Beiträge von Dietmar

    Wann erscheint die neue Auflage? Mich interessiert, ob die Klischeeüberfrachtung des Textes aus der BT-Runde, die einen beim Lesen erschlägt, in der gedruckten Auflage noch vorhanden ist.

    Die Dichte der Klischees muss man literarisch erstmal hinkriegen. Schon das nötig mir gewaltigen Respekt ab. Ich könnte das nicht und ich frage mich, was für eine Eigenschaft man als Autor gegenüber seinen Figuren haben muss, um diese Dichtheit hinzukriegen.

    Ich muss mich hier ehrlicherweise reinhängen. Ich gehöre micht zu den Schreibern der Collagegeschichte; trotzdem kann ich den Thread, in dem die Geschichte geschrieben wird, lesen. Die Idee, die im Beginn steckt, halte ich für interessant, weil ich Ähnliches auch schon vor längerer Zeit im Hinterkopf hatte.

    Sollten nur die, die tatsächlich schreiben, den Thread lesen können oder alle, die einen Account im Forum haben?

    Ist schon Sommerloch, dass der DLF Kultur den Klassenkampf zwischen Frau und Mann befeuern muss? Der Erklärungsbogen von Schulzes berechtigter und in meinen Augen noch sehr milden Kritik an "Gittersee" hin zur toxischen Männlichkeit klingt sehr bemüht. Schulzes Kritik an dem Buch ist nur ein erster Hinweis, dass Gneuß selbst schon bei Alltagsfragen scheitert und wenn man tiefer in den Text eindringt, spürt man die inhaltliche Oberflächlichkeit des Billigplots. Wie man mit diesem Plot in die engere Auswahl des Deutschen Buchpreises kommt, war und ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich lag es daran, dass außer dem 1971 in der DDR geborenen Matthias Weichelt, kein Jurymitglied der Jury 2023 das Leben im Jahr 1976 in der DDR einschätzen konnte. Der Plot, 16-Jährige verliebt sich, Freund findet die DDR Scheiße, haut ab, Stasi kommt und verführt Minderjährige zur Mitarbeit, was es tatsächlich gegeben hat, wirkt bei Gneuß wie Bundeszentrale für politische Bildung in belletrístischer Form.

    Ich darf mir sehr wohl eine inhaltlische Kritik erlauben, denn ich war, wie Karin, die Protagonistin, 1976 16 Jahre alt. Ich habe den Eindruck, das Buch könnte in jedem beliebigen Jahr der DDR handeln; beim Lesen war ich im ersten Moment der Meinung, in den1980ern zu sein. Die Stimmung im Buch passt nämlich eher in die 80ern und weniger in die 70er.

    Und muss man wirklich Plaste und nicht Plastik sagen - ja muss man. Es ist eine Frage der Wertschätzung gegenüber den Menschen, die die damalige Zeit erlebt haben und heute noch leben. Gegenüber jeder noch so kleinen Minderheit sind wir äußerst achtsam ubnd achten extrem darauf diesen nicht auf die Füße zu treten (zurecht!). Aber bei den Ostdeutschen müssen wir das nicht tun - sind ja eh alles nur Nazis, gelle?

    Ich kann die Diskussion nicht ganz nachvollziehen. Sie scheint mit von dem Gedanken getragen zu sein, den Klassenkampf der Geschlechter zu befeuern. Scheck argumentiert polemisch, sarkastisch - und? Kritik ist nun nicht eine Schlacht mit Wattebällchen. Die Diskussion leidet auch unter der Verkürzung der Scheckschen Aussage über die "Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette", denn im Original heißt sie "Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit". Trotzdem - das Geschnatter will ich nicht zwingend hören müssen -Tür zu!


    Was mich an dem Buch stört, ist der Titel. "Alt genug" schreckt mich ab; "Alt genug?" würde mich neugierig machen. "Alt genug" klingt für mich passiv, wie, jetzt schreibe ich mal etwas über mich auf, den viel wird nicht mehr kommen. "Alt genug" klingt für mich, als sei die Autorin der Meinung, mit Mitte, Ende 50 gediegen und in Würde zu altern, bloß keine Eskapaden, spontanen Einfälle und Sex nach dem Kilmakterium mehr, weil sich die Hormone auf das Renterdasein einstellen und die Woche durch Damen-Kaffeekränzchen und Mau-Mau-Spielenachmittag getaktet wird.

