Beiträge von Kristin

    Meine Frage war die, ob es dieselbe Aufregung gegeben hätte, wäre auch nur eine kuschelige, liebenswürdig gemachte, die Provinz total bereichernde, inhabergeführte Buchhandlung von der Gewinnerliste gestrichen worden, weil sie in ein rechtsextremes Netzwerk eingebunden ist.


    Ich habe natürlich alles gelesen, was Du geschrieben hast.


    Und meine eigentliche Frage war die, worüber man sich eigentlich empört.

    Ja, wat denn nu? Bin jetzt nicht mehr maximal, sondern maximalst verwirrt, gleichzeitig jetzt aber auch dieses umstrukturierten Rumgeeieres müde. Lies die Antwort in den Medien nach. Da steht sie drin. In allen von TAZ über Süddeutsche und FAZ bis zur Bild.

    Katla, dies von mir:


    Ich habe mir die Homepages der drei Buchhandlungen angeschaut, zähle mich zu jedermann und -frau und sehe bisher keine linksextremen Buchhandlungen. Vorerst (und bis etwas anderes erwiesen ist) sehe ich drei Buchhandlungen, die sich innerhalb des legalen Spektrums sehr weit links befinden.

    war eine Reaktion auf dies von Tom:

    Bei den Buchhandlungen, um die es geht, geht aufgrund der Ausstattung, des Sortiments, der Aufmachung und der Außendarstellung jedermann und -frau davon aus, dass es um Linksextremismus geht, weil alles andere Blödsinn wäre.

    Hi Tom,

    Meine Frage war die, ob es dieselbe Aufregung gegeben hätte, wäre auch nur eine kuschelige, liebenswürdig gemachte, die Provinz total bereichernde, inhabergeführte Buchhandlung von der Gewinnerliste gestrichen worden, weil sie in ein rechtsextremes Netzwerk eingebunden ist.

    Aber das habe ich doch längst beantwortet, in meinem ersten Post. Und es weiter ausgeführt und differenziert. Wozu schreibe ich mir hier eigentlich die Finger wund? Auch Alexander hat darauf geantwortet.

    Ich habe auch viel über diese Fragen nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass eine Buchhandlung wie die von dir erwähnte möglicherweise nicht dieselbe Solidarität erfahren hätte wie die Weltkugel, der Golden Shop und die Rote Straße.

    Ich ergänze: "Möglicherweise" schrieb ich, weil ich es nicht wissen kann. Die Verfahrensweise wäre meiner Ansicht nach mindestens hinterfragt worden. Hoffentlich. Wenn auch nicht so lautstark.


    Ansonsten danke für deine Antwort. Wir liegen offenbar sehr weit auseinander, was den Anspruch auf sprachliche und begriffliche Präsision gerade bei so heiklen Themen angeht.


    Und ich applaudier(t)e in beiden Fällen.

    Das sei dir unbenommen. Denn wie ich schon schrieb (ebenfalls in Post #35):

    jedem in der Branche, jedem in jeder Branche, dir als Bürger und mir als Bürgerin steht ja völlig frei, wofür oder wogegen ich mich empöre.

    Ich ergänze: ... oder eben nicht empört.


    Ich denke, jetzt ist aber wirklich alles bis zu dreimal gesagt worden und würde auch gern den Deckel auf diese Diskussion machen.

    Tom, jetzt habe ich ein paar Fragen an dich. Machst du gar keinen Unterschied zwischen "links außen" und "linksextrem"? Sind das Synonyme für dich? Und machst du auch keinen Unterschied mehr zwischen Systemkritik und verfassungszersetzenden Plänen, Fantasien oder gar Taten? Die dann Straftaten wären, und dafür wäre eine Staatsanwaltschaft zuständig? Und vertraust du nicht dem Verfassungsschutz insoweit, und dürfen wir alle von diesem wichtigen Organ erwarten, dass es von der Erkenntnis "Es gibt Erkenntnisse" und dem Label "gesichert linksextrem" ein langer, sorgfältiger Arbeitsweg wäre (so, wie es das, was Teile der AfD betrifft, andersherum hoffentlich und vermutlich auch war)? Und traust du auch den in der Buchbranche arbeitenden Kritikern nicht zu, intelligent genug zu sein, um differenziert zu betrachten, was genau sie kritisieren?


