Beiträge von Dietmar

    Wenn ich Dietmar richtig verstehe, meinte er nicht "MeToo", sondern das Genre "Künstlerbiografie". "MeToo" ist zwar ein Narrativ, aber kein Genre und auch keine Erzählung.

    Genauso meine ich es auch. MeToo bezieht sich auf Künstlerbiografien. Ich bin der Meinung, Künstlerbiografien haben sich mittlerweile auserzählt. Irgendwie ähneln die sich immer wieder und in eine Biografie kann halt nichts Fiktionales eingebaut werden (sollte zumindest nicht).

    Biografien und Autobiografien im Besonderen setzen voraus, dass man eine Distanziertheit zur Person bzw. sich selbst aufbauen kann, die die Erfolge und die Niederlagen glaubwürdig rüberbringen kann. Ohne das bei Erfolgen der Eindruck von Selbstlob und bei Niederlagen der Eindruck von Selbstmitleid entsteht. Beides gelingt im "Pudes Kern" nicht. Der Autor kommt mir teilweise zu nahe; ist mir zu voyeuristisch.

    So richtig vom Sockel hat es mich nicht gerissen - man kann es lesen; leider bin ich kein Punk-Fan.


    Des Pudels Kern


    Der Lebensweg, oder sollte man besser Leidensweg sagen, von Rocko Schamoni besteht aus permanentem Up-And-Down und beginnt mit der jugendlichen Flucht aus dem Schutz der elterlichen Behausung, in der er sich gegenüber dem jüngeren Bruder benachteiligt fühlt, in die raue Punkwelt der Hamburger Szene. Wer auf Punk steht, ist im Vorteil beim Lesen. Der Weg im Musikgeschäft beginnt für Rocko ganz unten und Sex, Drugs und Rock’n’Roll sind seine ständigen Begleiter. Er ist immer der Getriebene und sein Selbstfindungsprozess nimmt einfach kein Ende. Jedesmal, wenn ihm jemand über den Weg läuft, sei es Produzent oder Künstler, fängt das Spiel wieder von vorn an, oberflächlich, steil nach oben und dann Ernüchterung. Das spiegelt sich auch in seiner Persönlichkeit wieder - Überholspur wechselt sich mit Panikattacken ab. Irgendwann ist das Buch nicht mehr spannend, die Endlosschleife geht erneut los. Auch was Frauen betrifft, dieselbe Endlosschleife. Welche Frau will einen Mann, der noch sucht – was er mal will, vom Leben. Irgendwann rafft Rocko es und versucht eine Struktur in sein Leben zu bekommen. Das war auch der Punkt, an der das Buch wieder spannend wurde. Vielleicht findet Rocko tatsächlich noch des Pudels Kern – im übertragenen Sinne.


    Das Buch ordne ich dem Genre Künstlerbiografie, die unbedingt erzählt werden muss, zu. Das war, als das aufkam interessant, trägt aber mittlerweile einen #MeToo-Charakter. Irgendwann hat sich das Genre toterzählt.


    Bemerkung am Rande für alle, die sich in Dresden auskennen. In einem Kapitel ist Rocko mit Uriah Heep und Nena zu einem Konzert in Dresden in der „Arena der Jugend“. Die gibt es in Dresden nicht, er meint sicher die „Junge Garde“ im Großen Garten.

    Hallo zusammen,


    eine technische Frage, da ich mit Probieren nicht weiter gekommen bin. Wenn ich auf jemanden von euch im Text Bezug nehmen will, wird immer @<name> geschrieben. Da steckt der Link auf die Profilseite dahinter - das habe ich verstanden. Ich war der Meinung die @<name>-Schreibweise im "Link einfügen"-Modus macht den Link automatisch auf die Profilseite, wenn man beim Linktext @<name> schreibt. Scheint aber nicht so zu sein oder mache ich da was falsch? Ich habe mir für die einzelnen Namen den Profillink geholt in "Link einfügen" bei URL eingefügt und bei Text @<name> geschrieben. Gibt es eine einfachere Möglichkeit?


