Beiträge von Kerstin

    Na, es werden schon krude Sachen an Verlage geschickt. Ich habe mal ein Praktikum in einem Kleinverlag gemacht, der eindeutig linkspolitisch ausgerichtet war und sich auch um Umweltthemen kümmerte, und dort jeden Morgen - ja, richtig - unverlangt eingesandte Manuskripte vorsortiert. Es war unglaublich, billigste Erotikschmöker, nahe an Pornografie, Liebesschnulzen und Lebensbeichten ... Das Vorsortieren dauerte keine fünf Minuten.

    Ich bräuchte dafür mehr Informationen.

    Möchtest du Ideen für die Art des Hinweises? (Dann müsste man was zur Story erfahren.) Oder auf die Art und Weise, wie man einen Suchbefehl eingibt?

    Für mich ist in deiner Frage ein Widerspruch zwischen "spannende Suche" (klingt nach Aufwand) und "auf Anhieb klappen" (Wieviel Zeit haben sie? Sekunden, weil ihnen jemand auf den Fersen ist? Nur einen Versuch, weil sich sonst irgendwas sperrt? Geht das mit Google überhaupt? Muss es unbedingt Google sein?) ...

    Es ist auch hilfreich, sich die Bücher einer bestimmten Reihe/eines bestimmten Verlages vorher mal anzuschauen. Je jünger die Zielgruppe ist, desto genauer sind i.d.R. die Maßgaben, was Buchstaben pro Zeile, Zeilen pro Seite und Seiten pro Buch betrifft. Das sind z.T. sehr enge Vorgaben, die es zu berücksichtigen gilt, wenn man überhaupt eine Chance haben will.

    Ich würde zum Beispiel sagen, dass der Natur eine Intelligenz innewohnt, von der wir uns nicht mal eine Vorstellung machen können. Insofern: Warum anderen Systemen nicht? Wobei ich Intelligenz nicht mit Schläue gleichsetzen würde und schon gar nicht mit Intellekt.

    Aber genau das ist Meinungsfreiheit auch: Austeilen dürfen ...

    Hier würde ich widersprechen. Für mich hat Meinungsfreiheit nichts mit Austeilen zu tun, sondern damit, überall und jederzeit ruhig und in vernünftigem Ton seine Meinung sagen zu können, ohne Repressalien gleich welcher Art befürchten zu müssen. Entsprechend muss der andere auch nicht einstecken können, sondern lediglich damit klarkommen, dass nicht alle seiner Meinung sind.

    Macht sie doch gar nicht, Tom. Guckst du hier:

    Wie soll ich zufrieden sein mit einer Entwicklung, in der es bei den meisten Diskussionen, die ich lese oder mitgestalte, nur noch darum geht, entweder andere per Hassmails niederzumachen oder seine/ihre Argumente um jeden Preis zu widerlegen, nur um Recht zu behalten? Und nicht darum, eine geäußerte Meinung als solche zu respektieren?

    ... den Internetzugang zu sperren? Dem Niveau der sogenannten Diskussionen, die mittlerweile unter jedem verlinkten Zeitungsartikel stehen, wäre das sicher zuträglich.

    Ja, das wäre das nächste, was neben den Like-Button verschwinden müsste. Diese Art von unmoderierten "Diskussionsmöglichkeiten" haben in ernsthaften Medien nichts zu suchen. Damit werden nur die Stammtische verlagert und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema unmöglich gemacht.

    Diese Entschuldigungen sind nichts weiter als Fluchten nach vorne. Weil den Leuten keine andere Möglichkeit mehr bleibt.

    Sehe ich auch so.

    Aber, genau, sie haben nicht nachgedacht, weil, wenn man nachgedacht hätte, ja dort wäre, wo die Leute längst sind, die darüber entscheiden, welche Meinungen gut und richtig und in der richtigen Form vorgetragen und ausgeglichen und am besten deutlich erkennbar positioniert sind.

    Man kann auch nachdenken, ohne gleich dort anzukommen, wo du anscheinend alle Nachdenkenden automatisch verortest.


