Beiträge von SusanneK

    Dieses großartige Projekt wurde auf der Montségur-Autorenkonferenz in Oberursel/Taunus vorgestellt. Es wirkt auf mich sehr durchdacht und anspruchsvoll. An konkreten Romanprojekten werden die drei Bereiche "Figuren und Psychologie", "Plot und Dramaturgie" sowie "Sprache und Form" gezielt geschult. Die Weiterbildung richte sich, so wurde gesagt, "an professionelle Autorinnen und Autoren, die bereits ein bis zwei Bücher veröffentlicht" hätten.


    Das Ganze wird sicher sehr intensiv und bringt viele Erkenntnisse über die eigenen Schaffensmethoden, aber auch über die Fehler, die man so macht.


    Der Nachteil ist, dass man sich für zwei Jahre auf etliche Wochenenden festlegt und somit gebunden ist. Das ist in dem unberechenbaren Literatur-Alltag nicht so einfach, zwei Jahre zu verplanen.


    Vor allem aber ist es eine große Herausforderung an sich selbst, mit einem werdenden Projekt so existenziell ins Gericht genommen zu werden - wenn man sich aber wirklich dem ausgesetzt hat, wird man nach Abschluss als Autor sowohl handwerklich als auch persönlich gereift sein. Zu einem solchen "Schnitt in die Eingeweide" muss man aber auch bereit sein.


    Nicht zuletzt existiert ein Kostenfaktor. Das wirft für mich wieder die Frage auf, wie viel Geld sollte ich für mein schriftstellerisches Fortkommen aufbringen? Oder inwieweit sollte ich nur auf Angebote zugreifen, die mich nichts kosten?


    Ich glaube, für das Stipendium kann sich nur ein/e Autor/in aus BaWü bewerben.

    Literarische Leckerbissen für Frankfurt-Fans

    Dieses Buch habe ich herausgegeben
    und 39 Autorinnen und Autoren gefunden, die ihren liebsten Stadtteil in Frankfurt am Main literarisch auf den Punkt bringen!


    Es wirken mit:
    Hakan Akcit, Andreas Arnakis, Bernhard Bauser,
    Michael Bloeck, Volkhard Brandes, Petra Breitkreuz, Claudia Brendler, Safiye Can,
    Monika Carbe, Joachim Durrang, Jörg Engelhardt, Edit Engelmann, Jeanette Faure,
    Mario Gesiarz, Jan-Erik Grebe, Barbara Höhfeld, Reha Horn, Gerda Jäger, Anette
    John, Maria Regina Kaiser, Astrid Keim, Hanne Kulessa, Tamara Labas-Primorac, Ulrike
    Ladnar, Claus Peter Leonhardt, Doris Lerche, Gertrude Kapellen, Susanne Konrad,
    Radvana Kraslova, Bruni Marx, Behjat Mehdizadeh, Carsten Nagels, Petra Pfeuffer,
    Oliver Ramonat, Sevastos P. Sampsounis, Norbert Saßmannshausen, Margot Schäfer,
    Sylvia Schopf, Edgar Weick, Dagmar Wendler.


    Frankfurter Einladung
    Erzählungen, Geheimnisse und Rezepte
    Größenwahn Verlag, September 2016. ISBN 978-3-95771-102-1

    Der Artikel ist meines Erachtens eine Kritik an Merkel, die von links kommt.


    "Wenn die Schere zwischen den Armen und den Reichen immer weiter auseinandergeht, muss sich niemand wundern, wenn die politischen Ansichten ähnlich radikal auseinandertreiben. Die Dialektik von Shen Te und Shui Ta zu begreifen würde helfen, das Erstarken der AfD ebenso wenig als Naturgewalt zu betrachten wie den Flüchtlingsstrom, sondern beides als konkrete Folgen eines globalen Kapitalismus."


    Da gebe ich ihm durchaus recht, wohl wahr. Aber wo ist der Haken einzuschlagen, diese Verhältnisse zu ändern? Der Sozialismus war ja auch nicht die richtige Antwort auf die Probleme.

