statt eines komplexen inneren Monologs brauchst du im Film nur jemanden, der vielsagend gucken kann
To be fair ... Das wird auch im Buch nicht erklärt. Es gibt nicht in dem Sinne innere Monologe, denn fast die gesamte Geschichte wird aus der Perspektive Ellens (Nellys) nacherzählt, die natürlich nicht in die Köpfe von Heathcliff, Edgar oder Catherine gucken kann.
Die Autorin hat nicht den Anspruch, das Buch (bzw. die erste Hälfte davon, denn eigentlich geht es ja noch weiter in die zweite Generation) zu verfilmen, das muss man ihr lassen. Sie setzt den Titel sogar in Anführungsstriche.
Dennoch ... mich macht dieser Versuch wütend. Beginnend mit Heathcliff, der ganz eindeutig im Buch als dunkelhäutig und "gypsy" beschrieben wird. Es ist der Kern allen Übels. Selbst als er reich zurückkommt und prinzipiell den Status hätte, den er bräuchte, um friedlich leben zu können, bleibt dieses Makel, das er niemals wird ablegen können. Dies ist unter anderem ein Buch über Rassismus. Dass die Regisseurin diesen Punkt außer acht lässt, nein, dass sie sogar die anderen Rollen mit Schauspielern nicht weißer Herkunft besetzt, zeigt, dass es ihr nie darum ging, das Buch in seiner Essenz auf der Leinwand abzubilden. Das sieht man auch an den Kostümen, den Kulissen und anderen Themen. Wenn ich das richtig verstehe, praktiziert Heathcliff mit seiner Frau BDSM? Nein. Im Buch macht er sie emotional fertig, er schlägt sie, vergewaltigt sie, und wenn ich mich recht entsinne, tötet er auch ihren Hund. Er verhält sich so schlecht ihr gegenüber, dass sie hochschwanger vor ihm nach London flieht - in jenen Zeiten eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Dies ist nicht "die größte Liebesgeschichte aller Zeiten". Wie jemand heute sinngemäß im Internet schrieb:
Ein von der Alkoholsucht gezeichneter Vater führt in einem unbedachten Moment einen fremden Jungen in das elterliche Heim ein, woraufhin die Tochter eine tiefe emotionale Abhängigkeit zu diesem entwickelt. Im Erwachsenenalter entscheidet sie sich mangels eigener Mittel für eine Versorgungsehe mit einem wohlhabenden Mann. Der Junge hingegen verlässt die Heimat, kehrt Jahre später zu Reichtum gelangt zurück und ist von tiefem Groll erfüllt. Von diesem Zeitpunkt an nimmt das Unheil seinen Lauf, da beide Parteien fatale Fehlentscheidungen treffen: Er geht die Ehe mit einer anderen Frau ein, einzig mit dem Ziel, seine Ziehschwester zu kränken.
Und was haben wir bekommen? Bridgerton in Yorkshire. Warum es mich so ärgert? Weil es für mich so aussieht, als traue man dem Publikum nichts mehr zu. Ich fühle mich verarscht.