Beiträge von Petra

    Hallo Habibi,


    mal überlegen ... ich war, meine ich, immer ein ziemlich herber Kritiker deiner Texte - was mich aber meinerseits nicht davor schützt, momentan selber Kritik für meinen Text einzufahren. Was sagt mir das? Hier sind die weitaus meisten sehr weit davon entfernt, Texte abzuliefern, an denen a) niemand was zu kritisieren findet und b) es auch tatsächlich, unter den besten Voraussetzungen auch immer, tatsächlich nichts zu kritisieren gäbe.


    Ich meine: Du hast durch deine Veröffentlichungen schon Erfolge erzielt und du findest im Schreiben offenbar etwas, dass dir mehr (oder zumindest gleich viel) gibt als (wie) andere Sachen, an denen man sich kreativ "austoben" kann. Von daher gäbe es für mich da nix zu überlegen ...


    Gruß.
    Petra

    Zitat

    Original von habibi
    von einem Satz auf den gesamten Text zu schließen, ist so, als würde man vom Kennen einer Frau auf die gesamte weibliche Menschheit schließen. :D


    Naja, es hat ja immerhin nicht jede Frau dieselbe Mutter ... :D


    Hallo Habibi,


    auch wenn du das Thema schon für beendet erklärt hast (hattest): Ich hatte mich mal dran *versucht*. Hier das Ergebnis:


    "Sie erlebte einen seltenen Augenblick geistiger Klarheit, in dem sie, angestoßen von dem, was an Zweifeln und Bedenken in ihr war, zumindest die Möglichkeit erkannte, dass ihr Leben vielleicht doch nicht ganz so verlaufen würde, wie sie sich das in vielen einsamen Stunden vorgestellt hatte. Wieder richtig zu leben, statt zu warten, dass die Zeit verging, bis sie ihren Liebsten wieder in die Arme schließen konnte, (erschien ihr plötzlich wie eine ungeahnte, umso verlockendere Möglichkeit.)"


    Was mir noch aufgefallen ist: Du benutzt Ausdrücke wie "das Vergehen der Zeit", "vor-sich-hin-Vegetieren" ... Ich finde viele Subjektive etwas unglücklich, wenn man es auch anders ausdrücken könnte - von dem Bindestrich-Ungetüm mal ganz abgesehen.


    Wie auch immer, es ist ein Versuch, mehr nicht.


    Gruß,
    Petra

    Zitat

    Original von Hauke
    Es ist ja nun auch so, dass ich auch die Werke einzelner Autoren aus Spanien, Holland, Japan und Frankreich verschlinge. Und seltsamerweise stelle ich dort eine Leichtigkeit in der Sprache fest, mit der nunmal die Deutschen nicht mithalten können.


    Hallo Hauke,


    auch von mir noch ein (nachgeschobenes) "Herzlich willkommen"!


    Liest du die Werke der von dir zitierten spanischen, holländischen, japanischen, französischen Autoren eigentlich alle im Original?


    Wenn nicht, wüsste ich keinen Grund, warum die deutschen Autoren an einem "bitteren Erbe der NS-Zeit" zu knabbern hätten, das den deutschen Übersetzern offenbar dann nichts auszumachen scheint ...?


    Gruß,
    Petra

    Heute war's in der Post. Als erstes ins Auge fiel mit eine Anzeige gleich im inneren Buchdeckel für eine Apparatur zur Korrektur von O- und X-Beinen inkl. Illustration. Gleich danach eine bez. eines Mittels gegen Magerkeit. Beide Artikel hätten heute wohl keinen großen Zulauf mehr ... - wenn auch aus verschiedenen Gründen.


    Die Lektüre verspricht interessant zu werden. An die Frakturschrift muss ich mich allerdings erst noch gewöhnen.

    Zitat

    Original von Tom
    Meine Verlags- und Agenturbewerbungen lagen bisher immer deutlich abseits dessen, was so vorgeschlagen und verordnet wird, und sie waren alle erfolgreich. ;)


    Guten Morgen, allerseits,


    solange man dabei authentisch bleibt, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Es sei denn, man weiß im Voraus, dass das Manuskript auf den Tisch eines erzkonservativen Menschen gelegt wird. Aber dann will man vielleicht auch ein konservatives Manuskript verkaufen. Ich denke, es sollte mit dem Manuskript, das man verkaufen will, korrespondieren. Schlimm wird's, wenn man versuchen würde, krampfhaft originell zu sein. Dann wäre man mit einer klaren, klassischen Strategie, ohne jede Schnörkel, auf jeden Fall auf der sicheren Seite.


