Beiträge von Petra

    Ich habe mir die Lesung der Autorin angehört (noch bis zum 17.5. gratis in der ARD-Audiothek); vielleicht muss man eine Frau um die 50 sein, um dem Roman etwas abzugewinnen 😆 Tatsächlich war ich mir uneins, und bin es noch, tendiere aber eindeutig eher zu „Daumen hoch“, und überlege, ob ich den Roman auch nochmal lese.


    PS: An „Sommerhaus später“ habe ich rein gar keine Erinnerungen mehr. Danach ist Judith Hermann (oder ihr Roman; sie scheint aber zu denen zu gehören, bei denen das eine mit dem anderen einherzugehen scheint) aufs heftigste verrissen worden.

    Vor einigen Wochen lief im Ersten, nach Ausstrahlungen bei Arte und auf 3Sat, der prämierte Fernsehfilm „Herren“ (Regie: Dirk Kummer):


    In Berlin kündigt der aus Brasilien stammender Capoeira-Meister Ezequiel seine Stelle in der Kampfkunstschule, nachdem ihm der Sohn des Besitzers vor die Nase gesetzt worden ist. In der Erwartung, irgendwas mit Denkmalschutz tun zu sollen, stößt der Arbeitssuchende daraufhin zu einem Team, bestehend aus Reynaldo, dem Chef mit Wurzeln in Kuba, und Jason, geboren und aufgewachsen in Deutschland, auch wenn er vom Erscheinungsbild oftmals andere Assoziationen weckt. Die Denkmäler entpuppen sich zu Ez‘ Ungemach als Pissoires aus der Kaiserzeit, die von der „schwarzen Nacht-Brigade“, der er nun auch angehören soll, gereinigt werden. Nachdem er den Job am liebsten gleich wieder hinschmeißen möchte, kommt es dann - Überraschung - doch anders: Er bleibt, überwindet ein paar Ekelschwellen, lernt seine Kollegen kennen, steht Seite an Seite mit ihnen UND den beiden Schwulen, die sich gerade noch in einem der Pissoirs Sex hatten, gegen rechte Schläger. Nebenbei kämpft er noch mit seinem Stolz, dem Älterwerden und dem Umstand, dass sein Sohn, für den er sich „etwas Besseres“ erhofft hatte, Friseur werden will. Sehr „normale“ Lebensläufe sind das; man könnte als „Biodeutscher“ mit nicht ausgeprägt multikulturellem Bekanntenkreis glatt denken: Schau an, auch nicht anders als „bei uns“. „Herren“ als Film nimmt Identitätssuche und Alltagsrassismus in Form einer Komödie aufs Korn, nebenbei ist es auch eine Vater-Sohn- und eine Beziehungsgeschichte, und wahrscheinlich der erste deutsche Film, in dem alle Hauptrollen mit schwarzen Schauspielern besetzt sind.


    Neugierig geworden, habe ich mir daraufhin den Roman von Warwick Collins zugelegt, auf dem der Film beruht. Irgendwie. Entfernt. Sehr entfernt.


    Im Buch betreiben die Jamaikaner Ezekiel, Jason und Mr. Reynolds eine öffentliche Bedürfnisanstalt für Männer in London. Die Klos sind nicht historisch, sondern - Verzeihung, Kalauer - stinknormale Aborte, unter Straßenniveau, nur in Mr. Reynolds‘ winziges Büro dringt durch einen Lichtschacht etwas natürliches Licht. Wenn die drei ein Problem haben, dann mit den Geschäftsmännern, die ihre Toiletten nicht zur Verrichtung ihrer Notdurft aufsuchen, sondern, um in der Mittagspause eine Nummer zu schieben. „Reptilien“ nennt Jason diese Männer, und hat wirkungsvolle Strategien dagegen entwickelt. Dabei geht er wenig zimperlich vor; Ez, der seinen neuen Kollegen auf der einen Seite bewundert, entgeht auf der anderen Seite nicht, wie brutal und radikal Jason dabei vorgeht.


    Hätte man den Roman von 1996 (2001 in der deutschen Übersetzung erschienen) auch anders verfilmen können, so, wie er geschrieben wurde? Natürlich hätte man, hat man aber nicht.

    Was der Autor zu den Abweichungen gemeint hätte, konnte/musste man übrigens nicht mehr fragen, da der, ein in Johannesburg geborener Brite, bereits 2013 verstorben ist.

    Wie wäre so ein Film, der sich näher am Buch orientiert, wohl 2019 angekommen? Drei schwarze Klomänner, die Jagd auf privilegierte weiße schwule Männer machen? - Im Film ist der Mikrokosmos des Romans, das öffentliche WC/die Klappe aufgebrochen. Gut möglich, dass der Roman mit seinen gut 130 Seiten zu kurz für einen Spielfilm war; wahrscheinlich auch, dass er auf deutsche Verhältnisse nicht 1 : 1 zu übertragen gewesen wäre. Im Film steht man solidarisch zusammen, wenn es darauf ankommt. Underdogs - Arbeiter, Schwarze, Schwule - behaupten sich erfolgreich gegen Rechte. Das zweite große Thema des Romans, neben dem der Toleranz, nämlich Jasons „umgekehrter“ Rassismus, der hinter seinem offener zur Schau getragenen Sexismus steht, kommt schlichtweg nicht vor.

