Beiträge von Zwitscherlerche

    Da gab es doch irgendwann in den frühen 80er Jahren einen Mega-Disco-Hit von diesem großartigen Künstler. Der lief überall rauf und runter. Kann mich nicht mehr an den Titel erinnern und fand auch auf Youtube nichts. :achsel

    Ich kann leider nur Herausragendes bewundern. Mittelmaß interessiert mich nicht, das verkörpere ich selbst. Gerade wegen dieser wenigen Titel, die, wie du anmerkst, dicht an der Genialität sind, mag ich Jack White. Denke ich z.B. an Alex Harvey, fällt mir The faith healer ein. Alles andere ist vergleichsweise bedeutungslos. Aber diese eine Nummer war eine Jahrhundertnummer. Auch von Pink Floyd empfinde ich rund zwei Drittel als künstlerisch bedeutungslose elektronische Schwurbelei. Aber für den Rest werden sie vermutlich noch lange gefeiert und bewundert werden. Und das zu Recht!

    Jack White hat durch seine stellenweise hysterisch anmutende, gerade noch nicht überschnappende Stimme ein Alleinstellungsmerkmal. Dazu seine individuelle Interpretation moderner Rockmusik. Kaum eine Nummer ähnelt der anderen.

    Und ja. Auch ich kann kein komplettes Album von ihm durchhören. Das gilt aber für viele andere Musikschaffende ebenfalls.

    Ich lernte den Rockmusiker Jack White, ehemals Boss der White Stripes, erst bei seinem Gastauftritt im Rahmen der Stones-Gala Shine a light kennen, aber er fiel mir sofort positiv auf. Mit Lazaretto überzeugte er mich endgültig von seinem Können. Nunmehr erschien von diesem umtriebigen Künstler ein neues Album. Es nennt sich: Fear of the dawn und hat alles, was ein gutes Rockalbum braucht. Auch das leider selten verwendete Theremin kommt darin zum Einsatz.

    Ach ja, Gitarre spielen kann der Typ natürlich auch, wie in Furcht vor der Morgendämmerung klar zum Ausdruck kommt.

    ASIN/ISBN: 3103974833

    In diesem Werk werden neben der welt- und gesellschaftspolitischen Bedeutung der kath. Kirche primär die letzten vier Pontifikate ausgeleuchtet, denen jeweils ein Abschnitt des Buches gewidmet ist. Im letzten Teil geht es um die Karierre und Amtszeit des deutschen Papstes Benedikt. Auch mögliche Gründe, die diesen erzkonservativen, homophoben heiligen Vater zum Rücktritt zwangen, werden darin artikuliert. Und natürlich fällt auch etwas Licht auf seinen Lebensmenschen, den Kurienerzbischof Georg Gänswein, der den nunmehr emeritierten Papst auch weiterhin offiziell privat begleitet.

    Martel führte für dieses Buch in einem Zeitraum von 4 Jahren in über 30 Ländern rund 1500 Interviews. Darunter 41 Kardinäle, 52 Bischöfe und Monsignori, 45 Apostolische Nuntien, 11 Schweizergardisten und über 200 katholische Priester.

    Das umfangreiche Werk ist nur etwas für Menschen, die wirklich an dieser expliziten Thematik interessiert sind. Hochinteressante, aber dennoch anstrengende 670 Seiten, minutiös recherchiert, etliche Querverweise, dutzende Klarnamen, aber niemals anklagend gegen schwule Priester und Prälaten, jedoch äußerst ablehnend gegenüber dem naturwidrigen Zölibat und der verlogenen, zunehmend unhaltbaren Position der Kurie in Sachen Homosexualität und leider auch der Pädophilie.

    Nach seriöser Schätzung leben rund 70 Prozent des Vatikans offen schwul oder sind sogenannte closet-cases. Also Schrankbrüder, die ihre Veranlagung geheim halten oder verleugnen. Gerade unter ihnen finden sich aber die heftigsten Feinde der Homosexualität. Manche beklagen sie derart lautstark und wortreich, dass sich ein Zitat aus Shakespeares Hamlet aufdrängt: "The Lady doth protest too much, me thinks."

    Dazu kommt die unverständliche Haltung des Vatikans bezüglich des Umgangs mit pädophilen Priestern, die besonders unter den päpstlichen Vorgängern von Franziskus weitgehend gedeckt oder, wenn nicht anders möglich, still und leise in andere Diözesen versetzt wurden, wo nicht wenige ihr schändliches Tun fortsetzten.

    Seit Franziskus werden pädophile Täter der weltlichen Justiz überantwortet, jedenfalls aber laisiert. Auch der unglaubliche Prunk und Luxus in dem manche katholische Würdenträger leben, kommt zur Sprache. Penthouses oder Lofts mit teils mehreren hundert Quadratmetern und Terassenblick über Rom sind keine Seltenheit, rund zwei Drittel aller Immobilien Roms gehören dem Vatikan. Dazu kommen teure Dienstwagen mit, oder bei diskretem Cruising, auch ohne Chauffeur, mehrere Ordensschwestern, die den Haushalt erledigen und zu allem ergeben schweigen, was die Prälaten privat so umtreibt, ist der Piuskragen erst einmal abgelegt.