    Denke ich mir mal so ...,
    Petra

    Hallo Tom, hallo Horst-Dieter,


    ich sehe, diese Jahrgangsbücher sind wahre Fundgruben! Bei dem einen, das ich jetzt die Tage erhalten sollte, wird's wahrscheinlich nicht bleiben.


    Gruß,
    Petra

    Zitat

    Original von Horst Dieter
    Die Reihe ist interessant und bietet auch Autoren Stoff und manchmal Hintergrundwissen.


    Dankeschön, Horst-Dieter! Das hört sich allerdings interessant an, und ich habe gleich mal auf gut Glück einen Band bei Amazon geordert. Kommt für mein Romanprojekt gerade richtig.


    Gruß,
    Petra

    Zitat

    Original von Michael Höfler
    für was für einen charakter ich "petra" einsetzen würde, verrate ich jetzt nicht. "michael" taugt andererseits wahrscheinlich am ehesten noch für einen satz wie "ein stefan, michael oder thomas reichte ihr das geschirrspültuch."


    Hmmm, mal überlegen ... Vielleicht: "Petra brütete mit verkniffenem Gesicht über dem Abwasch und haderte mit sich, dass sie nicht Christian genommen hatte, der heute Chefarzt in einer Privatklinik für Schönheitschirurgie war."


    Dass Petra ein in den 60ern recht verbreiteter Name war und ich dieses Schicksal somit mit vielen Mittvierzigern teile und sogar eine Frauenpostille diesen Namen gewählt hat, tröstet auch nicht wirklich ... :braue

    Ich hadere gerade mit mir: Weiterlesen oder Weglegen? Und tendiere zu endgütig zuklappen und am besten ganz hinten im Regal vergraben.
    Warum? Nicht, weil's so schlecht geschrieben ist. Auch nicht, weil die Geschichte nicht packend geschrieben ist. Aber weil der Inhalt ungeheuer an die Nieren geht.
    Die deutsche Erstveröffentlichung lag wahrscheinlich nicht von ungefähr über ein Jahrzehnt nach dem Erscheinen des Buches in den USA. Und ganz sicher ist die Einreihung in die Reihe "Hardcore" auch kein Zufall! Das Wissen, dass sich Ketchum nicht nur auf seine Phantasie verlassen musste, sondern auf einen realen Fall zurückgreifen konnte, erleichtert mir das Weiterlesen auch nicht gerade.


    Mit Toni Davidsons "Dr. Sad" ging es mir ganz genauso. Das Buch liegt immer noch nur halb gelesen im Regal.


    Mir stellt sich nicht die Frage, ob Literatur das "darf". Solange sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegt, darf sie's. Über moralische, ethische Grenzen muss jeder für sich entscheiden. Niemand wird gezwungen, ein Buch zu lesen.


    Iain Banks' "Wespenfabrik" war im Vergleich dazu (!) ein Spaziergang. Der Grund liegt, glaube ich, darin, dass dieser Roman der Phantastik zugeordnet ist. Auf dem Cover von "Evil" steht zwar "Horror", aber es gibt, wie schon in der Rezi oben erwähnt, keine phantastischen, übernatürlichen Elemente. Dieser Horror ist der "ganz alltägliche", den, den Menschen sich gegenseitig angedeihen lassen.

    ASIN/ISBN: 3813501744


    Jim Crace: Ein Mann, eine Frau und der Tod
    (Originaltitel: Being Dead, 1999)


    Joseph und Celice sind Doktoren der Zoologie. Die Eheleute kehren alter Zeiten wegen an den Ort zurück, an dem es vor vielen Jahren, damals noch als Studenten, ein Liebespaar wurde: in die Dünen der Bariton-Bucht. Celice hat diesen Ort bewusst gemieden, denn derselbe Studienausflug, der ihr ihren Ehemann beschert hat, hat ihr auch eine schwere Schuld auf die Schultern gelegt. Celice fühlt sich verantwortlich am Tod von Vesta, einer der sechs Personen, die damals in dem Studienhaus am Meer logierten.


