Beiträge von Jochen

    Danke, H-D für die Eindrücke der Lesung.


    Das Buch soll laut Andrew Ranicki ja dasjenige gewesen sein, dass MRR noch in seinem Sterbebett las.


    Ich möchte es nicht versäumen, auch das Hörbuch dazu uneingeschränkt anzupreisen. "Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft" hat Safranski noch selbst gelesen, nach ein paar Stunden entwickelt man bezüglich seines Sprachfehlers eine Art Stockholmsyndrom. Das Hörbuch liegt ungekürzt vor und wird nun kongenial von Frank Arnold gelesen. Als Fortsetzung dazu empfehle ich natürlich den Eckermann: "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens", der wie "Dichtung und Wahrheit" in diesem Zusammenhang imho so etwas wie eine Pflichtlektüre darstellt.

    Im von Dir erwähnten "Malibu" war die Tragik der Verlustsituation nahezu greifbar; etwas ähnlich Schönschmerzhaftes habe ich selten gelesen. Aber am Ende verkackt er es.

    SuperTex war natürlich cool, da gebe ich Dir Recht. Der Jude und der Porsche - das war natürlich intelligent und witzig gemacht und hat Jahre später seinen (ebenfalls) Jaguar fahrenden Schriftstellerfreund Bodo Kirchhoff zum Titel seines Megaflopps "Erinnerungen an meinen Porsche" inspiriert. Hoffmanns Hunger habe ich nie gelesen (ich war noch nie ein großer de-Winter-Fan), aber vielleicht sollte ich ihm damit ja noch eine letzte Chance geben, wobei er eine letzte Chance meinerseits sicherlich nicht nötig hat.


    Was ich eigentlich sagen wollte - bezugnehmend auf das obige Zitat - die ersten 6/8 von Malibu sind so verdammt gut und versprechen so verdammt viel, vor allem versprechen sie ein so grandioses Finale, wieso macht ein Autor seines Formats (immerhin war er damals schon gut 20 Jahre im Geschäft) so etwas? Mein Leseerlebnis ist - wie gesagt - noch recht frisch, ich habe den Roman letzte Woche zu Ende gelesen, aber ich denke sehr oft an dieses Buch und kann mir keinen wirklichen Reim darauf machen ... und ich finde es total schade, einerseits für den Roman, anderseits für die vertante Zeit.


    Herzliche Grüße,
    Jochen.

    Am Ende zieht de Winter so kräftig an allen Handlungsfäden, dass sie sich zu vereinen scheinen, aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Die Geschichte ist keine, sondern ein halbfiktiver, zutatenüberfluteter Brei, der deutlich zu lange gekocht wurde.

    Schöne Rezension. Vielen Dank, Tom. Fakt ist, dass de Winter gut schreiben kann, allein, er tut es nicht. Am Ende versemmelt er immer alles. Ich habe erst letzte Woche Malibu gelesen, ein Roman der ganz toll anfängt, ganz tolle und vielversprechende Themen vor sich ausbreitet, sich dann aber zu einem - ja, genau! - Handlungsbrei entwickelt, der vorzeitig über den Rand des Topfes wabert, dann auf die Induktionsschalter läuft, den Herd zum Stillstand bringt (Kindersicherung?) und schließlich in einem literarischen coitus interruptus gipfelt, der den Leser nur unbefriedigt zurücklässt, da man noch bis zuletzt ein Ende erwartet das auf den restlichen 10 Seiten einfach nicht mehr zu leisten ist. Möglicherweise ist ihm ja nicht nur der Atem, sondern auch das Papier ausgegangen. Klare Empfehlung: nicht kaufen und nicht lesen. Jetzt dachte ich, vielleicht zweite Chance für den jaguarfahrenden Schriftsteller, aber nach dieser Rezi dann lieber doch nicht. Ich frage mich eh, wie das der Diogenes Verlag jetzt machen will. Urs Widmer ist tot, de Winter schreibt nur noch selbstverliebten Terrorkram und bei Arnon Grünberg ist eh Hopfen und Malz verloren. On verra bien, wie Sarkozy zu sagen pflegte.