    "Alt genng?" klingt für mich aktiv. Da fragt sich jemand - war's das? Und ich kann eine Autorin erwarten, die sich selbstbewusst und ergebnisoffen hinterfragt. So etwas würde ich lesen wollen.


    Das einzige Buch, aus den 10 Büchern, welches ich gelesen habe, ist Jana Hensels "Es war einmal ein Land" und ich kann Schecks Entscheidung, das Buch nicht zu verschrotten, nicht nachvollziehen. Das Buch liest sich fürchterlich. Es ist Hensel krampfhaft bemüht, etwas Positives zu finden und im zweiten Teil redet sie meiner Meinung nach mit den völlig falschen Leuten. Selbst, dass Hensel Schecks allumfassende, ewig währende Meinung über die Verzwergten, Verhunzten und Verhassten nicht bedient, stört ihn nur als Erwähnung. Kann ich nicht nachvollziehen.

    Bei Diskussionen dieser Art habe ich immer das Gefühl, das Verlagswesen ist extrem konservativ. Das haben wir schon immer so gemacht, das machen wir auch heute so und das machen wir auch in Zukunft nicht anders.

    Die beiden Frauen haben, laut Impressum auf ihrer Webseite, eine GbR gegründet und damit den rechtlichen Rahmen geschaffen, um als Verleger unternehmerisch tätig zu werden. Das Imprint ist eine Marke, die zur GbR gehört und, ich hoffe, markenrechtlich haben schützen lassen. Auf der anderen Seite sind die Autoren, die der Meinung sind, ihrer Texte unter eigener Regie zu veröffentlichen und vor der Aufgabe stehen, die Prozesse eines Verlages in die eigene Hand zu nehmen. Beide Marktteilnehmer finden sich, weil der eine was will (Buch veröffentlichen) und der andere was hat (Organisation des Ablaufes und ein Markenzeichen). Was spricht dagegen, wenn eine Autor das schreiberische und verlegerische Risiko selbst übernehmen will und sich dazu eines Dienstleisters bedient? Die ganze Sache setzt natürlich voraus, dass beide Markteilnehmer genügend Informationen über das Schreiben und Verlegen haben. Es ist heute kein Kunststück herauszubekommen, wie teuer ist Lektorat, Korrektorat, Cover, Drucksatz usw. und letztendlich wird kein Autor, zumindest einer der nachdenkt, einen Vertrag mit den beiden Frauen eingehen, der Mondpreise verlangt.

    Bis heute hat mir noch niemand erklären können, warum ein Buch zwingend über die Aufgaben- und Risikoteilung Schreiber schreibt - Verleger verlegt entstehen muss, um als hochwertiges Buch zu gelten und umgekehrt minderwertiger Schrott ist. Außer - siehe oben - "Das haben wir schon immer so gemacht...".

    Den Einwand verstehe ich nicht: Der Verfassungsschutz hat ja seine Einschätzung nicht aufgrund der Homepages getroffen, sondern durch Begehung vor Ort. Und da werden sicher auch Unterlagen gesichtet worden sein, die niemandem aus der Öffentlichkeit zugänglich sind - weder über die Internetpräsenz, noch als Privatbesucher / Kunde vor Ort.

    Sorry, das war nicht der Verfassungsschutz, diese Arbeitsweise ist einem anderen Geheimdienst zuzuschreiben.


    Ich wiederhole mich: Das Problem ist ja gerade, dass keine Sau einschätzen kann, ob Herrn Weimers Entscheidung vertretbar ist oder nicht. Wie erwähnt, hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass der "Verrecke"-Spruch unter anderem von der Kunstfreiheit gedeckt sein kann.

    Der Staat muss nicht alles, was durch Kunstfreiheit gedeckt, ist mit Preisen bedenken oder fördern. Er hat zu gewährleisten, dass die Freiheit der Kunst zu jeder Zeit und an jedem Ort im Land nicht eingeschränkt wird.

    Alles, was ich weiß und kenne, sind die Äußerungen zu Graffiti wie "Deutschland verrecke!". Das allein beweist keinen Extremismus.

