Beiträge von Tom

    Damit könnte ich also sagen: "Hans hat denselben Anzug wie ich", und damit meinen: "Bei mir zu Hause hängt ein ähnlicher im Kleiderschrank, der auch grau ist und Ellbogenpatches aus Wildleder hat."

    Nein. Der/das/dieselbe meint ein Ding, eine Person, ein Lebewesen, eine Situation, einen Zeitpunkt. Der/das/die gleiche meint mindestens zwei. Aber der Anzug, der nach vierzig Jahren wieder aufgetragen wird, ist nur in dieser Hinsicht noch der_selbe.

    Es kommt darauf an, was man meint. Es ist technisch und faktisch noch derselbe Anzug, wenn es um Anzüge insgesamt geht. Es ist aber nicht mehr derselbe Anzug, wenn es um den konkreten Anzug geht. "Ist das derselbe Anzug, den Du bei unserer Hochzeit getragen hast?" kann als Frage mit "Ja" beantwortet werden, aber die Antwort ließe einen Aber-Nebensatz zu.

    Lustig! :)


    Allerdings: Ich habe auf einer elektrischen Schreibmaschine mit rotierender Walze das Schnelltippen gelernt, und die hat nicht so viel ausgelassen wie dieser hübsche Simulator.

    Aber was spricht dagegen, auf den ersten zehn bis zwanzig Seiten ein paar Hinweise zum äußeren Erscheinungsbild hinzutupfen?

    Genau. Exakt so, wie es der Schreibratgeber "In zwei Tagen zum Fitzek-Successalike" vorschreibt. ;) Dabei nicht vergessen, den Goldenen Schnitt aus der Häufung von Adjektiven, der Seitenzahl und der Schriftgröße zu beachten!


    Dagegen spricht, dass es nicht unmotiviert geschehen sollte. Ich behaupte, es gilt: Was Sinn hat, hat auch Wirkung. Was keinen Sinn hat, kann die Wirkung des sinnhaltigen Anteils verringern. "Hineintupfen" ist leider genau das, was viele tun. Wenn sich eine Figur reflektiert - möglicherweise sogar im wörtlichen Sinn, etwa beim Blick in den Spiegel - hat es Sinn. Wenn sie gerade ihr Auto einparkt - eher nicht.


    Es müssen ja auch keine direkten Beschreibungen sein. Wenn eine Figur die andere attraktiv findet, genügt das möglicherweise schon, um das Kopfkino zum Leuchten zu bringen, obwohl jeder Mensch andere Merkmale attraktiv findet.

    Hallo, Birgit.


    Ich mag es gerne, meinen Lesern visuelle Hinweise zu liefern, damit sie sich die Figuren auch optisch vorstellen können. Es sind alle Eigenschaften, die einen Menschen ausmachen, äußere wie innere, sozialisierte wie genetische, und Merkmale, die im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext relevant sind oder sein können - eine dunkle Hautfarbe oder eine rote Haarfarbe spielen nur dann eine Rolle, wenn sie andere zu Reaktionen hierauf veranlasst (was in aller Regel auch in irgendeiner Form Bestandteil der Erzählung sein wird, so oder so). Undsoweiter. Bei meinen Hauptfiguren, die allerdings auch in aller Regel Ich-Erzähler sind, verzichte ich hierauf, nicht vollständig, aber weitgehend, weil Selbstwahrnehmung trügerisch ist. In der Hauptsache geht es genau um diese Aspekte: Selbst- und Fremdwahrnehmung. Jemand, der sich für zu dick hält, agiert anders als jemand, der von sich glaubt, körperlichen Idealen zu genügen. Figuren sind glaubhafter, wenn man dieses komplexe Verflechtungsnetzwerk aus Eigen- und Fremdwahrnehmung, aus Aktion und Interaktion auch darzustellen versucht. Meine ich.


    Aber es gibt auch diesen anderen Ansatz, durchaus. Ich müsste ein bisschen stöbern, um gute Romane zu finden, in denen es so ist, in denen auf die Beschreibung von Äußerlichkeiten ganz oder weitgehend verzichtet wird, aber es gibt sie sicher. Aber eigentlich kann ich mir einen "Owen Meany" ohne derlei nicht vorstellen. Beispielsweise.


