Beiträge von Silke

    "Wuthering Heights" (der Film) wird als größte Liebesgeschichte aller Zeiten vermarktet und erschien ja auch sogar am Valentinstag in den Kinos. Deshalb meine Irritation, denn die Vorlage ist eben keine Liebesgeschichte. Man beachte übrigens auch das Filmposter, das komplett von "Vom Winde verweht" abgekupfert ist, ebenso wie diverse Szeneneinstellungen und Kamerawinkel inklusive des flammend roten Sonnenuntergangs.


    Die Autorin behauptet, sie hat immer nur eine Adaption produzieren wollen und nicht eine strenge Verfilmung der Romanvorlage angestrebt. Das Drehbuch nimmt also ein paar Namen und Schauplätze auf und lässt die meisten Themen der Geschichte sang- und klanglos fallen (und betont bzw. fügt hinzu, was für moderne Zuschauer wohl notwendig ist – ich glaube, der einzige Kuss (!) zwischen Heathcliff und Catherine im Buch passiert in ihren letzten Momenten, so viel zum Thema Sex). Es gibt keine moderne Fassung, Brontë ist die Vorlage des Films, aber eben mit extrem vielen Freiheiten, mit denen ich nicht einverstanden bin.


    Einen an der Handlung beteiligten Bruder gibt es im Film nicht.

    Aber wen heiratet dann Catherine? Gibt es keinen Edgar? Ist Edgar nicht Isabellas Bruder? Ich bin verwirrt.

    Es gibt den Bruder nicht?


    Also im Buch ist Catherine mit Edgar Linton (ihrem reichen Nachbarn) verheiratet. Dessen Schwester Isabella schwärmt für Heathcliff und lässt sich von ihm einwickeln, und dann brennen die beiden durch.


    Als sie zurückkommen, ist sie eine gezeichnete Frau. Fortan muss sie in schlimmsten Verhältnissen auf Wuthering Heights leben. Heathcliff misshandelt sie, wo es nur geht.


    Ihr Bruder Edgar will wegen der Schande nichts mehr mit Isabella zu tun haben, obwohl sie vielleicht 10 Kilometer auseinander wohnen, sehen sie sich nicht wieder. Isabella ist völlig auf sich allein gestellt und flieht schließlich nach London.


    Und ja, Catherine stirbt. Das ist die erste Hälfte des Buchs.


    Jetzt spoilere ich zurück:





    Selbst im Tod ist Heathcliff so besessen von Catherine, dass er ihr Grab öffnen lässt und - wenn ich es recht verstanden habe - sich neben sie bettet (auch 20 Jahre später noch).


    Wie gesagt, perfect Love Interest.

    Er quält seine Frau


    - weil er Catherine nicht bekommen kann

    - weil er Isabellas Bruder Edgar dafür hasst, dass Catherine ihn gewählt hat und nicht Heathcliff

    - und weil er generell sauer ist auf die Welt.


    Ihr Leid gibt ihm Genugtuung. Das Kind, das er mit ihr zeugt, ist ihm völlig egal. Er nimmt es auf, weil er so noch mehr Schaden anrichten kann.


    Er heiratet Isabella übrigens auch, weil er scharf ist auf das Erbe. Er will die Menschen um ihn herum auf allen Ebenen zerstören, nicht nur emotional und körperlich, sondern auch wirtschaftlich.


    Aber hey, er macht einen tollen Love Interest.

    statt eines komplexen inneren Monologs brauchst du im Film nur jemanden, der vielsagend gucken kann

    To be fair ... Das wird auch im Buch nicht erklärt. Es gibt nicht in dem Sinne innere Monologe, denn fast die gesamte Geschichte wird aus der Perspektive Ellens (Nellys) nacherzählt, die natürlich nicht in die Köpfe von Heathcliff, Edgar oder Catherine gucken kann.


    Die Autorin hat nicht den Anspruch, das Buch (bzw. die erste Hälfte davon, denn eigentlich geht es ja noch weiter in die zweite Generation) zu verfilmen, das muss man ihr lassen. Sie setzt den Titel sogar in Anführungsstriche.