    „Herren“ als Film kommt mir nicht nur deutschen Verhältnissen angepasst vor, nicht nur um Stoff ergänzt, um die nötige Laufzeit zu füllen, sondern auch vereinfacht, geglättet. Es gibt unter den Männern zwar noch („nachsichtiges“) Unbehagen gegenüber den Homosexuellen, sie sind den Dreien nicht geheuer, abgesehen davon, dass sie ihre Arbeit stören, aber die unverhohlene Verachtung, wie der Roman-Jason sie empfindet, passt zu dem Film-Jason nicht mehr. Dessen Charakter hat im Film am meisten Veränderungen erfahren. Alle drei fühlen sich wohl gestört, aber die nackte Gewalt gibt es nur noch von rechts.

    Warum? Passt der Stoff so besser „in die Zeit“? Oder war der Roman womöglich ein gut umzuschreibendes Vehikel?

    So oder so: Aus dem kontroversen, gelobten Stück Literatur von 1996 ist 2019 ein gelobter, gefälliger, politisch korrekter Film geworden. Sehr geradeaus erzählt. Misszuverstehen gibt es da wenig.


    PS: Hätte mir der Film nicht gefallen, wäre ich wahrscheinlich gar nicht neugierig auf den Roman geworden. Dem Rezensenten der Frankfurter Rundschau, der den Roman seinerzeit offenbar als Zumutung empfand, weil er über „drei zu schwulenhassenden Heiligen stilisierte Jamaikaner“ (zu finden bei Perlentaucher) dann doch nicht lesen wollte, hätte der Film wahrscheinlich auch gut gefallen. Ob er den Roman zu Ende gelesen hat, müsste man ihn selber fragen.


    ASIN/ISBN:

    ASIN/ISBN: 3888972590

    Und dann ist da noch: der Regierungschef, dem man ein angebliches Zitat über die Corona-Toten zuspricht, das man getrost menschenverachtend finden dürfte, und der - das darf man voraussetzen - politische Gegner, der dessen Rücktritt fordert. Nun sagt dieser Regierungschef: hat er nie gesagt. Aber wenn doch? Wäre das dann Meinungsfreiheit oder in dem Fall nicht, weil er ja an einem Platz ist, wo aus einer Meinung u. U. schnell Realität werden kann.


    Die AfD wiederum will die Sache in den Landtag bringen, weil: Meinungsfreiheit. Und die Initiative setzt schnell einen disclaimer auf die Seite, damit ja klargestellt ist: von Euch wollen wir grade keinen Applaus! Ihr versteht uns falsch. Oder auch absichtlich falsch. Oder wir kommen zwar in manchen Fällen vielleicht zum selben Schluss, wollen aber trotzdem nicht vor Euren Karren gespannt werden. - Kann man machen. Wird’s was nützen? Oder anders: Wem wird’s nützen?


    Ich bin nicht dafür, dass sich jeder selbst kasteit und nur noch in vorgefertigten Schablonen agiert, nach sorgfältiger Prüfung, was grade ohne Schaden durchgeht. Wohl aber empfinde ich zunehmend die Gefahr der Vereinnahmung. Und wenn so was erstmal ans Laufen kommt und „Wohlmeinende“ noch mehr Öl ins Feuer gießen: wem hilft’s?


    Der Wunsch, nicht zum Ziel für einen shitstorm zu werden und nicht vereinnahmt zu werden, darf nicht darauf hinauslaufen, sich Satire oder Aktionen wie diese zu verbieten. Aber es wird immer heikler, und leider auch gefährlicher - nicht nur, weil man sich mit so einer Aktion zum Ziel von Angriffen macht, sondern, weil man tatsächlich etwas Vorschub leisten könnte, das man im Leben nicht unterstützen wollte.


    Am Rande: Ich finde nicht, dass einer, der selbst schwer erkrankt war oder Angehörige verloren hat, mehr Recht hat, etwas gegen solche Aktionen zu haben, wohl aber verstehe ich, dass bei denjenigen welchen manche Aussagen mehr polarisieren. Ich hätte es mir schlicht nicht angesehen, wenn’s hier nicht Thema gewesen wäre.

    Wenn es mir in so einem Fall dann doch schwerfällt, ein Buch halb fertig wegzulegen, blättere ich pragmatisch vor und lese ein paar Absätze: Wenn ich merke, dass ich wissen will, wie die Geschichte bis dahin fortgeschritten ist oder dass es dann doch noch interessant wird, kehre ich an die Stelle zurück, an der ich aufhören wollte. Wenn nicht, bin ich mir umso sicherer, dass das mein Buch nicht ist.