    Das gefällt mir aber gut - und ist sehr mutig! Die ganzen Verlagsgrößen - alle authentisch? Und die für unser gesellschaftliches und moralisches Fortkommen so überflüssigen Buchtitel - alle echt? Ein wirklich spannender und gewagter Spaziergang über die Leipziger Buchmesse. Man will doch immer vorsichtig sein, dass man sich keinen verägert. Vielleicht wäre doch mal der ein oder andere, den man verprellt hat, genau der Richtige für das neue Manuskript gewesen. Ich finde den Artikel toll. Überschäumend wie frisch eingeschenkter Champagner oder Vergleichbares. Vielleicht verwriklicht Sandra Uschtrin die Buchidee mit den "Millionen Gründen, keine Bücher mehr zu schreiben". Ich werde diesen Beitrag jetzt bei fb posten.

    Tolle Diskussion. Alles angesprochen, wie Buchverkäufe und Einnahmen, VG Wort, KSK und das Stipendien(un)wesen. Zwar heißt es "Die einen verkaufen Bücher, die anderen gewinnen Preise" - aber auch Preisträger, die zu einer bestimmten Zeit immer weitergereicht werden, sind nach einer gewissen Phase wieder vergessen.


    Interessant ist für mich, dass Erfolg im belletristischen Bereich in der Tat nicht berechenbar ist, man im Sach- Fachbuchbereich doch einiges mit Fleiß und Spucke erreichen kann. "The winner takes it all" wurde gesagt. Wie das Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Anderseits: Auch, wenn man klein anfängt, immer soll man auf Honoraren bestehen, um in der Wertigkeit ein bisschen anzusteigen, auch wenn die Entgelte für Lesungen u.Ä. am Anfang gering sind.


    Als Autor von Kleinverlagen muss man überhaupt erstmal in den Buchhandel reinkommen: Nur, was gesehen wird, wird gekauft.


    Zum Schluss war von sozialen Netzwerken die Rede: "Facebook & Co werden von Selbstveröffentlichern okkupiert" - Marketing sei doch Verlagssache, wobei der Autor mit seiner "Präsenz" unterstützen könne. Na, ob das stimmt?


    Am besten selbst reinhören. Dauert eine halbe Stunde, die sich lohnt.

    "Ich finde Kotzbrocken und Arschlöcher und Selbstdarsteller interessant, so lange es sich um kluge Kotzbrocken, Arschlöcher und Selbstdarsteller handelt. Davon gibt es aber nicht so viele."


    Hallo Tom,
    mir halben solche Typen halt oft negativ zu schaffen gemacht. Tolle Lesungen, abe die Diskussionen hinterher oft überheblich hoch Drei. Meine Fragen aus dem Publikum oft hochmütig abgetan, keine Chance zum Gespräch. Namen nenne ich nicht, weil es meine persönlichen Wahrnehmungen sind. Vielleicht haben die ja recht, Arroganz ist berechtigt, wenn man als Schriftsteller was bringt. Aber ich fand es verletzend und überzogen. Bin aber trotzdem immer wieder in die Lesungen großer Autoren gegangen, um was zu lernen.
    Liebe Grüße
    Susanne

    Interessanter Artiekel. Der Vergleich der Beziehung zwischen Autorin und Verleger mit einer Ehe finde ich schon sehr mutig. Bei vielen, die ich kenne, ist ihr Verhältnis zuu ihrem Verlag sehr geschäftsmäßig, sehr förmlich, sehr rational. Nina George bringt hier aber auch "künstlerische Zusammenarbeit, menschliche Nähe" ins Spiel. Diese Begriffe relativiert sie zwar im Laufe ihres Artikels ein wenig, aber für mich bleiben sie doch haften. Bei mir hat der "Bauch" bei der Verlagszusammenarbeit ein großes Mitspracherecht. Ich bin bei meinem Verlag, weil ich von seinen Ideen überzeugt bin - und weil ich meinen Verleger mag. Ich schätze seine Persönlichkeit und seine Ideale. Früher, bei Peter Suhrkamp oder Vito von Eichborn schienen aber solche Beziehungen noch gang und gebe zu sein - oder?

    Viele große Schriftsteller glauben, sei seien nur dann gute Schriftssteller, wenn sie auch Kotzbrocken seien - ich kann mich gut erinnern an die 80er Jahre - die erfolgreichen jungen Männer, die einen spüren ließen, dass sie etwas Besonderes waren. In den 90ern dann die Fräuleins, die waren auch nicht besser. Sehr erfolgreiche, sehr reiche Schriftsteller gebärden sich auch heute noch als Kozbrocken, vielleicht fürchten sie, dass man sies in ihrer Rolls sonst nicht ernstnimmt. Ich weiß bis dato nicht, ob Bescheidenheit und eine gewisse Demut sich mit dem Schriftstellersein vereinbaren lassen. Obwohl es sicher sinnvoll wäre in einem Zeitlalter, wo digitale Errungenschaften mehr zählen als Wort und Schrift. Ich denke wirklich, heutzutage ist mehr Leisetreten und eine stillere Freude am Schriftstellerdasein angesagt, wenngleich die Großkotze sich natürlich auch Respekt verschaffen.

