Beiträge von Anja

    Hallo Tom,


    Du hast natürlich recht, es gibt keine Regeln für Kulturkritik. Und ich stimme Dir auch darin zu, dass, wer mit einem Produkt an die Öffentlichkeit geht (gleichgültig, ob Buch, Opern- oder Theaterproduktion etc.) auch mit der Kritik zurechtkommen muss. Einerseits wollen die Künstler diese Kritik ja, und zwar in großer Anzahl, andererseits sollte die Kritik eben nett sein. Auch mit dem Problem hatte ich zu tun, und ich stand damals auch auf dem Standpunkt, dass man nicht beides haben kann: unbedingt Kritik, aber bitte keine kritische.


    Ich selber habe, bevor ich als Kritikerin begonnen habe, lange an der Oper mitgearbeitet. Ich habe gesehen, wie viel Arbeit in so einer Produktion steckt, und - viel wichtiger - ich habe auch erlebt, wie sehr Kritiken die einzelnen Künstler treffen können. Dann, wenn sie abwertend oder polemisch sind. "Ich muss damit wieder auf die Bühne", hat mir mal eine Schauspielerin gesagt.

    Diese Erfahrung am Theater hat (vermutlich) dazu beigetragen, dass ich persönlich mich um sachliche Kritik bemüht habe. Und überraschenderweise hatte auch ich meine Leser. Will sagen: Man muss sich nicht zwangsläufig mit einer Kritik inszenieren. Ganz nebenbei: Wenn man einen Verriss schreibt, kann man eben auch das ganze Werkzeug von Sarkasmus über Ironie bis zu Polemik aus der Schublade holen, und das kommt beim Lesepublikum meist sehr gut an. Man tut sich selber damit einen gefallen, die Kritik liest sich unterhaltsam und man bedient das Bedürfnis der Leser mitzuerleben, wie über andere hergezogen wird. Klar macht es Spaß, solche Kritiken zu verfassen. Ich persönlich fand das aber immer etwas fies, ganz einfach gesagt.


    Ich erhebe meinen Ansatz nicht zum Maßstab, aber ich, ich ganz persönlich, mag diese Selbstdarstellung des Herrn Scheck einfach nicht.


    Allerdings dürfte er Frau von Kürthy zur größtmöglichen Öffentlichkeit verholfen haben, mehr, als sie sie mit ihrem Buch alleine hätte bekommen können. Und, nein, ich stimme ihr nicht zu, dass sich seine Kritik gegen Frauen im Allgemeinen richtet. Das ändert aber nichts daran, dass ich ihn häufig als ziemlich untergriffig empfinde.

    Ich bin selber auch kein großer Fan der Romane Frau von Kürthys, aber ich schätze sie als Journalistin und ich höre ihr auch gelegentlich gerne auf Instagram und Co zu.


    Was ich dagegen überhaupt nicht schätze, ist die Art, in der sich D. Scheck produziert. Das dient vor allem der Selbstvermarktung.

    Ein Kritiker setzt sich mit dem Werk auseinander, das er kritisiert, ich selber habe das zehn Jahre gemacht (Theater, Bücher, Musical, Kleinkunst etc.), weiß daher, wovon ich rede. Das Problem für den schreibenden Kritiker: Er/sie steht dabei NICHT im Vordergrund, es geht um das Werk, sei es nun ein Buch, ein Schauspiel, eine Oper oder was auch immer. Ja, auch eine Kritik sollte gut geschrieben sein, sie ist aber nicht das eigentliche Kunstwerk, sie steht schlicht nicht im Mittelpunkt. Bei Herrn Scheck ist es aber genau umgekehrt. Er stellt sich in den Mittelpunkt, er inszeniert sich selbst. Vielleicht sollte er bei diesem Geltungsdrang lieber selber künstlerisch aktiv werden, sich an anderen abzuarbeiten, finde ich zumindest in der Art, in der er es macht, zweifelhaft.