    Und:

    Bei den Buchhandlungen, um die es geht, geht aufgrund der Ausstattung, des Sortiments, der Aufmachung und der Außendarstellung jedermann und -frau davon aus, dass es um Linksextremismus geht, weil alles andere Blödsinn wäre.


    Ich habe mir die Homepages der drei Buchhandlungen angeschaut, zähle mich zu jedermann und -frau und sehe bisher keine linksextremen Buchhandlungen. Vorerst (und bis etwas anderes erwiesen ist) sehe ich drei Buchhandlungen, die sich innerhalb des legalen Spektrums sehr weit links befinden.


    Sollte ich deine Frage nicht beantwortet haben, wie du oben schreibst, schreib mir doch bitte, welchen Teil ich nicht beantwortet habe, oder formuliere sie neu. Ich bin inzwischen maximal verwirrt, was deine Ausgangsfrage angeht. Und dann würde mich interessieren, wie du selbst deine Frage beantworten würdest, gern griffig und knapp. Das meine ich nicht sarkastisch, sondern es interessiert mich wirklich.


    Alexander, du wolltest abschließen, sorry. Grundsätzlich denke ich auch, es wird Zeit dafür. Aber dies wolle ich schon noch loswerden und Antworten darauf erhalten.

    Mein erster Gedanke zu deinem Post, Tom: Genau in dem, was du schreibst, sehe ich die Problematik und die Gefahr von Herrn Weimers Entscheidung (oder eine der Gefahren). Wie kommen wir dazu, aus nicht näher definierten "Erkenntnissen" innerhalb weniger Stunden oder Tage in unseren Köpfen den Tatbestand "linksextrem" zu machen und hier oder irgendwo diese 3 Buchhandlungen mit diesem Etikett zu versehen? Bevor ich das tue, muss ich deutlich mehr wissen, aber so halte ich es für fahrlässigen Umgang mit Begriffen. Ich habe jetzt gerade keine Zeit, werde aber später mehr dazu schreiben.

    Dietmar, ich danke dir für deine Klarstellung weiter oben, ich verstehe jetzt tatsächlich besser, was du meinst.

    Falls diese Diskussion hier fortgeführt wird (falls nötig, denn das meiste ist doch gesagt) , möchte ich anregen, zum eigentlichen Thema zurückzukehren, sonst verlieren wir uns im Klein-Klein.

    Aber die Frage bleibt weiterhin. Was wäre geschehen, hätte eine Buchhandlung den Preis bekommen, in deren Regalen Werke aus dem Verlag "Lesen & Schenken" oder ähnlichen gesichtet worden wären?

    Hallo zusammen, hallo, Tom. Ich will versuchen, deine Frage zu beantworten.


    Also: Hätte sich die Branche so geschlossen hinter eine rechts außen ausgerichtete Buchhandlung gestellt wie hinter die drei links außen positionierten?

    Und im Subtext (bitte berichtige mich, wenn ich es falsch lese): Wäre es nicht bigott, wenn nicht?


    Ich habe auch viel über diese Fragen nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass eine Buchhandlung wie die von dir erwähnte möglicherweise nicht dieselbe Solidarität erfahren hätte wie die Weltkugel, der Golden Shop und die Rote Straße. Das liegt in der Natur der Branche, die von jeher eher für kulturelle Vielfalt steht als für Deutschtümelei und Ausgrenzung. Etwas Bigottes kann ich daran auch nach reiflicher Überlegung nicht finden, denn jedem in der Branche, jedem in jeder Branche, dir als Bürger und mir als Bürgerin steht ja völlig frei, wofür oder wogegen ich mich empöre. Und mich für rechtsgerichtete Buchhandlungen einzusetzen, wäre mindestens so absurd, wie von einem HSV-Fan zu erwarten, dass er sich für einen Strafstoß zugunsten von St. Pauli einsetzt.