    Was habe ich mich schon durch Romane gekämpft, die nicht meinem Geschmack entsprachen und die auch nicht in der zweiten Hälfte anders wurden - und wenn, sage ich mir heute, ist das auch verschmerzbar! Mit fortschreitendem Lebensalter kann ich Bücher besser abbrechen: warum sich mit Lektüre aufhalten, die einem nicht behagt!

    Ich hab mich durchgeschleppt - hätte nicht sein müssen. Der Aha-Jetzt!-Effekt, den ich von manchen Romanen kenne, hat sich hier nicht eingestellt. Also, für mich kann ich sagen: Ich hätte nix Entscheidendes verpasst.

    Es wird viel geritten in diesem Roman, und der Fremde, der da im 19. Jahrhundert auf dem Rücken eines Maultiers auf eine einsam und versteckt gelegene Hochebene kommt, wo ein alter Mann, Brenner, nach Art eines Feudalherrn regiert, an der Macht gehalten von seinen sechs Söhnen, dem örtlichen Pfarrer und einer Art obrigkeitshörigen Gleichmut der Dorfbewohner, trägt einen langen Mantel und einen breitkrempigen Hut - und mit sich, versteckt in einer Leinwand, ein Gewehr. Er stellt sich als Greider vor, Landschaftsmaler sei er, und bereit, dafür zu zahlen, wenn man seine Anwesenheit im Ort dulde. So wird ihm, der so harmlos und ohne Arg erscheint, gestattet zu bleiben.

    Dies stellt sich, man ahnt es, als Fehler heraus. Es dauert nicht lange, und es gibt einen Toten im Tal. Damit nicht genug, läutet die Totenglocke bald darauf erneut. Dann feiert die Tochter der Witwe, bei der Greider Quartier genommen hat, Hochzeit, und der Maler verspürt nach der Zeremonie den drängenden Wunsch, zu beichten - wenn auch nicht, um seine Seele zu erleichtern.


    „Das finstere Tal“ von 2010 ist Thomas Willmanns Debüt. Im Gewand eines Heimatstücks kommt der Roman ganz wie der Fremde auf dem Maultier sehr gemächlich daher. Da ist viel Landschaft zu Beginn, der Maler malt die Berge und das Tal und macht sich vertraut mit den Gepflogenheiten im Ort. Was hinter seiner Stirn vorgeht, erfährt der Leser nicht. Das ist aus dramaturgischen Gründen anders nicht machbar, strapaziert aber - so ging es jedenfalls mir - auch die Langmut des Lesers. Wer sich mit der sehr gemächlichen Erzählweise, bei der der Protagonist einem fremd bleibt, abgefunden hat, wird abrupt daraus aufgestört. Es gibt Formulierungen/Beschreibungen, die ich als sehr gelungen empfunden habe, genauso wie man „... traf ihn das Schuhwerk“ umständlich finden kann, „... Wolken, die dunkel und fett am Schnee schwanger trugen“ so pathetisch wie schräg, „... ein Hunger in ihren Kosungen ... so verzehrend küssen, einatmen, dass ihrer beider Leiber eins wurden ...“ umständlich und schwülstig dazu - allgemein altertümelt es oft gewaltig. Im krassen Gegensatz zu den Schnörkeln in der Sprache und dem behäbigen Anfang, folgen, wenn sich der Wilde Westen erst eindeutig des Alpendorfs bemächtigt hat, Passagen allzu detailverliebter Brutalität, wird Folter minutiös beschrieben. Im klassischen Western sind die Rollen strikt in Gut und Böse, Recht und Unrecht getrennt, wenn es natürlich auch Umstände gibt, die den eigentlich Guten korrumpieren können. „Das finstere Tal“ ist mehr ein in die Alpen versetzter Italo-Western: Greider, gekommen, um Vergeltung zu üben, wandelt nicht in den Schuhen - oder in dem Fall Stiefeln - eines letztendlich aufrechten John Wayne- oder Gary Cooper-Charakters, sondern gleicht mehr dem, wie ihn ein Franco Nero oder Charles Bronson in zahlreichen Filmen verkörpert hat.


    Ein Alpenwestern also sozusagen: Die Idee zu so einer Fusion der Orte und Genres muss man auch erst einmal haben! Originell ist das Setting zweifelsfrei. Trotzdem nur eine eingeschränkte Empfehlung von mir. Als düstere Legende oder besser als Saga über Blutsbande und Selbstjustiz einer gegen alle gelesen, Freiheit und Knechtschaft, halte ich den Roman, mit Abstrichen, sehr wohl für gelungen. Mir war die Sprache zu gewunden, die Einleitung zu zäh und der Übergang zum - teils vorhersehbaren, aber durchaus spannenden, teils gar furiosen - Showdown zu blutig. Letztendlich ist es freilich auch Geschmackssache, ob man mitgeht bei opulenten Action-Szenen. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt einen klassischen Western im Fernsehen gesehen habe, aber es muss lange her sein. Nicht auszuschließen, dass ich gerade bei langen Action-Sequenzen nur mit halbem Auge hingeschaut habe ... „Kommt zu Potte“, habe ich womöglich dann gedacht, da wie hier: dahin, worum es wirklich geht. Ich weiß: Man darf das durchaus als grobe Unsitte empfinden.

