Beiträge von Katla

    Bitte? Hast du meinen Eingangspost gelesen?

    Ja, absolut. Meine Bemerkung bezog sich auf das Gesamtbild.


    Für Marketing ist es einerseits sicher nicht schlecht, wenn man null Außenblick auf sich / seinen Auftritt hat. Anderseits führt es eben auch zu solchen peinlichen Entgleisungen.


    Und das mögen andere ja ganz anders sehen ... Aber imO klingt es wie reine Satire.

    James Wood erklärt das echt toll, versuch es doch mal damit, Jo. (Gibt ja auch auf Deutsch). Es gibt ja so viele Mix-Varianten, die eben keine Fehler sind.


    Silke Das ist ja echt extrem gängelig, sowas mag ich auch nicht, selbst wenn ich dreist-freche Erzähler, die sich einmischen, durchaus mag. Der Nicht-Rote Rest ist auch schlimm. Erinnert mich an Bram Stoker, auch sehr steif, oder? So mit dem abgespreizten kleinen Finger erzählt.


    Ich kenne aus der britischen Schauerliteratur, dass häufig Ausblicke gegeben werden, so Art: An diesem letzten Tag seines Lebens ... (es ist besonders cool, wenn man dann durch die Erzählung den Eindruck hat, die Ankündigung wäre unzuverlässig, oder gelogen). Muss gestehen, dass ich es in dem Genre mit historischem Setting / Erzähler auch schon gemacht hab, ganz bewusst.


    Diese auktoriale Art des Foreshadowings kann imA auch funzen, z.B. Harlan Ellison: "The Whimper of Whipped Dogs" (Deathbird Stories, sicherlich in dem Ich habe keinen Mund auf deutsch.): 1. Satz:
    In the night after the day she had stained the louvered window shutters of her new apartment on East 52nd Street, Beth saw a woman slowly and hideously knifed to death in the courtyard of her building. She was one of twenty-six witnesses to the ghoulish scene, and, like them, did nothing to stop it.


    Das finde ich extrem effizient. Dann wird erzählt, dass sie gleichzeitig neugierig, fasziniert und gelähmt war, ohne dass man die Szene im Detail sieht. Und dann erst wird alles nochmal chronologisch aufgerollt von dem Moment, an dem das (zukünftige) Opfer den Hinterhof betritt, sodass der Leser nun zum ersten Mal wirklich 'sieht', was eigentlich passierte.

    Wenn auch nicht 100% zu den Bsp. identisch, ist es dennoch eine auktoriale Vorankündigung, die Ursache und Wirkung 1,5 Seiten lang ständig wechselnd vertauscht.


    Ich finde es ziemlich geil, wenn der auktoriale Erzähler aus seiner Rolle ausbricht, aber es darf selbstverständlich kein Fehler / Versehen sein und es muss auch zum Text passen.


    Dieses Vorausschauende kommentieren kann peinlich sein, aber auch - wenn es frech und selbstverständlich genug ist - ganz wunderbar.

    (Anders als bei einem 1.P. Erzähler, bei dem Kommentare zur Lage auch danebengehen können: "Und dann starb ich!" :rofl Obwohl: Zombies!)


    Antoine Volodine schreibt unter Heteronymen (selbst sein hauptsächlicher Autorenname ist ein Alias), er verwendet Icherzähler und/oder auktorialen Erzähler, der in den Kopf der Hauptperson sehen kann, das geht also teils ins Personale. Er gibt aber auch übergeordnete Statements zur Lage, fiktionaler Historie oder den Figuren ab, die deutlich neutral / meta sind.

    Alle Heteronyme erscheinen auch in einer Art übergeordneter, das Gesamtwerk umspannender Backstory in einigen Romanen als Figuren. Es ist ein politisch verfolgtes Autorenkollektiv (2. Sowjetunion, stalinesk), und da sich 'Volodine' auch dazuzählt, rutscht sein auktorialer Erzähler ab & zu in die 1. Person Plural, wir. Und spricht auch von *man fühlte sich ...* Somit wird das Ganze Metafiktion.


    Diese auktorialen Erzähler kommentieren nicht nur, als wären sie dabei, obwohl sie gleichzeitig Dinge wissen, die die Figuren nicht wissen - oder genauer gesagt weiß keiner irgendwas.


    Wirklich geflasht hat mich Dondog (Suhrkamp) , worin die Titelfigur etwas Vergangenes, nicht selbst Erlebtes wie ein neutraler auktorialer Erzähler erzählt. Und quasi über die Zeiten und Ebenen hinweg spricht ihn die Nebenfigur, die in dieser Szene allein vor Ort ist und um die es in seinem Bericht ging, wie von der Bühne direkt an. Wendet sich also an ihn wie an den sie erschaffenden Autor selbst, oder an die Titelfigur, als könnte er durch seinen Bericht noch im Nachheinein ihr Schicksal (eine Vergewaltigung) ändern:

    Sie wich etwas Scharlachrotem aus, das vor ihren Füßen lag, dann zog sie unter großer Anstrengung den Balken zur Seite, der die Tür versprerrte, und trat hinaus.
    Und nun, kleiner Bruder?, fragte sie.