    Wer aber differenziert und staatsrechtlich denkt - und da unterschätz mir bitte die Buchbranche nicht - wird zu dem Schluss kommen, dass es gleichzeitig (demokratie-überlebens)wichtig ist und bleibt, dass auch die Kollegen von der "Lesen & Schenken-Buchhandlung" jederzeit juristisch gegen einen Ausschluss vorgehen dürften, schlösse man sie nachträglich vom Preis aus. Und dass von einem unabhängigen Gericht geprüft würde, ob der Kulturminister einen von einer unabhängigen Jury gewählten Kulturpreisträger nachträglich aus politischen Gründen streichen darf, oder ob er damit z.B. gegen das Prinzip der Staatsferne verstößt. Von wem die Buchhandlung dabei unterstützt oder nicht unterstütz wird, ist dabei völlig irrelevant, solange sie legal arbeitet.


    Ich könnte jetzt noch viel schreiben, von Transparenz und Intransparenz, davon, wie kurz der Weg von nicht näher benannten "Erkenntnissen" zur öffentlichen Wahrnehmung von "linksextrem" ist, von Rufschädigung also, von Beschädigung des eigenen Ressorts samt Schuldumkehr, aber das alles ist ja hier im Grunde schon gesagt worden. Aber eins muss ich noch loswerden: Drei von der Jury ausgewählten Preisträgern per Standardabsage mitteilen zu lassen, dass sie nicht ausgewählt worden seien, ist eine Unwahrheit, sprich: Lüge. Und das sollte sehr wohl und genau so benannt werden.

    Ich möchte auch noch eine Frage stellen, ähnlich wie Friecko: In Beitrag #22 habe ich als Beispiel Judith Butler gewählt. Wer von denen, die Ullsteins Entscheidung befürworten, ist dafür, dass Suhrkamp seine Zusammenarbeit mit Butler einstellt? Um es mit Kristin zu sagen: Mutig vor!

    Das ist für mich (zum Glück) relativ einfach beantwortet. Es geht gar nicht darum, ob jede/r Einzelne von uns einen Ausschluss aus diesem oder jenen Verlag befürwortet oder ablehnt. Ich kann für mich zwar sagen, dass ich die Beendigung der Zusammenarbeit im Falle Vance klar befürworte, während ich bei Butler froh bin, nicht bei Suhrkamp in einem potentiellen bzw. fiktiven Entscheidungsgremium zu sitzen - deswegen "zum Glück", s.o. Der springende Punkt ist jedoch der, dass ich klar befürworte, dass Verlage im einen wie im anderen Fall die Entscheidungshohheit innehaben und behalten. Möglicherweise kann oder könnte ich als Leserin und Beobachterin die eine Entscheidung ein Ideechen besser tolerieren als die andere, aber das ist ja wie gesagt nicht die Frage.

    Es scheint, dass die Aufregung um Ullsteins Entscheidung enorm verkaufsfördernd gewirkt hat.

    Das war zu erwarten, vermutlich sogar ohne diese letztliche Entscheidung von Ullstein. Umso konsequenter, ja sogar integrer finde ich es vom Verlag, auf so ein Ding bewusst zu verzichten.


    Friecko: Bitte entschuldige den "baren Unsinn", er war nicht feindselig und auch nicht persönlich gemeint. Ich habe nur diesen Satz von der mangelnden Meinungsfreiheit schon so furchtbar oft gehört und finde ihn jedes Mal - ich ändere in: völlig unzutreffend. Auf meine eigentlich sehr einfache Begründung, warum er unzutreffend sei, habe ich noch nie ein plausible Gegenargument gehört oder gelesen, und darum finde ich es etwas ermüdend, dass er sich so hartnäckig hält. Nichts für ungut!