier oder direkt am Rechner arbeitet? Ich habe letztens Neil Gaiman sagen hören, er würde alles mit dem Füllfederhalter (!) in total stimmungsvolle Notizbücher schreiben. Dann macht es natürlich auch Sinn, einen eigenen Arbeitsschritt nur dem Überarbeiten zu widmen.


    Ich schreibe alles direkt in den Rechner und lese auch am Bildschirm. Wenn mir da eine Wiederholung auffällt (ständig), dann korrigiere ich das direkt. Und zwar bei jedem Durchlesen und ich lese gerne und häufig durch, was ich geschrieben habe.


    (Ich kann ja nicht einmal hier die Finger vom "Bearbeiten" Knopf lassen...)

    Gibt es sowas wie (seriöse) Internet-Leser-Foren, wo man sich gegenseitig bewerten kann?

    Das ist jetzt ein bisschen so, als wenn du in eine Bäckerei gehst und fragst, ob die jemanden kennen, der vielleicht Brötchen verkauft. ;)


    Unbedingt hier die Besprechungstexte, abgekürzt "BT". Diese Runde ist Gold wert, macht unheimlich Spaß und ist für mein Gefühl immer das Herzstück dieser Veranstaltung hier gewesen.


    Persönlich empfehlen würde ich, sich freischalten zu lassen und dann erst einmal etwas in den Archiven zu stöbern. Vielleicht ist es auch gut, erst einmal eine Zeit lang die Texte anderer Leute zu kommentieren. Es gibt (je nach Andrang) jede Woche bis einmal im Monat einen Text zu besprechen. Im Augenblick steht einer von mir ganz oben 8)

    Ich breche mir doch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich mein Manuskript bzw. die Leseprobe im Normseitenformat anbiete.

    Ich fände es allenfalls interessant, ob sich diese Konventionen im Lauf der Zeit nicht auch verändern. Der eingangs verlinkte Artikel ist ja inzwischen fünf Jahre alt. Gilt immer noch Normseite? Die Normseite war seinerzeit ja eine Maßeinheit, die sich im Zeitalter der elektronischen Textverarbeitung eigentlich auch auf der Lektorseite erübrigt hat - Die Anzahl der Zeichen und Wörter ist in jedem Dokument sofort und in Echtzeit verfügbar.


    Dass sich Konventionen bei der Geschäftsanbahnung verändern, kenne ich auch gut aus meinem Alltag, ich bin schon in Vorstellungsgesprächen komisch angeguckt worden, eben weil ich einen Anzug getragen habe. Vielleicht war der natürlich auch falsch geschnitten.:evil


    Kann da jemand vielleicht etwas zu sagen, der sich damit auskennt? Erntet man heutzutage mit Normseiten nicht eher ein Stirnrunzeln? Gibt es noch andere Formalien, die sich verändert haben - wirke ich am Ende jetzt total modern, wenn ich ein Anschreiben mit exotischen Smilies garniere?


    :-et:write:dichter:bruell