    Dennoch ... mich macht dieser Versuch wütend. Beginnend mit Heathcliff, der ganz eindeutig im Buch als dunkelhäutig und "gypsy" beschrieben wird. Es ist der Kern allen Übels. Selbst als er reich zurückkommt und prinzipiell den Status hätte, den er bräuchte, um friedlich leben zu können, bleibt dieses Makel, das er niemals wird ablegen können. Dies ist unter anderem ein Buch über Rassismus. Dass die Regisseurin diesen Punkt außer acht lässt, nein, dass sie sogar die anderen Rollen mit Schauspielern nicht weißer Herkunft besetzt, zeigt, dass es ihr nie darum ging, das Buch in seiner Essenz auf der Leinwand abzubilden. Das sieht man auch an den Kostümen, den Kulissen und anderen Themen. Wenn ich das richtig verstehe, praktiziert Heathcliff mit seiner Frau BDSM? Nein. Im Buch macht er sie emotional fertig, er schlägt sie, vergewaltigt sie, und wenn ich mich recht entsinne, tötet er auch ihren Hund. Er verhält sich so schlecht ihr gegenüber, dass sie hochschwanger vor ihm nach London flieht - in jenen Zeiten eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.


    Dies ist nicht "die größte Liebesgeschichte aller Zeiten". Wie jemand heute sinngemäß im Internet schrieb:

    Ein von der Alkoholsucht gezeichneter Vater führt in einem unbedachten Moment einen fremden Jungen in das elterliche Heim ein, woraufhin die Tochter eine tiefe emotionale Abhängigkeit zu diesem entwickelt. Im Erwachsenenalter entscheidet sie sich mangels eigener Mittel für eine Versorgungsehe mit einem wohlhabenden Mann. Der Junge hingegen verlässt die Heimat, kehrt Jahre später zu Reichtum gelangt zurück und ist von tiefem Groll erfüllt. Von diesem Zeitpunkt an nimmt das Unheil seinen Lauf, da beide Parteien fatale Fehlentscheidungen treffen: Er geht die Ehe mit einer anderen Frau ein, einzig mit dem Ziel, seine Ziehschwester zu kränken.


    Und was haben wir bekommen? Bridgerton in Yorkshire. Warum es mich so ärgert? Weil es für mich so aussieht, als traue man dem Publikum nichts mehr zu. Ich fühle mich verarscht.

    Ich achte darauf, dass meine Szenen immer einen Wandel hervorbringen oder eine Neuerung, oder eine Frage aufwerfen.


    Ich weiß nicht, es ist schwer in Worte zu fassen ... Und kommt wohl auch irgendwie intuitiv.


    Es ist jedenfalls so: Wenn ich die Szene auch verlustlos streichen könnte, dann hat sie in meinem Roman nichts verloren.

    Ich muss da selbst schon ein wenig grübeln ...


    Was mir spontan einfällt: Nicht meine eigene Recherche, sondern die einer Freundin, die einen Reiseführer zu Südspanien verfasst hat. Wir sind zu einigen der Attraktionen und Schauplätze gefahren.


    Der wohl verrückteste Ort, über den man sonst nie etwas erfährt, ist der Rio Tinto. Genau, der Ort, wo das berühmte weltweit agierende Bergbau-Unternehmen herkommt. Hier haben schon die alten Römer Metalle aus der Erde geholt.


    Und das sieht man.


    Besonders an der Farbe.


    Wer mag, kann das Gelände als Tourist besuchen und mit einer Schmalspurbahn den Fluss entlang und durch die völlig zerstörte Landschaft fahren. Man darf sogar zwischendurch mal aussteigen für Fotos. So entstand dieses Foto hier. Würdet ihr da noch die Hand reinstecken? Ich nicht.


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    Meine Erfahrung ist, dass das recht gut mit SP-Büchern funktioniert, wenn man die regionale Schiene fährt.


    Bei der "Kaufmannswitwe" habe ich es erreicht, dass das Buch beim größten Händler der Stadt in der Dortmunder Fußgängerzone landete, und zwar nicht versteckt im Regal, sondern richtig aufgedeckt und sichtbar.


    Bei der "Agnes Bernauer" habe ich, glaube ich, auch einiges erreichen können, denn ich hatte gute Bestellzahlen fürs Taschenbuch, und das kann eigentlich nur daher rühren, dass der ein oder andere Buchhändler die Bücher ins Regal gestellt hat.


    In beiden Fällen habe ich sogenannte Waschzettel im Farbdruck erstellt mit allen wichtigen Angaben, Autorenfoto usw. und dann diese per traditioneller Post an die Buchhandlungen verschickt. Das Gute an der Sache war, dass die Buchhandelskonditionen von epubli ungefähr deckungsgleich sind mit denen kleiner Verlage (Rabatt, Remittenten).


    Also, man muss sich nur trauen und darf nicht allzu unprofessionell oder flehend auftreten. Dann kann so etwas klappen.

    Es ist ja auch total klasse, dass du das alles allein gestemmt hast. Das kann nicht jeder!