    Ganghofer und Leone - oder doch schon Tarantino? „Das finstere Tal“ hat mich nicht in Gänze überzeugt: 3 Sterne von 5.


    PS: Der Roman bringt einiges an Bildstärke mit sich, so verwundert es nicht, dass es zu einer Verfilmung gekommen ist: In diesem Film schlüpft der britische Schauspieler Sam Riley in Greiders Rolle, während Tobias Moretti den Brenner gibt.


    ASIN/ISBN: 3548283683

    Aaaalso, was meine Buchhandlung - und hier kommen wir wieder zurück zu den Schriftstellern - angeht, haben wir bei den aktuellen Publikationen, also gebundene Bücher, vorwiegend weibliche Autoren im Angebot. Das nur dazu.

    Lt. Spiegel-Bestseller-Liste:

    https://www.google.com/amp/s/w…l-liste-a-458623-amp.html
    sind von 20 Titeln auf den (da gezählten) Spitzenplätzen 6 von 20 von Frauen. Wenn ich richtig gezählt habe (Juli, Helga, Alena, Bernardine, Tove und Ingrid). Tatsächlich hätte ich mit weniger Frauen gerechnet - wobei es eine willkürliche Woche ist. Wie das übers Jahr ist, wieviele sich davon, so noch nicht etabliert. halten, ob es Wiederveröffentlichungen (Tove Ditlevsen) o. ä. sind, darüber sagt das nichts.


    Welche Autorinnen (Nicht-Genre; selbst, wenn man da sicher auch differenzieren müsste), spielen denn Deiner Erfahrung nach ganz oben mit?

    Als Frau muss man doch nicht NOCH besser sein und auch nicht BESONDERER - wann hört der Krams mit der Unterscheidung von männlichen und weiblichen Autoren auf???? Der ganze Quatsch macht es den Frauen doch nur schwerer. Es gibt nur gute, mittelmäßige und schlechte Autoren. Wer dabei eine Frauenquote haben möchte, beleidigt uns Frauen doch. Als hätten wir es nötig, dass man uns streichelnderweise bemitleidend fördernd müsste. Eh, echt, dann bleibe ich doch lieber unterschätzt!!!!

    Dann ist es also Zufall, dass manche Verlage mehr - und manchmal sogar deutlich mehr - Bücher von Männern als von Frauen im Programm haben? Männer waren dann wohl einfach besser - oder produktiver - als Frauen? Oder es gibt einfach mehr Autoren als Autorinnen?


    Ich fände das ja gut, wenn es stimmt, dass Frauen in vielen Berufen nicht besser sein müssen als Männer, um was zu reißen; vielleicht ist das ja ein Gerücht, was man liest über Frauen in Top-Positionen, denn die behaupten das Gegenteil.


    PS: Um dem zuvorzukommen: Nein, ich möchte keine Quote, und wenn mir nicht egal wäre, ob ein Roman, den ich gut finde, von einer Frau oder einem Mann geschrieben worden wäre, sähe das Zahlenverhältnis wahrscheinlich ausgeglichener aus. Höchstwahrscheinlich komme ich am Ende doch auf mehr Bücher männlicher als weiblicher Autoren. Schlimm? Nein. Es sei denn, abgesehen von gewissen Modeerscheinungen oder Sparten, die sich traditionell besser mit/von Autorinnen bedienen lassen, werden von manchen Entscheidern in Verlagen dann womöglich unterm Strich doch mehr Bücher von Männern eingekauft als von Frauen. Dass das passiert, ging vorletztes (?) Jahr durch die Medien, als jemand die Neuerscheinungen gezählt hat. Das Ergebnis war - je nach Verlag - eindeutig: Es gab mehr programmplätze für Autoren als für Autorinnen. Das zu zählen, mag man ja doof finden, aber: Mir stellt sich dann - siehe oben - die Frage: Warum? Mangels Masse? Es waren schlicht nicht genug gute Manuskripte von Frauen da? Oder, auch eine Möglichkeit: Verkaufen sich manche Romane vielleicht doch besser, wenn ein männlicher Vorname auf dem Cover steht? Genre hat ja traditionell seine Queens of Crime, Liebesromane, alles, was zu 99 % von Frauen gelesen wird, geht sowieso nur mit weiblichem Vornamen auf dem Titel. Wie viele Frauen spielen aber ganz oben in der „Literatur“-Liga mit und wie viele Männer? Solche, deren neuer Roman automatisch Besprechungen generiert, die man blind kauft und „guten Gewissens“ zum Geburtstag verschenkt, weil man das Renommee des Verfassers einkalkuliert? Oder ist das eine aussterbende Generation; Auster, Boyle, Irving & Co., eine falsche Wahrnehmung? Kann gut sein, es gibt natürlich einige Top-Autorinnen, die sich auch dort messen können. Aber: weniger - oder?