    Weder der Titel, noch der Rückseitentext, noch das Buch selbst fackelt lange mit dem Fakt, dass dieser Ausflug nicht gut ausgehen wird für Joseph und Celice: Bereits im ersten Absatz erfährt der Leser, dass sie nicht lebend zurückkehren. Sie werden umgebracht, erschlagen mit einem Granitbrocken. In einer eindeutigen Pose, sie halb-, er vollständig nackt, nach einem Liebesakt, liegen sie sechs Tage lang in den Dünen, Wind, Wetter und Tieren ausgesetzt, die sich an ihren Leichen gütlich tun.


    Crace ziert sich nicht zu beschreiben, welchen Veränderungen ihre Leichen in diesen Tagen unterliegen, im Gegenteil wird er hier sehr anschaulich. Trotzdem ist der Roman kein Krimi. Und auch kein „CSI“-Abklatsch (oder Vorläufer).
    Er ist geographisch nicht zu verorten; die Stadt wird nur bei ihren (erfundenen) Spitznamen genannt, weder die Namen der Personen, noch die Handlungsabläufe sind eindeutig englisch (wie der Autor).
    Und auch der Schriftsteller Mondazy, der „bekannteste Sohn der Stadt“, ist erfunden. „Trust nothing I say“, sagt Crace in einem Interview.


    Da zwei von drei Titel gebende Hauptdarsteller also gleich zu Beginn dem dritten, dem Tod selbst, anheim fallen, wäre es eine Möglichkeit gewesen, ab da chronologisch zu erzählen: die Suche ihrer erwachsenen Tochter Syl, die sie unter anderem ins Leichenschauhaus der Stadt führt, und den Verfall der beiden Körper am Strand. Die andere Möglichkeit (die Crace gewählt hat), war es, nicht chronologisch zu erzählen.


    Es geht um unterschiedliche Anschauungen vom Tod. Es ist kein Zufall, dass Joseph und Celice Zoologen sind. Als solche haben sie eine eigene Anschauung vom Tod. Mondazy gibt dem Tod die Gestalt eines Fisches. Und die Bariton-Bucht hat ihren Namen aus dem alten Volksglauben, dass der Ton, der manchmal dort erklingt, Unheil verkündet. Celice lehrt ihre Studenten, dass das Sterben mit der Geburt beginnt. Der Preis für die Mehrzelligkeit, weiß sie, ist der Tod.
    In einer Szene wird eine Trauergemeinschaft aus lauter Gelehrten mit den Worten des Trauerredners konfrontiert. Während dieser dem Baum, unter dem der Selbstmörder den Tod wählte, eine metaphysische Bedeutung gibt, rattert es in den Köpfen derer, die es „besser wissen“, die mit Worten wie „Paradies“, „Ewigkeit“ und „Gott“ nichts anfangen können – der Baum war ein Flachwurzler, wissen die Botaniker, von wegen „Wurzeln, die tief ins Erdreich reichten“, giftig war er auch nicht, „Unterwelt“ ...?
    Es geht ums Altern und um Vergänglichkeit. Von Menschen und Natur. Die Bariton-Bucht soll bebaut werden. Syl findet nicht von Ungefähr ausgerechnet ein Glas mit ihren Milchzähnen im Regal ihres toten Vaters.
    Der Erzähler hat keine Worte des Bedauerns für die gewaltsam aus dem Leben Gerissenen, immerhin sind sie so einem langsamen Dahinsiechen entronnen. Und einem einsamen Tod, jeder für sich auf einer geriatrischen Station. Wenn es etwas zu bedauern gibt, dann, dass die beiden toten Körper letztendlich nicht Teil des ewigen Kreislaufs in der Bariton-Bucht werden. Die Dünen wären mit ihnen fertig geworden, heißt es.

    Der Roman ist für mich ein Beispiel dafür, wie man rückschauend erzählt, ohne den Leser mit Rückblenden zu langweilen oder zu überfordern und ihm umgekehrt auch nie zuviel verrät, auf dass er das Interesse verliert. Vergangenheit und Gegenwart fügen sich sehr gelungen exakt ineinander. Hätte Crace eine dritte Möglichkeit gewählt den Roman zu schreiben, nämlich zu einem früheren Zeitpunkt angefangen, mit dem Kennenlernen von Celice und Joseph, und mit deren Tod geendet, wäre es ein anderer Roman geworden.

