Beiträge von Cordula

    Hallo liebe Silke,

    Du verlierst ja nichts, wenn Du versuchst nachzufragen. Meiner Erfahrung nach aber bitte nicht schriftlich, sondern nur telefonisch. Versuche, den Absender der Absage persönlich zu erreichen, stelle gleich zu Beginn klar, dass Du die Absage akzeptierst und nicht "nachkarren" willst!! Bitte ganz konkret um Aufklärung, was mit dem Argument der fehlenden Breitenwirkung gemeint sei, da Du Dich selbstverständlich gerne literarisch weiterentwickeln möchtest ...

    Was kann passieren? Entweder Du bekommst niemanden an die Strippe. Oder Du erhälst nur Wischi-Waschi-Anworten. Dann weißt Du wenigstens, dass Du die Absage unter "Standardabsage" ablegen kannst. Oder aber Du erhältst (vielleicht für Deine weitere Tätigkeit) wertvolle Hinweise, woran es wirklich gelegen hat.

    Ich persönlich war bereits mehrfach positiv überrascht, wie sich solche Gespräche konstruktiv entwickelten.

    Sorry liebe Bibi, hab jetzt erst Dein Posting gesehen. Ja, wie kommt man auf seine Geschichten? Ich glaube, bei dieser Geschichte war der erste Funke ein Tatort, bei dem ich mich tierisch über eine unrealistische Flucht eines Schwerverbrechers aus einem Polizeitransporter geärgert habe. Und in meine Recherche, wie das so richtig wäre, mischte sich dann die reizvolle Vorstellung, wie man auch in heutiger Zeit in Deutschland für kurze Zeit "von der Außenwelt abgeschnitten" sein könnte. Gar nicht so einfach in heutiger Zeit. Darauf folgte ein sehr langes Interview mit der Bergwacht in Bayern und so fügte sich die Geschichte Teil für Teil ...


    Schön, dass Dir der Trailer gefallen hat. Falls Du Ebooks bevorzugst: eine Neuauflage ist unter dem Titel "Wo die Angst lauert" bei dotbooks erschienen.

    herzliche Grüße

    Cordula

    Ich denke auch, dass der Sprachgebrauch eher sagte: Ich vertrage das nicht/ mein Magen/Darm reagiert empfindlich. Ich darf das nicht essen. Ich habe einen empfindlichen Magen .... Und die nächste Stufe, aber erst Ende der 70iger, Anfang der 1980iger war eher "Lebensmittelallergie" oder "Lebensmittelunverträglichkeit" (so Anfang der 80iger bei meinem Sohn ärztlich diagnostiziert). Nahrungsmittelunverträglichkeit kam - wie Jürgen schon bestätigte - noch später.

    Ich habe es Mitte der 80iger in Berlin als erste Mutter eines Neurodermitis-Kindes geschafft, die hohen Kosten der Ernährung im Falle von Lebensmittelunverträglichkeiten, beim Finanzamt als besondere Belastung anerkannt zu erhalten (worauf ich damals sehr stolz war 8)). Bis dahin wurden vom Finanzamt diese nicht als Krankheit anerkannt. Allein daraus können Rückschlüsse gezogen werden, dass zu dem Zeitpunkt gerade mal die Ärzte der Meinung waren, dieses Thema als Krankheit ernst zu nehmen. Bis dahin waren eigentlich nur Kontaktallergien übliche behandlungsbedürftige Erkrankungen. Oder allergische Reaktionen des Körpers/Kreislaufes auf z.B. Bienen- oder Wespengifte.

    Auch die ärztliche Fachrichtung Allerlogie gab es erst frühestens in den Siebzigern. Davor ging man mit allergischen Reaktionen zum Hautarzt. Mit allem anderen zum Hausarzt.

    Zitat

    Selbstverständlich darf ich auch tun, was ich nicht kann. Ich muss allerdings dann auch die Konsequenzen tragen, die aus diesem Tun folgen.