    Nachtrag: Womit wir uns aber nun auch sehr weit vom Ausgangspunkt - gendergerechte Sprache - entfernt haben! Sorry!

    Ich rufe nicht nach Kontrolle. Ich meine, dass manche Klischees verfestigt werden, wenn man bestimmte Typen Mensch vermehrt in bestimmte Rollen castet. Dass nicht jeder ob seiner körperlichen Statur dafür geschaffen ist, eine Primaballerina oder Trapezartistin, einen Jockey oder Boxer im Superschwergewicht darzustellen, versteht sich ja von selbst. Das würde ich nun nicht diskriminierung nennen. Nicht von selbst versteht es sich aber z. B., wenn manche vornehmlich als Freaks/Kriminelle/Verrückte gecastet werden, nur wegen körperlicher Merkmale oder ihrer Herkunft (oder der ihrer Familie). Und wenn Berichte darüber nicht völlig aufgebauscht sind, dann passiert so was. Natürlich gibt es Freaks/Kriminelle/Verrückte, die genau dem Bild entsprechen - es wäre ja weltfremd, das zu bestreiten. kritisch sehe ich das, wenn’s überproportional so dargestellt wird.

    @ Tom: Nein, natürlich nicht jeder! Bestimmt nicht mal die meisten. Ich bin auch unbedingt dafür, dass Angehörige von Minderheiten als Charaktere in Büchern oder im Film unbedingt auch mit negativen Eigenschaften belegt werden sollen. Es macht einen ja nicht zum Märtyrer, nur weil man mit einer Eigenschaft geboren wurde, die einem eher Nachteile als Vorteile beschert. Wenn aber eine Tendenz erkennbar sein würde, in der Art z. B., wie man nicht weiße Schauspieler besetzt, dann wird es für mich klar problematisch. Denn dann ist man bei der von Dir im Gegenzug ins Feld geführten Propaganda, nur, dass sie keiner „verordnet“ hat, sondern weil manche Rollenverteilung dem Durchschnittskonsumenten halt allzu gut „einleuchtet“.„Verordnen“ will ich jedenfalls gar nichts, auch keine Quotenregelung, wie oft einer Schurken und wie oft Normalos spielen „darf“.

    Wie auch immer: Solange ich mit keiner Statistik dienen kann, die womöglich aufzeigt, wie oft welcher Typ Mensch positiv und negativ dargestellt wird - ganz „natürlich“, ohne dass irgendwer dazu aufgefordert hätte - drehen wir uns im Kreis.

    @ Tom: Du sagst, Du lässt Dir nicht vorschreiben, wie Du über wen zu schreiben hast und ich sage, ich verstehe, wenn „wer“ moniert, dass über „ihn“ verstärkt mit einer gewissen Tendenz z. B. geschrieben wird. Wer das missbrauchen wollte, um Stimmung zu machen, könnte das tun, indem er z. B. Transsexuelle nicht als z. B. Postbote, Lehrer, was auch immer, vorkommen lässt, sondern meinetwegen als serienmörder. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass ich Deine Sichtweise nicht nachvollziehen könnte.

    Ich würde gerne mal eine Aufstellung sehen, in der differenziert wird: Wenn Transsexuelle im Film/Fernsehen vorkommen, WIE kommen sie dann vor? Und sollte (!) dabei herauskommen, dass sie eindeutig lieber als Irre besetzt werden, dann stimmt da etwas nicht, und dann dürfte man dagegen auch durchaus etwas haben.


    Und was das In-einen-Topf-Schmeißen angeht: transsexuell, transgender, transident, weiß-der-Geier-was - das unterscheidet doch nicht jeder. Da ist der Mann in Frauenklamotten halt nur eins, nämlich „nicht normal“.


    Warum ist es denn heute noch ein Risiko für manchen Schauspieler, einen Schwulen zu spielen? Weil dem dann die weiblichen Fans abhandenkommen und die Kasse nicht mehr klingelt? Ich freue mich jedenfalls, dass es welche gibt/gab, die das nicht schert/e. Patrick Swayze ist ein Beispiel (schon was her), jüngeren Datums Liev Schreiber. Das sind aber Ausnahmen. Es ist garantiert heute noch etwas, das man sich, gerade als „Frauentyp“ durchaus überlegen dürfte.

    Schwierig ... So sehr ich den Argumenten gegen eine Reglementierung welcher abstrusen Art auch immer folgen kann, welche Menschen man negativ darstellen „darf“ und welche nicht, so sehr glaube ich auf der anderen Seite: Ja, so eine Charakterisierung bringt Anfeindungen mit sich. Weil manche Leute so ticken. Manche machen z. B. bei homosexualität und pädophilie keinen Unterschied: „Was, der Vater von Max lebt mit einem Mann zusammen? Da geht unser Kevin aber nicht hin!“ Oder Frauen mit kurzen Haaren: zack, Lesbe! Im Fall des aktuell angesprochenen Films: Da können wir freilich sagen, wer so ein Weltbild hat, ist halt doof - ausbaden werden es womöglich Menschen, die der Rolle entsprechen.