    Es gibt eine ganz einfache Regel: Wenn du etwas erreichen willst, dann wähle die entsprechenden Mittel. Und dazu gehört eine Lageanalyse, welche gezeigt hätte, dass man in der derzeitigen Situation besser keine Späßken macht, weil

    1. die allgemeine Situation in jeglicher Hinsicht schon länger aufgeschaukelt ist und die Leute inzwischen überall und bei jedem Thema überreagieren (das ist schlimm, aber so ist es im Moment, und deshalb muss man das in seine Aktionen einbeziehen, wenn man ein bestimmtes Ergebnis erreichen will und sich nicht plötzlich auf der entgegengesetzten Seite wiederfinden möchte)
    2. in dieser speziellen Situation viele Leute noch mehr und stärker am Limit sind als andere, weil die Lebenswirklichkeiten im Moment extrem auseinanderklaffen.

    Dieses Argument, dass ja nur ein Ausdruck vorübergehender Dummheit ist, was Leute tun, wenn sie ihre Meinung sagen, und dass alles gut ist, wenn die anderen kommen, die ihnen erklären, was richtig ist, und die ihnen nach erfolgter Entschuldigung dann Absolution erteilen, das rechtfertigt dann auch die nicht so guten Hassmails und Todesdrohungen und Shitstorms und Beleidigungen und all das.


    Verstehe.

    Ist das jetzt auch Ironie? Falls ja, siehe oben, ich glaube, das Mittel passt nicht in die Zeit. Das schreit geradezu nach Eskalation, auch in diesem Thread.

    Es geht mir darum, wie schnell und erbarmungslos die Polarisierungsschere immer weiter aufgeht.

    Ich glaube, da sind wir uns einig. Das ist ja nun schon seit mindestens 2015 so, eher früher. Es ist eine Entwicklung, die teils Selbstläufer ist und teils gepusht wurde bzw. wird. Da sind unselige Mechanismen und Betreiber am Werk.


    Mich wundert die Kurzsichtigkeit der Beteiligten. Es gab ja nun in den letzten Jahren durchaus den einen oder anderen Shitstorm in den asozialen Medien. Es haben Leute wegen eines falschen oder unbedachten Wortes ihren Job verloren, es wurden Hetzkampagnen gestartet und Morddrohungen verteilt. Es wurde missinterpretiert und/oder vereinnahmt, was so nie gesagt oder gemeint war.


    Dass es mit Ironie nicht mehr geht, ist ja eigentlich schon länger offensichtlich. Aber ich glaube - und hier sehe ich den Anteil (ich will nicht von Schuld sprechen) der Beteiligten: Die waren sich der Zustimmung der Leute zu sicher. Und ich glaube, das waren sie deshalb, weil sie durch ihren Beruf den Beifall der Leute gewöhnt sind. So etwas verstellt das klare - oder sagen wir besser: das analytische - Denken. Denn die Kritik an den Maßnahmen ist ja durchaus berechtigt. Aber man hätte die Mittel klug wählen müssen. Hier jedoch war z.T. eine ziemliche Eitelkeit am Werke. Deshalb auch das schnelle Zurückziehen einiger Beiträge. Denen geht gerade auf, dass sie hier gar keinen Charakter, sondern sich selbst gespielt haben.

    aber so insgesamt betrachtet halte ich diese Algorithmen aus dem Silicon Valley für eine wesentliche Ursache der Radikalisierung. Deswegen würde ich eher fragen: Wie kann dagegen vorgegangen werden?

    Zuallererst müsste man meiner Meinung nach die Like- und Dislike-Button abschaffen, weil die eine Frontenbildung in Sekundenschnelle ermöglichen. Man muss seine Zustimmung oder Ablehnung nicht mal mehr verbalisieren können. Und schon gar nicht begründen.

    :down

    Ja, ich weiß. Aber schau dir die Realität an. Die Wahrscheinlichkeit, mal danebenzuliegen oder jemandem auf den Schlips zu treten, ist ja immer gegeben. Aber wenn da jetzt schon wieder Karriereenden prognostiziert werden ... Das muss man sich leisten können.

    Ich habe mir nicht alle, aber einige Videos angesehen und beim Schauen gedacht: Autsch! Das geht schief! Das muss schiefgehen, und zwar schon aufgrund des gewählten Stilmittels. Ironie und Satire gehen bei gesellschaftlichen Themen schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Und zwar gar nicht. Vielen Älteren noch als rhetorisches Mittel für sprachliche Auseinandersetzungen bekannt, werden sie zunehmend nicht mehr verstanden oder aber absichtlich missinterpretiert. Das hätte allen Beteiligten klar sein müssen. Sie tappen hier m.E. in die gleiche Falle, in die Rowling (mit einem anderen Thema) getappt ist.