    Sollte nur die Hälfte von dem stimmen, was Frédéric Martel in Sodom beschreibt, dann lebt ein nennenswerter Teil des vatikanischen Klerus in (religiöser) Schuld und Schande, in völligem Gegensatz zur Lehre ihrer Kirche, der sie einst - unterwürfig auf dem Bauch liegend, mit dem Gesicht zu Boden - lebenslange Treue und Gehorsam geschworen haben.

    Wenn diese hoffnungslos verkrustete Kirche überleben will, muss sie wohl oder übel dringend nötige Reformen zulassen. Insbesondere was Zölibat, Verhütung, abweichendes Sexualverhalten und Umgang mit Wiederverheirateten anlangt. Ansonsten wird sie zur Sekte schrumpfen oder zerfallen wie das antike Römische Reich, dem sie einst ihren Aufstieg zu verdanken hatte.

    Danke für den Youtube-Link auf Glarean. Coltrans Variante wirkt naturgemäß dichter, sein geniales Sax steht musikalisch im Vordergrund. Die neue Interpretation von Tony Overwater (Bass) & Atzko Kohashi (Klavier) gefällt mir vor allem durch ihre harmonische Sanftheit, das Sax fehlt mir darin keinesfalls. Beides hörenswert, so man anspruchsvollen Jazz mag.

    Fleabag = als Titel unübersetzbar eine „unangenehme Person“ (die deutschen Begriffe „Miststück“ (für eine Frau) und „Mistkerl“ (einleuchtenderweise für einen Mann) wecken unterschiedliche Assoziationen, wobei diese Frau eher eine weibliche Ausgabe eines Mistkerls darstellen soll),

    Flohbeutel.

    Wenigstens in Österreich, vermutlich auch Bayern, ist das ein bekannter, wenn auch abwertender Begriff für ziellose, unzuverlässige Menschen.

    Ich bin nicht gerade ein Fantasy-Fan, aber Herr der Ringe würde ich dennoch empfehlen. Auch wenn er IMHO um einiges gekürzt werden könnte, insbesondere um die letzten rund zweihundert Seiten. Aber das haben auch mehrere Verleger, die das Manuskript ablehnten, Tolkien nahegelegt, wenn auch ohne Erfolg. Manche seiner Fans sagen: Glücklicherweise. Liegt wohl alles im Auge des Lesers.

    Am Freitag ist nicht nur blendend schönes - wenn auch weiterhin zu trockenes - Wetter in ganz Europa angesagt, sondern auch der J.R.R. Tolkien-Tag. Ein Feiertag also, für alle Fans von Zauberern, Trollen, Elben und Orks und dem ewigen Kampf Gut gegen Böse. Dazu ein Artikel in der Wiener Zeitung, der sich nicht nur mit Tolkien befasst.

    Hallo Birgit!


    Zum einen kannst du jeden Papyrustext, also im Papyrusformat in Word oder Open Office oder andere Formate konvertieren. Das geht auch mit der älteren 10er Variante. Aktuell ist #11.

    Und der integrierte Duden ist sogar extra für Papyrus erweitert worden. Da sollte kaum noch ein Fehlerlein durchschlüpfen. Dazu kommen Stilanalyse und Lesbarkeitsanzeige. Alles brauchbare Tools, wie ich meine.

    Word ist ein Büroprogramm, kein Autorenprogramm.

    Ich lese zur Zeit Frédéric Martels Sodom - Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan.

    Darin wimmelt es nur so von Realnamen, schwulen und oder pädophilen Outings diverser katholischer Würdenträger und anderen Offenbarungen, die weitgehend im vatikanischen "Schrank" versteckt waren. Auch schwule heilige Väter, deren es jede Menge gab und vermutlich auch in Zukunft geben wird, werden ebenso wie ihre Boyfriends namentlich genannt.

    Natürlich erfolgten Klagsandrohungen, vatikanische Zensurversuche scheiterten jedoch, der dicke Wälzer ist nach wie vor ungekürzt in mehreren Sprachen erhältlich. Mir ist nicht bekannt, das Martel deshalb in irgendeiner Weise zum Canossagang antreten musste.

    Nur zum besseren Verständnis: Es ist kein Buch gegen Homosexualität, der Autor ist selbst bekennend schwul, vielmehr ein Pamphlet gegen die Verlogenheit und Doppelmoral des Vatikans.

    Ich würde das Manuskript erstmal fertigstellen und mir dann Gedanken darüber machen, ob darin irgendwelche Persönlichkeitsreichte verletzt werden. Ein kompetentes Verlags-Lektorat gibt diesbezüglich Hilfestellung.