    Viele Dank und viele Grüße

    Dietmar

    @Friecko, @magico, @Tom

    Zuerst danke für eure Beiträge und letztendlich bin ich so schlau, wie am Anfang. Machen kann ich alles, sei es noch so abgefahren. Einzige Bedingung, es muss den Leser an den Text fesseln. Gut, ich werde mich mit den drei Varianten auseinandersetzen und einen Szene mit gleichem Inhalt in den drei Varianten schreiben, um zu sehen, ob und wie diese funktionieren.


    Mich interessiert vor allem, wie die Variante 3 funktioniert. Die Person A kann ja mit niemanden kommunizieren. Mal sehen - ich probiere es aus.

    Was spricht dagegen, das ganz direkt anzugehen? Figur A (meine: um deren Erlebnisse es geht) und Figur B (die sich das anhört und darauf reagiert) bricht doch den Erzählgegenstand sehr stark. Habe ich als Leser noch die Möglichkeit, das mit eigenen Augen zu sehen? Oder muss ich passiv zuhören, wie zwei Figuren die Vergangenheit beurteilen? Das - sollte es so wirken - lese ich nicht gern, weil ich selbst keinen aktiven / emotionalen Anteil mehr habe, weisst du, was ich meine?

    Direkte Szene und dann eine kleine Referenz / Dialog nachträglich wie vorgeschlagen wäre imA auch sinnvoll, zur Not.

    Hallo Katla,

    vom Erzählfluss her ist ein solches Kapitel ein Bruch. Ich halte die Variante 1, bei der die Person B erzählt und Person A zuhört für nicht gut, weil der Leser zum Zuhörer wird. Die Person B erklärt, bringt ausschließlich seine Sicht und Bewertung rüber. Auch der hin und wieder stattfindente Eingriff von Person A in den Monolog Bs änder daran nicht viel.

    Ich bin der Meinung, dass die Geschichte, die Person B erzählt, als eine eigenständige Geschichte mit Handlung und nicht als wörtliche Rede von ihr, geschrieben werden sollte. Nur bin ich mir noch nicht schlüssig, wie. Die Idee, bereits am Anfang des Manuskriptes vorab zu erzählen, halte ich für eine mögliche Form. Der Leser wartet darauf, dass diese Vorabgeschichte aufgelöst wird. Etwas verwirrend könnte sein, dass das nächste Kapitel nicht schlüssig an das vorherige anschließt. Kann man mit Jahreszahlen in Kapitelüberschriften klarstellen.

    Irgendwie habe ich immer noch die Idee der eigenartigen Erzählweise von Variante C im Hinterkopf. aber wie @Tom schrieb, möglich ist alles und hat Vor- und Nachteile.

    Trotzdem danke für die Beiträge.

    Hallo @Katla und @Friecko,


    danke für eure Beiträge und noch folgende Gedanken.

    Meiner Meinung nach handelt es sich, wenn Person B aus ihre Biografie erzählt, nicht um eine wörtliche Rede/Dialog im klassischen Sinne, die aus der Situation heraus entsteht, sondern es geht in diesem Fall darum, Informationen, die dem Leser und der Person A bis zu diesem Moment unbekannt sind, darzustellen. Ich habe das Gefühl, bei der Variante 1) kann ganz schnell der Eindruck von Infodump entstehen. Dem kann die Person A entgegenwirken, in dem sie Person B immer wieder unterbricht und den Monolog kurzzeitig wieder in einen Dialog im klassischem SInne überführt.