    Kleine Ahnung, sagte Dondog. Nun, kleine Schwester, taumelst du in der Sonne über den Hof. Dein Haarknoten löst sich auf, dein Rock ist schmutzig und von entsetzlichen Spritzern übersäht.


    Seine Regieanweisungen ersetzen seine rückblickende, auktoriale Erzählung und beenden nach einer halben Seite das Kapitel.


    Volodine hat das alles fest im Griff, was diese Anarchie zu einem ganz wunderbaren Leseerlebnis macht. Es ist sogar schwer, danach Konventionelles zu lesen, das ist extrem immersiv.

    Danke! Hoffe sehr, dass alles gut genug gefällt. *schwitz* *fächel*


    Der ukrainische Photograph, von dem das Coverbild ist, glaubt wahrscheinlich schon nicht mehr an eine VÖ. Ich hatte das Bild Mitte 2021 angefragt! Februar 2022 waren wir in Helsinki verabredet ... 2 Tage vor dem Flug hatten wir dann den Salat. :(

    Eeeek, einen Vorsatz umgesetzt: :!oo)

    Mein Manuskript für die Sammlung ist eingereicht. Es klang (wir haben gleichzeitig über Teams geschnackt), als wären weder der Umfang noch die neu dazugekommenen Illustrationen ein Problem. Hab 3 Texte zum Streichen angeboten, aber momentan hieß es, man wolle sich nicht groß inhaltlich einmischen, zumal es viele Reprints sind. Das 'nicht einmischen' kam aber ja vor dem Lesen, hehehe.


    Es gab auch gleich eine Auftragsankündigung für eine Übersetzung, Sammlung oder Roman, UK. Sehr meine Tasse >>ca!.


    Nach einer guten Rückmeldung (angedacht in 2 Wochen) könnte ich fast vorsichtig optimistisch werden, aber lieber jetzt noch nicht. Pferde vor Apotheken kotzen sehen und so ...

    Oh, das ist sehr interessant, war vollkommen an mir vorbeigegangen. (Hatte vier Jahre lang einen bipolaren Partner, allerdings manisch + paranoid statt manisch + depressiv, also non-stop 'high energy'- Aber daher schaue ich nach Fiktionen betroffener Autoren - das sind extrem spannende Haltungen, Sichtweisen.)


    Eine sehr perfide Prämisse, klingt als wäre das genau meine Tasse Kaffee, danke für die Vorstellung. Das ist ja echt ziemlich grausam, den drei Mal auf die Shortlist zu setzen und dann andere gewinnen lassen.


    Apropos Soylent Green - die Vorlagen sind auch einen Blick wert (imA sogar wesentlich besser, obwohl der Film mich damals ziemlich umgehauen hatte):

    Harry Harrisson: Make Room! Make Room! (Roman) und seine eigene Kurzform davon "Roommates". Er war stocksauer, dass sein Hauptthema (human overbreeding) durch den effektheischenden Kannibalismus ausgetauscht wurde.


    Ich hab inzwischen (teils schon lange vor der Zeit des Ex-Partners) auch ne Menge richtig guter Fiktion, Autofiktion und Autobiografien zum Thema gelesen. Bei Interesse:
    - Leonora Carrington - die auch eine grandiose Malerin war: Unten (Suhrkamp HC)


    - Emilie Autumn: The Asylum For Wayward Victorian Girls (auf dt. bei Festa als Die Anstalt für ungehorsame viktorianische Mädchen, ganz gut übesetzt, aber mit einem winzigen Prozentsatz des Artworks = dem englischen e-Book angeglichen. Ich empfehle das HC Original von 2011, vllt. irgendwo antiquarisch da vergriffen). Ein Gesamtkunstwerk! Sie malt / zeichnet und ist in erster Linie Musikerin, ich empfehle die Albumhälfte Unlaced als Soundtrack.


    - Frances Farmer: Will There Really Be A Morning? Angeblich war sie wohl eher schizoid als manisch-depressiv, aber das Ganze ... puh, ist eh seitens der Kliniken fragwürdig. Bestenfalls. Ein schlimmes Buch, toll geschrieben und sehr sarkastisch.


    - Susanna Kaysen: Girl, Interrupted. Auch wenn die Verfilmung im wesentlichen die gleiche Handlung zeigt, hat das eine imA im Grunde nix mit dem anderen gemein. Das Buch ist sehr ruhig und intensiv, mit sehr schöner (Selbst)Ironie, die dem Film so ziemlich abgeht. Von Kaysen gefällt mir sogar noch viel besser The Camera My Mother Gave Me, darum geht es aber nicht in erster Linie um Depression / Selbstverletzung. Und auch nicht um Kameras :D.


    - Alexander Masters: Stuart, A Life Backwards könnte man trotz einer wesentlich breiter gestreuten Problemlage auch miteinbeziehen, wobei mir ketzerischerweise der Film ganz wesentlich besser gefällt als das Buch. (Vllt. wegen dem Duo Tom Hardy & Benedict Cumberbatch, die mir für die Rollen wie geschaffen erscheinen.)


    Plath hat mich übrigens nie vom Hocker gerissen, das war mir selbst in meiner GothPunk-Zeit zu elegisch-märtyrerhaft und sehr zäh geschrieben. (Sorry!)


