Beiträge von Katla

    Horst-Dieter Ach ja, die Walz! Darauf bin ich gar nicht gekommen, dabei trage ich seit einem halben Jahrhundert diverse FHB-Zunfthosen. Nix geht über Pilotzwirn. Ich hatte allerdings nicht auf dem Schirm, dass da gesungen würde (habe die Gesellen aber nie auf Landwegen, sondern immer nur in Städten gesehen, mag daran liegen. Auch schon in Helsinki, übrigens).


    Irgendwie komme ich immer auf Pferde, aber zur Zeit der ersten Freizeitwanderungen ist man ja noch per Reiten / Kutsche unterwegs gewesen. Ein nicht geschütztes Traditional - quasi Wanderreitlied - kommt aus den USA: "Rawhide". Hier in der Fassung der The Men They Couldn't Hang (UK).

    Dazu lässt sich bestimmt auch super trekken. Mehrstimmig!


    Nicht direkt zum Wanderlied, aber klassischen und modernisierten ländlichen Gesangsformen, die ihren Ursprung in Arbeiten haben: Kennst du diese wunderbare Doku Heimatklänge? Fetteste Empfehlung, ein wirklich verrückter, inspirierender Film - übers Jodeln.


    Silke Krass, aus einem unerfindlichen Grund hab ich Walzing Mathilda immer als Kriegsthema verstanden - als der Soldat, der tot (in der Übertragung auch versehrt) ist und daher nicht mehr tanzen bzw. zurückkehren wird. Kenne das seit Ewigkeiten in der Pogues-Version, hatte mich aber nie um den Text gekümmert - was man hier alles lernt!

    Uff, das ist ja mal eine spannende Frage!


    Spontan ist für mich das Bild, dass in britischen Regionen jemand laut singend durch die Landschaft geht, vollkommen absurd. Und ich denke, du benötigst für die Suche Länder mit einem ähnlichen bürgerlichen Verständnis von 'Freizeit' und 'Natur'. wie sagen wir in der Zeit des Biedermeier / der beginnenden industriellen Revolution. Da wurde das Naturbild aus Folklore wie auch (Dunkler) Romantik gespeist. Vermutlich eine Sonderform von Liedern, die bei der Arbeit gesungen wurden, um im passenden Rhythmus zu atmen / Kraft zu schöpfen: z.B. Shanties bis in die 1950er, auch Lieder bei der Ernte / auf dem Feld.


    Allerdings nehme ich an, dass diese Tradition im Laufen zu singen keinen praktischen oder folkloristischen, sondern rein christlichen Ursprung hat - sowas wie Psalmen und 'verlängerte' Bitt-/Schutzsprüche, Pilger- oder Kreuzfahrten. Durch die Massenexekutionen an sog. "Ketzern" bes. 1650-1750 ist gerade eben in Deutschland (wo die Verfolgungen am exzessivsten waren) vermutlich wenig bis nichts erhalten, was nicht streng religiös war.


    Die Pfadfinder haben glaube ich heute noch solche frommen Wanderlieder, und ich nehme an, die US-amerikanischen Boy Scouts wären da eine Quelle. (Geht das vielleicht sogar auf deutsche Auswanderer zurück?)


    Lieder, die speziell mit Ortsveränderung / Bewegung zu tun haben - und eben nicht mit Arbeit -, auch währenddessen gesungen wurden, kenne ich sonst nur von den Roma, hier speziell den finnischen. Diese haben v.a. im 19. Jhd. schwedisch-finnische und eigene Lieder gesammelt, als diese beim Bürgertum in Vergessenheit gerieten. Hilja Grönfors hat tolle Sammlungen herausgebracht, worin man deutlich den Rhythmus der Hufschläge heraushören kann; z. B. auf Phurane Mirits.

    Klingt vielleicht etwas nach 'stretching the definition', aber es ist der gleiche Impuls und der gleiche Kontext (Zielgerichtete Bewegung einer Gruppe durch die Landschaft).


    Je nachdem, wie 'traditionell' die Lieder sein sollen: Politische Sommerlager zw. den 1930ern und den 1980ern hatten das sicher auch, rote wie weiße. Aber inwieweit da konkret bei gewandert wurde, kann ich nicht sagen.


    (Oh oh, vielleicht nicht so direkt die Antwort, an die du dachtest ... Als eine, die Folk und echte Traditionals liebt, konnte ich einfach nicht den Mund halten, sorry.)

    Hallo Edith,


    auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Mein Protagonist lebt in der ersten Hälfte des 11. Jahhunderts. Als slawisches Sippenoberhaupt hat er es nicht leicht, denn er weiß nie, ...