    Meiner Meinung nach ist auch von Bedeutung, wie ist die Person B in die Situation gekommen, diese Informationen preiszugeben. Eine solche Szene/Kapitel wird einen entscheidenden Einfluss auf die Handlung an sich haben. SInd es Geheminisse gegenüber der Person A, die diese eigentlich nicht erfahren soll, weil es sie unter Umständen betrifft? Sind es Informationen, die nichts mit der Person A zu tun haben, aber der Person A die Person B und ihr Handeln im Verlauf der Story erklärbar machen? Ist die Person B von A unter Druck gesetzt wurden oder ist es die alleinige Entscheidung von B gewesen?


    Das mit dem Film in der Variante 3 ist falsch angekommen. Ich erkläre es anders. Die Person A legt euch 100 Fotos in chronologischer Reihenfolge auf den Tisch und erklärt. Das sind die Bilder, die ich gerade in meinem Kopf gesehen habe, als mir Person B ihre Geschichte erzählt hat. Mache aus diesen Bildern Text, schreibe ihn aus meiner Perspektive, denke aber daran, ich war bei der Handlung an sich gar nicht dabei. Die Dramaturgie entsteht nicht durch die Bilder an sich, die entstehen fortwährend in unserem Kopf, wenn wir etwas hören oder lesen, sondern weil durch den zu schreibenden Text die Bilder einer Wertung unterzogen werden.

    Ich gebe zu, die Variante 3 habe ich noch nie irgendwo gelesen, was nicht heißt, dass noch nie jemand das versucht hat.

    Hallo zusammen,

    folgende Erzählsituation:

    • Es gibt zwei Personen A und B
    • Die Perspektive hat Person A.
    • Person B beginnt Ereignisse aus ihrer Biografie, weit vor Erzählbeginn, zu erzählen und Person B hört zu.

    Wie diese Situation in Text umsetzen? Mir fallen folgende drei Varianten ein:


    1.) Wie es in der Realität sein würde - Person B erzählt und Person A hört zu. Der Vorteil ist, die Handlung läuft normal weiter. A kann B zu beliebigen Zeitpunkten unterbrechen, Fragen stellen, mehr Infos einfordern, Emotionen zeigen oder anderweitig reagieren. Nachteilig ist aus meiner Sicht, unterbricht A das Erzählen von B zu selten, entstehen ewig lange Monolog; unterbricht A zu häufig, wird der Leser immer wieder aus dem Erzählfluss von B gerissen und verliert unter Umständen den Handlungsfaden von B. Ein weiterer Punkt; alles, was B erzählt, ist wörtliche Rede. B kann nicht auf einmal einen völlig anderen Redestil an den Tag legen, als bisher in der Handlung. Alles, was Person B erzählt, unterliegt ihrer Bewertung. A kann nur durch Unterbrechen des Redeflusses diese Bewertungen hinterfragen.


    2.) Eine Rückblende verwenden. Die aktuelle Handlung wird unterbrochen und es entsteht eine eigenständige, neue Handlung. Nachteilig ist hier, A ist jetzt völlig raus und kann nicht auf das Erzählen von B reagieren. Sämtliche Fragen, Reaktionen, Emotionen usw., die A hat, können erst nach Abschluß der Rückblende im Text auftreten. Ein permanentes Unterbrechen der Rückblende halte ich für abwegig. Der Vorteil der Rückblende wäre aus meiner Sicht - die aussschließliche, wörtliche Rede von B wird vermieden und man kann wieder mit allen Erzählwerkzeugen arbeiten.


    3.) Eine noch weitere Variante liegt folgender Überlegung zugrunde. Während B erzählt, entsteht im Kopf von A eine Art "Film" des Erzähltem. Dieser "Film" wird als Text erzählt. Wobei der Begriff "Film" hier unscharf ist. A sitzt nicht im Kinosessel, sondern A steht mitten in der Handlung des "Filmes" und kann sich frei bewegen. A kann mit allen Sinnen alles wahrnehmen, alles hören, alles sehen, alles riechen, alles anfassen. A kann Emotionen zeigen. Das Einzige, was A nicht kann, mit den anderen Personen kommunizieren, denn für diese ist A ja nicht vorhanden. Damit bleibt man in der Perspektive von A und "sieht" alles, was B "erzählt". A ist eine Art "stiller Beobachter", denn A ist ja in der Realität nicht dabei gewesen. Problematisch wird nur, wie bringt man Emotionen von A unter Kontrolle, denn A kann wissen, wann die Personen Fehler machen und versuchen einzugreifen. Wie würdet ihr A darin hindern, das zu tun?


