Beiträge von dORIT von gESTERN

    uups…😳Ich hatte heute Morgen auch schon geantwortet aber mein Beitrag ist gar nicht hochgeladen worden.

    Dann eben noch einmal … vielleicht ist er ja noch irgendwo in Space unterwegs.


    Lieber Weltenbummler,

    ich bummle derzeit noch in der Einöde und im funklochübersäten Mecklenburg herum. Nun habe ich ein kleines LTE sowie ein größeres WLAN Netz mit Zugang gefunden und versuche noch einmal meine Nachricht loszuschicken, also noch einmal:


    Ich gebe im März ein dreiteiliges online Schreibseminar unter dem Dach des TuT. https://www.das-tut.de/de/prog…iliges-onlineseminar-3893

    Herzliche Grüße von dORIT (David)

    Ich weiß, was du sagen willst, und wie gesagt, habe ich ein Bild vor Augen, und auch ein reales Schicksal von jemandem, den ich nicht verteufeln kann und möchte, weil man sich lange kennt, weil einen einiges emotionales verbindet.

    Es war lediglich der Begriff "Knuddel", der dem ( in meinen Augen) nicht so gerecht wird, über den ich gestolpert war, nicht das was für dich dahinterstand.

    Im Gegensatz zu Unterleuten, das für mich ziemlich menschelt, ist Über Menschen in einem sehr distanzierten Modus geschrieben. Ein großartiges Buch ist Juli Zeh da (wieder einmal) gelungen, wie ich finde.

    Eine für mich sehr zentrale Figur, ist das Mädchen, das Kind, dass die Verbindung überhaupt erst ermöglicht und die Netzwerke für eine Verständigung legt. Und natürlich auch das "Bankgeheimnis" ist ein starkes wiederkehrendes Bild.

    Mit dem Begriff KnuddelNazi kann ich gar nicht mitgehen, die RomanFigur ging ziemlich an meine Schmerzgrenze, in ihrer ganzen Tragik. Vielleicht, weil ich sofort ein Bild habe. Ich kenne so ähnliche Typen, das heißt, Menschen mit ähnlichen Einstellungen und ... wie soll ich sagen, tragischen Lebensmustern. Das ist schwer auszuhalten. Wegzuschauen genauso wie in Kontakt gehen. Ein Dilemma eben. Das hat Juli Zeh ziemlich gut gegriffen gekriegt mit dieser Geschichte.

    Alan Bennett - Cosi fan tutte


    ISBN : ‎ 978-3803112132


    Eine Art Rezension, die ich im Stile des Autors versucht habe zu schreiben - oder: warum ich dieses Buch dann schließlich doch gelesen habe … 😎 in diesem Text bin ich ( wer es noch nicht weiß, Mrs. David 😉):

    Mrs. David erhielt zu ihrem 53. Geburtstag als Geschenk von einer guten Freundin, ein schwarzrotes, dünnes Bändchen mit 90 Seiten, welches den Titel Cosi fan tutte trug und aus der Feder eines gewissen Alan Bennett stammte. Beides sagte Mrs. David nichts, wobei sie natürlich log, denn Cosi fan tutte sah sie in jungen Jahren ein einziges Mal in Rotterdam, ohne jedoch damals zu verstehen, worum es eigentlich ging, aber nicht ohne Genuss, was die Stimmgewalt und die außerordentliche Verspieltheit der Inszenierung anging – aber das nur nebenbei.