    Hoffe das war kein OT. Mich fasziniert das Thema sehr, weil es für mich ein absoluter Albtraum wäre, keine Kontrolle *) über meinen Kopf mehr zu haben. Und weil ich unzählige klinisch depressive oder seltener bipolare Bekannte habe, deren Sichtweisen ich ganz außerordentlich schätze. Auch sind alle - das mag Zufall sein - enorm intelligent, eine Freude, ihnen zuzuhören und zu lernen.


    *) Ich weiß, psychologische / psychopathologische Studien und die Hirnforschung würden das mit der Kontrolle nicht rundweg unterschreiben, auch arrangiert sich unser Gedächtnis stets neu, unkontrollierbar. Aber im Gegensatz zu eben Störungen und Krankheiten, bei dem einem ganz wesentlich mehr entgleiten würde und sich ggfs. die Persönlichkeit auch mitverändert.


    Das besprochene Buch und ggfs. seine weiteren werde ich mir auf jeden Fall mal besorgen!

    Mehr Bücher lesen! Mein SuB hat echt gigantische Ausmaße angenommen ...


    Meine relativ neue Sammelleidenschaft unter Kontrolle bekommen (The York Ghost Merchants).


    Mehr Ausstellungen besuchen, das soll v.a. Remedios Varo in Louisiana DK werden. Dann kann ich gleich noch Helsingør anschauen fahren, wenn auch mal die Burg selbst offen hat, nicht nur die Anlage bis zur inneren Mauer. Ist wohl beides von Kopenhagen aus mit der Bahn ein Sprung. (An der Burg war ich vorher per Segelschiff.)


    Weil ein Jahr lang Drogis im Halbstundentakt ins Haus eingebrochen sind und ich im 3. OG über der Tür wohne, sodass meine Möbel vibrierten, wenn die eingetreten wurde, konnte ich nix schreiben und obwohl die Polizei im Frühjahr endlich durchgriff, bin ich doch nur schwer wieder reingekommen und schleife daher ein gutes Dutzend Texte mit, die zu 90% eh bereits zugesagt sind. Dazu kommt aber inzw. Neues. Die Drogentypen sind auch keinesfalls weg, nur die Tür besser gesichert.

    V.a.


    - Meine Geschichtssammlung Amour brut abgeben (nach dem Erlöschen des Wurdack Verlages habe ich in Wien bei Jojomedia die perfekte neue Heimat gefunden). Hatte die grad noch mal neu gemischt, u.a. alle Texte mit Setting ruZZland rausgenommen, obwohl die eh dystopisch waren.


    - Dito mein Hrsg.-Projekt im gleichen Verlag, das bis auf mein Essay und das des Verlegers auch fertig ist: Auf der samtigen Seite der Nacht. Texte zur Phantastik. Es geht um Nihilismus und Cosmic Horror. Der Folgeband ist in Planung (13:13 - Spekulative Transgressionen).


    - Zwei Mini-Essays bei einem neuen Brutalismus-Magazin (USA) abgeben. Es fehlt "nur" ein Kapitel bei Text 2 und die Quellenangaben bei 1.


    - Eine englischsprachige Weird-Geschichte schreiben. Planung und zwei Passagen sind fettich.


    - Einen trashigen Kaiju-Kurzroman beim Verleger pitchen, wobei der Hrsg. ihn jetzt schon gerne hätte. Es fehlen 3 Leseproben. Also, und dann der Roman, sollte es klappen. :D Aber das weiß man ja nicht.


    - Ich hoffe auf mehr Übersetzungsjobs, die mir mega Spaß machen. Nämlich speziell 3 britische Phantastikautoren, die ich sehr bewundere. Es ist eine Frage der Lizenzen, hinter denen der Verleger seit 2 Jahren her ist ... Eines könnte diesmal ein Roman werden, bislang waren es KGs.


    Weil seit o.g. Problem auch mein Gedächtnis nicht mehr funktioniert, vergesse ich ständig Projekte oder Pläne für Texte, das ist nicht so arg komisch. Ich hab schon fertige Kapitel zu KGs gelesen, die ich mich nicht erinnere geschrieben zu haben. Das ist bizarr. Und ich kann meine Handschrift kaum noch lesen, weil die so chaotisch geworden ist. Sollte man solche Probleme nicht erst mit Ende 80 haben?

    vor allem geht es um das Eliminieren von Filterwörtern.

    Das auch, aber das macht es personal. Deep PoV = Character only view. D.h. man schreibt keine Aussagen, die nicht 100% durch die Sicht einer Figur gefiltert sind. Das hat ein (imA krankes) Übermaß an dem, was fälschlicherweise für 'show' gehalten wird. Deep PoV zeichnet sich auch dadurch aus, dass der Erzähler als Instanz aus dem Text geschrieben - also zum Verschwinden gebracht - wird. Fly on the wall-Perspektive, was in der Gleichzeitigkeit zur extremen Innensicht eh massiv seltsam ist.


    Okay, aus meiner Sich besteht der Unterschied im ersten Moment nur darin, dass ich den jeweils ersten Satz als Tell bezeichne und den jeweils zweiten als Show. Beim zweiten Blick fällt auf, dass in den jeweils zweiten Sätzen wesentlich mehr Empathie steckt, also durch die Kombination von Show und Empathie ein tieferer Einblick möglich ist. Liege ich da richtig?