    Da wird beschissen, gekokst und gef**ckt auf Teufel komm raus

    Wow, yeah! That's my world. Ich habe mir für dieses Wochenende zwei Filme vorgenommen, der eine ist "The Hateful Eight" und der andere ist "The Wolf of Wallstreet", obwohl ich DiCaprio eigentlich gar nicht mag, ich muss da immer an dieses schreckliche (Vorsicht Ohren zuhalten!) YOOOOOOOOOR' HEEEEEEEEEEEERE THEEEEEEEEERES NOOOOOOOOOOOOOTHING I FEEEEEEEAAAAAAR denken, aber gut, diese eine Chance bekommt er noch von mir. Und was Tarantino angeht, das ist wirklich ein Selbstvermarktungsgott wie er im Drehbuch steht. Ich glaube ja schon lange, dass Fußfetischismus und Schreibtalent kausal zusammenhängen.

    Wenn die Zielgruppe Buchpiraten wären, also wenn die ordentlich für die Teilnahme an solchen Seminaren zahlen würden, dann würde ich das auch machen, Schreibseminare geben

    Ja, man sollte diese Leute zu Schreibseminaren verdonnern. Vier Wochen im Bois de Boulogne: Pilze pflücken und Kurzprosa mit Peter Handke :affe

    Das einzige, was mich sozusagen placebomäßig tröstet, ist die Tatsache, dass Bücher ja gelesen werden müssen, ansonsten erfüllen sie ihren primären Zweck ja nicht so wirklich. Was nützen einem mehrere Tausend heruntergeladener Bücher, wenn man sie aufgrund der schieren Menge (und der Tatsache, dass man sich eigentlich gar nicht für sie interessiert) nicht lesen kann? Worauf ich anspiele ist der Punkt, dass es in manchen Kreisen einfach kuhl ist, 8.000 Bücher/Filme/Serien/Whatever auf seiner Festplatte zu horten. Dennoch: Auch wer Autos klaut, nur um sie in seine Garage zu stellen ist und bleibt ein Lump.

    Hallo Tom,

    Ich komme aber nicht auf die Idee, das Produkt stattdessen zu klauen. Weil ich kein asoziales Arschloch bin. Und das sind für mich alle Leute, die das tun, aktiv wie passiv, also "Anbieter" und "Kunden"

    Nun gehöre ich (noch) nicht zu den (direkt) Betroffenen, bekomme aber auch regelmäßig einen Hals, wenn ich davon höre oder lese. Völlig d'accord.

    Nur die Verlage reagieren bislang kaum. Das muss sich ändern.

    Das glaube ich in der Zwischenzeit nicht mehr. Es scheint sich hierzulande vielmehr ein grotesker Mechanismus etabliert zu haben, der sowohl gewisse Juristen (und "betroffene" Verlage) von diesen Downloadportalen profitieren lässt. Das Miese daran ist, dass kein Autor jemals von diesem Geld auch nur einen Cent sehen wird - was in meinen Augen das eigentliche Problem ist. Mal so lapidar formuliert: Schriftsteller sollten in Betracht ziehen, nach Möglichkeit keine Verträge mehr zu unterschreiben, in denen der oben genannte Sachverhalt nicht eindeutig zu ihren Gunsten geregelt ist. Einerseits ist dies eine implizite Kapitulation vor den Mechanismen, andererseits: was bleibt? Ich jedenfalls kenne keinen Schriftsteller, auch keinen angehenden, der Lust hat, mit seiner Arbeit die Konten irgendwelcher pickelgesichtiger Vollhonks zu füllen.

    Als ich mal eine Geschichte über einen Callboy gepostet hatte, hieß es hier nämlich: Nein, das ist ganz unrealistisch, so läuft das nicht.
    Tja, was sollte ich da sagen? Genau so hab ich es aber erlebt?