    Du, sag mal ruhig, wie's weitergeht. :- )


    Sehr spannende Zeit, das klingt nach einem schönen Projekt. Da war die Recherche sicher nicht einfach, denn das dürfte ja die Zeit vor Konvertierung gewesen sein, und da blieb ja wenig von übrig. Bzw. nur die Ansichten der Gegner - der Sieger schreibt die Geschichte und so ...


    Ich hab auch über die Jahre einiges zu der Zeit gelesen und in einer Kurzgeschichte ein - allerdings extrem akribisch recherchiertes - spekulatives Mash-up von 1066 (Haithabu brennt ab) und 1168 (Arkona fällt) geschrieben: Woliner Freibeuter und dänische Berserker gehen zusammen gegen Eindringlinge vor. Dein Perleberg liegt geografisch genau auf der Mitte zwischen meinen Settings. Allerdings gelangen meine Figuren unter Segeln von A nach B. 8)


    Hast du auch einen Link zu deinem Blog? Leider hab ich in deinem Profil nichts gefunden, das würde mich sehr interessieren.


    Herzlichst,

    Katla

    Hallo, AffectusUmbra ,


    herzlich willkommen auch von mir relativ Neuer hier.


    Das klingt doch alles schon super, ich würde auch sagen: Mach dir erst mal keinen Kopf, sondern schreibe etwas. Vielleicht (wenn du Bedenken hast, dass dir die Geschichte entgleiten könnte und du dann frustriert wärst) erst einmal eine isolierte, aber längere Szene.


    Dann schließe ich mich dem Tipp mit den Kurzgeschichten an, weil du da besser eine Planung (Intro, Worldbuilding, Abschluss, Ausblick) üben kannst. KGs lassen sich wesentlich besser nacharbeiten, umschreiben, editieren. Und selbst, wenn man bei kurzen Texten ins Schwimmen kommen kann, sind sie einfacher handhabbarer. Es finden sich auch leichter Testleser als für einen Roman.


    Und hier kommt mein Recherche-Problem zum Tragen, mir fehlt zum einen militärisches Wissen besonders im Bereich Ausbildung (wichtiger Teil meiner Idee) als auch im Bereich Taktik und Vorgehen in Kampfsituationen, ich habe keine Lust irgendwelchen Quatsch zu schreiben wie Typ rennt mit 2 Maschinengewehren im Arm durch die Gegend und ballert alle Gegner nieder (Analogien zu Rambo-Filmen sind bei diesem Vergleich leider unvermeidlich, profane Wortwahl inklusive).

    Ich finde, deine Herangehensweise klingt total solide. Recherchieren würde ich auch immer old school in Sach-/Fachbüchern. Klar, das Internet ist ein Startpunkt, aber nicht mehr. Es gibt sicher Autobiografien von Soldaten, die viel konkret von Kampfhandlungen schreiben. Öfter hab ich auch schon gelesen, dass Schreibende The Art of War / Die Kunst des Krieges (China, 500 BCE) für Taktik-Planung und als ich sag mal 'mentalen Hintergrund' hilfreich fanden. Der englische Wiki-Text ist wesentlich aussagekräftiger als der deutsche, das Buch gibt es auch in sehr schönen TB-Ausgaben.

    Dann auch sicher aktuelle Theorieabhandlungen (wenn Englisch für dich okay ist: was über US-Marines oder den britischen SAS), aber auch Militär-Foren. Ggfs. SF-Militaristik Foren, und schon vom Mitlesen lernst du sicher einiges.


    An Starship Troopers etc. ist ja an sich erst mal nix verkehrt, das kann auch Spaß machen. Aber wie du schreibst: Ernsthaft ist es natürlich auch nicht.


    Ich bin auch Recherchefreak (einige Monate für einen Kurztext ist nix), meine aber, das hätte den Vorteil, dass man durchs Lesen wieder auf Details und Gedanken kommt, die man allein nicht gehabt hätte, und das imA auch ganz extrem den Spaß am Schreiben erhöht. Du bewegst dich dabei im Thema, ohne aber den Stress zu haben, das alles aus deinem eigenen Kopf holen zu müssen. Das würde ich nicht als 'Problem' bezeichnen, ist doch super, dass du Lust drauf hast.

    Der zweite Punkt, an dem ich aktuell so meine Probleme habe, ist wissen über Pilze. Ich weiß, dass es eine eigene Art darstellt und der größte Organismus des Planeten Erde wohl ein Pilz ist, dass viel daran geforscht wird, aber damit erschöpft sich mein Wissen bedauerlicherweise schon.