    Nein, die zweiten Sätze sind auch tell, nur personal. (Was mich z. B.also Null Komma Null stört.)
    Wenn ich den DeepPoVlern folge, sagen die es so:

    Tell: Er war traurig.

    Show: Das Fußballspiel im TV hatte gerade angefangen. Er stand auf, ging in die Küche und holte sich ein weiteres Bier. Als er sich wieder setzte, schimmerten seine Augen feucht.

    Whatever, aber so ungefähr. Dass der Leser denken kann: Ah, kapiere, der wollte gar kein Bier, sondern musste sich ablenken und konnte die Tränen doch nicht ganz unterdrücken. Diese Art zu schreiben ist aber problematisch, weil: Sie unnötig lang / verquast werden, weil sie nicht immer klar aussagen, was Sache ist, weil das dumm klingt (als hätte auch der Erzähler keinen Blassen, was vor sich geht), es oft in Slapstick ausartet, und letztlich diese Formen nicht so klar getrennt werden können, wie es behauptet wird.


    Der Phantastiklektor (den ich schon mal verlinkte) sagt dazu imA ganz extrem wichtige Sachen: Show ist nicht besser als Tell, sondern gute Texte eliminieren schlechte Passagen (duh!). Diese 3 Artikel gehören ungelogen zu dem besten, was ich zum Thema gelesen hab (auch, wenn es ein Blog ist). Allerfestteste Empfehlung, weil es auch gute Beispiele hat, sehr anschaulich und zudem extrem unterhaltsam.


    Anti-Show don't tell (Show in der Form, wie es gerade modern ist)

    Anti-Deep PoV 1

    Anti-Deep PoV 2



    Ich schickte ihm das und begleitete es mit den Worten "Ich finde das irgendwie nicht so gut", und er schloss sich dieser Auffassung noch am selben Tag an. Wir haben nie wieder darüber gesprochen

    Top! Sehr gut.


    Man kann eigentlich eh nicht 'Ich' durch 'er/sie' ersetzen. Die ganze Erzählhaltung muss anders gestaltet werden.


    Ich lese 1. Person auch sehr gern, ich mag 'starke' Erzähler, die als solche auch selbstbewusst auftreten. Die meisten haben ja auch auktoriale Anteile, und beschreiben Dinge, die eben als Info an den Leser müssen, selbst wenn die Figur es natürlicherweise nicht erwähnte.


    James Wood schrieb zudem: Auktoriale Erzähler haben auch die Tendenz, sich einer Figur 'zuzulehnen', es gibt ja eh kaum ganz reine Formen, das ist eine slippery slope. Nur harte Brüche fallen eben auf, weil es im Getriebe knirscht (selbst, wenn wir nicht immer sofort klar haben, woran das liegt - also beim Lesekonsum).


    'Nah' (am Geschehen / einer Figur) und 'kalt-entfernt' können beide in gleichem Maße bei 1. oder 3. Person-Erzähler auftreten. Das ist eine zusätzliche Haltung, die technisch gesehen nichts mit der Perspektive zu tun hat.

    Was einen Erzähler auktorial macht, ist ja eigentlich nur, dass er nicht als Figur in der Geschichte anwesend ist.


    Er muss weder objektiv, noch neutral, noch allwissend sein, noch in alle Köpfe schauen können. Ich lese ne Menge Bücher, in denen der auktoriale Erzähler nicht von einer einzigen Figur weiß, was wirklich in ihr vorgeht und was sie sieht, sondern raten / mutmaßen muss. Das geht dann auch in Richtung unzuverlässig. (Antoine Volodine und seine Heteronyme z.B., das ist aber auch in Teilen Metafiktion.)

    Ein allwissender auktorialer Erzähler heisst speziell so, weil es nicht erforderlich so ist. Aber Wood kann das Tausend Mal besser erklären.


    Silke Eeeek, nicht Deep PoV machen, hehe.


    ("Ich massiere meine Schläfen" funktioniert für mich einfach nicht).

    Ich denke, bei Icherzählern fallen Tätigkeiten, die allgemein überflüssig und dusselig sind, stärker auf, weil sie von der Person beschrieben werden, die sie ausführt. Das z.B. ist ja eine Übersprungshandlung und die passieren unbewusst, wenn man das Verdrängte / Unbewusste als show don't tell in der 1. P. wollte, müsste das ganz anders. Deswegen funzt es nicht wie in deinem Beispiel. Andersrum kann ein Icherzähler was machen, ads der Leser als etwas Verdrängtes erkennt, aber nicht der Icherzähler selbst. Das wieder wäre ziemlich doof in der 3.P. egal welcher Art, weil dann der Erzähler klänge, als wäre er komplett bescheuert, hätte eigentlich keinen Plan, was warum wie passiert - und so lesen sich viele Deep PoVs auch. (Also, nicht, dass ich das alles so beim Schreiben beherrschte, hehe, aber eben von der Theorie her).


    Man kann Icherzähler auch frech semi-auktorial schreiben. Nicht allwissend, aber als Erzähler, der Dinge beschreibt, die - das wäre das Argument der pro-Deep PoV - man im RL so nicht erwähnen würde. Das ist imA ein Null-Argument, denn auch ein 1. P. ist wie ein 3. P. personaler Erzähler eben genau das: Jemand, der etwas erzählt. Irgendwie ist das doch immer auch von außerhalb eines Textes, gemacht, konstruiert. Ich sehe darin wirklich null ein Problem.