    Doch wofür? Für dich oder für andere? Wenn es für andere ist, dann musst du sicherstellen, dass du ihnen ein erstklassiges Produkt bietest. Auch ein Sachbuch folgt gewissen Regeln und soll einen Zweck erfüllen. Das ist völlig unabhängig davon, ob du es kostenlos anbietest oder nicht – auch Zeit ist für die meisten ein kostbares Gut. Die Leser erwarten Perfektion, was du von vornherein schon einmal für dich ausgeschlossen hast.


    Deshalb bin ich verwirrt. Hier sind viele Leute im Forum, die gern bei den einzelnen Schritten mitgeholfen hätten, aber deine Aussagen lassen vermuten, dass das Produkt längst in deinen Augen fertig ist.


    Was erwartest du dir jetzt von dem Feedback? Sei mir nicht böse, aber deine Posts wimmeln vor Fehlern. Ich befürchte daher, dein Text ist nicht reif für eine Veröffentlichung.

    Ja, genauso war es auch im Oktober. Ich war ein bisschen schockiert, hatte ich mir doch nach Santorin geschworen, nie wieder einen dieser Tourismusorte aufzusuchen. Ich kannte nur das Prag von 1996.


    Aber es gibt ja Strategien, so etwas für sich zu managen: früh aufstehen, Tickets vorbuchen, Alternativen und "versteckte Orte" besuchen.


    Im Frühjahr fahren wir unter anderem nach Florenz. Wer bereist schon die Toskana, aber ignoriert dann Florenz? Ich hoffe, ich kriege es irgendwie hin, nicht durchzudrehen.


    Der Knaller war aber wohl der Vatikan. Wie Sardinen wurden wir durch die Räume gedrängt, Schulter an Schulter. Man konnte nichts sehen, überall waren Leute vor den wunderschönen Fresken. Mein Herz blutet bei so was, und ja, man fühlt sich auch ein wenig verarscht. Da verzichte ich dann lieber ganz.

    Lieber Dietmar,


    du schreibst:

    Uns hat die Vielfalt der Sprache interessiert, was auch damit zu tun hat, dass wir uns mit Metaphern und abstrakt ausdrücken konnten. Irgendwie beherrschten wir die Spielerei mit Worten und der Sprache. Etwas, was mir heute verloren zu gehen scheint. Sprache wird immer mehr zur ausschließlichen Kommunikation und nicht mehr als Kulturgut empfunden.

    Ich verstehe diese Äußerung so, dass ihr früher als Jugendliche mit Sprache gespielt habt, aber dass das die heutige Jugend deiner Ansicht nach nicht mehr tut.


    Da möchte ich widersprechen. Rap steht für Rhythm and Poetry - Rhythmus und Poesie. Es ist nur eine der unzähligen Formen und Möglichkeiten, wie sich Menschen, egal welchen Alters, heutzutage mit Sprache auseinandersetzten, sie neu formen, sie benutzen, um ihre Gedanken, Ideen und Gefühle kreativ zum Ausdruck zu bringen. In der Musik ist es sogar ein milliardenschweres Geschäft. Und ich sage das jetzt mal, ohne selbst ein großer Fan davon zu sein.


    Ein anderes Beispiel wären Lesebühnen und Poetry Slams, wo viele junge (und auch ältere) Leute sich ausprobieren. Deshalb möchte ich behaupten, dass deine Einschätzung nicht so ganz stimmig ist mit dem, was ich um mich herum sehe und erlebe.


    Vielleicht hat sich einfach das Medium gewandelt. Goethe kannte keine Synthesizer, das Publikum hatte kein Heimkino mit Netflix, niemand hätte daran gedacht, TikTok zu verwenden. Selbst in den 70ern war das alles noch Zukunftsmusik. Daher ist es schwierig, diese Welten miteinander zu vergleichen und dann zu dem Ergebnis zu kommen, dass "früher alles besser war" (nicht dein Zitat, aber das, was ich aus einen Zeilen herauslese).

    Ich denke, es hat einen pädagogischen Sinn.


    Sprache wandelt sich, und so wie wir vor vierzig Jahren noch sprachen, so spricht die junge Generation schon längst nicht mehr.


    Entsprechend wird es immer schwieriger, Zugang zu solchen Werken zu finden. Raubt es den Werken die Poesie? Unbestritten! Aber ermöglichst es dem Schüler, Zusammenhänge und Abläufe besser zu verstehen? Ganz sicher.


    Ein Deutschlehrer (zumindest auf Gymnasialniveau) würde bestimmt auch einen Teil des Werkes - der Sprache wegen - auch im Original betrachten lassen.

    Ich finde das besser, als darauf zu bestehen, dass alle Schüler mit dem alten Text mitkommen, wenn das schon in meiner Generation nicht immer der Fall war. Vielleicht entwickeln sie so auch eine Liebe zu den Geschichten und verstehen besser das deutsche Kulturgut.