    Das ist auch total spannend - ich hab mal gelesen, dass sich Biologen immer noch unsicher sind, ob Pilze zu den Pflanzen oder den Tieren gehören.


    Brian Aldiss hat in seinem tollen Hothouse einen Pilz als Protagonisten (er sitzt im Körper eines menschlichen Protagonisten und steuert dessen Hirn). Auch, wenn ich Erstrecherche in Fiktion nicht ideal finde, lohnt sich hier ein Blick.

    Last but not least fehlt es mir an Wissen zu Asteroiden und deren Verhalten/Auswirkungen auf unseren Planeten im Vorbeiflug. Ich bin weder Militär noch Wissenschaftler, dennoch ist es mir wichtig eine fundierte Grundlage zu haben.

    Hehe, ich fühle total mit dir. Würde selbst gern Hard SF schreiben, das ist mit einer 5 in Physik und einer 6 in Mathe damals aber nahezu unmöglich. Dabei lese ich aber wahnsinnig gern darüber, kommt eben drauf an, wie das erklärt ist. Ich halte Lee Smolin für einen guten Einstieg, aber konkret als Recherche fiele mir hier Phil Plait ein, besonders sein Bad Astronomy. Eine extrem unterhaltsame Website und auch etwas anders aufgezogen als Buch. Dort sehr gut die 'Misconceptions' (z.B. dies), er nimmt aber auch z.B. als Fanboy SF-Filme auseinander und erklärt, was daran gar nicht geht.

    Aber aus irgendeinem Grund finde ich aktuell nicht den Mut alles, was ich habe, zu nehmen und zumindest mal anzufangen zu schreiben. Wie gesagt ich habe eine Ideensammlung, die mehrere Seiten umfasst und in Stichpunkten einzelne Situationen erfasst, ich habe mir wie bei einem Pen&Paper Spiel drei Charaktere entworfen und charakterisiert. Ich weiß, wer/was der Antagonist sein soll, ich habe ein Zeitframe in dem das Ganze spielt, aber ich bekomme es nicht hin mich endlich hinzusetzen und zu schreiben.

    Das klingt doch alles super! Und damit hast du doch schon längst angefangen zu schreiben.


    Wie wäre es, wenn du mit deinen drei Figuren eine Art spin off Kurzgeschichte schreibst, die in sich abgeschlossen einen Kernpunkt des Romans erzählt? Im Kleinen, sozusagen? Und hier zur Besprechung stellst.

    Auf der einen Seite will ich beim Schreiben bei Seite 1 anfangen und chronologisch schreiben, auf der Anderen hab ich immer wieder Ideen, meist zu den unpassendsten Momenten, die in das Buch passen würden und ich in den Momenten wahrscheinlich auch direkt schreiben könnte, aber ich wage es nicht einfach eine Situation zu schreiben, die vielleicht erst auf Seite 120 passiert oder wann auch immer.

    Du musst ja gar nix - ja, es gibt wohl Leute, die Romane chronologisch schreiben, aber andere fangen mit der Endszene an (ist durchaus überlegenswert, weil man ja auf etwas hinschreibt, wo alle Fäden zusammenlaufen sollen) und dann eben so Mosaik-/Collage-Schreiber, bzw. kann man auch von allem etwas machen, hehe.


    Warum nicht eine lange Szene schreiben, zu der du am meisten Lust hast? Dann bist du doch auch mit dem Kopf ganz drin und hast den meisten Spaß. Außerdem finde es schwierig, alle Recherche ausschließlich vorher zu machen und dann erst alles zu schreiben, weil man die Infos und auch die Assoziationen / Ideen, die man beim Recherchieren hatte, ggfs. nicht mehr erinnert oder nur mühsam wieder aufgewärmt bekommt. Auch ergeben sich beim Schreiben Fragen, die man dann eh neu recherchieren muss - aber das ist imA eher ein Vor- als ein Nachteil. Vielleicht recherchierst du, dann kommt dir eine Szene in den Kopf und dann verarbeite das doch sofort.


    Es sieht ja aus, als hättest du bereits einen Grundplan, somit wüsstest du, an welche Stelle diese Szene dann passte.


    Vielleicht hast du Lust, in Jeff VanderMeers Wonderbook zu schauen. Das ist ein ungeheuer gut durchdachtes, sinnlich-kreativ aufgezogenes Buch zu Schreibpraxis und -organisation. Allerdings nicht im Sinne eines herkömmlichen Ratgebers - es wird eher analysiert / exploriert. Es gibt Interviews und Zeichnungen, verschiedene Blickwinkel /Ansätze, aber enorm strukturiert aufgebaut. Es ist kein 'Man muss das und das machen', sondern ein: 'Was passiert, wenn ich XY mache'?