    Man schreibt auch keine Dialoge, wie man sie im Café hört; und eigentlich schreibt keiner linguistisch korrekte Dialoge (du hast auch Linguistik studiert, oder?), weil wir ständig was wiederholen, Dinge sagen, die alle bereits wissen, unsere Sätze nicht zuende führen oder die des Gegenübers zuendeführen. Wir stottern, setzen mehrmals an, lassen Worte aus - sowas will doch kein Mensch lesen. Also sind Dialoge erzählend. Dann kann es der Erzähler mit dem, was er sieht und tut, auch sein.


    Ich glaube eher, einige allwissende Erzähler der alten Schule machen so wenig Spaß, weil sie gleichzeitig eine antiquierte, arrogante Haltung transportieren, die wir dann noch als die des Autors lesen, Bram Stoker wäre mein Negativbeispiel. Und bei personalen Erzählern schreiben wir Haltungen eher der Figur zu, das ist aber Augenwischerei.

    Gäbe auch positive Bsp. für neutrale auktoriale Erzähler (ohne nochmal zu schauen, bin mir aber sicher): Stanislaw Lem: Der Unbesiegbare z.B., vieles von Lovecraft. Le Fanu. Meyrink. Bruno Schulz. Poe (? lange her).

    Nee, auktoriale Erzähler können auch eingeschränkt wissend sein und / oder unzuverlässig. Es gibt auch Mischformen zu personal (würde sagen, das ist die am häufigsten verwendete, ausgenommen vllt. der letzten 10 Jahre), wobei der Erzähler z.B. in den Kopf von jemandem schauen kann, aber nur in den einer / weniger Figuren, nicht uneingeschränkt. Eine weitere Variante wäre metafiktional in Personalunion mit dem Autor, aber auch dann muss er nicht objektiv-allwissend sein oder unbedingt in die Zukunft sehen können etc.


    Ein Buch, in dem das imA am allerbesten und mit anschaulichen Besipielen und Leser-an-die-Hand-nehmen auseinandergefusselt wird, ist:

    James Wood: How Fiction Works / Die Kunst des Erzählens


    Wenn Englisch okay ist: Ein kleiner Band, der auch extrem anschaulich ist:

    Gerald Prince: Dictionary of Narratology. (rev. ed. 2003)


    Grad ist wohl etwas modern, das die allermeisten aktuellen Romane imA völlig unlesbar macht: Deep Point of View, eine Art extrem personaler Erzähler. Dazu gibt es hier die Polemik eines Phantastiklektors, der ich mich anschließe. Vllt. hat ja Silke dasselbe Problem bei aktuellen Büchern?


    Was Erzähler wissen, und warum auktorial sinnvoll ist (gleicher Blog).

    Ich lese kaum deutsche Bücher, seitdem ich Englisch halbwegs konnte. Keinen Plan, die Sprache trifft mich irgendwie direkt, löst was aus. Erst dachte ich, es läge daran, dass ich sie nicht gut genug beherrsche und daher Sachen reininterpretiere, die nicht da sind. Das schließe ich aber inzw. aus. Da mein Leben eh fast ausschließlich Englisch/Finnisch läuft, gucke ich auch kaum noch aktiv nach deutschen Büchern, zumal ich die hier an kein Antiquariat verkauft bekomme.


    Bestsellerlisten schaue ich mir nie an, schon gar nicht die großer Zeitungen. Das sind ja Marketingtools. Entsprechende Label verleiten mich eher dazu, das Buch liegenzulassen.


    Ich hab dennoch ein paar Favoriten, allerdings teils älter:

    - Michael Kumpfmüller: Durst (2012)

    - Ein Textarbeits-Bekannter von mir, Sven Heuchert: Das Gewicht des Ganzen (2023). Die beiden Romane haben mich mit ihrer schörkellosen Poetik und den harschen Themen wirklich stark beeindruckt, auch stilistisch.

    - Heinz Emigholz: Das schwarze Schamquadrat (vollillustriertes, surrealistisch-essayistisches Tagebuch, das aber fiktional klingt), muss endlich mehr von ihm lesen. Er macht auch wahnsinnig tolle Filme, z.B. Goff in der Wüste.


    Im Sachbuchbereich fasziniert mich der Merve-Herausgeber Armen Avanessian, der wirklich frischen Wind bringt. Ich kann nicht behaupten, alles zu verstehen, aber hochspannend auf jeden Fall, sehr elegant geschrieben und macht Spaß.

    (und nicht Band XY einer Reihe war, im oder kurz nach den Weltkriegen spielte, ein Figurenpersonal aus 90% Frauen hatte, ein Fitzek war oder bei TikTok bis in die Wolken gelobt wurde weil Drachensex).

    :rofl Das fühle ich direkt nach! Überhaupt Romantasy, alter Schwede!