    Es wäre wahrscheinlich alles kein Problem, wenn mehr Transsexuelle (wobei das wahrscheinlich nicht der politisch korrekte Ausdruck ist ...) positive Rollen bekleiden würden anstatt ausgerechnet als Psychopath besetzt zu werden. - Gegenargument: Es handelt sich nun mal um eine Minderheit, logisch, dass sie nicht in jedem Film vorkommen!


    Eben deshalb, weil (mehr) Anfeindungen nach einem solchen Film wahrscheinlich nicht der Fantasie mancher Aktivisten entspringen, meine ich: Es wäre nicht gut, eine Entschuldigung dafür abzugeben - sich Aufklärung zu wünschen, um nicht schräg angemacht zu werden, finde ich aber durchaus nachvollziehbar.

    Früher oder später werde ich mir diesen Film unweigerlich ansehen. Und dann bin ich gespannt, ob ich die Verrisse des Films womöglich ähnlich wenig nachvollziehen kann wie manche Stimmen zum Buch. Kino-Zeit nennt den Film z. B. eine „Hochglanz-Werbebroschüre für eiskalten Neoliberalismus„, einzig Glenn Close sei sehenswert.

    Die zeitpolitischen Anspielungen gefallen mir auch,

    Die sind klasse ^^ Sie durchziehen die ganze Serie, zeigen z. B. mit dem Finger auf zeitgenössische Phänomene, die womöglich aus einem anderen Blickwinkel ähnlich abwegig wirken wie z. B. auf uns der Aberglaube der Menschen aus früheren Epochen.

    „Die“ Regierung ist doch immer irgendwie beteiligt - in dem Fall könnte man sich nur fragen, welche Regierung, denn offenbar ist das Phänomen ja nicht auf Norwegen beschränkt. - Ich bin einfach mal guter Dinge und denke, dass das passend aufgelöst wird!

    Wenn ein Mann, kurz bevor er den Kaufvertrag für eine exklusive Stadtwohnung mit Meerblick unterschreibt, erwähnt, dass er sich Sorgen wegen des hohen Kaufpreises macht, dann weiß der erfahrene Leser – in diesem Fall – Zuschauer: Das ist ein Beispiel für das berühmte Gewehr an der Wand, das im Laufe der Geschichte abgefeuert werden MUSS! Und: Wahrscheinlich wird ihm dieser Kauf auf die Füße fallen. Eine schicke Wohnung ist das für einen Polizisten. Ein Polizist muss in Oslo gut verdienen. Dabei gönnt man dem jungen, attraktiven Paar, das offenbar Nachwuchs erwartet, ein angenehmes Leben. Kurz bevor Lars seine Unterschrift unter den Kaufvertrag setzt, flackert im Hintergrund das Licht. Er unterschreibt. Dann klingelt sein Handy: ein Einsatz. Nahe der Oper haben Jugendliche Menschen aus dem Meer gefischt, die wie aus dem Nichts plötzlich aufgetaucht waren. Leute, die unverständliches Kauderwelsch reden, das müssen, so denkt man offenbar in Norwegen, Isländer sein. Der herbeigerufene Isländischkundige schüttelt den Kopf: Diese Leute reden eine Art Altnordisch. Und, zumindest das versteht er, sie behaupten, aus der Vergangenheit zu stammen.


    Schnitt. Gut fünf Minuten später ist das Gewehr bereits abgefeuert worden: In dem exklusiven Apartmenthaus ziehen jetzt, Jahre später, unangenehme Gerüche durch die Lüftungsschächte, im Fahrstuhl hält ein Mieter eine Ziege, und das ist nur ein Grund dafür, dass die Wohngegend einen herben Verfall der Immobilienpreise erfahren hat. Lars hat offenbar mehr als nur einen Grund, sich wegzuschießen. Immerhin diese Droge ist sehr clean und unauffällig: Man träufelt sie sich ins Auge. Seine Tochter ist mittlerweile im Teenager-Alter, seine Frau hat ihn verlassen und lebt jetzt mit einem sehr kultiviert auftretenden Mann aus dem – jawohl – 19. Jahrhundert zusammen. Im Rundfunk laufen allmorgendlich (nicht die Corona-Zahlen) die aktuellen Zählungen über die Neuankömmlinge: Weltweit, seit jenem denkwürdigen beschriebenem Abend, treffen täglich neue Menschen aus drei Epochen in der Gegenwart ein – aus der Steinzeit, der Wikingerzeit und, wie schon erwähnt, aus dem 19. Jahrhundert. Was, wie sich jeder denken kann, zu einigen, nicht nur gesellschaftspolitischen Problemen führt.


