Der Ausschnitt ist famos.
Beiträge von Michael Höfler
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Dazu gibt es ja die Meinungspole: Lass es, Jugendsprache ist nur für Jugendliche, alles andere ist cringe (lol). Versus: Sprache befindet sich stets im Wandel, bleibe nicht stehen, sei Teil des Wandels, gehe mit der Zeit.
Ich hatte eben die Idee für folgende Zwischenposition: Verwende einen neuen Ausdruck, falls du glaubst, seine Bedeutung zu fühlen. Beispielsweise glaube ich, "ich bin jetzt auch im Matcha game" zu spüren. Bedeutet: Keine andere Wendung fühlt sich hier genauso passend an. Andererseits fühle ich "cringe" nicht genüg, um es zu verwenden, da passt ggf. "peinlich" besser. Ich erfasse die Bedeutung von "cringe" eher mit dem Verstand, dadurch klänge es für mich selbst komisch, würde ich es sagen. -
Dazu fällt mir noch eine Nutzung des auktorialen Erzählers ein, der sich in den Werken eines geschätzten Kollegen ständig dazwischenschiebt, um eine Vorausahnung loszulassen, die die gesamte Spannung der Geschichte killt. "Noch ahnte XY nicht, dass er XZ niemals wiedersehen würde ..." Das hat mir die gesamte Geschichte kaputt gemacht, aber das nur so am Rande.
Das ist, als ob jemand an ein Stadtauto eine Panzerkette schraubt, weil er sonst damit nicht durchs Gelände kommt.
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Eigenwerbung gehört hierhin.
Mit Verlaub: Wenn man drei Kategorien kombiniert, scheint vermutlich jedes Werk ein Verkaufshit in der entsprechend engen Nische zu sein. Genauso arbeitet der Algorithmus von Amazon: Erzähle jedem, er sei erfolgreich.
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Mir fällt gerade ein: Viel besser als das Buch aus dem Programm zu werfen, wäre es, wenn der Verlag die Einnahmen für das Gegenteil des heutigen Vance spenden würde: Menschlichkeit, Migrantenprogramme, Obdachlose ... Dieses Umwidmen hat einen bestimmten Namen, der mir nicht mehr einfällt. Anderes Beispiel aus meiner Stadt: Wir spenden für jeden Meter, den der Nazi XY durch unseren Kiez läuft (was wir nicht verhindern können) 5 Euro an die Seenotrettung.
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Wunderbare Idee, hoffentlich lässt sie sich wirtschaftlich durchhalten. Hier ein Link, der auch bei mir funktioniert (der oben tut es auf verschiedenen Rechnern nicht; jetzt weiß endlich auch ich, worum es geht ☀️).
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Ich habe "Yellowface" jetzt auch (auf Deutsch) gehört und eine andere Perspektive darauf, weil ich zunächst "Katabasis"" gelesen hatte. Zunächst habe ich festgestellt, dass Rebecca F. Kuang auch den klassischen, amerikanischen, in der Realität angesiedelten Roman sehr gut kann. Nicht überragend, nicht ganz die Liga von Donna Tarrt u.a., aber überzeugend. Für mich hätte der Roman kürzer sein können, aber er ist zunächst darin bemerkenswert, wie er auf der Metaebene verschiedene mögliche Plots innerhalb der Handlung durchspielt. Kuang entscheidet sich dann für ein Finale, das bei der Leser:in keine guten Gefühle hinterlässt. Erzählerisch fand ich das nicht so richtig gut gemacht, aber es ist absolut stimmig: Die Literaturbranche in den USA, falls sie wirklich so ein Schlachtfeld um Aufmerksamkeit ist, hinterlässt am Ende nur Verlierer; und jeder Kampf um die Deutungshoheit erzeugt weiteren Kampf.
Das Gendern finde ich ohnehin richtig und hier angenehm flüssig gesprochen.
"Kathabasis" fand ich deutlich spannender und fantasievoller (naja, bei Fantasy...). Letztlich auch mutiger, denn ein Wissenschaftsdrama als Höllenreise hätte grandios scheitern können. -
Genau: "Ich habe nichts gegen XY, aber ..." bedeutet: "Ich habe sehr wohl was gegen XY."
