Beiträge von Joachim

    Ich bin mir nicht sicher, was du mir sagen willst oder ob das jetzt doch eine Diskussion sein soll, aber kurz zur Gegendarstellung: ich bin weder zornig noch erörtere ich Schuldfragen noch werde ich mich auf rhetorische Spielchen einlassen, wenn ich mich (selten) hier im Forum äußere. Erstaunt bin ich aber schon ein bisschen über den Text bzw. deine Zusammenfassung des Inhalts, keine Frage, vielleicht lese ich das mal. Von meiner Seite wäre damit alles gesagt.

    Moment, verstehe ich das richtig? In dem Buch geht's darum, dass diese (neudeutsch) toxische Männlichkeit (USA-spezifisch unter anderem 4Chan, MAGA, MAHA, die religiöse Rechte der USA, die sog. White-Supremacy-Bewegung, die sog. Incel-Bewegung, Turning-Point-USA, der große Joe-Rogan-Nick-Fuentes-Kayne-West-Zirkel einschließlich Andrew Tate, und so weiter, und so fort) eigentlich eine (streng genommen nachvollziehbare) Reaktion auf veränderte Rollen- und Berufsbilder und einen ominösen, total giftigen, mittlerweile unnötigen Feminismus sei, weil es vielerorts längst Gleichberechtigung gäbe?

    Ehrlich gesagt mein erster Gedanke: Ähm, wie?!

    Klar, ich hab das Buch nicht gelesen. Ich verlasse mich da auf deine Kurzzusammenfassung, Tom. Aber die erste Frage, die mir in den Sinn kam, war - ehrlich gesagt: Ist das Ding (deinem Gefühl/Urteil nach) so eine Art Hatebait, also spitzt hier jemand journalistisch zu, um halt Bücher zu verkaufen? Oder ist das inhaltlich wirklich ernst gemeint?

    Ich hätte (nur für mich, gilt natürlich nicht für euch, wenn ihr mitmachen wollt) zwei Bedenken:


    (1) Es gibt keine Kohle, in meinen Augen ein No-Go.


    (2) Durch dieses "wir-stellen-deinen-Text-mal-so-bisschen-online" ist der Text verbrannt, man kann ihn also (meistens) nicht mehr an andere Wettbewerbe senden. Diesen Fehler habe ich mal gemacht, und das ärgert mich bis heute. :auslach


    Trotzdem natürlich viel Erfolg für die Mitmachenden! :)

    Jepp, sehe ich auch so. Finde das perspektivisch insgesamt unsauber und schwammig, aber Robin Hood ist ja schon recht alt. Neulich habe ich den Soldaten Schwejk zuende gelesen, da lief es perspektivisch im Prinzip ähnlich.

    Dazu fällt mir noch eine Nutzung des auktorialen Erzählers ein, der sich in den Werken eines geschätzten Kollegen ständig dazwischenschiebt, um eine Vorausahnung loszulassen, die die gesamte Spannung der Geschichte killt. "Noch ahnte XY nicht, dass er XZ niemals wiedersehen würde ..." Das hat mir die gesamte Geschichte kaputt gemacht, aber das nur so am Rande.


    Waren diese Einschübe auch wirklich als die einer auktorialen Erzählinstanz beabsichtigt? Oder dachte der Autorenkollege vielleicht, er bliebe bei der Figur, also personal, weil XY ja, frei nach Toms Statement, als Nacherzähler die Geschichte eben schon kennt?


    Das frage ich deshalb, weil ich mir noch klarzumachen versuche, ob ein Erzähler nicht, ähnlich einer Figur, allein in seiner Wirkung auf den Leser besteht.

    Dank euch allen für eure Einschätzungen, ich mache mir, wie gesagt, erst seit Kurzem über den auktorialen Erzähler Gedanken.


    Wie ich auf seine Allwissenheit/Allmacht komme: mir scheint, der A-Erzähler ist nicht nur nicht als Figur im Text anwesend, er bringt auch keine implizite Selbstbegrenzung mit, weil er ja jenseits der Geschichte steht, außerhalb des Geschehens, tendenziell über den Dingen und Gesetzen und Erzähllogiken, genau genommen praktisch auf derselben Stufe wie der Autor (ich glaube, deshalb heißt er auch auktorial). Die genannten Abstufungen würde ich folglich eher als künstliche Einschränkungen und Grenzziehungen sehen, die der Autor kompensatorisch vornehmen muss, wenn er die verschiedenen unliebsamen Nebeneffekte in den Griff kriegen will (Figurenferne, beliebige Dramaturgie, Informationsüberfluss, zu kommentierendes Erzählen, etc.), was mir aber ziemlich aufwändig scheint und ziemlich sicher einige unnötige Auswirkungen auf die jeweilige Geschichte hat.


    Jedenfalls danke an euch, ich werde noch ein wenig weiter grübeln... :)

    Im Oktober/November habe ich nen Text testgelesen, in dem ein Schreibkollege den auktorialen Erzähler verwendet hat, der mir aus verschiedenen Gründen heute nicht mehr üblich scheint. Jedenfalls hatten wir darüber telefoniert, und kamen auf einen Aspekt dieses Erzählers, nämlich seine Allwissenheit. Ohne groß nachzudenken, habe ich mal für mich mehr so gefühlsmäßig ausformuliert, dass ich den auktorialen Erzähler immer und ausnahmslos für allwissend halte, während mein Gesprächspartner meinte, es gäbe auch andere, nicht allwissende Formen. Jetzt bin ich kein Erzähltheoretiker und erzähle selbst immer personal, habe also keine praktische Erfahrung, möchte aber trotzdem mal mit euch hier klar kriegen, wie das nun ist: kann man eurer Erfahrung und Einschätzung nach sagen, dass der auktoriale Erzähler automatisch allwissend, also grenzenlos informiert sein muss, weil er sonst kein auktorialer Erzähler ist?


    Ich meine, ja. Ihr?

    Ich habe nirgends von der sehr müßig und langwierig zu erörternden Schuld an der AfD gesprochen, Tom, also spare dir gerne Seitenhiebe in Klammern. :)


    Was für mich aber ganz klar ist: die CDU (und ganz besonders ihr bayrischer Provinzflügel) bespielt das Migrationsthema seit Äonen aus reiner Machttaktik, weil's halt gewisse tiefbraune Wählergruppen mobilisiert, und dieses Spiel geht spätestens jetzt nicht mehr auf. Wäre echt eine gute Nachricht, wenn die alten Betonköpfe das dann auch endlich kapieren würden, doch sie tun es halt nicht, sondern machen jetzt auch noch nationale Grenzkontrollen.


    Alex: Sorry, hab ich nicht gelesen. Ich interpretiere die genannte Aussage allerdings nicht als das übliche Sieh-an-sieh-an-Geraune, und würde Juli Zeh selbst sowas auch niemals unterstellen.