    Neugierig, wie es ihre Natur zu sein pflegte, nahm sie den schmalen 90Seiter zu Hand und begann sich in die Lektüre zu vertiefen. Allein, das ist schon wieder eine maßlose Übertreibung, denn Mrs. David fand gar keine Tiefe vor, ja noch nicht einmal eine Tür oder einen Gang, geschweige denn einen Hinweis darauf, die sie dahingehend zu nutzen verstünde, hinabzusteigen, dorthin, wo sie eine solche zu finden gedachte.
    Statt der Tiefe begegnete ihr auf den ersten Seiten eine merkwürdige und gestelzt inszenierte Beschreibung eines Ehepaares (Ransomes), das in den leeren Räumen seiner Wohnung herumstand, in welche just während ihres Opernbesuches (natürlich Cosi fan tutte) eingebrochen worden war.
    Auf den nachfolgenden Seiten wunderte sich Mrs. David über die Dialoge, an die sie, (bitte verzeihen Sie den vulgär versimpelnden Ausdruck) „anzudocken“ nicht im Stande war. Auf der Rückseite des besagten Buches las sie von „herausragenden britischen Humor“, von „profiliertester Stimme“ und von „zeitgenössische Kunst“ (der neunziger Jahre).
    „Nun gut“, dachte sie, nicht jede Lektüre muss bis zu ihrem bitterem Ende genossen werden, und so beschloss sie die hochgelobte Literatur eine kleine Weile beiseite zu legen. Dies jedoch löste über die Tage, die das Büchlein sein staubiges Dasein unter ihrem Bette verbrachte, unweigerlich schlechte Laune in ihr aus, was wiederum der Grund war, weshalb sie es mit in die Einöde nahm.
    Jedes Jahr beging sie den Jahreswechsel fern ab aller Zivilisation mit ihrem Mann Mr. David in einer ausschließlich mit einem Holzofen zu beheizenden Holzhütte ohne fließend Wasser.
    Sie war fest entschlossen, der Lektüre eine zweite Chance einzuräumen, zumal einer ihrer längsten und engsten Freundinnen ihr genau jenes Exemplar ja zum Geburtstag hatte zukommen lassen.
    Was sollte sie ihr antworten, würde sie sie fragen, wie es ihr gefallen hätte, ohne unhöflich zu sein? Noch ungebührlicher wäre es gewesen (obschon ihr die Frage auf der Zunge brannte) ihre Freundin danach zu fragen, warum ausgerechnet sie ihr so ein Geschenk machte… Diese Frage zu stellen, war aber gleichermaßen indiskret wie peinlich, denn sie wusste, dass ihre langjährige Freundin einen Lesezirkel unterhielt, der einmal im Monat von drei Damen ihres Alters ausgerichtet wurde, und bei welchem man sich mit wechselnder Lektüre zu dieser oder jener LeseEmpfehlung hinreißen ließ. Sicher war auch ihr Bändchen eines dieser Empfehlungen.
    Aber warum sie? Warum dieses? Nichts in der beschriebenen Szenerie überschnitt sich mit Mrs. Davids Vorlieben, LebensUmständen, Ansichten, und weder im Stil noch im Inhalt, noch in jedweder möglichen Gemeinsamkeit der handelnden Personen fand Mrs. David einen Anknüpfungspunkt. Es war in seiner Gestelztheit noch nicht einmal lustig. Der so genannte britische Humor war ein sperriger, toter Fremdkörper. Mehr nicht.
    Mrs. David war darüber untröstlich.
    Mr. David hingegen ist in diesen Ausführungen noch nicht vorgekommen, und doch spielt er an genau diesem Punkt eine entscheidende Rolle. In ihrer Not erzählte Mrs. David ihrem Manne von ihrer inneren Zerrissenheit ausgelöst durch die unvereinbar erscheinenden Pole ihres Dilemmas: auf der einen Seite ihre gute Freundin – auf der anderen diese unverdauliche sie zutiefst langweilende Lektüre in Form eines von Herzen kommenden Geschenkes.
    „Würdest du es einmal anlesen?“, bat sie Mr. David inständig „und mir mitteilen, ob ich mit meinem Eindruck auf dein Verständnis hoffen darf?“
    „Nun ja“, erwiderte Mr. David gleichmütig, „ich glaube schon, dass ich das kann, aber…“ Er schob sich seine Kopfhörer von der Stirn, die er vergessen hatte zum 5:00 Uhr Tee abzusetzen, (da er zwischen 15 und 16:00 Uhr seiner Rockmusik frönte)
    „… Aber ist hier wirklich das Lesen das Problem? “
    Mrs. David verstand ihn nicht gleich. Als sie jedoch beobachtete, wie liebevoll er seine Kopfhörer beiseite legte und wie andächtig er den Laptop mit seiner sich schließenden MusikListe herunterfuhr, durchschoss sie die Erkenntnis wie der grandiose Auftakt eines erhellenden Musikstückes.
    Sie hatte den Zugang die ganze Zeit auf der falschen Seite gesucht! Das Türchen, der Tunnel, der Weg zu diesem Werk erschloss sich vermutlich nicht über die Augen. Schon der Gedanke an die drei Damen des LeseZirkels hätte sie aufhorchen lassen müssen! In einem Lesezirkel las man laut, oder besser gesagt: sich vor. Man hörte, lauschte, folgte der Stimme, ließ sich auf die Höhen und Tiefen, dass Auf und Ab der Sprachmelodie ein, man legte sich in das Bett des Klanges aus Vokalen, sprang und hüpfte gemeinsam mit der Vorleserin über Konsonanten, stolperte Hand in Hand über die UnTiefen und Treppen der Schachtelsätze, um am Ende erleichtert (oft Schweiß gebadet) voller Genuss und tiefer Befriedigung mit abgesenkten Stimme einen satten Punkt zu setzen.
    Das Rätsel war gelöst.
    Den englischen Humor musste man also hören.
    Auf dem Papier blieb er flach. Erst in der Dreidimensionalität des Klanges erhob er sich zu wahrer Größe.
    Und so nahm Mr. David das Bändchen zu Hand und las mit salbungsvoller Hingabe über das englische Mittelklasse Ehepaar mit dem seltsamen Namen, bei dessen Aussprache Mr. David das Gefühl nicht los wurde, einen Rollmops statt einer Zunge im Mund bändigen zu müssen. Er las von einer ausgeraubten Wohnung, von bis auf die Toilettenbürste und die Teebeutel, ja sogar den Braten im Ofen, bestohlenen EheLeute, die ihr Leben in den leeren Räumen fortsetzen, und so absurd dabei Worte miteinander wechselten, als wären sie nicht alle ihres Hab und Gutes beraubt worden, sondern lediglich eine Unhöflichkeit zum Opfer gefallen.
    Einzig die mangelhafte Pflege seines Schnurrbartes, die aufgrund der fehlenden Tinktur nicht mehr möglich war, schien das größte Problem des amtierenden Hausherren (Mr. Ransome) zu sein.
    Mr. David saß zufrieden vorlesend in seinem Swinger, den er sich vor den lodernden Ofen geschoben hatte und fühlte sich inmitten der englischen Eigennamen und Schachtelsätze so wohl wie auf einer „extra für ihn gestalteten Insel“. Mrs. David lag mit ihrem Fünf-Uhr-Tee auf der karierten Wolldecke daneben – wunderbar bequem, denn sie hatte sich das Nackenkissen ihres Mannes in die Lenden geschoben. Im Gegensatz zu den alten feuchten Daunenkissen waren sie gut für ihren Rücken. Da sie bereits einige Male laut gelacht hatte, war vermutlich der so genannte englische Humor etwas tiefer in sie eingedrungen, als sie vermutet hatte, und da Mr. David das Vorlesen streng auf zehn Seiten limitierte, erwuchs In Mrs. Davids Herzen eine gewisse Vorfreude, wenn nicht sogar eine Gier auf die nachfolgenden Kapitel, die sich mit jedem Nachmittage mehr zu einer literaturbezogenen Lüsternheit steigern sollte. Ihren genussvollen Höhepunkt erreichte die oral–englische Sprachorgie in der Beschreibung wie Mrs. und Mister Ransome sich in die Anhörung einer Kassette (neunziger Jahre) vertiefen, auf welcher ein Beischlaf mitgeschnitten worden war. (Nicht der ihrige, denn der existierte im gegenwärtigen Leben des literarischen Ehepaar es nicht)
    Die Beschreibung und die Vorlesung dieses fremden BeiSchlafs als akustisches Moment lösten bei Mrs. David einen derartigen Lachanfall aus, der ihre ursprüngliche Behauptung - der englische Humor wäre nichts für sie - Lügen strafte. Als Mr. David das schwarz-rote Bändchen zuklappte huschte ein leises Bedauern über Mrs. Davids Gesichtszüge und sie schloss mit den Worten: „…es könnte sein, dass da jemand einen merkwürdigen Sinn für Humor hat…“
    „So steht es jedenfalls auf Seite 45 geschrieben“, erwiderte Mr. David, während das Eis im Brunnen vor dem Hause einfror und der kleine deutsche Holzofen leise vor sich hinbullerte.