    Sorry, ich hab jetzt wesentlich mehr geschrieben als geplant - ist einfach so, dass ich mich in deinen Fragen total gut wiedererkenne. Und selbst wenn ich versuche Tipps zu geben, heißt es lange nicht, dass ich die selbst so gut umgesetzt bekäme. :kaeptn


    :kaffeepc Liebe Grüße, ich bin sehr gespannt, was von dir noch kommt!

    Katla

    Anja Ich hab mir 1793 - The Wolf and the Watchman aus der Bibilothek geholt, aber muss ehrlich sagen, dass ich mit dem Stil nicht warm werde.


    Es fängt (wirklich von allen Dingen das, na ja) damit an, dass der Prota aufwacht, und dies wird über sage und schreibe vier Seiten gezogen. Natt och Dag bringt zwar sehr schön - allerdings auffällig unauffällig - Details des Settings / der Epoche rein, aber drumrum ist so unglaublich viel Nebensächliches, dass diese Details (z.B. dass sich, als er im Bett hochkommt, seine Perücke an einem Nagel verfängt und vom Kopf gezogen wird) ertrinken.


    Die Sprache - zumindest die englische Fassung, aber so viel kann man als Übersetzer nun auch nicht dazufabulieren - ist unpräzise und voll von ... ich weiß es gar nicht genau: Füllsel, umständlichen Beschreibungen, Mehrfachbeschreibungen ein und derselben Sache. Zumindest für meinen Lese-Empfinden ist das so extrem, dass es mir schwerfällt, simple Begebenheiten nachzuvollziehen und dann vor allem, sie mir bis 5 Zeilen später zu merken. Die Probleme hab ich eigentlich sonst nicht.


    Hab auch mal bissl querbeet gelesen, und das ändert sich nicht. Nix gegen Romane mit langsamen, unaufgeregten Tempo, nix gegen Atmosphäre vor Action, aber hier muss ich leider passen. Möglicherweise ist der Stil der Idee geschuldet, dass Leute in der Epoche umständlich und verquast redeten, aber dafür sehe ich keinen ganz unbedingten Grund, wenn man sich Originalliteratur aus eben der Zeit anschaut: Matthew Lewis' The Monk / Der Mönch (1796) oder de Sades Romane (1785-1800).


    Beispiele:

    " Winge alternates the warming of the fingers of one hand in the palm of the other. " - Spricht was dagegen zu sagen Er reibt sich die Hände?


    (Puffmutter zur Begrüßung der Neukunden): "Certainly an overabundance of enthusiasm in that regard can affect the value of our wares in the eyes of others, but as long as you are willing to compensate our loss, all is as it should be." - Okay, ich bin auch kein Freund davon, dass Huren, Gastwirte oder Henker gleich super prollig sprechen, aber dieser Tonfall, der ja vom Erzähler wie jeder einzelnen weiteren Figur im Buch geteilt wird (soweit ich das sehe), könnte ja mal variieren, um z.B. eine knallharte Geschäftsfrau zu kennzeichnen. Denn darum geht es ja unter der Freundlichkeit. Außerdem ist das ein furchtbar verquast-bürokratischer Stil, der ihr sicher die Kundschaft vertreiben würde.


    "In order to succeed in her intention, she will need both to act quickly and to have luck on her side, for at the same moment that Amen is said, the watchmen will start herding the spinners into the courtyard and from there onward to their rooms."


    Ich wäre gespannt, ob es jemandem hier besser gefällt, andere Leseweisen / Eindrücke sind immer super interessant. Mag auch sein, dass das auf Schwedisch ganz anders klingt.

    Hallo Anja ,


    guten Morgen. :- ) Ja genau, ich wohne in Helsinki und die Serie stand in der Mediathek unseres staatlichen Fernsehens YLE mit finnischen UT. Ein paar schwedische Worte hab ich im Laufe der Zeit durch Osmose aufgeschnappt, hehe, aber benötige auf jeden Fall Untertitel, sonst Bahnhof. Andererseits hab ich Synchronisation schon immer gehasst, dann kämpfe ich lieber ein bisschen ...


    Auf Dailymotion stehen (fast?) alle Folgen in exzellenter Qualität mit englischen UT. Ausnahme S01 E01: ist gesplittet, in schlechter Qualität ohne UT, und E09 hab ich auf Anhieb gar nicht gesehen. Aber "Anno 1790 S01 E01" als Suchbegriff - evt. sogar im Profil des Kanals mit den UT-Folgen oder einfach über Googlesuche / Videos könnte dich doch dahin führen. Jedenfalls sind 8 von 10 Folgen für einen Eindruck vielleicht schon ganz okay; oder du schaust E02 mit den Untertiteln und retrospektiv die erste Folge mit deinen Schwedischkenntnissen, wenn du dann schon bissl weißt, worum es geht. (Dailymotion wäre bei sowas immer mein erster Anlaufpunkt, mit ein bissl Frickeln findet man da vieles und wenn man einen Ad-Blocker geschaltet hat, bekommt man auch keine Werbung / Unterbrechungen.)


