Ich sortiere mich noch ein bisschen. Eine Woche habe ich noch Auszeit. Im letzten Jahr habe ich diesen GlossenText geschrieben:
Gute Vorsätze
Gute Vorsätze sind mir suspekt. Aber damit meine ich nicht die, an die man zuerst denkt (neues Jahr und so), sondern die anderen: Also die, die entstehen, wenn jemand mir etwas Schwieriges sagen möchte und dieser eigentlichen, unangenehmen Aussage einen Halbsatz voranstellt wie: „Ich mag dich ja wirklich, aber…“ oder: „Du bist eine tolle Kollegin, und ich schätze deine Arbeit sehr…“ Dann bin ich alarmiert, dann horche ich auf und will diesen Halbsatz gar nicht erst hören. Dann will ich sofort den eigentlichen Satz dahinter wissen. Aber leider gibt es noch jene Menschen, die produzieren nicht nur einen Halbsatz, sondern ganz viele Sätze vor ihrem letztlich potenziellkonfliktbeladendenem Anliegen.
Etliche gute Sätze. Gute Vor-Sätze. Vorangestellte Gute-Laune-Sätze, Stimmungsaufheller, die wirken sollen, noch bevor das dunkle Wetter des Gesprächs samt nachfolgendem Gewitter überhaupt aufzieht. Diese vorauseilenden Beschwichtigugnsversuche sind an sich schon eine drohende Wolke. Würde ich sie riechen können, wäre es vergleichbar mit einem strengen Käse, den jemand vorab mit Parfüm besprüht hat.
Dann lieber gleich Käse.
In wohlmeinenden Ratgebern lese ich mitunter, dass man so etwas tun sollte: dem Negativen etwas Positives voranstellen, um Wertschätzung zu zeigen. Finde ich grundsätzlich auch richtig. Bloß für mich stimmt das Timing nicht.
Warum vor einer Kritik rumloben, nur um verbal ein bisschen zu prokrastinieren? Wenn ich von einer Kollegin in längerem Rückblick ausreichende und ehrliche Wertschätzung bekommen habe, ertrage ich ihre Kritik, auch ohne gute Vor-Sätze.
Das einzige Problem, das ich damit habe, ist, mich selbst daran zu halten. Mein Schleichverhalten um schwierige Themen ähnelt ebenso einem Eiertanz und da müsste ich dann wohl mal zuerst ansetzen. Ein guter Vorsatz. Also diesmal ein Vorsatz im eigentlichen Sinne: Neues Jahr und so…