    Es existieren eine Menge Schlüsselromane, die wie eine fiktive Geschichte wirken, aber dennoch großteils auf realen Personen und Erlebnissen basieren, die entsprechend verfremdet wurden. Manch einer erkennt sich darin, manch einer klagt dagegen, manch einer gewinnt derartige Prozesse.

    Bei einem Roman, der zum Bestseller gerät, wächst diese Gefahr. Im SP-Überschwemmungsgebiet des Amazonas oder in der 50Cent-Wühlkiste, gleich neben dem Eingang zur Buchhandlung, sucht kaum jemand nach verletzten Persönlichkeitsrechten.

    ASIN/ISBN: ‎ 3518461508


    Eine alte Frau liegt im Sterben und ringt ihrem Sohn das Versprechen ab, seinen biologischen Vater aufzusuchen, der irgendwo inmitten Mexikos als Patrón ein kleines Dorf namens Camala beherrscht. Es geht um die Einforderung eines Teils seines Vermögens, das, wie sie meint, ihrem gemeinsamen Sohn zusteht.

    Dort angekommen erfährt er die Geschichte dieses mittlerweile weitgehend verlassenen Dorfes, untrennbar mit der gnadenlosen Herrschaft des Patróns verbunden, der längst verstorben ist. Er begegnet teils seltsamen Dorfbewohnern, die ihm wichtige Details der dörflichen Historie mitteilen.

    Schon nach den ersten Seiten führt die Geschichte in eine magisch/realistische Welt, die dem Leser anfangs verwirrend erscheint. Einerseits wegen der perspektivischen Sprünge zwischen den handelnden Figuren, andererseits aufgrund von Rückblicken, die sowohl perspektivisch als auch zeitlich nicht sofort zuordenbar sind. Es bedarf eines gewissen Einlesens, sich mit dieser Erzähltechnik ständig wechselnder Figuren und Zeiten, vertraut zu machen. Manche der ersten Rezensenten verrissen diesen Roman als lose Sammlung inkohärenter Aufsätze. Heute gilt er als Meisterwerk mexikanischer Literatur.

    Seite für Seite verstärkt sich der Eindruck von Traumhaftigkeit. Immer tiefer taucht der Leser in eine magische Welt ein, in der Verstorbene miteinander kommunizieren, bis zuletzt auch der Erzähler erkennt, selbst einer dieser Toten zu sein. Im gesamten Dorf, das staubbedeckt, unter glühender Hitze langsam zerfällt, gibt es keinen einzigen lebenden Menschen mehr.

    Die Geschichte wird nahezu vollständig mittels Dialogen erzählt, es gibt kaum narrative Abschnitte. Bildhaft und enorm atmosphärisch transportiert Juan Rulfo diesen Plot, lässt ihn zugleich in selten gelesener sprachlich/literarischer Schönheit erstrahlen:

    (sic) Als die Wolken wichen, schlug die Sonne Licht aus den Steinen, tauchte alles in schillernde Farben, trank das Wasser von der Erde, spielte mit dem Wind und ließ die Blätter aufglänzen, mit denen der Wind spielte. (sic)

    Der Vergleich sei gestattet, mir erging es bei dieser Lektüre wie G. Garcia Márquez, der einst schrieb: „Ich konnte nicht zu Bett gehen, bevor ich Pedro Páramo ein zweites Mal gelesen hatte.“

    Nicht umsonst gilt dieser Roman, der einzige von Rulfo, als Vorlage vieler magisch/realistischer Werke. Die Handlung ist örtlich und zeitlich unbestimmt, zeigt schonungslos die Armut und Abhängigkeit der Bevölkerung von der Allmacht eines absolutistischen Herrschers.

    Der Autor lässt die Figuren über das Leben des Patróns, der einzigen Liebe seines Lebens, seiner unstillbaren Gier und zugleich wachsenden Einsamkeit erzählen.Ebenso von der Sehnsucht nach dem Vater, dem verlorenen Paradies, zwischenmenschlichen Katastrophen und nahender politischer Revolution. Das Dorf Camala, somit nichts anderes als eine Metapher für den Niedergang mexikanischer Feudalkultur, dem Verfall eines ganzen Landes.

    Über dem gesamten Werk liegt die Atmosphäre von trostloser Hoffnungslosigkeit und Zerfall, der zuletzt auch den Patrón ereilt. Er zerbricht, einsam und verlassen vor seinem Haus sitzend, in einen Haufen Steine.

    Also machen. Vor allem machen. Schreiben. Text produzieren. Irgendjemand hat das hier in der Signatur stehen. Scheitern. Anders scheitern. Oder so ähnlich.


    Dieser Ausspruch stammt von Samuel Beckett und fällt gleich mehrfach in seiner Geschichte "Worstward Ho" .

    „Immer versucht. Immer gescheitert. Egal. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

    Ein, wie ich finde, brauchbarer Vorsatz!