    In der modernen Gesellschaft bemüht man sich um Integration, und so ist man stolz, als bei der Polizei die erste Mitarbeiterin mit – wie es heißt – multitemporalem Hintergrund eingestellt wird. Damit kann man punkten, auch wenn man sie insgeheim nur als eine Art Maskottchen betrachtet, sozusagen eine Quotenwikingerin (würde das Wort „Wikinger“ denn noch allerorten wohlgelitten sein). Unglücklicherweise zeigt sich Alfhildr weniger dankbar als man gehofft hatte: Das Verbot, Schildmaiden in den Polizeidienst zu stellen, hat sie wohlweißlich umgangen, indem sie sich als Bäuerin ausgegeben hatte. Schildmaid, das mag irgendwie niedlich klingen, ist es aber nicht: So bezeichnete man Kriegerinnen, Frauen, die vor tausend Jahren Heim und Feuerstelle gegen das Schwert eintauschten und im Gefolge eines Anführers raubend und kämpfend durch die Lande zogen. So also auch Alfhildr, die sich dem Häuptling Thorir Hund angeschlossen hatte, der wiederum Anteil hatte am Tode Olav „des Dicken“ aka König Olav II aka Olav „der Heilige“. Auch jenen Thorir Hund verschlägt es in die Gegenwart – leider erinnert er sich zuerst nicht an seine Vergangenheit als Anführer und verdient sich seinen Lebensunterhalt nun mehr schlecht als recht als Essensbote. Zunächst aber geht es darum, den Tod einer unbekannten Frau aufzuklären, augenscheinlich eines Neuankömmlings aus der Vorzeit, deren Leiche eines Tages am Strand aufgefunden wird.


    „Beforeigners“ – der Titel ein Kofferwort aus „before“ und „foreigners“ – ist eine sechsteilige HBO-Miniserie, die momentan noch in der ARD-Mediathek abzurufen ist, eigentlich aber die erste Staffel einer Serie, die erkennbar auf Fortsetzung angelegt ist, einem Mix aus Science Fiction, Krimi und Culture Clash-Komödie. Man greift hier also zu Zutaten, die, jede für sich, alles andere als neu sind: Das Thema der Zeitreisen hat es mittlerweile zu einer beachtlichen Anzahl an literarischen wie filmischen Umsetzungen geschafft. Auch das Mittel des „Wir stecken jemanden in eine vollkommen fremde Umgebung, der Rest ergibt sich von allein“ kennt man. Culture Clash funktioniert mit und ohne phantastischen Hintergrund: Es gab die Flodders, Catweazle, Pretty Woman Vivian Ward, den Prinzen von Zamunda (woraus man womöglich eine Szene für „Beforeigners“ entlehnt hat, abgekupfert oder als Verneigung vor dem Vorbild) und Daryl Hannah als Nixe – nur, um einige zu nennen. Zeitreise und Culture Clash gehen systemimmanent immer einher. Trotzdem schafft „Beforeigners“, dem Thema noch andere Aspekte zu entlocken, gerade auch durch die offenkundigen politischen, aber quasi auf den Kopf gestellten Parallelen. Es lässt sich gar schlecht fremdenfeindlich sein, wenn „die Neuen“ mit Fug und Recht behaupten können, früher dagewesen zu sein. Figurenzeichnung und Besetzung sind gut, das Drehbuch spart auch nicht an Spitzen, etwa, wenn einem Museumsdirektor vorgehalten wird, er habe seine Ausstellung nicht – auf Nordisch und Mesolithisch – mit Warnhinweisen versehen, da manche Werke retraumatisierend auf Menschen mit multitemporalem Hintergrund wirken könnten. Die zweite Schildmaid im Bunde, eine Kampfgefährtin Alfhildrs, die mit einem Bildnis Thorirs kurzen Prozess macht, hat freilich weniger ein Trauma erlitten, hatte der Dargestellte sie – in ihrem vorherigen Leben – doch bloß abserviert. Liebe und Eifersucht sind Dinge, die es offenkundig durch die Jahrhunderte geschafft haben. So findet man, bei aller Unterschiedlichkeit, doch auch Verbindendes unter den Menschen dieser vier Epochen, die sich den wenigen Platz im Oslo der „Beforeigners“ teilen.

    Ein Mann, der in seinem Leben ein einziges Buch geschrieben hat; ein Buch, das in einer Auflage von 5.000 erscheint und wenig beachtet, wenn auch gelobt, wird, ein Buch, das man ein Jahr später zusammen mit anderen „missliebigen“ Büchern öffentlich verbrennt. Als jener Mann Jahre später in eine Behörde zitiert wird, verliert sich seine Spur. Niemand weiß, was mit ihm passiert ist – oder: Sollte es jemand wissen, ist er nicht damit hausieren gegangen. Kein Foto ist von diesem Mann überliefert, man weiß nur, dass er einige Jahre in Berlin gemeldet war und als Journalist gearbeitet hat, vielleicht auch als Sozialarbeiter. Und dass er eben dieses eine Buch geschrieben hat. Der Mann hieß Ernst Haffner, sein Buch (der Autor selbst bezeichnete es als Sammlung von Reportagen), 1932 im Verlag von Bruno Cassierer veröffentlicht, „Jugend auf der Landstraße Berlin“, oder, in der Wiederveröffentlichung, schlicht „Blutsbrüder“.


