Hallo Tom,
Du hast natürlich recht, es gibt keine Regeln für Kulturkritik. Und ich stimme Dir auch darin zu, dass, wer mit einem Produkt an die Öffentlichkeit geht (gleichgültig, ob Buch, Opern- oder Theaterproduktion etc.) auch mit der Kritik zurechtkommen muss. Einerseits wollen die Künstler diese Kritik ja, und zwar in großer Anzahl, andererseits sollte die Kritik eben nett sein. Auch mit dem Problem hatte ich zu tun, und ich stand damals auch auf dem Standpunkt, dass man nicht beides haben kann: unbedingt Kritik, aber bitte keine kritische.
Ich selber habe, bevor ich als Kritikerin begonnen habe, lange an der Oper mitgearbeitet. Ich habe gesehen, wie viel Arbeit in so einer Produktion steckt, und - viel wichtiger - ich habe auch erlebt, wie sehr Kritiken die einzelnen Künstler treffen können. Dann, wenn sie abwertend oder polemisch sind. "Ich muss damit wieder auf die Bühne", hat mir mal eine Schauspielerin gesagt.
Diese Erfahrung am Theater hat (vermutlich) dazu beigetragen, dass ich persönlich mich um sachliche Kritik bemüht habe. Und überraschenderweise hatte auch ich meine Leser. Will sagen: Man muss sich nicht zwangsläufig mit einer Kritik inszenieren. Ganz nebenbei: Wenn man einen Verriss schreibt, kann man eben auch das ganze Werkzeug von Sarkasmus über Ironie bis zu Polemik aus der Schublade holen, und das kommt beim Lesepublikum meist sehr gut an. Man tut sich selber damit einen gefallen, die Kritik liest sich unterhaltsam und man bedient das Bedürfnis der Leser mitzuerleben, wie über andere hergezogen wird. Klar macht es Spaß, solche Kritiken zu verfassen. Ich persönlich fand das aber immer etwas fies, ganz einfach gesagt.
Ich erhebe meinen Ansatz nicht zum Maßstab, aber ich, ich ganz persönlich, mag diese Selbstdarstellung des Herrn Scheck einfach nicht.
Allerdings dürfte er Frau von Kürthy zur größtmöglichen Öffentlichkeit verholfen haben, mehr, als sie sie mit ihrem Buch alleine hätte bekommen können. Und, nein, ich stimme ihr nicht zu, dass sich seine Kritik gegen Frauen im Allgemeinen richtet. Das ändert aber nichts daran, dass ich ihn häufig als ziemlich untergriffig empfinde.