Beiträge von Shoogar

    Dann lasse ich mich von der Szene, die ich gerade schreibe, anstecken und in die entsprechende Stimmung versetzen.

    Das geht mir meistens so. Und weil ich zum Schreiben Dragon diktiere, was ich schreiben möchte, dachte meine Freundin bei einer Streitszene auch schon mal, dass ich hier drin ein äußerst wütendes Telefonat führe.


    Um auf die eigentliche Frage zurückzukommen. Generell weiß ich eigentlich, wo ich mit den Szenen hin will und dann passiert es mir nicht, dass plötzlich ein Streit zwischen meinen Figuren entbrennt, nur weil ich schlecht geschlafen habe.


    Etwas ganz anderes ist es natürlich, wenn ich Texte schreibe um ein Gefühl festzuhalten oder zu verarbeiten. Das ist dann aber ein eigener Raum und hat nichts mit meinem Projekt zu tun.

    "Uns - und vor allem uns als Autoren - darf nichts peinlich sein."

    Bin ich zu spät zur Party? Und wenn schon! Je später der Abend, desto voller der Eimer. Oder so. Moin. (Bei uns hier oben heißt das: „Herzlich willkommen und schön, dass du da bist.") Und ich möchte auf dein Zitat mit der Paraphrasierung einer Aussage des großartigen Chuck P. reagieren: „Wir schreiben nicht um uns selbst gut darzustellen.“ In diesem Sinne – wo ist mein Napf?

    Wenn es bis jetzt wirklich nur das Inferno ist, könntest Du vielleicht noch Fegefeuer und Paradies aufgreifen, wäre das eine Option für dich? Im Dienste der Länge...

    Im Groben ähnelt meine Vorgehensweise auch der hier viel genannten, dass man einen kleinen Schritt zurückgeht, um wieder reinzukommen und von dort aus dann Fahrt aufnimmt. Häufig markiere ich mir auch Stellen, mit denen ich noch nicht zufrieden bin, für die mir aber im Moment das passende Gefühl fehlt. Dann gibt es Tage an denen ich meinen Text nur nach solchen Markierungen durchsuche und schaue, ob ich inzwischen die richtigen Worte oder die richtige Idee für die Stelle gefunden habe. Das kann dann natürlich zur Folge haben, dass alle nachfolgenden Seiten noch mal geändert werden müssen, was mir auch nur so mediumviel Spaß bereitet, aber das gehört nun mal dazu. So richtig überarbeiten und dann noch Strecke machen geht für mich aber eigentlich nicht am gleichen Tag.



    Hmmm … das könnte Andreas Eschbach gewesen sein …

    Es war Hans-Ulrich Treichel, aber er scheint doch nicht der einzige mit dieser Vorgehensweise zu sein.

    Moin,


    Dann will ich doch auch mal ein Thema eröffnen. Ich habe bereits das Orakel der Suchfunktion kontaktiert, aber keinen Thread hierzu entdeckt.


    Wie haltet ihr es mit dem Überarbeiten? Die Notwendigkeit steht außer Frage, meine Frage ist vielmehr wie ihr das in euren Schreiballtag einfließen lasst. Spannend finde ich es vor allem in Hinsicht auf längere Texte, um nicht zu sagen Romanmanuskripte. Schreibt ihr erst ein vollständiges Manuskript und fangt dann an mit dem Überarbeiten? Überarbeitet ihr jedes Kapitel, sobald es abgeschlossen ist, um am Ende weniger Arbeit zu haben? Versucht ihr von Anfang an so präzise wie möglich zu sein, um am Ende nur noch Kleinigkeiten überarbeiten zu müssen? Oder rotzt ihr erst mal raus, was euch einfällt und müsst dann noch mal mit dem Stimmeisen ran, bevor ihr das Schleifpapier zur Hand nehmt?


    In einem Interview hat ein Autor geäußert, er würde jeden Schreibtag mit der Überarbeitung von allem vorangegangenem beginnen. Ich frage mich in welchem Tempo der Mensch arbeitet, wenn er erst noch 200 Seiten korrigiert, bevor er mit Seite 201 beginnt.?!?

    Eigentlich denke ich, dass es diese Zusätze nur braucht, um eine Orientierung zu geben, wer da gerade spricht. Wenn das aus dem Gesagten hervorgeht, spare ich mir eine zusätzliche Markierung am liebsten. Besonders wenn es um Dialoge geht, muss meiner Meinung nach ein gewisses Tempo und ein gewisser Rhythmus beim Lesen möglich sein. Und wenn es die Inquit-Formel doch mal braucht, dann wird gesagt oder gefragt, gegebenenfalls zur Lautstärkemodulation auch mal geschrien oder geflüstert. Aber gerade die von Kerstin genannten Beispiele behaupten, staunen und schlussfolgern finde ich ganz gruselig. Andererseits habe ich gerade festgestellt, dass ich es an mancher Stelle gar nicht schlecht finde direkte Rede mit einer Handlung zu verbinden, um den unmittelbaren Zusammenhang zu verdeutlichen. Das aber natürlich in Maßen. Und dann nach Möglichkeit bitte weniger klobig als in dem Beispielsatz.

    Eine Vorstellung? Na gut. Dann will ich mich mal nicht lumpen lassen.


    Ich bin Janosch und im wunderschönen Hamburg ansässig. Ich glaube ich bin hier, weil ich den Austausch mit anderen Schreibenden spannend finde. Und weil ich dieser tollen Tätigkeit endlich mehr Raum in meinem Leben geben will. Kurz und knapp. Ich mag absurde Geschichten, durchtränkt von schwarzem Humor und Trostlosigkeit. Sollte der Großstadtroman eine Renaissance nötig haben, mit meinem Schaffen würde ich zu ebendieser beitragen wollen. Dass ich ein offener und herzlicher Mensch bin, verstecke ich bisweilen hinter dem grimmigen Bild. Alles andere wäre zu einfach. Inspiration zum Schreiben schöpfe ich aus lauter Musik, grauem Beton und denen die auf der Strecke geblieben sind, obwohl sie doch eigentlich wo ganz anders hin wollten. Pathos oder Ironie? Man kann es nicht genau bestimmen. Alles andere wäre zu einfach. Es gibt bestimmt noch viel zu erzählen, aber das was wirklich wichtig ist, steht am besten zwischen den Zeilen. Ein Text will auch bezwungen, nicht nur gelesen werden. Alles andere wäre zu einfach.


    Ich freue mich auf gute Gedanken und einen anregenden Austausch.


    Hochachtungsvoll von unten

    Derselbe


    P.S.: Wem muss man sich hier mit allen Daten offenbaren, um Zugang zu den geheimen Alchemielaboren dieses Forums zu erhalten?