    LeseEmpfehlung : laut. 👍🏼

    Das werde ich weiterreichen, das wird sie sicher freuen und ich finde das auch.

    Es ist wirklich merkwürdig wie sich manchmal punktuell die Wege im Leben immer wieder kreuzen. Als sehr junge Frauen haben wir uns am Tut an der Clowns Schule kurz kennen gelernt. Dann ein Jahrzehnt später haben wir intensiv zusammen in einem Theater Projekt gespielt. Und wieder ein Jahrzehnt später begegnen wir uns an meinem Roman.

    Seit vielen Jahren lebt sie in Schweden. Für die allerersten Probeaufnahmen, die sehr schnell verschickt werden sollten, zu dieser Geschichte gibt es ein paar lustige Fotos. Die hat sie nämlich in ihrer „kleinen Hütte“ unter einer gebogenen Matratze – einem improvisierten zusammen gezimmerten Hörstudio eingelesen, bevor sich die Gehörgäng dann für sie entschieden hat…

    … danke, ich habe mich auch sehr gefreut vor allen Dingen weil ich es vorgestern zufällig erfahren habe, und auch, dass auf der Buchmesse ein paar Meter damit für mich reserviert waren …. 😲… damit hatte ich überhaupt gar nicht mehr gerechnet.

    (Doritvongestern 🤣 nomenistohmen)


    Also ich wusste schon, dass etwas in Arbeit ist aber überhaupt nichts über den Stand der Dinge…