    Ja, mit so ausgebreiteter Gewalt kommt es natürlich drauf an. Ich lese / schaue auch Horror, zucke da also nicht zurück, aber so 'genüßlich' drin gesuhlt ... dann muss das Genre passen, Trash, Extreme ... und das ist es bei dem Roman ja nicht. Stärker mitfühlen (und evt. gruseln, ekeln) kann man imA eh, wenn etwas sehr explizit angerissen wird und dann der Leser sich den Rest selbst ausmalen muss. Das wirkt meist auch stärker nach, so, wie z. B. der Film Alien oder auch Texas Chainsaw Massacre das perfektionierten - man ist sich im Nachhinein sicher, Dinge gesehen zu haben, die gar nicht gezeigt wurden. In der hochwertigen spekulativen Literatur dann z. B. Harlan Ellison oder Mark Samuels. Bei historischen Stoffen soll mit expliziter Gewalt vermutlich die Rohheit vergangener Epochen vermittelt werden, dabei ist es heute keinen Deut besser - aber ich will nicht abschweifen.


    Absurderweise macht mich diese Frage jetzt doppelt neugierig - in der Stadtbibliothek gibt es die Trilogie in mehreren Sprachen (1774 auch deutsch), ich hab mir The Wolf and the Watchman / 1793 mal dort bestellt. Danke noch mal für deine Rezension!


    :kaffeepc Herzlichst, Katla

    Vielen Dank für die Vorstellung - den Roman (oder die Trilogie) habe ich schon mehrfach in meinen Blasen besprochen gesehen, aber das hier ist bislang die mit den greifbarsten Argumenten / Infos.


    Ich schleiche da auch schon eine Weile drum rum (explizite Gewalt ist bei mir gar kein Problem, außer gegen Tiere), hab aber bislang nicht zugegriffen. Irgendwie entgeht mir bis jetzt, was genau das Buch (die Bücher) erzählt, außer eben den Kriminalfällen. Ich bin aus den Nordischen Ländern gewohnt, dass es da immer eine zweite Ebene gibt, was Nordic Noir - dazu zähle ich das einfach mal frech - imA so extrem spannend macht.


    Vielleicht hängt mein Zögern auch damit zusammen, dass ich den Eindruck habe, alles bereits zu kennen, es gibt nämlich eine schwedische TV-Serie, Anno 1790, die sich wie eine getreue Verfilmung anhört, aber mit den Romanen gar nix zu tun hat. Trailer hier.

    Unterstützt hat meinen falschen Eindruck, dass der Name des Autors "Tag und Nacht" lautet, und der des Ermittlers in der Serie "Dåådh", was gesprochen klingt wie "död" = Tod. Mag Zufall sein, aber solche Wortspielereien sind ja nicht so arg alltäglich.


    Die Serie hat eigentlich alles, was ich liebe: spekulativ anmutende Historie, Düsterkeit, Kriminalfälle / Anatomie. Aber das Pacing ist - und zwar vollkommen anders als der Trailer suggeriert! - quälend glazial. Und zu verkrampft auf 'dreckig & düster' gebürstet, es wirkt nicht organisch und damit irgendwie hypereal anstatt historisch. Es war anstrengend das zu schauen, ich habe alle Folgen gesehen, aber zwischendrin um kleine Passagen 'vorgespult', und irgendwie - obwohl ich weiß, dass das Unsinn ist - hielt mich das bislang vom Roman ab.


    Vielleicht sollte ich den aber wirklich mal lesen.

    Sehr schön, Horst-Dieter , ein renommiertes Magazin und eine tolle Veröffentlichung. Und gut, dass die vor ein paar Jahren bei dem Redaktionswechsel die Kurve gekriegt haben, Marianne ist ja auch eine der wirklich Netten (falls du mit ihr zu tun hattest).


    Gratuliere! :punk

    Hallo dORIT von gESTERN ,


    vielen Dank! Ich habe eine an finnische Gesetze angepasste Version gesendet und bekam nach wenigen Sekunden diese Antwort: "We’ve reviewed your request and will honor your objection. This means your request will be applied going forward." Ich frage mich, ob die alles durchwinken, wo deren Bot ein Paragraphenzeichen sieht - das kann ja niemand in so kurzer Zeit nachschlagen (ich hatte insgesamt 6 oder 7 Gesetze angegeben).


