Ich habe auch eine, wusste ich nicht, bis ein Verlag die von mir haben wollte.![]()
Beiträge von Anja
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Es muss aber "Autorinnen und Autoren" heißen, Du Macho!

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Sicher, dass Ironie hier in diesem Thread als solche erkannt wird? Von allen?
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Hallo Tom,
da stellt sich meiner Ansicht nach die Frage, worüber man als Autor/in überhaupt noch schreiben darf. Wenn man nie einen anderen als den eigenen Erfahrungshorizont, Alter, Geschlecht, möglichst auch noch Beruf etc. überschreiten darf.
Und wie sieht es mit historischen Romanen aus? Durfte eine Frau wie Hilary Mantel überhaupt über den Mann Thomas Cromwell schreiben? Kam sie aus ähnlich einfachen Verhältnissen wie er, ist sie seinen außergewöhnlichen Weg auch nur ansatzweise selber gegangen?
Im Grunde stimme ich Deiner resignativen Haltung ja zu: Was will machen?
Andererseits stellt sich dann irgendwann auch die Frage, ob man überhaupt noch fiktional erzählen darf. Oder ob Belletristik damit nicht komplett obsolet wird.
Das treibt inzwischen alles wirklich Blüten.
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Das Ganze nimmt inzwischen Formen an, die irgendwo zwischen absurd und diktatorisch rangieren. Neu ist der Trend ja nicht, man denke an das berühmte "Blackfacing".
Aber nach dieser Logik dürfen eben tatsächlich nur noch Frauen über Frauen, Massenmörder über Massenmörder und Außerirdische über Außerirdische schreiben. Und wenn eine Frau eine Prostituierte zu ihrer Hauptfigur macht, muss sie vorher eine Weile selber angeschafft haben, sonst fehlt ihrem Text ... was eigentlich? Die Authentizität?
Ja sicher, es gibt da draußen eine Menge Menschen, die sofort mit irgendeinem Zeigefinger kommen. Die Frage ist, ob die Verlage und wir uns als Autoren/Autorinnen dem Diktat der Menschen beugen dürfen, die meinen, sie hätten die Moral für sich verbucht.
Es ist schwierig in Zeiten von Shitstorm und Co. Aber wenn jeder nur noch aus dem Erfahrungsbereich schreibt, den er/sie selber erlebt hat, dann verkümmert Literatur zu rein autobiographischem Erzählen.
Schwierig wird es übrigens für das gesamte Genre der Fantasy und der SiFi.
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Hallo Tom,
aber wie soll/kann man nachweisen, dass mit KI gearbeitet wurde? Ich bin ja grundsätzlich Deiner Meinung, alleine schon, weil man mit KI in Windeseile Unmengen an Büchern erstellen kann. Kein wirklicher Autor kann bei dem Tempo mithalten.
Aber je besser die KI wird, umso schwieriger dürfte sich ihre Anwendung erkennen lassen.
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Nun, dafür sind sie ausgedacht worden. Von Menschen.
Wenn Du das so ausdrückst, dann klingt es, als hätte sich irgendwann einmal jemand hingesetzt, gut überlegt, womit man andere Menschen am besten manipulieren und unterdrücken kann, und dann sozusagen am Reißbrett die Religion erfunden.
Aber Religionen und Kulte gibt es schon lange, sie wandeln sich, aus der einen entwickelt sich eine andere. Das ist ein dynamischer Prozess. Natürlich kann man Glauben machtpolitisch einsetzen. Aber ich denke, dieser Ansatz war nicht die Keimzelle der Religionen.
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Ok, es ist eines der immer wiederkehrenden Lieblingsthemen bei uns im Forum.