    Und es geht tatsächlich auch ganz anders, wie mein lieber, leider kürzlich verstorbener Kollege Ernst P. Strobl in fast jeder seiner Kritiken bewiesen hat: Seine Texte lasen sich gut, sie waren unterhaltsam und bei Verrissen konnte er deutlich werden, leider habe ich kein Textbeispiel parat, aber er hat für seine Beiträge irgendwann sogar einen Kritikerpreis gewonnen. Trotzdem hat er nicht diese selbstverliebte Show veranstaltet. DIE ist es, die mir an Herrn Scheck nicht gefällt. Er stellt seine Arbeit zu wenig in den Dienst der Bücher, sie (die Bücher) dienen ihm meiner Ansicht nach vor allem zur Selbstdarstellung.


    Etwas anderes ist das, was Frau von Kürthy jetzt daraus macht: Ihr Buch als "Geplapper auf der Damentoilette" zu bezeichnen, ist polemisch, nicht nett und in gewisser Weise auch misogyn. Aber damit diffamiert Scheck nicht sämtliche schreibenden Frauen. Ich habe das Buch nicht gelesen, soweit ich weiß, geht es darin um das Altern und es dürfte ein recht persönliches Buch sein. Da kann Kritik in dieser Wortwahl wehtun. Sie hat aber meiner Ansicht nach nicht viel mit Frauenfeindlichkeit zu tun, sondern richtet sich gegen dieses eine Buch dieser einen Autorin.

    Bei mir kommt es auch auf die Situation an. Und auf den Typ Buch. Bei Sachbüchern schreibe ich an sich gleich "ins Reine" und überarbeite nachher noch mal gründlich. Da empfinde ich das Schreiben aber auch als recht einfach und ich denke, dass ich inzwischen auch viel Routine habe.

    Bei Romanen mit Vertrag und Abgabedatum bemühe ich mich auch darum, gleich eine Version zu schreiben, die mit Überarbeitung so funktioniert. Da habe ich beziehungsweise haben im aktuellen Fall Alexander und ich aber auch ein fertiges Konzept.

    Und dann gibt es noch die Sorte Belletristik, die ich "einfach so" schreibe, ohne Vertrag und auch ohne komplett ausgearbeitetes Konzept, und bei der ich dann mal schaue, ob ich das unterbringen kann. Und bei diesen Texten geht nichts voran! Ich überarbeite, feile und habe das Gefühl, jeden Tag Text zur Welt zu bringen (Geburten sind anstrengend).


    Merke: Ohne Zeitdruck wird das bei mir gar nichts, da ich dann zum Perfektionismus neige. Und diesen Ansprüchen genügt man ja ohnehin nie.

    Früher, zu Zeiten des Journalismus, habe ich es mir zur Regel gemacht, jeden Text maximal dreimal zu überarbeiten, dann ging der raus. Aber das war Tagesjournalismus, da musste ich um Punkt ... Uhr fertig sein. Eigentlich die beste Art, um mich selber auszutricksen. Und es hat mir auch zu der Routine verholfen, aus der ich jetzt bei Sachbüchern schöpfe.

    Hallo Antje,


    ich achte darauf, dass jede Szene eine bestimmte Funktion hat. Sie muss nicht zwangsläufig dazu beitragen, die Handlung voranzutreiben oder eine Frage aufwerfen oder dgl. Es genügt mir schon, wenn sie einzelne Figuren in einer bestimmten Form zeichnet.

    Ich finde, es kommt auch darauf an, ob man handlungsgetriebene Bücher schreibt oder solche, bei denen die Figuren im Vordergrund stehen. Für Bücher, in denen es primär darum geht, die Handlung voranzutreiben, dürften andere Regeln gelten, als ich sie für mich anwende. Ich hoffe, ich konnte noch irgendetwas zu den Antworten ergänzen, die Du schon bekommen hast.

    ich entschuldige mich aber bei allen weiblichen Wesen (...), denen dieser Übersetzter-Witz zu nahe gegangen ist.

    Darf ich das auch für mich in Anspruch nehmen:)? Das wäre dann vermutlich die erste Entschuldigung von Dir für einen frauenfeindlichen Witz.;) Ich muss da wirklich abgehärtet sein. Oder sehr tolerant. Außerdem kenne ich auch jede Menge Männerwitze.