    Deine Info war ja wirklich Gold wert, vielen vielen Dank noch mal!!! :blume<3

    Hallo Matthias,


    herzlich willkommen!

    Ich wollte nah dran sein am Protagonisten.

    Die Perspektive (Icherzähler, auktorial oder personal bzw. Mix aus den beiden) sagt eigentlich nichts über die 'Nähe' oder 'Distanz' zum Leser aus. Du kannst auch 'Distanz' mit einem Icherzähler haben (z. B. - aber nicht nur - wenn in Brief-/Tagebuchform erzählt wird oder in Metafiktion, wo die Trennung zwischen Autor und Erzähler und ggfs. auch noch Protagonist aufgehoben wird).


    Und genauso kannst du einen auktorialen Erzähler als 'nah' am Leser erzählen, das muss nicht unbedingt dieses Schreiben mit dem abgespreizten kleinen Finger werden.


    Zum Auseinanderfusseln, welche Perspektive was kann oder nicht kann, empfehle ich ein wunderbares Buch, das die vielen kleinen Nuancen an kurzen Beispielen aus der Literatur aufzeigt: James Wood: How Fiction Works, dt. als Die Kunst des Erzählens.

    Das ist rein analytisch-deskriptiv und wertet nicht, gibt nichts vor.


    Wie klasse, dass du einen betagten Protagonisten entwerfen willst! Das gibt es imA viel zu wenig. Ich lese übrigens grad Jaroslav Rudis' Winterbergs letzte Reise, da ist die Titelfigur (nicht gleichzeitig der Erzähler) 99 Jahre alt.


    Und ich schwanke zwischen dem personalen Erzähler und dem allwissenden Erzähler. Welche Vorteile gibt es, welche Nachteile?

    Einen allwissenden, auktorialen Erzähler hat man heutzutage wohl tatsächlich selten (Ausnahme u.a. wieder: Metafiktionen, wo es eben stark innovativ /weird klingt), aber es gibt in allen Abstufungen eingeschränkte auktoriale Erzähler. Die können meist nur zusätzlich zur eigenen Sicht in den Kopf einer einzigen der Figuren schauen und müssen nicht unbedingt wissen, was als näxtes passieren wird. Bei einem unzuverlässigen Erzähler kannst du auch mit der Erwartung spielen, dass auktoriale Erzähler erstmal die Wahrheit sagen und das dann brechen etc.


    Vermutlich gibt es in den meisten (post)modernen Erzählungen einen Mix aus eingeschränkt auktorialem und dann personalem Erzähler. Gut gemacht bemerkt man die Wechsel jeweils nicht, aber - kann ich auch aus eigener Erfahrung sagen *gn* - das ist sehr fehleranfällig, wenn man das nicht sauber / smooth gelöst bekommt und da ungewollt Brüche einbaut (bissl wie beim headhopping).


    Kommt insgesamt drauf an, wie du Spannung aufbauen willst.


    Seit den 1990ern gibt es eine Art extrem personalen Erzähler / extreme Rollenprosa, Deep Point of View. Ich hab schon oft gehört, dass Leser so eine Stimme als besonders 'nah' und 'realistisch' erleben, lese das selbst aber gar nicht, mir geht das echt total auf den Keks. Sowas kann imA schnell anbiedernd wirken; ich hab gern ein bissl Distanz.

    Hier gibt es einen tollen, extrem unterhaltsamen Blog eines britischen Phantastiklektors, der DPoV auseinandernimmt: The Emperor's Notebook.


    Ich finde Analysen zu Erzählhaltungen extrem spannend, die Praxis aber echt alles andere als einfach! :kaffeepc

    Es gibt ja auch diese Art von Humor, bei dem man eigentlich eher schreien als lachen möchte (oder beides gleichzeitig), Antoine Volodine ist ein Meister darin.


    Mit Kafka bin ich nie warm geworden, ehrlich gesagt. Als großer Fan von David Tennants 10th Doctor hatte ich aber damals das Hörspiel Kafka, the Musical entdeckt und das ist - so schräg und unpassend die Kombi Kafka / Musical klingt - ganz wunderbar.


    Franz Kafka wird dort von seinem groben, grausam-oberflächlichen Vater in eine Musicalproduktion gedrängt, in dem Franz die Hauptrolle spielen soll - nämlich sich selbst. Das melancholisch- empathische, absurd-komische Stück hat größtenteils Hörspielform, aber eben auch Gesangseinlangen, die ganz erstaunlich gut passen.