    Ich bin auch betrübt. Nicht nur, weil ich mit 20 "Der Name der Rose" als Film gesehen habe. Eco war vor allem für uns Studierende ein großes Vorbild, weil er eine eigene poststrukturalistische Symbboltheorie entwickelt hat. Er ist ein großer philosophsicher Vordenker gewesen! Da geht mal wieder eine bedeutende Ära zu Ende. In dem Buch "Der neue Realismus", herausgegeben von dem zeitgenössischen Philosophen Markus Gabriel, der mit der Postmoderne aufräumt, ist auch noch ein jüngerer Aufsatz von Umberto Eco drin...

    Hallo Ina,


    bedenke, dass der Verlag auch so etwas wie dein Label, dein Aushängeschild ist - wir werden auch an unseren Verlagen gemessen. (was vielleicht schade, wertend und einseitig ist, aber Bücher werden oft - vor allem in den sog. Fachkreisen - danach beurteilt "Wo ist denn das erschienen?" Wenn die Antwort positiv ausfällt, kommt die Frage "Na, wie verkauft es sich denn?")


    Also besser ein wenig Geduld haben und bis dahin versuchen, zu einer Agentur Kontakt zu kriegen (wurde schon geschrieben) oder auch erst mal kürzere Texte (Beiträge) in Zeitschriften oder Anthologien zu platzieren oder Autorinnenlesungen zu machen, in Vereinigungen sich zusammentun und gemeinsam literarische Projekte machen.


    Das führt zwar noch nicht zu einer wirtschaftlichen Existenz, ermöglicht aber eine kontinuierliche literarische Betätigung.


    Herzliche Grüße
    Susanne

    So in der Zeit zwischen 1987 und Anfang der 1990er war Silvia Bovenschen Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft II an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität. Sie arbeitete eng zusammen mit Professor Volker Bohn. Die beiden waren für mich der Inbegriff von literariascher Autorität. Trotz ihrer schlanken Figur und einer eher leisen Art war Silvia Bovenschen eine ausgeprägte Persönlichkeit. Schritt sie durch die Flure des Instituts, wäre ich ihr am liebsten nachgelaufen und hätte mich mit ihr in ein Zwiegespräch verwickelt, doch dazu kam es nie. An die Themen der Seminare selber kann ich komischerweise nicht so genau erinnern. Ich weiß, dass feministische Literaturwissenschaft dabei war. Der Blick in mein altes Studienbuch verrät mir: Im WS 1987/88 habe ich einen Schein für "Literatur der Aufklärung und der Empfindsamkeit" bei ihr gemacht (musste ja alles sein) mit dem Schwerpunkt "Freundschaft und Liebe als Thema in Poesie und Essay".
    Ich habe immer wieder an sie gedacht. Sie war ein Vorbild für mich, weil ich sie als total in den Universitätsbetrieb integriert empfand und das Gefühl hatte, dass sie voll darin aufging. (Ob das so stimmt, sei dahingestellt, aber ich habe es mit Anfang 20 so wahrgenommen). Die Identität der Literatin verschmolz für mich mit der Autorität der Lehrenden. Silvia Bovenschen war für mich am Puls der Literatur und am Puls der Zeit. So wollte ich auch unbedingt einmal werden.
    Tatsächlich verfasst sie bis heute literarische und literaturwissenschaftliche Schriften, was mich sehr anspricht. Ich hab mir ihr Büchlein "Älter werden" besorgt. Das sind so Notizen und Gedanken. Ein bisschen geht daraus hervor, wie sie die Frankfurter Zeit erlebt hat - jedenfalls nicht so glorifiziert, wie ich Silvia Bovenschen glorifiziert habe. Sie reflektiert darin einen Lebensabschnitt, den ich noch nicht erreicht habe.


    Für mich hat beim Studieren die geistige Nahrung immer an erster Stelle gestanden. Da war Silvia Bovenschen genau die richtige Leitfigur für mich.