    Okay, zur Erklärung: Ich höre Witze dieser Art hier häufiger. Allerdings finde ich, dass es immer davon abhängt, wer sie in welchem Kontext macht. Und wer Alexander kennt, weiß, dass er nicht frauenfeindlich ist. Außerdem ... ich weiß nicht ... ich (als Frau) finde so einen Witz nicht weiter schlimm. In Sachen Gleichstellung gibt es meiner Ansicht nach andere Punkte, an denen man ansetzen müsste..

    Wenn ich aus Versehen mal einen "Jugendausdruck" verwende und mein Sohn (21) bekommt es mit, bin ich ihm ausgesprochen peinlich. Er ist zwar selber keiner, der sehr ausgeprägt Jugendslang verwendet und ich finde es immer ganz süß, wenn ich mal einen entsprechenden Ausdruck bei ihm aufschnappe. Aber er und seine Generation grenzen sich da schon eher ab, ist mein Eindruck. Er befürchtet ja schon, dass ich ihn mit meinen raren Insta-Posts in Grund und Boden blamiere.:)


    In meinen Büchern wage ich mich besser nicht in dieses Sprachterritorium vor. Da hätte ich eher Sorge, komplett danebenzugreifen.

    Ich bin grundsätzlich nicht der Typ, der beim Lesen in Tränen ausbricht. Auch Filme schaffen das bei mir eigentlich nicht. Aber ich denke, ich weiß, von welcher Sorte Buch die Rede ist: dem, bei dem man findet, dass es eigentlich noch nicht enden darf. Oder diese Bücher, bei denen man emotional sehr mitlebt. Meistens passiert das, weil man mit den Figuren sehr vertraut wird.


    Und da fällt mir als Erstes auch "Ein Mann namens Ove" ein, Herr Backman schleift seine Leser tatsächlich durch Himmel und Hölle in diesem Roman. Auch bei seiner "Björnstad"-Trilogie ging es mir ähnlich. Sehr eintauchen konnte ich auch in die drei Bücher von Niklas Natt och Dag, das ist diese Bellman-Noir-Trilogie aus dem Stockholm des späten 18. Jahrhunderts. Und ein Roman, der für mich auch noch wesentlich mehr Seiten hätte umfassen können, ist der "Papierpalast" von Miranda Cowley Heller. Außerdem warte ich schon lange auf einen möglichen dritten Teil der "Chani Kaufman"-Bücher von Eve Harris.


    Momentan suche ich allerdings eher nach neuen Büchern, die das wieder können. Ich versuche es gerade mit "Die Schwestern" von Jonas Hassen Khemiri, mal schauen, ob er es schafft, mich in den Roman hineinzuziehen. Er hat noch ungefähr 700 Seiten lang die Möglichkeit dazu:).

    Hallo Tom,


    da stellt sich meiner Ansicht nach die Frage, worüber man als Autor/in überhaupt noch schreiben darf. Wenn man nie einen anderen als den eigenen Erfahrungshorizont, Alter, Geschlecht, möglichst auch noch Beruf etc. überschreiten darf.

    Und wie sieht es mit historischen Romanen aus? Durfte eine Frau wie Hilary Mantel überhaupt über den Mann Thomas Cromwell schreiben? Kam sie aus ähnlich einfachen Verhältnissen wie er, ist sie seinen außergewöhnlichen Weg auch nur ansatzweise selber gegangen?


    Im Grunde stimme ich Deiner resignativen Haltung ja zu: Was will machen?

    Andererseits stellt sich dann irgendwann auch die Frage, ob man überhaupt noch fiktional erzählen darf. Oder ob Belletristik damit nicht komplett obsolet wird.


    Das treibt inzwischen alles wirklich Blüten.

    Das Ganze nimmt inzwischen Formen an, die irgendwo zwischen absurd und diktatorisch rangieren. Neu ist der Trend ja nicht, man denke an das berühmte "Blackfacing".


    Aber nach dieser Logik dürfen eben tatsächlich nur noch Frauen über Frauen, Massenmörder über Massenmörder und Außerirdische über Außerirdische schreiben. Und wenn eine Frau eine Prostituierte zu ihrer Hauptfigur macht, muss sie vorher eine Weile selber angeschafft haben, sonst fehlt ihrem Text ... was eigentlich? Die Authentizität?