    Murray Gold's new play starts from the suitably Kafkaesque premise that Franz Kafka finds he has to play himself in a musical about his own life. The play - or is it the musical? - introduces Kafka and the audience to some of the key characters in his life, Milena Jesenska, Dora Diamant and Felice Bauer.


    BBC 3

    Jeremy Mortimer & Murray Gold, 2011

    Dauer: 85'

    Link hier


    Erinnert mich stark an den Film Brazil, an wie gesagt Volodine oder auch Kharms / Vvedensky. Fette Empfehlung jedenfalls.

    Meiner Meinung nach handelt es sich, wenn Person B aus ihre Biografie erzählt, nicht um eine wörtliche Rede/Dialog im klassischen Sinne, die aus der Situation heraus entsteht, sondern es geht in diesem Fall darum, Informationen, die dem Leser und der Person A bis zu diesem Moment unbekannt sind, darzustellen.

    Hallo Dietmar,


    verstehe, das mit dem Film vs Photos, aber dennoch ist beide Male diese extensive Nacherzählsituation. Alle drei Vorschläge sind sehr um die Ecke erzählt und evt. gedacht. Stark gebrochen durch Erinnerung & Reflexion (= nicht mehr direkt) sowie Reaktion des Gesprächspartners (= nicht mehr direkt).


    Die Information einer Figur an eine andere, die aber nur anwesend ist, um den Leser zu ersetzen, ist ja einfach Infodump. Das wird imA nicht unauffälliger dadurch, dass du die Situation bzw. Szene extra breit auswalzt.


    Was spricht dagegen, das ganz direkt anzugehen? Figur A (meine: um deren Erlebnisse es geht) und Figur B (die sich das anhört und darauf reagiert) bricht doch den Erzählgegenstand sehr stark. Habe ich als Leser noch die Möglichkeit, das mit eigenen Augen zu sehen? Oder muss ich passiv zuhören, wie zwei Figuren die Vergangenheit beurteilen? Das - sollte es so wirken - lese ich nicht gern, weil ich selbst keinen aktiven / emotionalen Anteil mehr habe, weisst du, was ich meine?

    Direkte Szene und dann eine kleine Referenz / Dialog nachträglich wie vorgeschlagen wäre imA auch sinnvoll, zur Not.

    Ich lese gerade Das Phantom der Oper. Da gibt es Sprünge über Sprünge. Es wird auffällig uneinheitlich erzählt (auch innerhalb von Kapiteln). Dennoch stört das den Lesefluss in keiner Weise.

    Hallo Friecko ,


    ich kenne den Roman nicht: wird das alles mit diesen Sprüngen direkt erzählt (ein Erzähler erzählt es eben), oder ist das auch eine Art Monolog (vorgegebener Dialog), den eine Figur einer anderen Figur hält? Falls da keine zwei Figuren miteinander sprechen, meinen wir wohl genau das Gleiche.

    Guten Morgen, Dietmar ,


    ich rate von allen drei ab, am meisten noch von c). Film und Text sind zwei vollkommen unterschiedliche Medien, die sich sehr schlecht aufeinander übertragen lassen. Dann klingt eben alles wie ein nacherzählter Film - ich will aber ja ein Buch lesen.


    Auch, wenn ein Pseudogegenüber als Stichwortgeber und stellvertretendes Ohr (der Leser soll was hören, nicht die eigentliche Figur) eine Lehrmethode der Rhetorik ist, funktioniert das imA in Prosa überhaupt nicht. Weil es eine offensichtliche Krücke ist und den Lesefluss durch so ein Fake-Hin-und-Her aufhält.


    Vorschlag: Stell den Rückblick als eigenes Kapitel oder Einschub des Erzählers (wenn es eine Passage ist) und nimm die zweite Figur an der Stelle raus.

    So wird das auch in nahezu jedem Buch gehandhabt, an das ich mich grad erinnere.


    Egal, ob du einen Icherzähler oder einen in der 3. Person verwendest, musst du nicht künstliche Szenen schaffen, die eigentlich an sich keine Handlung haben, nur um eine kleine achronologische Passage (oder Kapitel) zu kaschieren. Das wäre imA falsch verstandenes show, don't tell. Zumindest ich lese viel lieber selbstbewusst strukturierte Erzählungen, die nach literarischen, nicht nach pseudo-realistischen Abläufen konzipiert sind - sag, was Sache ist, ohne solche Verrenkungen.


    Dir noch eine schöne Woche, herzlichst,

    Katla

    Nicht meine 'größte' Publikation, aber ich bin extrem aufgehypt, weil das die Momente sind, für die ich eigentlich schreibe:

    Michael Perkampus hat eine - zumindest in meinen Autorenaugen - absolut perfekte Audiofassung einer meiner Geschichten im Studio eingelesen. Und sich sogar für die estnischen Namen durch mehrere Videos gehört.