    Richtig. Und eine dieser Konsequenzen ist möglicherweise, dass irgendein Kritiker behauptet, Du dürftest das nicht. Damit tut er seine Meinung dazu kund, selbst wenn sie vielleicht im Grundsatz ebenso falsch sein mag, wie das, was man als Autor verbrochen hat.


    Und im Konsens meiner übrigen Postings hat meine Aussage allerdings mit dem Thema zu tun. Denn das "Nicht Können" hatte ich zuvor ja genau thematisch bezeichnet. Und deshalb hatte es nichts mit einer generellen Aussage zu tun, ob man als Künstler sich mit etwas beschäftigen darf, was nicht der eigenen, direkten Lebenswirklichkeit entspricht. Letzteres tue ich in meinen Büchern ständig ;)

    Zitat

    Es ist nicht nur möglich, Geschichten über Dinge zu schreiben, die wir nicht selbst erlebt und erfahren haben - es ist auch die Grundlage der Schriftstellerei, des Schreibens.

    Ich glaube kaum, dass ein Krimiautor gemordet hat - muss er auch nicht.

    Das einzige was wir als Autoren müssen, ist mit Herzblut zu schreiben - über was auch immer.

    Und ja - auch über Dinge außerhalb unseres eigenen Lebens - vielleicht gerade darüber besonders.

    Ich glaube, die dem verlinkten Artikel zugrundeliegende Frage geht über diese - tschuldigung, aber in diesem Zusammenhang platte Aussagen doch weit hinaus.

    Und ich empfinde einen Austausch, wie Tom ihn hier sucht und zu der er mehrfach seine Meinungen dazu konkretisiert hat, alles andere als "aberwitzig". Mit solchen Phrasen einen Austausch zwischen AutorInnen über diese Fragen des "Dürfens" und "Könnens" im Keim ersticken zu wollen, weil Kunst ja alles und keinerlei Beschränkungen erfahren dürfe, ist doch kein Deut besser als die im Artikel zitierten Vorwürfe. Ebenso das Wortspiel dürfen - können. Denn angenommen, man müsse zu dem Schluss kommen, dass AutorInnen nicht alles KÖNNEN, dann ist auch die Frage erlaubt, ob diejenigen, die es dann trotzdem tun, es auch DÜRFEN sollen ;)

    Tom. Wir reden ein wenig aneinander vorbei. Keineswegs kannst Du aus meinen Worten lesen, ich sei dafür, einem Schriftsteller "die Annäherung an sämtliche Themen, die nicht ausschließlich Dich und nur Dich selbst direkt betreffen zu verbieten".

    Auch das Beispiel mit den Schwulen trifft keineswegs meine Aussage. Denn was unterscheidet Dich von einem Schwulen? Das ist bezogen auf das, wovon ich spreche, ein winziges Detail, nämlich deine sexuelle Orientierung. Aber sonst?

    Dagegen kannst Du - Recherche hin oder her - dich dem Schicksal einer Person in bestimmten Bereichen Afrikas mit einem Hintergrund vielleicht eines Dorfes abseits jeder Technik und modernen Kommunikationsmitteln, nur äußerst vage nähern. Und mit was willst Du Dich nähern? Mit deinem europäischen Denken und Fühlen, denn ein anderes hast du nie erlebt. Klar, Du kannst dich einlesen, recherchieren. Leider kommen allerdings die Quellen eher aus Deinem Umfeld als aus dem Umfeld der Betroffenen ;). Empathie hat Grenzen dann, wenn Gedanken und Gefühle so anders sind, dass sie nicht vorstellbar, nicht nachfühlbar sind. Vielleicht gelingt es sogar Dir als Autor, durch deine Recherchen näher an die Figur heranzukommen. Aber Deinen Lesern? Sie nehmen in Außensicht das wahr, was Du ihnen über diese Person vermittelt hast und stoßen auf die gleichen, in ihrem Fall zwangsläufig noch engeren, Grenzen. Sie bauen sich ein Bild und - wenn sie dein Buch toll fanden - verinnerlichen sie es, bewusst oder unbewusst.