    In den nicht wenigen Schreibkursen die ich absolviert habe (und den vielen vielen Texten die ich dort lesen und rezensieren musste/durfte) habe ich die interessante Erfahrung gemacht, dass die in den Augen der Teilnehmer unglaubwürdigsten Texte regelmäßig diejenigen waren, von denen ihre Urheber behauptet haben, sie hätten sie wirklich erlebt. Die "ausgedachten" (und somit im Wortsinn an den Haaren herbeigezogenen) Ansätze waren für die meisten Teilnehmer hingegen regelmäßig am glaubwürdigsten. Seitdem nenne ich das für mich das "Erlebnisparadox" und ziehe einerseits Geschichten nur noch an den Haaren herbei und lasse behutsam Autobiographisches Denken und Fühlen einfließen, jedoch nie und nimmer Ereignisse, die ich irgendwann tatsächlich erlebt habe und die mir vermeintlich berichtenswert erscheinen. Das nur als ganz kleiner Einwurf zu diesem Thema.

    ich bin da leider sprachbarrieriert

    Hm, just tried to translate it using google, but ... hm ...


    Zitat


    Wie das, was ich bin, wann ich schreibe Sachbücher angezogen ist, dass Sie nicht wissen, aber wissen Sie, oder? Es gibt eine Möglichkeit der Erkenntnis. Sie können den Bereich, in dem Sie schreiben, zu steuern. Und für mich fühlt es sich wie ein kleiner formaler Garten und ich kann sie so schön wie möglich zu machen.

    Hört sich fast an wie ein Beitrag von Joash Lürik von Tranströmer. Das wesentliche liest man durchaus heraus. Finde ich.


    :arzt

    Passt aber farblich exzellent zu Deinem Avatar

    Und ich könnte schwören, dass mein Avatar gestern noch normal war. Aber mich stört das nicht weiter. Simply Red halt :evil

    denn im Moment ist das doch sehr rosa (oder sagt man heute pink?)

    Heute Morgen dachte ich noch, das hätte was mit Thomas Hitzls... dem Frühlingsanfang zu tun. Aber da hab ich mich wohl getäuscht :D

    Rein zufällig hab ich was dazu in der viel zitierten Schublade und werde es mal ganz blauäugig versuchen

    Wenn das Thema nach einer Story ruft, die zufälligerweise in der Schublade vor sich hinrottet, ist das natürlich super. Zu Die Schönheitskönigin Sarah Rotblatt fährt an einer Tankstelle vor hatte ich leider nichts in Petto und deshalb nehme ich schon seit Jahren nicht mehr an diesen Wettbewerben teil, da ich lieber unter Überschriften schreibe, die ich mir selbst ausgesucht habe. Andererseits: Ein Ausflug zu dritt - diese Headline könnte ich ohne Weiteres über viele meiner Kurzgeschichten setzen, ohne, dass es überhaupt jemandem auffiele :evil


    Jochen.

    Hans Magnus Enzensberger und Dirk von Petersdorff waren dieses Jahr die Tübinger "Poetikdozenten". Leider konnte ich dieses Jahr aus zeitlichen Gründen nicht dabei sein, dennoch möchte ich Euch die aktuelle Ausschreibung zur Dozentur nicht vorenthalten. Enzensberger und von Petersdorff haben am 20.11.2013 das Thema für den Würth-Literaturpreis 2014 bekannt gegeben. Es lautet: "Ein Ausflug zu dritt." Interpretiert man das Thema nicht im Sinne einer Ménage à trois, ist das - finde ich - dieses Jahr ein doch vergleichsweise nüchternes Thema, wenn man es den letzten Jahrgängen gegenüberstellt (Wie fühlt es sich an, ein Tier zu sein? - Jonathan Franzen / Die Schönheitskönigin Sarah Rotblatt fährt an einer Tankstelle vor - Christoph Ransmayr oder Rosa ist das Grau der Optimisten - Juliette Zeh). Vielleicht ließe sich aus dem Thema ja etwas Walserartiges machen, wie hieß diese Novelle mit dem Pferd noch gleich? Einsendeschluss für unveröffentlichte Prosatexte (10.000 Zeichen) ist übrigens der 1. Februar 2014. Dotiert ist der Preis mit insgesamt 7.500,00 EUR, dem durchschnittlichen 5-Tagessatz eines mittelmäßigen Unternehmensberaters.


    Nähere Infos auf den Seiten der Uni Tübingen:
    http://www.germ.uni-tuebingen.…tuelle-ausschreibung.html


    Jochen.