    Die Flash Fiction ist eine Geistergeschichte + modernes, dunkles Märchen (Richtung H. C. Andersen), und Michael stellte auch meine englische Tagline voran: You're alone, you're a ghost, and you're making bad decisions.


    Miskatonic Avenue vom 24.3.2024: Silke Brandt "Die Melancholie alles Verlorenen".

    Die Printversion erschien im handgemachten, limitierten Magazin FAUN 1 - Winter. Hrsg. Roland Mückstein, Hubris Publishing Wien, Dez. 2023.


    Dauer 7 Min., zu hören:

    auf Das Phantastikon hier (unter das Angepinnte scrollen).

    auf Spotify hier.

    auf YouTube hier.

    auf Apple-Podcasts hier.


    Ich hoffe, dass der eine oder die andere reinhören mag und es hoffentlich gefallen kann.



    Und last but not least bin ich beim Onlinemagazin Miskatonic Avenue / Das Phantastikon nun auch Co-Redakteurin. Vergangenes Jahr hatte ich dort eine Übersetzung von Victoria Amelinas wunderbarem Essay "Nothing Bad Has Ever Happened" eingestellt: "Niemals ist etwas Schreckliches geschehen". Amelina war eine preisgekrönte, ukrainische Phantastikautorin, sie wurde im Juli 2023 bei einem russischen Raketenangriff auf eine Shopping Mall getötet.

    Hallo Tom ,


    danke für die Präzisierung - ich hatte bereits nach dem Posten gedacht, dass ich mich wohl ziemlich verquer ausgedrückt hatte: Mit dem 'auf die falsche Art witzig' meinte ich genau das, was du umreißt.


    Der Film verwendet ja offensichtlich Humor, nur eben auf Dinge bezogen, wegen derer man eigentlich schreien möchte. Eine der wenigen Arten von Humor übrigens, die bei mir funktionieren. Meine Frage war eben nur: Die Themen (egal, ob nun ironisch/sarkastisch witzig oder direkt dramatisch-tragisch dargestellt) sind ja eben bekannt und damit gewissermaßen vorhersehbar. Bei einem solchen Film (Buch) zu lachen, hat ja auch etwas von Erkenntnis, Einsicht, vielleicht ertappt man sich selbst bei Klischeedenken etc.


    Das muss eben auch über eine gewisse Strecke aufrechterhalten werden können. Ich hab keine Zweifel, dass es möglich ist oder speziell dieser Film / Buch es schaffen können.

    Also maximal 30 Normseiten???


    Frank62 :rolleyes

    Hallo Frank,


    ah, warum denn *roll eyes*? Vermutlich wird dir keiner (in keinem Forum) ein kostenloses Gesamtlektorat für einen Roman hinlegen. Das sind ja mehr Anreize für dich, von punktuellen Nennungen den Rest selbst zu leisten. Eben vor allem, dieses Wald/Bäume-Problem auszuhebeln, das man bei eigenen Texten ja immer hat.


    Diesen Umfang finde ich schon recht viel, wenn man gründlich sein will. Ich mache hobbymäßig Lektorat für Klein- und Kleinstverlage, auch für eigene Herausgabeprojekte, das sind Texte bereits publizierter Leute (kein SP) und da benötige ich immer noch um die 30 Minuten pro Seite. Weniger ist auf jeden Fall die absolute Ausnahme. Und das sind Erzählungen, wobei nicht mal ein Exposé gelesen und beachtet werden muss.


    Andersherum denk auch mal dran, dass du den ganzen Input ja auch noch überdenken und ggfs. umsetzen "musst" (also: nicht ungefragt annehmen, aber wenn man Texte mit fremden Augen sieht, kommt man ja oft auf Schwachstellen und Passagen zum Ändern, die nicht mal angesprochen waren). Ich hab in anderen Textarbeitszusammenhängen oft erlebt, dass es schon schwer - teils unmöglich - ist, zwei kurze Kurzgeschichten parallel zu bearbeiten.


    Solche Rückmeldungen bieten ja oft Anstöße, die sich dann aufs ganze Manuskript übertragen lassen. Angenommen, du hättest viele Füllsel, Brüche in der Perspektive, in der Erzählstimme oder irgendwie so, muss das ja nicht an jeder Stelle angestrichen werden, das würdest du nach Rückmeldungen schon selbst sehen können - auch auf den Seiten, die dann hier nicht zur Besprechung standen.


    Jedenfalls bin ich sehr gespannt auf den Text. :brille