    Solche Auseinandersetzungen lassen sich - wenn überhaupt - nur noch führen, wenn man sich

    a.) in seiner Wortwahl nach allen Seiten absichert

    b.) die gewünschte Interpretation gleich mitliefert und

    c.) im Zweifelsfall lieber den Mund hält.

    Ich habe sie mir gerade in einem Rutsch angesehen und finde sie richtig, richtig gut. Ich hoffe, die baut in der nächsten Staffel nicht ab und es gibt eine schöne Aufklärung. Die zeitpolitischen Anspielungen gefallen mir auch, das böse Wi-Wort (Wikinger), die Trans- und Multitemporalen und die fehlenden Triggerhinweise im Museum auf Altnordisch und Mesolithisch. Hoffentlich kommt die nächste Staffel bald.

    Ja, ich denke, das geht sogar noch tiefer. Um Schmerz bei sich selbst zu vermeiden zum Beispiel, den des Nichtverstandenwerdens, des Belächeltwerdens usw. Oder um sich die Pein unliebsamer Selbsterkenntnis zu ersparen. Oder um dem anderen in einer bestimmten Situation nicht noch zusätzlich einen mitzugeben. Oder ...

    Ich glaub, allein zu dieser Fragestellung könnte man ein ganzes Buch schreiben. :)

    Ah ja, du meintest es eher im zwischenmenschlichen, persönlichen Bereich. Das ist nun allerdings schwerer zu beantworten (zumindest für mich ;-) ). Ich bin nicht sicher, ob es da Wahrheit (die Wahrheit oder eine Wahrheit) überhaupt gibt. Zur Arbeitsweise des Gehirns wurde ja schon etwas gesagt. Im Grunde kann ich die Frage nicht beantworten, aber ich mag es, Wörter auseinanderzunehmen. Und da fiele mir das Wort Wahrnehmung ein. Was nimmt die entsprechende Person für die Wahrheit, und warum? Welche Kriterien führen dazu, dass sie dieses annimmt und jenes verwirft? Vielleicht wäre das ein Ansatz, von dem aus man weiterdenken könnte ...

    Ich glaube nicht, dass Wahrheit bewiesen werden muss. Wahrheit bestätigt sich selbst. Die Frage ist, ob wir die Zeichen erkennen.


    Zum Beispiel fallen Gegenstände immer nach unten (ja, ich weiß, doppelt gemoppelt). Ergo gibt es eine Kraft, die nach unten zieht oder drückt. Das haben wir erkannt. Es wäre aber auch wahr, wenn wir es nicht erkannt hätten, vor Newton fielen die Äpfel auch schon nach unten. Bäume hingegen wachsen nach oben. Es gibt also auch eine Kraft, die entgegengesetzt der Schwerkraft wirkt. Wir vermuten, es ist das Licht. Aber kann Licht ziehen? Oder wirkt da etwas, das wir im Grunde noch nicht erkannt/begriffen haben? Wie auch immer, dass es diese Kraft ebenfalls gibt, ist auch wahr, denn die Bäume zeigen es uns.


    Wir glauben, etwas sei wahr, wenn es sich beweisen ließe. Darauf beruht unsere ganze Wissenschaft, und der Umkehrschluss ist: Solange es sich nicht beweisen lässt, gilt es nicht als wahr. Für mich ist das rudimentäres Wunschdenken des Menschen, der alles auf Logik zurückführen will. Ich glaube, dem, was wahr ist, ist unsere Meinung dazu ziemlich egal.

    Das ist vermutlich reines Wunschdenken. Kleinstverlage können bei Amazon eher nicht an ein sehr gutes Ranking kommen. Wie denn auch? Dazu müssten schon sehr viele Bücher über diese Platform verkauft werden. Solche Ratschläge aus Foren sollten eher mit Vorsicht genossen werden.

    Was ich meinte, ist: Irgendwo muss die Sichtbarkeit ja herkommen. Wenn man die Bücher also weder im (örtlichen) Buchhandel findet noch den Verlag auf einer Messe, noch regelmäßige Hinweise auf Neuveröffentlichungen in verschiedenen Presseerzeugnissen, und die Bücher dann auch auf Amazon nicht sichtbar sind, dann spricht das eher gegen eine Veröffentlichung im Kleinstverlag, so man sein Buch auch verkauft sehen möchte. Das war also kein Ratschlag, sondern lediglich eine Auflistung zur Entscheidungsfindung, ob man so veröffentlichen möchte oder nicht.