    Mein absoluter Favorit diesen Jahres - eigentlich der letzten Jahre - war nicht deutschsprachig: Dejan Ognjanović - Spectral Lights. Six Masters of the English Ghost Story. (Chiroptera 2025). Der Autor ist Serbe, das hier ist wirklich ein sehr intelligenter, toll geschriebener neuer Blick auf ein Thema, bei dem man meinen könnte, dass nix mehr dazu gesagt werden könnte. Dennoch bodenständig, nicht krampfhaft innovativ.

    Man denke mal an Ken Folletts "Der Schlüssel zu Rebecca" - "Das letzte Kamel brach am Mittag zusammen." Ich liebe diesen ersten Satz. Sofort hat man Kopfkino, man hat Drama, man hat Fragen.

    Haha, das ist sehr cool! Harlan Ellison hat auch so ähnliche Sachen.


    Viele sagen ja, der erste Satz ist die Visitenkarte eines Textes. Er muss nicht alles verraten, aber er muss eine Tür öffnen. Er setzt den Ton, etabliert oft schon eine Perspektive und entscheidet im Idealfall darüber, ob ein Leser (oder ein Lektor) dranbleibt.

    Ja, gutes Thema. Dem kann ich von Konsumentenseite her zustimmen: Ich entscheide Bücherkäufe im Grunde nach den ersten drei Sätzen. Wenn mich das beginnt zu interessieren oder ich Grund hab, das Thema / Setting spannend zu finden, lese ich noch an maximal zwei Stellen irgendwo mittig, willkürlich.


    Das mache ich seit Jahrzehnten und es gibt soweit ich mich erinnere nur zwei oder drei Bücher, bei denen ich vom Fließtext begeistert war, obwohl mich die ersten Sätze massiv abturnten.


    Jeff Vandermeer schrieb mal, dass es sinnvoll wäre, in den ersten Sätzen eine physische Bewegung zu haben, weil der Leser damit in die Geschichte gezogen / getragen würde. Das funzt bei mir tatsächlich, hab da mal drauf geachtet. Ebenso mag ich aber auch abstrakte, statische Statements.


    Ich denke auch, dass man a) 2-4 Sätze braucht anstatt einem einzigen, und b) dass man schauen muss, ob der nachfolgende Text das Level halbwegs halten kann. Ich hab lieber einen ersten Satz / erste Passage, die interessant, aber bissl meh ist, dafür aber harmonisch zum Rest; als einen Hammereinstieg und dann kommt Larifari.


    Das würde ich sogar aufs ganze Intro ausweiten, da hab ich ein Bsp, das mich doch echt nach X Jahren immer noch fuchst: Clive Barkers Coldheart Canyon. Das Intro beschreibt ein Zimmer (im Untergeschoss), das mit Delfter Kacheln ausgekleidet ist, die Kacheln zeigen szenische Figuren (Wilde Jagd) & Landschaften. Und die eröffnen eine eigene verrückte Welt, bisschen wie Alice in Wonderland. Das ist sehr organisch, fast würde ich sagen erotisch-orgiastisch. Ich dachte also: Wow, total abgefahren, das wird ein wilder Ritt! Was folgt ist aber biederes, moralisch ärgerlich konservatives Gut/Böse-Blabla, das echt komplett vergessenswert ist. Hab den Eindruck, er hat die Teile mit Jahren Abstand dazwischen geschrieben. Also, dann hab ich lieber ein Intro, das mich nicht fesselt, dann brauche ich mich durch keine 400 Seiten quälen, in der Hoffnung, XY spielte da noch mal eine Rolle.


    Ähnlich ging es mir mit Angela Carters Love. Der Einstieg hat mich mit dieser Mischung aus Skurrilität, Mega-Drama und feiner Ironie damals total geflasht, leider dödelt das Buch dann so vor sich hin. Mir war lustigerweise (ich war um die 20) vorher nie aufgefallen, dass Mond und Sonne gleichzeitig am Himmel stehen können, oft sogar. Und immer wenn ich es sehe, denke ich an das Buch. Ich mag, wie es so knapp-neutral beginnt und dann atemlos aus dem Ruder läuft (ohne Punkt und Komma, sozusagen).


    One day, Annabel saw the sun and moon in the sky at the same time. The sight filled her with a terror which entirely consumed her and did not leave her until the night closed in catastrophe for she had no instinct for self-preservation if she was confronted by ambiguities.



    Clive Barker mal positiv (das haben inzw. auch schon viele andere gemacht, aber damals Ende 80er war mir das neu): Weaveworld, der das gut halten kann. Es schließt dann an mit dem Motiv des (Story)Webens und im Buch geht es auch um einen Teppich, in den eine ganze Welt verwebt ist - also imA Form Follows Function vom Allerfeinsten:


    Nothing ever begins.

    There's no first moment, no single word or place from which this or any other story springs.

    (...)
    It must be arbitrary then, the place at which we choose to embark. Somewhere between a past half forgotten and a future yet only glimpsed. This place for instance.



    Einer meiner Favoriten und das wird im Buch (eine Autobiographie) auch durchweg eingelöst: Lydia Lunch: Paradoxia. APredator's Diary:


    No names have been changed to protect the innocent, they're all fucking guilty.


    Meile um Meile erstreckte sich das Gras, gelb und brüchig wie Stroh.

    Landschaft / Naturbeobachtung finde ich immer gut, das ist auch eine gute Verortung, hat schon gleich Atmo, ist gleichzeitig auch was Greifbares.