    Aber egal. Niemand verbietet Dir zu schreiben, über was Du schreiben willst. Ich sowieso nicht und ich sehe auch niemand anderes, der das könnte. Nur musst Du Dir auch gefallen lassen, wenn später Menschen möglicherweise fragen: Warum eigentlich hat der diese Geschichte geschrieben? Wer im Rahmen eines gesellschaftlich und/oder politisch aktuellen Thema eine Geschichte schreibt, muss damit rechnen, dass sie in einem größeren Kontext gesehen und beurteilt wird.

    Eine Einzelfallentscheidung zu treffen, finde ich sehr simpel, eine generelle Aussage über Grenzen oder Nicht-Grenzen innerhalb der Schreiberei dagegen mega schwierig.

    Cordula: Dein Beispiel eines Bildhauers passt in meinen Augen überhaupt nicht. Gerade der Bildhauer zeigt mit seiner Arbeit, wie ER die Figur sieht. Es ist seine Wahrnehmung und seine Darstellung, die in meinen Augen auch keine Begrenzung erfahren darf. In dieser Diskussion geht es aber eher darum, dass jemand die Innensicht und das Innenleben einer Person (schreibend) einnimmt, die er nach seinem eigenen Lebens-, Erfahrungs-, Bildungs- und Bewusstseinsraum eigentlich unmöglich einnehmen kann, selbst wenn er mega empathisch und sensibel ist. Es bleibt also immer auch - wenigstens in Teilen - bei der Außensicht, die er aber seiner Leserschaft als Innensicht der Figuren "verkauft". Da sehe ich die Problematik!

    In meinen Augen kann und darf es keine verallgemeinernde Beschränkung aller Schriftsteller und Schriftstellerinnen geben. Aber im Einzelfall, finde ich, dass es diese geben sollte und wenn nur aus der eigenen Verantwortung heraus oder aber - wenn diese fehlt - dann aus dem Munde der Kritiker.


    Horst-Dieter: "nicht das Gefühl, dass unsere Gesellschaft weiter ist als vor 100 Jahren". Da hast Du Recht. Ich bezog es eher auf die heute vorhandenen Informationen und Kenntnisse.


    Tom: Ich denke, es wäre blauäugig zu glauben, dass wenn z.B. Du einen Roman über einen afrikanischen Flüchtling übers Mittelmeer schreiben würdest (aus dessen Perspektive), dass es möglich wäre, der Leser- und Kritikerschaft zu vermitteln, dass Du doch nur diesen einen Menschen meinst und nicht etwa die Mittelmeer-Flüchtenden im Allgemeinen. Selbst, wenn Du als Autor diese Intention verfolgen würdest, ist ein Außenvorlassen der jeweiligen Betroffenen-Gruppe, in meinen Augen völlig undenkbar. Dabei wird die "Gruppe" jeweils neu definiert durch die Einzelheiten der Geschichte.

    Wenn Du die Geschichte eines Europäers erzählst, der - aus welchen Gründen auch immer - unfreiwillig die Flucht mitmachen muss, gelingt Dir dagegen möglicherweise ein Bestseller. Oder vielleicht auch, wenn Du eine Romanbiografie eines Geflüchteten schreibst.