Ich zitiere deshalb hier mal meinen Lieblingstext zu diesem Thema:
"Geht nur! Mein Rat ist aber der: ihr nehmt
Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von
Euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
So glaube jeder sicher seinen Ring
Den echten.(...)
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf'! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich (...)Lessing: Nathan der Weise
Bevor jetzt jemand einwendet, da ginge es ja nur um die Frage nach der einzig wahren Religion und damit um Toleranz der Glaubensgemeinschaften untereinander: Ja, stimmt.
Aber erweitern wir das Ganze doch mal um einen vierten Ring, den Atheismus. Dann kämen wir, folgten wir Lessing, eigentlich zu keinem anderen Schluss. Jeder möge seiner eigenen Überzeugung anhängen und sich dieser Überzeugung entsprechend so "gut" wie möglich verhalten. Denn ... "in tausend, tausend Jahren ..." Das ist es doch. Wir wissen es alle nicht, weder die Anhänger der einen oder anderen Religion noch die Atheisten. Und damit, finde ich, lässt es sich ganz gut leben. Wenn man sich eben gegenseitig leben lässt.
Klar gehört dazu der Verzicht, anderen den eigenen Glauben mit Schwert oder Feuer "vermitteln" zu wollen, darauf kommt es meiner Meinung nach an. Ich gebe zu, im Christentum wird das mit dem Verzicht auf Mission etwas schwierig, immerhin gibt es dort den "Missionsbefehl" an die Apostel. Und da ich mich lange mit Apostellegenden beschäftigt habe, weiß ich auch, dass die bei ihrer Überzeugungsarbeit nicht immer zimperlich waren. Wer sich nicht zum Christentum bekehren wollte, den hat der Teufel kurz mal in den Abgrund gerissen, gerne auch gleich 2000 "Ungläubige" auf einmal.
Aber was das betrifft leben wir ja glücklicherweise in so aufgeklärten Zeiten (sollten wir zumindest), dass niemand mehr den Legenden des Mittelalters nacheifert.
Es hat aber, denke ich, auch niemand etwas davon, einem religiösen Menschen seinen Glauben absprechen und als Hirngespinst ausreden zu wollen. Warum denn? Solange derjenige das mit sich ausmacht und anderen ihre Weltanschauung lässt?
Lessings Ansatz könnte funktionieren.
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Hallo Silke,
mal kurz weg von Follett, von dem ich bisher nur zwei Romane kenne. "Die Säulen der Erde" fand ich damals, mit Mitte 20, unterhaltsam zu lesen, der "Mann von St. Petersburg" hat mich dagegen gelangweilt.
Aber kennst Du die Cromwell-Trilogie von Hilary Mantel? Ich bin mir gar nicht sicher, ob man die drei wirklich als historische Romane einstufen kann, dazu sind sie zu eigenwillig geschrieben. Aber für mich, soweit ich sie bisher kenne, ganz große Kunst. Übrigens ist auch die Mini-Serie "Wolf Hall" gelungen, gibt's in der ARTE-Mediathek.
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Hallo Ulli,
Gratulation von mir!!! Und viele Leser/Käufer wünsche ich Dir natürlich auch.

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Ihr meint, wir können uns unsere Bücher demnächst einfach selber schreiben lassen? Zwar eine doofe Vorstellung, aber (leider) vermutlich keine falsche. Wahrscheinlich wird das hier dann bald zu einem Forum alter, weißer Leute.

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Zum einen könnte ich mir vorstellen, das KI-generierte Romane irgendwann dann auch nur noch höchstens zwei Euro kosten, denn man kann sie ja auch mit entsprechend weniger Zeitaufwand und geringeren Kosten produzieren. Und zum anderen lässt sich (wie bei der Keramik) vermutlich irgendwann zwischen Handwerk und KI gar nicht mehr unterscheiden. Insofern hinkt der Vergleich nur ein bisschen.

