Alles begann an diesem Nachmittag, der gar nichts Besonderes sein wollte und sich doch später wie ein kleiner Markstein in der Geschichte der beiden anfühlte. Sie saßen auf einer Bank im Park, dort, wo die Bäume alt genug waren, um Schatten zu werfen, aber nicht so alt, dass man sie ehrfürchtig betrachten musste. Die Bank war aus Holz, das in der Sonne silbrig geworden war, und wenn der Wind durch die Ritzen fuhr, vibrierte das Metallgestell leicht, als hätte es ein Eigenleben. Er hatte die Arme locker auf den Oberschenkeln abgelegt, als wollte er etwas sagen, was ihm nicht gelang, und sie betrachtete die Tauben, die mit diesem unbeirrbaren Ernst über den Kies stolperten, als wüssten sie seit jeher, was zu tun sei. Die Welt war nicht still, aber sie war gedämpft: irgendwo eine ferne Sirene, Kinderstimmen, das Rascheln eines Papiersacks. Vielleicht sprachen sie gerade nicht, weil das Schweigen an diesem Tag von einer Sorte war, die man nicht brechen muss. Er hatte die letzten Tage oft an Sätze gedacht, die er vor Jahren einmal gesagt hatte und die nun peinlich wirkten, als wären sie von jemand anderem. Sie wiederum hatte das Gefühl, in einer Phase zu sein, in der man die Ränder seines Lebens abtastet, wie man prüft, ob ein Glas ganz voll oder fast leer ist. In ihrem Blick lag etwas, das er nicht deuten konnte, und er fragte sich, ob sie sich schon entfernt hatte, nur ohne den Körper mitzunehmen. Der Park roch nach Sommer – nicht nach der Heftigkeit von frisch gemähtem Gras, sondern nach diesem müden, warmen Duft von Blättern, die schon ein wenig zu lange in der Sonne hängen. Ab und zu knisterte das Laub, wenn jemand vorbeiging, und manchmal kam ein Hauch von Parfum herüber, der eine Geschichte andeutete, die ihnen fremd war. Er dachte an ihre ersten Spaziergänge, daran, wie sie einmal im Frühling denselben Weg gegangen waren, und wie damals alles wie ein Versprechen gewesen war, das man weder aussprechen noch hinterfragen musste. Jetzt war das Versprechen noch da, aber es fühlte sich an wie ein Gegenstand, der seinen Platz gewechselt hat – man weiß, er ist da, aber man sucht ihn, weil er nicht mehr dort liegt, wo man ihn erwartet. Sie zog die Beine an, legte das Kinn auf die Knie, und in dieser Bewegung lag so viel, dass er beinahe fragte: „Alles gut?“ Aber er tat es nicht. Sie hätte genickt, gelächelt, und er hätte gewusst, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Ein Hund kam vorbei, bellte kurz, und beide blickten ihm nach, als könnte er ihnen sagen, wohin man geht, wenn man nicht weiß, ob man bleiben soll. Über ihnen zogen Wolken auf, dünn und durchscheinend, wie die erste Ahnung einer Veränderung. Er spürte den Drang, ihre Hand zu nehmen, aber etwas hielt ihn zurück – vielleicht die Angst, dass sie sie nicht zurückgeben würde. Also saßen sie weiter, und der Nachmittag schob sich in den Abend, als wollte er ihnen Zeit lassen, zu bemerken, was mit ihnen geschah.