    Diese Diskussion gab es in der Vergangenheit schon immer wieder mal. Spontan fällt mir der damalige Hype von Afrika-Romanen ein. Ich persönlich finde diese Frage als eine sehr schwierige. Es geht ja nicht um solche Dinge, wie "Darf ich einen Krimi aus der Sicht eines Mörders schreiben, ohne vorher mal gemordet zu haben?". Auch nicht um weiblich, männliche ... Protagonisten. Nicht um das Schaffen von Fiktion als solche. Sondern eher um eine Verantwortung, welches Bild ich von einer Gruppe, einer Ethnie etc. ich mit meinem Roman weitergebe/vermittle und ob dieses Bild der Realität so gerecht wird, dass ich nicht mitverantwortlich für Rassismus werde. Und bevor wieder einer mit Karl-May kommt: Ja, aber heutzutage sind wir einen Schritt weiter in unserem Bewusstsein, wie die Welt tickt und wie schnell es zu Diskriminierung, Verachtung und Verfolgung kommt und wie tief Rassismus in den Köpfen verankert ist. Nicht nur aufgrund von Machtverhältnissen, sondern auch aufgrund von Vorurteilen und falschen Bildern. Und an diesen falschen Bildern möchte ich persönlich nicht mitwirken. Aus meiner privilegierten weißen Sozialisierung hat die Fähigkeit, sich in bestimmte Schicksale einzudenken auch als Schriftstellerin eine Grenze. Mein Blick erschließt mir nicht alle Winkel des menschlichen Fühlens und Denkens.

    Wenn Autoren sich einem solchen Thema nähern möchten, dann besteht in der Regel auch eine Möglichkeit, es auf andere Weise zu tun als sich in die völlig fremde Seite einzudenken und aus deren (angeblicher oder angenommenen) Perspektive zu schreiben. Ich denke z.B. an einem Film über das Thema Grenze USA/Mexiko bzw. Süd-Nord-Flucht (Leider fällt mir der Titel grad nicht ein). In diesem Film wurde eine neue Realität als Welt etabliert. Als Fakt, ohne Große Erklärung oder Herführung. Und dann spielte die Geschichte in dieser neuen Realität. Menschen aus Europa und Nordamerika mussten in den Süden flüchten. Der Flüchtlingsstrom ging nun umbekehrt. Alle Einzelheiten waren die gleichen, wie sie jetzt zu beobachten sind, nur halt umgekehrt. Dieser Film hat die bestehenden Ungerechtigkeiten viel stärker verdeutlicht, als es der Regisseur jemals gekonnt hätte, wenn er bei unserer Realität geblieben wäre und die Geschichte aus der Sicht der tatsächlich heutzutage Flüchtenden erzählt hatte.

    Jede und jeder, der Angst vor der "Gefahr" einer Veränderung unserer Gesellschaft hat, dem sei diese nur 30minütige Doku ans Herz gelegt. Schaut sie euch an und das Schicksal der Menschheit, der angeblichen "Völker", die Angst um das angeblich doch so vorbildliches Abendland und die Angst vor dem so ach so schrecklichen Morgenland ... es relativiert sich alles, auch die Wichtigkeit der eigenen Person und der eigenen Überzeugungen. Versprochen!

    Doku I ARTE:

    (Und nein, es geht NICHT einfach nur um das Weltall!)

    Ganz herzlichen Dank an Euch :blume:blume

    Christian: Echt jetzt??? Konntest Du wenigstens angeben, dass Du die Autorin persönlich kennst? Oder war die Dame zu alt ;)

    Amos: Buchtrailer sind ein kleines hübsches Beiwerk. Eine verkaufsfördernde Wirkung dürfte nur mäßig sein. Aber mir macht es Spaß und mehr als ein Klappentext gibt so ein Trailer - wenn er gut gemacht ist - die Grund-Stimmung eines Buches wieder. Plattformen sind instagram, youtube, die Verlagswebseiten, facebook, meine eigene Seite, meine amazon-Autoren-Seite und bisher waren die Verlage immer ganz angetan und haben den Trailer auch über ihre eigenen Kanäle verbreitet. Und der Abspann ist immer so schnell, achte mal darauf bei Filmen im Fernsehen. Es ist kostbare Sendezeit und wer Interesse hat, kann ja einfach auf die Pause-Taste drücken und dann ganz in Ruhe lesen.