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Hallo Tom und alle,
Du sprichst von den Konsumenten. Und ich glaube, genau da liegt das Problem. Ich denke da gerade an die Heftromane. Vorausgeschickt: Ich habe nie einen geschrieben und das letzte Mal, das ich sie gelesen habe, war im Alter von 15 Jahren und nach dem dritten fand ich sie doof.
Aber es gibt eine Menge Menschen, die sie lesen, ebenso wie die Flut anderer Wohlfühlbücher.
Auch dagegen gibt es nichts einzuwenden, wer sie lesen möchte, gerne. Ich habe Verständnis für Menschen, die sich vor der Flut schrecklicher Nachrichten eine Weile flüchten möchten.
Aber ich gehe davon aus, dass viele dieser Bücher inzwischen zumindest mit Hilfe der KI geschrieben werden. Und ich behaupte, dass es eine Menge Leser/innen gibt, die das entweder überhaupt nicht merken oder denen es egal ist. Hauptsache, das Buch liest sich nett.
Dasselbe mit KI-generierten Podcasts, Radiosendungen etc.
Viele der Konsumenten merken inzwischen keinen Unterschied mehr und wenn sie ihn bemerken, ist es ihnen gleichgültig.
Preiswert und schnell herzustellen sind diese Dinger auch alle.
Aber wir steuern auf etwas zu, vor dem es mir gruselt.
Anderes Beispiel: Meine Nachbarin ist Keramikerin. Sie fertigt wunderschöne Dinge. Aber mit der Gebrauchskeramik (Teegeschirr, Kerzenhalter etc.) hat sie aufgehört. Weil es niemand mehr kauft. Sie hat schon vor Jahren gesagt, mit der maschinell gefertigten Ware kann sie preislich nicht mithalten. Und die Maschinen können auch "unperfektes" Handwerk imitieren. Wozu also für sehr viel mehr Geld echtes Handwerk kaufen?
Weil es authentischer ist. Finde ich. Aber können wir als Laien das noch unterscheiden? Wenn ich zu ihr in die Werkstatt ginge, könnte ich es.
Landen wir da vielleicht auch irgendwann in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft? Man geht zu "seinem Schriftsteller", um "echte" Bücher zu kaufen? Ist nicht so ganz ernst gemeint, aber wie sieht die Zukunft für alle jene aus, die
- gerne selber produzieren?
- gerne noch handgefertigte Produkte (und dazu rechne ich auch Bücher, Podcasts etc.) kaufen wollen?
Wir haben die KI von der Leine gelassen, und aufzuhalten war der Prozess wahrscheinlich nie. Trotzdem erinnert mich das Ganze an Goethes "Zauberlehrling": Herr, die Not ist groß. Die ich rief, die Geister, ich werd sie nun nicht los.
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Hallo Silke,
das habe ich nicht gelesen. Keins aus der Reihe. Aber zwei, drei andere von ihr. Und, ja, sie schreibt wirklich gut. Zumindest, soweit ich das aus der Übersetzung auf das Original rückschließen kann.
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Der Text, an dem ich gerade schreibe, fiele sogar in etlichen Punkten in die Bereiche, die angeblich gerade gefragt sind. Nur mit der "ganz großen Liebesgeschichte" kann ich nicht dienen. Liebe ja, aber nicht im ganz großen Stil.
Eine Autorin, die das übrigens aktuell sehr gut trifft, ist Jojo Moyes. Ich habe gerade ihren neuen Roman "Zwischen Ende und Anfang" gehört, keine hohe Literatur, in vielen Punkten sogar die klassische Geschichte vom falschen Mann, der für den richtigen gehalten wird, und umgekehrt. Und viele Probleme. Das alles aber eher leicht und unterhaltsam geschrieben. Falls jemand Orientierung braucht, was damit gemeint ist.
Und ich muss ehrlich sagen: Sie hat mich unterhalten.
Ich bin weit davon entfernt, auf jemanden als "trivial" herunterzugucken, der dieses Handwerk gut beherrscht, und das tut Frau Moyes.
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Findet Ihr das nicht auch völlig demoralisierend? Bisher hatte ich immer gedacht, KI-Texte hätten nicht die Fähigkeit, einem Text "Seele" zu verleihen. Aber wenn sie selbst das kann, wenn mit anderen Worten Verlage, ohne Garantiehonorare oder Tantiemen zahlen zu müssen, Bücher in nahezu jedem Stil produzieren können, was machen wir dann noch hier? Außer uns über die KI auszutauschen?
Ich schreibe, weil ich es gerne mache, weil ich gerne Geschichten erzähle und weil es mir auch Spaß macht, stilistisch daran zu feilen. Aber so wie es aussieht, könnte das alles überflüssig werden.
Oder doch nicht?
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Ja und nein.
Was gängige oder eher sogar triviale Unterhaltungsliteratur betrifft, kann ich mir das auch gut vorstellen. Aber ich würde mich wundern, wenn die KI eine individuelle Erzählstimme trifft. Von der sogenannten besseren Literatur mal ganz abgesehen.
Ich mag mich auch nicht an die Vorstellung gewöhnen, dass wir demnächst in einer Buch-Landschaft leben könnten, deren Produkte von einer KI erstellt werden.
Bei Geschichten, die am Reißbrett erstellt werden, mag das möglich sein. Auch bei Heftromanen. Aber alles, was darüber hinausgeht ...? Ich weiß nicht.
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Danke an alle Fotografen!
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Hallo Nils,
genau dieselbe Erfahrung habe ich mit meinem ersten Roman gemacht. Mann, war ich stolz, als er fertig war. Ich habe mir das gesamte Manuskript mit in den Urlaub genommen und wollte es noch ein Mal gegenlesen.
Nach drei Seiten ist mir bewusst geworden, dass es Mist war.
Aber mir ist gleichzeitig auch bewusst geworden, WARUM es Mist war. Denn, ich gebe es zu, ich habe eine Weile ganz gerne diese Schreibratgeber gelesen. Sie bieten meiner Ansicht nach keine Anleitung zum fiktionalen Schreiben für jemanden, der denkt, man könne das nur aus Büchern lernen. Aber sie geben hilfreiche Tipps, wenn man bereits ein bisschen Schreiberfahrung hat. Und mir ist auf einmal klargeworden, warum das Ding so grauenvoll zu lesen war.
Dann habe ich es ein weiteres Jahr umgearbeitet, nahezu Zeile für Zeile.
Und das könntest Du auch, Nils! Vielleicht kannst Du Deinen Roman revitalisieren. Auch wenn Du damit dann, so wie ich, erst mal bei einem sehr motivierten Kleinstverlag landest.
Sondengeher: Vielleicht solltest auch Du Deinen Text noch ein, zwei Mal überarbeiten. Um mal Hemingway zu zitieren: Der erste Entwurf ist immer Scheiße.

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Auch wenn man bei Google eine Frage eingibt, erhält man inzwischen als Erstes die Antwort der KI. Ich würde mich allerdings darauf nie verlassen, sondern recherchiere trotzdem bei den Quellen im Netz, von denen ich weiß, dass sie als zuverlässig gelten. Für eine erste Orientierung ist die KI gar nicht mal so schlecht, aber ich traue dem Wahrheitsgehalt dort noch nicht so ganz.
Auch Schüler lassen ja inzwischen ihre Hausaufgaben von der KI erledigen. Da gilt dann aber spätestens bei den Prüfungen dasselbe wie an der Uni. Mal ganz davon abgesehen, dass Lehrer so etwas meistens merken und darauf - vorsichtig ausgedrückt - nicht gerade gut zu sprechen sind.
Aber wir können diesen Weg wohl nicht mehr aufhalten.