    Ja sicher, es gibt da draußen eine Menge Menschen, die sofort mit irgendeinem Zeigefinger kommen. Die Frage ist, ob die Verlage und wir uns als Autoren/Autorinnen dem Diktat der Menschen beugen dürfen, die meinen, sie hätten die Moral für sich verbucht.

    Es ist schwierig in Zeiten von Shitstorm und Co. Aber wenn jeder nur noch aus dem Erfahrungsbereich schreibt, den er/sie selber erlebt hat, dann verkümmert Literatur zu rein autobiographischem Erzählen.


    Schwierig wird es übrigens für das gesamte Genre der Fantasy und der SiFi.

    Hallo Tom,


    aber wie soll/kann man nachweisen, dass mit KI gearbeitet wurde? Ich bin ja grundsätzlich Deiner Meinung, alleine schon, weil man mit KI in Windeseile Unmengen an Büchern erstellen kann. Kein wirklicher Autor kann bei dem Tempo mithalten.

    Aber je besser die KI wird, umso schwieriger dürfte sich ihre Anwendung erkennen lassen.

    Nun, dafür sind sie ausgedacht worden. Von Menschen.

    Wenn Du das so ausdrückst, dann klingt es, als hätte sich irgendwann einmal jemand hingesetzt, gut überlegt, womit man andere Menschen am besten manipulieren und unterdrücken kann, und dann sozusagen am Reißbrett die Religion erfunden.

    Aber Religionen und Kulte gibt es schon lange, sie wandeln sich, aus der einen entwickelt sich eine andere. Das ist ein dynamischer Prozess. Natürlich kann man Glauben machtpolitisch einsetzen. Aber ich denke, dieser Ansatz war nicht die Keimzelle der Religionen.

    Ok, es ist eines der immer wiederkehrenden Lieblingsthemen bei uns im Forum.;)


    Ich zitiere deshalb hier mal meinen Lieblingstext zu diesem Thema:


    "Geht nur! Mein Rat ist aber der: ihr nehmt
    Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von
    Euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
    So glaube jeder sicher seinen Ring
    Den echten.

    (...)

    Es eifre jeder seiner unbestochnen
    Von Vorurteilen freien Liebe nach!
    Es strebe von euch jeder um die Wette,
    Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag
    Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
    Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
    Mit innigster Ergebenheit in Gott
    Zu Hilf'! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
    Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
    So lad ich über tausend tausend Jahre
    Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
    Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
    Als ich (...)

    Lessing: Nathan der Weise


    Bevor jetzt jemand einwendet, da ginge es ja nur um die Frage nach der einzig wahren Religion und damit um Toleranz der Glaubensgemeinschaften untereinander: Ja, stimmt.

    Aber erweitern wir das Ganze doch mal um einen vierten Ring, den Atheismus. Dann kämen wir, folgten wir Lessing, eigentlich zu keinem anderen Schluss. Jeder möge seiner eigenen Überzeugung anhängen und sich dieser Überzeugung entsprechend so "gut" wie möglich verhalten. Denn ... "in tausend, tausend Jahren ..." Das ist es doch. Wir wissen es alle nicht, weder die Anhänger der einen oder anderen Religion noch die Atheisten. Und damit, finde ich, lässt es sich ganz gut leben. Wenn man sich eben gegenseitig leben lässt.


    Klar gehört dazu der Verzicht, anderen den eigenen Glauben mit Schwert oder Feuer "vermitteln" zu wollen, darauf kommt es meiner Meinung nach an. Ich gebe zu, im Christentum wird das mit dem Verzicht auf Mission etwas schwierig, immerhin gibt es dort den "Missionsbefehl" an die Apostel. Und da ich mich lange mit Apostellegenden beschäftigt habe, weiß ich auch, dass die bei ihrer Überzeugungsarbeit nicht immer zimperlich waren. Wer sich nicht zum Christentum bekehren wollte, den hat der Teufel kurz mal in den Abgrund gerissen, gerne auch gleich 2000 "Ungläubige" auf einmal.

    Aber was das betrifft leben wir ja glücklicherweise in so aufgeklärten Zeiten (sollten wir zumindest), dass niemand mehr den Legenden des Mittelalters nacheifert.


