Beiträge von IngridH

    Ich hatte als Lektorin eine Kundin, die ihre Krankheitsgeschichte aufgeschrieben hatte, um anderen auf ihrem Weg zu helfen. Fazit: Es ist ein irrer Eiertanz, alles so zu verfremden, dass am Ende niemand eine Grund zur Klage haben könnte. Ich halte es sogar für unmöglich, weil niemand vorwegnehmen kann, was einen anderen Menschen so verletzt, dass er dagegen klagt. Ich denke auch nicht, dass ein Pseudonym davor schützt - keines ist vollkommen geschlossen.


    Es gibt sehr, sehr, sehr viele autobiografische Vorhaben, aber kaum Interessenten, sofern es nicht um das Leben einer prominenten Person geht. Wenn du dich von deiner Autobiografie lösen und einen Teil deiner Erfahrungen in eine fiktive Geschichte einbauen kannst, halte ich das für den besseren Weg.

    Herzlich willkommen, Jerome!


    Autobiografisches ist sehr kaum verkäuflich, wenn es nicht von Prominenten kommt. Aber dein Intro liest sich, als hättest du einen riesigen Fundus, aus dem du für deine Geschichten schöpfen kannst. Lass deine Fantasie los und schreib mit uns neue Texte!

    Ich stelle die Frage mal beim VFLL. Die freien Lektorinnen und Lektoren bearbeiten die unterschiedlichsten Manuskripte, und vielleicht gibt's zu der Frage auch Erhellendes. Auch die Agentinnen und Agenten könnten etwas dazu sagen.


    Übrigens: Bei Sach- und Fachbüchern zählt eine akademische Ausbildung auf jeden Fall. Aber das heißt nicht, dass daraus automatisch Lesbares entsteht. Wissenschaftliches unterhaltsam zu verpacken ist für WissenschaftlerInnen eine schwierige Übung.

    Ich habe sehr viele Jahre im Vertrieb in amerikanischen IT-Firmen gearbeitet, deshalb sind mir Titel und Ausbildungswege nicht wichtig. Bestimmt bin ich nicht frei von Dünkel, aber wenn der Postbote Gert oder die Kosmetikerin Ilse Unterhaltsames zu erzählen hätte, würde er oder sie mich nicht weniger interessieren als der Chefarzt Gert. Geschichten entstehen aus Kontrasten. Wie langweilig wäre es, wenn es nur um Intellektuelle ginge. 8)


    Wir vermischen auch einiges. Sprechen wir über das Schreiben generell, über das Publiziertwerden oder über den Beruf des Schriftstellers oder der Schriftstellerin (wie Frau Amlinger)? Bei Letzterem kann ich mir auch vorstellen, dass der Weg für Studierte naheliegender ist, die vielleicht auch schon in einem gut bezahlten Job gearbeitet haben oder noch arbeiten. Aber dass Studierte die gefragteren Autorinnen oder Autoren bzw. die interessanteren oder leichter zu vermarktenden Personen sind, glaube ich nicht.

    Ich verstehe den Gedankengang, er ist mir aber zu allgemein. Die Studienfächer sind sehr verschieden und erfordern unterschiedliche Fähigkeiten. Die Buchwelt ist außerdem riesig, und für jede Nische braucht's wahrscheinlich eine andere Nuance an Können und Wissen.


    In BWL waren nicht die großen Denker die besten Studenten, sondern die früheren Bankkaufleute. Und ich habe hier einen Informatiker, der zwar gern liest, aber mit Sprache ansonsten nicht viel am Hut hat.

    Ich bin Diplom-Kauffrau, das hat mir bislang nullkommanix genützt, was den Verlagsvertrag für meinen Roman angeht. Das BWL-Studium bestand aus Vorlesungen und Klausuren, und abgesehen von der Diplomarbeit habe ich kaum Fachliches geschrieben oder strukturiert bearbeitet. Meine Eltern sind bzw. waren keine Akademiker, aber mein Vater und vor allem mein Opa (beide Mauerer) haben mich sehr früh für Bücher begeistert. Lesen - viel und möglichst querbeet - ist für mich die essenzielle Voraussetzung für das eigene Schreiben.


    Viele technische Grundlagen kann man lernen, sich in Schreibkursen von Trainern und Gleichgesinnten mitziehen und kritisieren lassen. Dass sich sprachlich trotzdem die Geister scheiden, weiß ich als (spät berufene) Lektorin nur zu gut. Auch AkademikerInnen schaffen es übrigens nicht auf Anhieb, leicht Lesbares, Unterhaltsames zu produzieren.


    Zuallererst steht die Geschichte, stehen also Fantasie, Empathie, ein Gefühl für Erzählenswertes und für die Struktur guter Geschichten. Es braucht Biss, das Vorhaben durchzuziehen, und die Fähigkeit, mit Kritik und Misserfolgen umzugehen. Eine Fantasy-Autorin, deren Reihe ich im letzten Jahr gelesen habe (querbeet, siehe oben), ist laut meiner schnellen Recherche Einzelhandelskauffrau. Ich ziehe meinen Hut vor ihrem Ideenreichtum und weiß, dass ich Studierte das im Leben nicht könnte.

    Wir haben die sechs Teile in einem Rutsch angesehen und waren begeistert. Mir ist auch nichts von Experimenten oder zu bemühten Erklärungsversuchen aufgefallen. Alles ist noch offen.


    Die Serie hat norwegischen und nordischen Flair, ist also weit weg vom Einheitsbrei. Und Alfhildr ist eine wunderbar originelle Figur.

    Ich sammle fleißig weiter:


    Lockerungswettlauf

    Öffnungshektik

    Impfchaos bzw. Impfdesaster


    Merkeljünger - den gab's wahrscheinlich schon zur Flüchtlingskrise, oder?

    Es ist, als gäbe es auf dieser Welt nichts anderes als Corona. Jeder Pups, den irgendjemand zum Thema von sich gibt, wird aus allen Winkeln ausgeleuchtet. Ich kann mich nicht distanzieren, lese dauernd darüber, habe aber aufgehört mitzudiskutieren. Es ist zu grotesk, zu schwarzweiß, zu böse. Und auch Comedy schafft es nicht, sich anders damit auseinanderzusetzen. Truth is stranger than fiction.


    Nein, ich möchte nicht über Corona schreiben und auch nichts Fiktives darüber lesen. Ich brauche Stoff, der mich daran erinnert, dass es auf dieser Welt auch noch etwas anderes gibt. Wie schon im Blog bechrieben: Ich lese Fantasy. Das ist mir bisher noch nie passiert. :)

    Ja, für mich auch. Ich schaffe das ohne Druck nie. Und ich habe auch im NaNo-Monat immer einen oder mehrere Tage, an denen ich einfach nicht schreiben kann. Dann hechle ich nicht auf Gedeih und Verderb hinterher, sondern sage mir genau das: Jedes Wort ist eins mehr, als ich ohne diese Übung hätte.


    Ich schaffe das Rohmaterialsammeln, das Dorrit beschreibt, nicht so gut. Und ich sehe dabei auch die Gefahr, dass nicht mehr meine Figuren denken und handeln, sondern ich. Den richtigen Weg findet jeder selbst.