Beiträge von Kristin

    Wenn ich eins nennen müsste, dann wäre es wohl Die Füße im Feuer von C.F. Meyer ... Ich habe in Schülerzeiten gern lange Gedichte auswendig gelernt und denke manchmal heute noch in Gedichtzeilen, etwa: Den Abendtisch bestellt die greise Schaffnerin mit Linnen blendend weiß...", beim Tischdecken.


    Oder ist es doch der Prometheus von Goethe?

    ... Und meine Hütte, die du nicht gebaut,

    Und meinen Herd, um dessen Glut du mich beneidest!

    (...)

    Ich dich ehren? Wofür? - Was für ein Rhythmus!


    Beeindruckend in seiner unaufgeregten Eleganz aber auch der kleine Zweizeiler, der als Appell auf Raststätten-Klos die Reisen meiner Kindheit begleitete: Ein Schmutzfink ist, wer nicht bedenkt, dass Sauberkeit nur Freude schenkt!

    Nehmen wir mal unseren Denis Scheck, über den wir hier reden. Der Mann hat Germanistik, Zeitgeschichte und Politologie studiert, er war Literaturagent und äußerst umtriebiger Übersetzer (er hat sogar die "Übersetzerbarke" des VdÜ erhalten), er war Herausgeber u.a. einer Literaturzeitschrift und ist selbst Autor unzähliger journalistischer und belletristischer Texte. Wenn dieser Herr Scheck also einen Langtext liest und beurteilt (das Wort "Rezension" heißt so viel wie "Prüfung" oder "Musterung"), dann verfügt er, würde ich mal behaupten, über nahezu das denkbare Höchstmaß an Kompetenz in dieser Disziplin, oder? Wenn man also annimmt, dass so etwas wie urteilende Kulturkritik (10 Sternchen, kein Sternchen - oder ausführlich) überhaupt zulässig ist und dass eine Kritik einer Be-Urteilung auch nur nahekommen kann oder darf, dann doch bitte mit einem solchen Hintergrund, oder?

    Ach Tom, gell, du kennst doch den alten Spruch: Man rezensiert nur mit dem Herzen gut. Oder so. :rofl

    Moin, Kiki, ein verspäteter Willkommensgruß auch von mir. Ja, wenn du Lust hast und dich traust, melde dich doch gerne an für unsere Textbesprechungsrunde, genannt BT, und gib uns eine Kostprobe aus dem Debütroman! Sehr interessant auch, dass du agenturseitige Erfahrungen mitbringst, das wird bestimmt viele hier interessieren.

    Also, ich meine auch, diesem Ansatz, dass ich Kröten schlucken muss (die nicht nur beim Schlucken widerlich sind, sondern mir auch fürderhin schwer im Magen liegen), um überhaupt veröffentlicht zu werden, liegt ein Denkfehler zugrunde. Beziehungsweise sollte ich mir dann die Frage stellen, ob ich ein wirklich gutes Manuskript und somit etwas zu bieten habe. Wenn das so ist und ich das vor allem auch weiß, dann muss ich nicht dankbar sein, dass irgendjemand das zu irgendwelchen Konditionen veröffentlicht. Ein seriöser Verlag erbarmt sich meiner nicht, sondern bietet mir einen fairen Handel an; ein unseriöser erbarmt sich meiner auch nicht, sondern wird versuchen, mich über den Tisch zu ziehen.

    Aber es gibt ja den Ausdruck - und das Phänomen - Schwarmintelligenz. Wäre der nicht auch auf die Sprache anzuwenden? Insofern bin ich da bei Jürgens Auffassung: dass die Sprache den Geist derer enthält, die sie geschaffen haben.

    Tom, ich weiß jetzt gar nicht so richtig, warum ich immer weiter Fragen beantworten soll - zumal ich zu jedem einzelnen Punkt doch schon mehrmals etwas geschrieben habe. Oder was an meiner Meinung so haarsträubend unerträglich ist, dass sie unbedingt widerlegt gehört. Vielleicht ist der Kernpunkt der, dass ich finde, die öffentliche Entschuldigung und vor allem Distanzierung war angebracht, und du findest das nicht. Und da können wir lange hier stehen und Ja! -Nein! - Ja! - Nein! sagen. Aber bringt es das?


    Hexenjagd ist kacke. Und ich gebe dir insofern Recht, als dass hier das gesellschaftliche Diktat eine Rolle spielt, über die man diskutieren kann und sollte.

    Zur Sache selbst und inhaltlich habe ich mir dann noch gedacht, dass gute Satire doch immer irgendwie vom David-Goliath-Prinzip lebt. Und wer gibt sich hier als David? Die regelmäßig durchgetesteten Schauspieler, die (zum Glück für alle) im vergangenen Jahr größtenteils ihre Drehtage bestreiten durften, und die immerhin so unverzichtbar für die Sender sind, dass (zum Glück für alle) senderseitige Rufe nach Rollenentzug schnell verstummen?


    Diese Satire war Satire, aber sie war nicht gut. Sie war unsensibel und spaltend, und kaum jemand außer der AfD fand sie witzig. Immerhin hat sie aber eins der angestrebten Ziele erreicht, nämlich, dass darüber geredet wird, so wie wir hier das tun. Und dann kann jede/r schauen, wie das weiterwirkt, ob sich da was bewegt im eigenen Kopf (der ja, so sagt das Sprichwort, rund ist, damit das Denken die Richtung ändern kann). Wie, wenn die nächste satirische Kampagne von Künstlern mit Einfluss zum Thema hätte: Unsere ärmeren Kollegen werden finanziell hängen gelassen? Das wäre doch eine Schraube, an der sich drehen lässt, nicht die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.


    Und dies hier:

    dass sie etwas unbedingt persönlich nehmen wollen, das nicht persönlich gemeint ist.

    darf man getrost auch jedem Menschen selbst überlassen.

    Und die Wirkung, die Frau Folkerts falsch eingeschätzt hat, worin bestand die? Darin, dass viele gesagt haben: Nein, ihr habt unrecht, ihr stellt das falsch dar, das ist überzogen, zynisch, unzutreffend. Lasst uns da mal bitte drüber sprechen, gemeinsam, wir alle.

    Oder darin, dass das geschehen ist, was tatsächlich geschehen ist?

    Das, was tatsächlich geschehen ist an Shitstorm usw. und die Reaktion der Betroffenen, die sich diskreditiert fühlten und das auch sagen dürfen.


    Wollen wir es an der Stelle gut sein lassen? ich denke, wir haben doch nun beide unseren Standpunkt hinreichend klar gemacht und würden uns ab jetzt mehr oder weniger wiederholen.