    Ludwig, Willi, Johnny und einige Jungen mehr, sind die Protagonisten dieses Romans. Sie verbringen ihre Tage in Kneipen, auf der Suche nach Arbeit oder illegalen Gelegenheiten, sich ein paar Mark zu verdienen, prügeln sich und saufen, verkaufen ihre Kleidung für ein paar Groschen direkt vom Leib und sich selbst als Stricher, kaufen ihrerseits Sex bei Huren, leben von Tag zu Tag, immer auf der Hut – vor der Polizei, Vätern - so vorhanden bzw. noch an ihren Söhnen interessiert – oder Mitgliedern rivalisierender Banden, hoffen auf einen trockenen Platz für die Nacht. Cliquen heißen diese Zusammenschlüsse, die ihnen Schutz und Familienersatz sind, die Anführer dieser Cliquen sind die Bullen. Wer seinen 21. Geburtstag feiert, wähnt sich aus dem Schneider: Fürsorge und Erziehungsheim ade!


    Haffner erzählt die Geschicke der Jungen im Stil der damals so genannten Neuen Sachlichkeit. Hart, direkt, lakonisch, treffende Beobachtungen, die sich manchmal in pointierten Nebensätzen verstecken.


    Frauen kommen in diesem Buch nur in Statistenrollen vor: als Cliquenliebsche, jugendliche Delinquentin, Prostituierte, Verkäuferinnen, Zigarettenmädchen, Konfitürentantchen, Schlafwirtin, Stenotypistin vor Gericht. Romantische Beziehungen existieren nicht, bestenfalls erkaufte Liebesdienste. Der Alltag dieser Jungen lässt keinen Platz für Romantik.


    Ein Sumpf ist das, in dem sich diese Jungen im Berlin der Weimarer Republik zwischen Alexanderplatz und Schlesischem Bahnhof bewegen; der oft beschworene Glamour des gerade vergangenen Jahrzehnts, der "Goldenen Zwanziger Jahre", so sie denn jemals so golden waren, kommt hier nicht vor. Hier zählt die harte Lebenswirklichkeit junger Männer, die der Staat in dieser Zeit allzu gerne in Erziehungsheime sperrt, einer Generation, die zu parieren hatte, wenn es denn sein musste, mit Gewalt.


    Es ist von einer traurigen Plausibilität, dass man einen Mann wie Haffner, dessen Buch schon im Vorgängerstaat nicht gerade mit offenen Armen empfangen wurde, wie wohl in einer Demokratie erscheinen durfte, im Nationalsozialismus nicht unbehelligt dulden wollte. Nachdem man Haffner vor die Reichsschrifttumskammer zitiert hatte, verliert sich seine Spur, heißt es. War da niemand, der nach dem nicht einmal Vierzigjährigen gefragt hat, könnte man meinen? Oder war es schlicht nicht opportun, zu fragen? Man möchte im Rückblick vielleicht gern glauben, dass Ernst Haffner sich abgesetzt hat. Die sog. „Vagabundenbewegung“ findet in „Blutsbrüder“ einen Widerhall – Willi flieht aus einer Erziehungsanstalt im Rheinland und gelangt als „Blinder“ auf den Achsen eines D-Zugs von Köln nach Berlin. Und er schreibt von einem Mann, der seiner Zimmerwirtin nur ein schmutziges Hemd und seine Papiere hinterlassen hat. Da man offenbar jedoch nie wieder von Ernst Haffner gehört hat (sein jüdischer Verleger starb 1941 im Exil, nachdem Teile seiner Familie nach England emigriert waren), auch nicht, nachdem der Wind sich gedreht hatte, ist diese Möglichkeit vielleicht nicht ausgeschlossen, aber wahrscheinlich – leider – unwahrscheinlich.


    PS: Das Hörbuch ist von Ben Becker treffend eingelesen worden, der damit auch auf Lesetour war.

    ASIN/ISBN: 374663069X

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich Kafkas Erzählung je ganz gelesen habe, von daher kann ich da schlecht vergleichen.


    Die Kurzgeschichte von Buzzati drückt zweifellos bei mir ein paar Knöpfe: dieser stetige Abstieg des Protagonisten (im wahrsten Sinne des Wortes), das Klinikpersonal, das immer ausgesprochen nett und höflich zu ihm ist, aber irgendwie doch - jedenfalls aus seiner Sicht - dazu beiträgt, dass es beständig schlechter um ihn steht, sein eigenes Beharren darauf, dass er doch eigentlich viel gesünder sei als die anderen Patienten dieser ominösen Klinik ... Man kann das auch als ein Abtauchen in eine geistige Umnachtung lesen. Und natürlich triggert diese Geschichte eigene Befürchtungen um Alter, Krankheit, Tod - das macht, dass die Geschichte, je nach Leser, womöglich tieferen Eindruck hinterlässt, als es der Schreibstil allein vermocht hätte.