    Oder einen Roman, der von mehreren Autoren verfasst wird, wobei der eine darauf verzichtet und der andere nicht. Möglicherweise ergibt aber gerade das eine interessante innere Spannung. :achsel

    Eine Warnung ist ein Hinweis auf mögliches Geschehen, das bald stattfindet. Es ist bei Warnungen immanent, dass sie vor dem Geschehen ausgesprochen werden, sonst wären sie keine Warnungen - darauf will Ben hinaus, und damit hat er prinzipiell vollständig recht. Und eigentlich auch damit, dass eine "Vorwarnung" mehr oder weniger* eine Tautologie ist, da das Verb "warnen" impliziert, dass Warngeschehen vor dem Objekt der Warnung einzutreten hat. (Über den Unterschied zwischen Tautologien und Pleonasmen ist hier schon einiges gesagt worden, deshalb erspare ich mir das. Wobei. Erspare? :/)


    Und trotzdem sind diese sprachpuristischen Hinweise unsinnig. Das Verb "vorwarnen" hat sich ja nicht durchgesetzt, weil die Idioten das Sagen hatten (das haben sie ja immer), sondern weil es eine Notwendigkeit gab, ein zusätzliches Verb zu schaffen, das eine andere Aussage mit sich bringt als die vorherige Form. Ja, ich sehe die Dozenten in den Journalismusschulen und Publizistikseminaren vor mir, wie sie mit großer Geste erklären, dass ein schlechter Journalist ist, wer dies oder jenes macht, wobei jeder Dozent eine andere Unart missbilligt. Allein, man ist meiner Überzeugung nach erstens kein schlechter Journalist, wenn man sich im Sprachgebrauch auch am Alltag orientiert, und zweitens - siehe oben.


    (* mit dem Begriff "Tautologie" hat er jedoch unrecht, da es sich bei "vor" und "warnen" nicht um eine Ansammlung gleichbedeutender Wörter handelt)

    Als ich in meiner Jugend politisch aktiv war und wir uns arrogant damit geschmückt haben, Termini zu verwenden, die andere Schüler unseres Alters nicht einsetzten (dafür sahen diese Schüler besser aus als wir und hatten auch mehr Spaß in ihrer Freizeit), gehörte es zum guten Ton untereinander, also innerhalb der Peergroup, sich arrogant-amüsiert zu korrigieren, wenn jemand "aufoktroyieren" sagte, also das "auf" aus der Bedeutung "aufzwingen" verdoppelte. Man gab sich damit als ähnlich unwissend zu erkennen wie jemand, der "zumindestens" sagte. Unsere Altersgenossen, obgleich überwiegend Gymnasiasten, konnten mit beiden Fassungen des Begriffs nichts anfangen, was uns den Anstrich einer Elite gab. Dass man zum Oktroyieren zumeist einen politischen Kontext benötigt, ignorierten wir geflissentlich. Elite war gut. Wir wollten Elite sein.


    Ich meine auch, dass die Vorsilbe beim "Vorwarnen" die Aussage des Verbs ergänzt und insofern ausweitet. Eine Warnung steht zumeist in Verbindung mit einem konkreten Anlass oder einer Situation, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten wird, während sich eine Vorwarnung noch in einem Abstand bewegt, der auch die Vermeidung mit mindestens gleicher Wahrscheinlichkeit erlaubt. Unbestritten sei jedoch, dass diese Bedeutungsnuancen nicht von jedem, der die Begriffe verwendet, auch gemeint sind.

    Hast Du's mal ausprobiert, HD? Also ein paar der 2.000 Freiwörter genutzt, um Texte aus eigenen Texten zu finden? Oder Gedanken, die Du für originär hieltest, die aber tatsächlich andere schon hatten?


    Die Preise sind so mittelhalbmoderat, finde ich. Auf jeden Fall aber etwas, das man bookmarken kann. Danke für den Tipp.

    Ich weiß, ich mache mich damit nicht nur beliebt, aber:

    Weil eben viele Selfpublisher über Amazon veröffentlichen, ist dort das Angebot größer.

    Ausgerechnet das wäre für mich eher ein Argument gegen den Kindle. :evil