    Für mich ist die Frage, was ist denn gesellschaftlich als extrem zu bezeichnen? Nimmt man Anleihe an der Naturwissenschaft, ist es eine auffällige Abweichung von einer Norm. Wie definiert man eine gesellschaftliche Norm? Nein, Freiheit und Demokratie ist es nicht, dass ist das Fundament, auf dem die Norm aufbaut. Wir müssen nicht mal in die 50er von Adenauer zurückgehen, da reicht schon 80er/90er unter Helmut Kohl. Die gesellschaftliche Norm, also der ausgehandelte Konsens des Zusammenlebens, der letztendlich in Gesetze gefasst ist, war vor 30, 40 Jahren ein völlig anderer. Was heute die Norm ist (Selbstbestimmungsgesetz, gleichgeschlechtliche Ehe, Rechte von Minderheiten, Gleichberechtigung aller Geschlechter usw.), lag damals weit weg von der Norm. Ich bin der Meinung, auf dieser Ebene ist es nicht möglich, politischer Extremismus zu definieren.

    Politischer Extremismus beginnt für mich dort, wo durch aktives Handeln das Fundament, auf dem unsere Norm beruht, beseitigt werden soll. Und da sind wir wieder genau dort, wo Diskussionen um Parteienverbot immer wieder landen. Ist reden aktives Handeln? Sind Sprüche wie "Deutschland verrecke" an Häuserwänden aktives Handeln?

    Dietmar, sorry, aber mein Daumen bei deinem Post war ein Versehen. Der soltte bei HD landen. Ich bin dringend dafür, Meinung und Hetze zu trennen. Und zwar sehr doll zu trennen.

    Hallo Kristin, erster Teil deiner Antwort, aha, alles klar, kein Problem. Der zweite Teil, da bleibe ich bei meiner hier immer wieder geäußerten Meinung. Sie ist keine fixe Idee, die mir irgendwann gekommen ist, sondern die Auswertung von Lebenserfahrung und eigener Hasserfahrung, sowohl im ersten, wie auch im zweiten Leben. Im ersten eher sehr direkt, personenbezogen, aggressiv und auch bedrohlich wirkend und im zweiten eher subtil und gruppenbezogen. Ich habe versucht, eine Antwort zu finden, warum Menschen ihre Meinung in Form von Hass äußern. Ich bin zu drei Erklärungen gekommen.

    1.) keine Sachargumente mehr und fehlende Einsicht, seine Meinung zu korrigieren

    2.) die Unfähigkeit einer Diskussion gewachsen zu sein

    3.) Ad hominien-Argumentation

    Und wie ich schon einmal hier geschrieben habe - Meinung ist Inhalt und Hass ist Ausdruck. Die Argumentation, Hass ist keine Meinung würde dann darauf hinauslaufen, dass Hass, genauso wir Meinung, Inhalt ist.

    Hass und Hetze ist keine Form von Meinungsäußerung - gehe ich mit.

    Hass und Hetze ist keine Meinung - gehe ich nicht mit.

    Hass und Hetze haben nicht das Ziel, eine "Meinung zu äußern", sondern eine davor liegende Meinung auf unlautere Weise umzusetzen, zu Lasten derjenigen Personen, auf die sich Hass und Hetze beziehen. Deshalb können Hass und Hetze keine reine "Äußerung" sein, denn sie zielen deutlich auf eine Handlung ab. Für eine spezielle Form der "Hetze" gilt ja sogar der Straftatbestand (Volksverhetzung).

    Dann wäre, um nahe beim Threadthema zu bleiben, der Slogan "Deutschland verrecke!" Hass und Hetze - zumindest nach deiner Definition.

    Zitat

    Hass und Hetze haben nicht das Ziel, eine "Meinung zu äußern", sondern eine davor liegende Meinung...

    Die davorliegende Meinung ist die Verachtung Deutschlands.

    Zitat

    ...auf unlautere Weise umzusetzen,...

    Nämlich durch verrecken.

    Zitat

    ...zu Lasten derjenigen Personen, auf die sich Hass und Hetze beziehen.

    Die Menschen, die in dem Land Deutschland leben.


    Warum soll jemand, der Hass und Hetze verbreitet, zumindest nach deiner Definition, staatliche Auszeichnungen bekommen?