    Aber ist Stroh nicht eine Art Gras? Dann würde ich bevorzugen, ein vorstellbares Wort gleich zu Anfang zu haben (Meile um Meile ist abstrakt und da kann dann alles sein, da bekomme ich kein Bild - also, überspitzt gesagt, es sind die ersten 3 Worte, aber trotzdem.) Fast würd ich raten, die Adjektive voranzustellen: Gelb (fahl?) und brüchig wie Stroh erstreckte sich die XY (bissl konkrter vllt? Weideland, Tundra, Ebene ...). Meile um Meile (als neuer Satzanfang und dann was Aktives / Bewegtes / Lebendes in Kombi.) Nur ne Idee. Als Bild selbst finde ich es sehr gut.


    Andererseits muss das auch nicht und kann nach hinten losgehen, wenn so ein Satz bemüht wirkt und nicht die Leichtigkeit hat, die Kunst braucht.

    Ja, das ist auch ein Problem. Ich bin noch in einem Hochfrequenz-Textforum unterwegs und da hatten wir das Thema auch - zu der Zeit friemelten wir alle am ersten Satz und das wurde irgendwann mega-krampfig und teils auch schon absurd fantasievoll-marketingmässig. Da hats mir bei vielen Texten schon sofort gereicht, weil es total unorganisch klang, null Bock da weiterzulesen.


    --------


    Oh weia, immer toll, wenn man grad :thumbup:/:thumbdown: gepielt hat - hier was ich in letzter Zeit so verbrochen hab:
    1. "Die Lichter von Merihaka". Hab mir ein Genre ausgedacht: Sword, Concrete & Sorcery. :D Hommage-Antho, 2026.


    Vier Orte der Magie existieren nahe unserer Heimstatt: Die geborstene Eiche am Waldrand, der nördliche Meeresausläufer, der Menhir jenseits der Wolfsgrotten und Merihaka, der verlassene Betonkomplex mit seinen Rampen, Verbindungsbrücken und Hochdecks, die unsere Pferde nur ungern betreten.

    [Konzipiert mit den Folgesätzen:] Dort pfeift der Wind durch Häuserschluchten, tropft Wasser aus geborstenen Trägern und wandern Schatten über Wände, ohne einen Körper, der sie geworfen haben könnte. Manchmal besitzen diese Schatten eine ölige Dichte, bewegen sich wie angetrieben von eigenem Willen.Und dann überlassen wir ihnen das Terrain.



    2. "Unter dem Eis die Finsternis", Novelette, in Hellbound (Whitetrain 2025)


    An der frostgeschüttelten Küste liegt ein Eisbrecher vertäut, ruht als mächtiger Schatten über dem Weiß.



    3. Das ist noch nicht rund, der erste ist okay, der dritte Satz ist imA gut, der dazwischen zu laberig-detailliert, da ist auch der nah/fern-Zoom kaputt. Leseprobe für einen Kaiju-Kurzroman. Es soll also bissl trashig sein, neben dem Pathos. Setting hier: hypothetischer Planet X jenseits des Pluto.


    Aždajah öffnet ein purpurnes Auge. Der Drache ruht wie ein Chamäleon auf aschegrauem Fels, hebt den Kopf über Sandwirbel, die sich an seinem Schuppenkörper fangen und beobachtet die Landschaft – geröllübersäte Schluchten und zerklüftete Bergketten. Doch nicht der Sturm weckte ihn, sondern das Gefühl, die Achse seines Planeten hätte sich verschoben.

    Antikolonial und ruZZland passen zu wirklich keinem einzigen Zeitpunkt der Geschichte zusammen.


    In meinen Ohren klingt das alles schon extrem stark nach Verschwörungsnarrativen, alles ist Emotion, Assoziation. Und ich finde das im Zusammenhang mit Stoltenberg auch sehr weit hergeholt, sorry. Klar, jeder arbeitet sich vllt. an was ab und lässt sich triggern (hab ich auch bei anderen Themen), aber das alles find ich massiv drüber.


    Hoffe nicht, dass neuerdings 'intellektuell' ein Schimpfwort ist (also außerhalb MAGA, ISIS und uSSr 2.0.), hehehe.

    Tom Oh, danach muss ich mal schauen, danke! Vllt. läuft das bei unserem VoD-Kanal. Das sieht ja wild aus, und Radcliffe ist jenseits von Potter eh ein ganz toller Schauspieler. Und da ist auch David Dastmalchian, der allein lohnte das Anschauen schon (Late Night With the Devil - sehr überrraschend sehr gut und gar nicht abgenudelt, mit Abzug von so 10 Min gegen Ende).


    Michael Höfler Polt und die drei Jungs sind aber eher Satire / Komik, oder? Ich meine das schon recht ernst, hahaha. Halbwegs.

    Werfe da auch noch ein:
    Netta Skog Nightwish Cover (Nightwish mag ich sonst gar nicht. Netta macht auch elektronische Musik und spielte bei den Turisas, also da auch eher Klamauk, aber ich finde toll, dass sie macht, was Spaß macht.) Nämlich auch Metal + Digital Accordion leider grottiger Sound. Hab nach all den Jahren immer noch nicht verschmerzt, dass Finntroll keinen Akkordeonisten haben, die klingen dabei so! Frechheit!