    Hallo Tom,


    Hielscher spricht in dem von mir zitierten Absatz nur über die Sprache. Von daher will ich es natürlich hier nicht als allumfassende Erklärung, was Literatur ausmacht, herbeizerren, zumal er nach seinen Bewertungskriterien für eingereichte Manuskripte gefragt worden ist. Mir erscheint es jedoch als *ein* Aspekt.


    Dass jeder Autor, der sich so bezeichnet, sein Handwerkszeug, nämlich seine Sprache, beherrschen sollte, sehe ich zweifellos so. Hielscher spricht aber auch von "Eigenständigkeit", die jemand in seine Sprache einbringt. Und das geht für mich über den reinen korrekten Gebrauch von Sprache im Sinne von "wär es eine Schularbeit, würde der Verfasser eine 1 kriegen" hinaus. Das zielt vielleicht in Richtung "Originalität", aber nicht nur. Originalität auf Teufel komm' raus kann's wiederum auch nicht sein. a) ist alles irgendwo schon mal dagewesen und b) kann so was auch arg ermüdend sein.


    Ich habe in den letzten Jahren etliche Krimis gelesen. Genreliteratur, ok: Die stellt nicht völlig andere Ansprüche an den Autor bzw. ein "gelungenes" Buch, aber doch einige weitere, zum Beispiel, Spannung zu erzeugen. Vielleicht ist es in vielen Fällen auch den Übersetzungen geschuldet, dass mir davon wenige als erinnerungswürdig im Gedächtnis geblieben sind? Mein Eindruck jedenfalls war, dass viele jener Bücher *allein die Story transportieren* (wollen. Gut möglich, dass ein allzu origineller Stil da sogar hinderlich wäre, denn vielleicht mag das der "gemeine" Krimi-Konsument ja sogar als hinderlich empfinden). Für mich eine löbliche Ausnahme ist Fred Vargas, die hat eindeutig einen eigenen Stil, wobei besonders etliche Bücher amerikanischer "Bestseller"-Autor(inn)en für mich nicht ohne weiteres blind einem bestimmten Verfasser zuzuordnen wären. Der eine schreibt wie der andere. Der eine cozy, der andere möglichst blutrünstig ... und alle irgendwie ... tja, nach Schema F. Nicht nur, was die Sprache angeht, aber auch.


    *Trotzdem* habe ich auch solche schon verschlungen. *Trotzdem* käme ich nicht auf die Idee, Krimi-Leser wie -Autoren zu verdammen. Im Gegenteil, Leute gut zu unterhalten, rein durch auf Papier gedruckte Wörter, halte ich für ein hohes Gut, eines, das von den allermeisten nicht mal so aus dem Handgelenk zu schütteln ist und auch gekonnt werden will.


    Gruß,
    Petra

    Ab und an sucht man nicht und findet trotzdem ... In dem Fall eine für mich sehr treffende Umschreibung dessen, worauf ich mit meiner Frage "Was ist eigentlich Literatur für euch?" hinauswollte:


    Unter dem Link


    http://www.germanistik.uni-mue…swahlverfahren/index.html


    schreibt Martin Hielscher, beginnend mit: "Wenn ich Manuskripte von Autoren lese, die ich nicht kenne, achte ich darauf, ob sie mit Sprache als Sprache umgehen. Benutzt jemand Sprache als ein reines Transportmittel (...)". Fortsetzung ebenda.


    Gruß,
    Petra

    Zitat

    Original von Tom
    Um allerdings mal eine Lanze für die japanische Belletristik zu brechen: Haruki Murakami hat mehrere Weltbestseller vorgelegt, die auch für Leute lesenswert sein dürften, die "Lupfe meinen Schtlumpf" nicht verstehen. Und auch die Schriften von Yukio Mishima sind ziemlich empfehlenswert.


    Danke, Tom!


    Mal gucken ... Wenn ich ausgegrübelt hab, geh ich vielleicht mal in den Buchladen und frag, was so im Angebot is ... Japanische Belletristik für Anfänger sozusagen. (Rupfe meinen Strumpf ...? Lupfe meinen Stlumpf ...?) Aber so betrachtet, wär's nicht schlecht, vielleicht dann doch lieber mit Kanehara anzufangen ...


    Sayonara - oder so ähnlich,
    :) Petra