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Wenn ich das Positive am Anfang als Floskel erkenne, fühle ich manchmal eher veralbert, und wenn ich schlecht gelaunt bin, wirkt das Negative durch die Floskel stärker.
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Ich habe mich bei einem Portal beworben, das Lesungen vermittelt, einfach um mich mal dahingehend auszuprobieren, aber noch keine Rückmeldung bekommen.
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Wir Autor:innen sind ja größtenteils mehr Vögel als Ornithologen (nach Marcel Reich-Ranicky) und stoßen mit unserem linguistischen und phonetischen Wissen schnell an Grenzen. Ich spreche mir in solchen Fällen auch nur die Optionen im Geiste vor und nehme das, was besser klingt. Schön dann aber die theoretische Erklärung zu bekommen.
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Ich komme bei diesem Roman beim Lesen auch nicht richtig rein. Den Anfang der Zugfahrt finde ich toll, aber dann verliert sich das leider, und das Weitere ist dann nicht so meine Welt. Als Hörbuch scheint's das leider nicht zu geben.
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Ich habe im letzten Jahr nur Annett Gröschner "Schwebende Lasten" zu hören probiert, aber mir stieß da einiges sprachlich und erzählerisch auf. Ich bin da in mehreren Versuchen nicht reingekommen.
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Ich erinnere mich, von unserer seeligen Judith Rau bei einem Textarbeitswochenende gelernt zu haben, dass der auktoriale Erzähler keineswegs allwissend sein muss. Man könne im Gegenteil am besten gleich im Textanfang klarmachen, in welchem Rahmen sich das Wissen solch eines Erzählers bewege. Das ließe sich ganz subtil im Text unterbringen.
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Ich habe in letzter Zeit tatsächlich ein bisschen drauf geachtet. Beobachtung meistens: kein besonderer erster Satz, sogar nachgerade langweilig, trotzdem starkes Buch. Und manchmal ergaben einige solche Sätze zusammen eine Stimme, eine Stimmung, eine Erzählhaltung, ein Thema.
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So viele schöne Beiträge für Social media auch. Auf TikTok dind wir einen Tag hinten dran.
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Ach so, aktuelles eigenes Beispiel: "Die Erde ist rund, die Erde ist flach, die Erde ist erdig."
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Es ist schon fein, wenn man einen ersten Satz findet, der gleichermaßen schön, andeutungsvoll und nicht zu lang ist. (Bei dem Quatsch, den ich in meiner 1min-Form schreibe, entsteht oft alles aus einem griffigen Satz, der mir mal eingefallen ist.) Andererseits muss das auch nicht und kann nach hinten losgehen, wenn so ein Satz bemüht wirkt und nicht die Leichtigkeit hat, die Kunst braucht. (Mir fällt gerade das auf poetisch gedrillte Satzungetüm am Anfang des mMn eh nicht gelungenen, aber tausendfach besprochenen "Der Turm" ein.)
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Das heißt: Vor dem Hintergrund von Demokratie, Rechtsstaat und Grundrechten brauche ich mich darüber nicht zu empören. Ich kann darüber reden. Ich kenne Frau Zeh natürlich nicht persönlich, aber die Dame ist gebildet, rational und für Dialog offen. Außerdem Sozialdemokratin.
Dann ist hier ein Zitat Frank auf Entsetzen gestoßen. Mir geht es auch hier gar nicht darum: Hat er recht oder nicht? - sondern: Kann man das in einem demokratischen Spektrum vertreten? Ja, das geht. Darüber kann man reden, ohne angewidert zu sein oder entsetzt.
Es gibt Meinungen, die sind nicht mehr vertretbar vor einem Hintergrund. Mir scheint nur, dass viele heute zu schnell davon ausgehen zu sagen: Das ist nicht mehr vertretbar.
Hi Alexander,
klar kann man Zehs Ausgangszitat vertreten und wir diskutieren hier demokratisch darüber. Das Zitat ansich ist für mich nicht das Problem, sondern das, was daraus gemacht wird: Die Schlussfolgerung, die Brandmauer aufzugeben. Auch darüber darf man selbstverständlich diskutieren, aber auch mal angewidert sein, weil das äußerst brisant ist.
Ich persönlich finde, Juli Zeh war schon vor zwanzig Jahren überpräsent, nervig und überschätzt (und als Schriftstellerin stillos, aber das tut hier nichts zur Sache)-