    Habt ihr noch mehr Ideen? Wie seht ihr die drei Varianten?

    Hallo Frank,


    den gewünschten Text als PDF per PN an Joachim mit ein paar Infos und Fragen, die beantwortet werden sollen, schicken. Es gibt auch eine Vorlage, in der man die Infos zum Text einfügen kann. Dann Augen zu und durch. Zumindest habe ich es so gemacht.

    Hallo Dietmar,

    vielen Dank für Dein herzliches Willkommen. In welchen literarischen Genre "treibst" du Dich so herum?


    VG Frank62

    Ich bin im literarisch, lesend wie schreibend, im Hier und Heute unterwegs, wobei ich mit Heute auch das 20. Jahrhundert meine. Ansonsten, unten dem Link folgen.

    Ja, passiert mir immer mal wieder. Goldene Schuhe habe ich schon im Schuhladen gesehen, gut, ich gebe zu, war nicht Deichmann. Die Frage ist eher, hast du eine technische Entwicklung vorweg genommen oder nur irgendwelche skurrile Alltagsdinge? Kein Mensch hätte in meiner Jugendzeit (70er) daran gedacht, dass wir uns heute eine Glasplatte ans Ohr halten, um zu telefonieren.

    Hallo Tom,


    wir haben, was das Genre Ostrock betrifft, nicht nur eine etwas unterschiedliche Meinung, sondern in verschiedenen Punkten wahrscheinlich entgegengesetzte Meinungen, die wir hier, wie du selbst schriebst, nicht ausdiskutieren können, da das Thema des Threads ein völlig anderes ist und eine Argumentation zu tief in Details geht.

    Die Verwendung von Songs in Büchern, unabhängig wie die Figuren heißen, halte ich für einen interessanten Aspekt. Sowohl wenn der Song auf die Figur wirkt, als auch umgekehrt, wenn eine Figur auf einer Bühne steht und einen Song performt, was unter Umständen eine Neuinterpretation des Songs sein kann, wenn es nicht ein eigener der Figur ist

    .

    Ich dachte, dass Nordlicht85 vielleicht mal etwas mehr verrät, ist leider nicht so.

    Und Ostrock verdient genauso wenig besondere Hochachtung oder Kniefälle wie irgendeine andere Art von Popmusik. Zuweilen gilt sogar das Gegenteil. Die Bands, die in der DDR erfolgreich sein durften, haben das auch politisch erkaufen müssen, sanfte Systemkritik zwischen den Zeilen hin oder her. Die Spielerlaubnis bekam nicht jeder. Um das mal ein wenig zu relativieren.

    Ich verlange weder Hochachtung noch Kniefall, denn ich lese, da ist ein Experte am Werk. Mir ist aber nicht ganz klar warum das Wissen so nach 1990er klingt; wir schreiben ja mittlerweile 2024. Ehrlich, Tom, mit der Argumentation "Ost-Systemkünstler" lockst du heute im Osten keinen mehr hinter der Fichte vor. Da ist die Zeit längst drüber hinweg gegangen. Ich empfehle immer, um nicht nur wahllos an der Oberfläche rumzukratzen, sondern um etwas mehr Tiefgang zu bekommen, sich im Art Rock/Progessiv Rock umzuhören.

    In einem muss ich dir uneingeschränkt recht geben - die "Künstlerpappe" braucht man, um legal in der Öffentlichkeit auf die Bühne zu kommen und eine Voraussetzung dafür war eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Berufsmusiker.