    Es hat aber, denke ich, auch niemand etwas davon, einem religiösen Menschen seinen Glauben absprechen und als Hirngespinst ausreden zu wollen. Warum denn? Solange derjenige das mit sich ausmacht und anderen ihre Weltanschauung lässt?


    Lessings Ansatz könnte funktionieren.

    Hallo Silke,


    mal kurz weg von Follett, von dem ich bisher nur zwei Romane kenne. "Die Säulen der Erde" fand ich damals, mit Mitte 20, unterhaltsam zu lesen, der "Mann von St. Petersburg" hat mich dagegen gelangweilt.


    Aber kennst Du die Cromwell-Trilogie von Hilary Mantel? Ich bin mir gar nicht sicher, ob man die drei wirklich als historische Romane einstufen kann, dazu sind sie zu eigenwillig geschrieben. Aber für mich, soweit ich sie bisher kenne, ganz große Kunst. Übrigens ist auch die Mini-Serie "Wolf Hall" gelungen, gibt's in der ARTE-Mediathek.

    Zum einen könnte ich mir vorstellen, das KI-generierte Romane irgendwann dann auch nur noch höchstens zwei Euro kosten, denn man kann sie ja auch mit entsprechend weniger Zeitaufwand und geringeren Kosten produzieren. Und zum anderen lässt sich (wie bei der Keramik) vermutlich irgendwann zwischen Handwerk und KI gar nicht mehr unterscheiden. Insofern hinkt der Vergleich nur ein bisschen.:)

    Hallo Tom und alle,


    Du sprichst von den Konsumenten. Und ich glaube, genau da liegt das Problem. Ich denke da gerade an die Heftromane. Vorausgeschickt: Ich habe nie einen geschrieben und das letzte Mal, das ich sie gelesen habe, war im Alter von 15 Jahren und nach dem dritten fand ich sie doof.

    Aber es gibt eine Menge Menschen, die sie lesen, ebenso wie die Flut anderer Wohlfühlbücher.

    Auch dagegen gibt es nichts einzuwenden, wer sie lesen möchte, gerne. Ich habe Verständnis für Menschen, die sich vor der Flut schrecklicher Nachrichten eine Weile flüchten möchten.


    Aber ich gehe davon aus, dass viele dieser Bücher inzwischen zumindest mit Hilfe der KI geschrieben werden. Und ich behaupte, dass es eine Menge Leser/innen gibt, die das entweder überhaupt nicht merken oder denen es egal ist. Hauptsache, das Buch liest sich nett.


    Dasselbe mit KI-generierten Podcasts, Radiosendungen etc.

    Viele der Konsumenten merken inzwischen keinen Unterschied mehr und wenn sie ihn bemerken, ist es ihnen gleichgültig.


    Preiswert und schnell herzustellen sind diese Dinger auch alle.

    Aber wir steuern auf etwas zu, vor dem es mir gruselt.


    Anderes Beispiel: Meine Nachbarin ist Keramikerin. Sie fertigt wunderschöne Dinge. Aber mit der Gebrauchskeramik (Teegeschirr, Kerzenhalter etc.) hat sie aufgehört. Weil es niemand mehr kauft. Sie hat schon vor Jahren gesagt, mit der maschinell gefertigten Ware kann sie preislich nicht mithalten. Und die Maschinen können auch "unperfektes" Handwerk imitieren. Wozu also für sehr viel mehr Geld echtes Handwerk kaufen?


    Weil es authentischer ist. Finde ich. Aber können wir als Laien das noch unterscheiden? Wenn ich zu ihr in die Werkstatt ginge, könnte ich es.


    Landen wir da vielleicht auch irgendwann in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft? Man geht zu "seinem Schriftsteller", um "echte" Bücher zu kaufen? Ist nicht so ganz ernst gemeint, aber wie sieht die Zukunft für alle jene aus, die

    - gerne selber produzieren?

    - gerne noch handgefertigte Produkte (und dazu rechne ich auch Bücher, Podcasts etc.) kaufen wollen?


    Wir haben die KI von der Leine gelassen, und aufzuhalten war der Prozess wahrscheinlich nie. Trotzdem erinnert mich das Ganze an Goethes "Zauberlehrling": Herr, die Not ist groß. Die ich rief, die Geister, ich werd sie nun nicht los.