    Das bekannteste Akkordeon-Traditional in Finnland ist wahrscheinlich Ellin polkka (hier u.a. die wunderbare Maria Kalaniemi), hier ne andere Richtung (Tango?).


    Flogging Molly: Black Friday Rule und Devil's Dancefloor (haben wir oft bei & nach der Arbeit auf den Großseglern mitgesungen, incl. Kapitän). Sind natürlich auch schon Shanties, wobei das instrument wohl niemanden mehr schockt, haha.


    Tsuumi Sound System (New Folk): Edellisessä elämässä ('In einem vergangenen / vorigen Leben').


    B&B Project (UA): Metallica cover (Nothing Else ...), GoT (hoffentlich steht die Burg noch!), die machen viel Metal, auch Rammstein (fiel irgendwo oben, das ist auch klasse) und Requiem For A Dream ist vllt. mein Favorit, aber ohne Akkordeon.


    Kimmo Pohjonen Regenerator live. Ich mag seine Musik irre gern, aber die Stimmparts stören mich leider.


    Martynas: Telefone und Hungarian Dance (Brahms)


    Hrzda: Stephan live oder mit bayrisch-slovenischem Flair: Video Stephan


    Nur mal schnell zwischen Novellette-Tippen und Schlafengehen aus der Playlist gesogen. :pop2:renn

    Ich war auch Team Triangel, und dann auch noch zum falschen Zeitpunkt 😄 Und damit damals ziemlich allein. Solidarität 🤜🤛

    Hehehe! Genau so! :tanz

    Ich habe das Flötenspielen geliebt und alle Weihnachtslieder hoch und runter gespielt.

    Die armen Nachbarn 🤭

    Och, warum 'arm', wenn du offenbar gut gespielt hast ... Als ich vor fast 20 Jahren in diese Mini-Einzimmerbude einzog, hatte ich lange Zeit direkt unter mir einen Nachbarn, der karelische Volkslieder auf dem (Knopf-/Bass-?)Akkordeon spielte. Ich liebe Akkordeon! Das waren auch noch genau die Songs, die ich auf CD hatte und so brauchte ich gar keine Konservenmusik anwerfen, sondern einfach seine Musik genießen. Ich packe da zwar selbst nix, kriege aber durchaus mit, wenn jemand was kann, und er konnte! Leider ist er inzwischen ausgezogen (oder verstorben?). Das bedauere ich immer noch stark.


    Apropos Volksmusik: ich fangirle ja die Well Buam. Aussage: "Echte bayrische Volksmusik ist international, hat Anteile von Shanties, Klezmer und Polka." Ich könnte ja ellenlang ethnografische Parallelen ziehen zwischen deren Sautanz-Cover und heidnischen finnischen Traditionen, muss aber zu eurem Glück einen bestellten Text fertigschreiben, hehe.

    :pas

    Hahaha, Kollektivtrauma! :troest


    Ich war eine derartige Versagerin in Sachen Musik, dass mir niemand eine Flöte aufdrängte. In der Grundschule nahm man mir sogar die Triangel wieder ab (kein Witz! =)).

    Hab also nur zum Spaß auf einer Holzflöte rumprobiert, fand aber die Geräusche komisch. Ich mochte nie hohe Töne (hab daher auch Probleme mit 99% des Blackmetals) und Flöte geht nur zusammen mit Harfe: z.B. Jean-Pierre Rampal & Lily Laskine, die allerfetteste Empfehlung überhaupt. (Händel & Boieldieu, LP, CD, gibts vllt. irgendwo auch als stream/ mp3). Vielleicht ist das ja was für eure traumatisierten Ohren.

    ... Is My Sanity"


    Vielleicht geht es anderen auch so: Weihnachtslieder verbreiten wunderbar Gemütlichkeit, aber irgendwie kratzen die Texte im Ohr wie Kreide auf Tafel. Da kann der Dagon Tabernacle Choir bzw. die H. P. Lovecraft Historical Society mit professionellen Aufführungen und herrlicher Ironie abhelfen. Bei mir läuft die Feiertage rauf und runter:


    Death to the World


    To Life (Varieté, aber passt trotzdem)


    Oh Cthulhu!


    Go Summon Up the Dead Ones


    Death May Die


    The Carol of the Old Ones


    Hey there, Cthulhu (Eben Brooks-Cover by Cami, nicht festlich, aber lustiger Ausklang).

    "Ahnung" - so wie "Historie" oder "Mondlandung"? Jürgen Klingt stark nach dem berühmt-berüchtigten Geheimbund der Illiterati. ;-)


    Oder lag das Problem beim Fremdsprachlichen? Denke, das ist herzuleiten, selbst wenn man nie in der Sprache liest: Georgia ist Georgien und Chechnya Tschetschenien usw. Ich lebe seit fast 20 Jahren in Finnland und bin u.a. deswegen mit Ausnahme von 3 LitForen rein Englisch- (und Finnisch-)sprachig unterwegs. Ich google auf Englisch wie lange man ein Ei kocht; und die Sprache sollte ja in so einer simplen Auflistung kein Problem darstellen. Denke ich.


    Es grüßt die NAFO BS Sniffing Brigade.