Beiträge von Tom

    Nun, fiktive Figuren haben den Vorteil, dass man mit ihnen ungestraft so gut wie alles machen kann. Wenn sie also aufmüpfig sind, sich ihrer Bestimmung verweigern, nerven und stören, dann kann man ihnen jedes denk- und undenkbare Schicksal zukommen lassen. Ist die Figur also noch irgendwo im Kreativhirn zugange, widmet man ihr mal eben eine sehr kurze Kurzgeschichte und lässt sie darin sterben, beispielsweise.

    Es gibt Geschwindigkeitstestsysteme, die man auch nutzen kann, wenn man nicht bei den jeweiligen Anbietern ist, z.B. hier:


    https://speedtest.vodafone.de/#speedtest_init


    Die geben dann Auskunft, ob es inner- oder außerhäusige Probleme gibt, also welche Bandbreite grundsätzlich zur Verfügung steht und was davon noch am Router ankommt. Bei Problemen im Haus sind diverse Ursachen möglich, aber meistens werden WLANs durch Kanalüberlagerungen (auch mit den Nachbarn), zu viele aktive Endgeräte, überwiegende Nutzung des 2,4GHz-Bereichs und Hintergrundprozesse ausgebremst, wie z.B. Smartphones, die sich gerade fette Updates ziehen. Aber das ist ein bisschen wie bei der Ansage "Mein Kind ist krank". Das kann alles mögliche bedeuten, aber für genauere Aussagen wären auch genauere Symptomangaben nötig.

    Hallo, Silke.


    Ich kann nichts wirklich Neues beisteuern, außer, dass wir das alle erleben, immer wieder, ganz egal, wie weit wir sind oder uns wähnen. Und die Situation ist im Moment tatsächlich, äh, anspruchsvoll. Die Verlage agieren sehr zurückhaltend, es gibt quasi kein Live-Geschehen, Neuerscheinungen gehen unter, wenn man nicht gerade eine Drogeriemarktkette als Werbeplattform hat, und die Leser scheinen sich auf Bewährtes zu konzentrieren. Es wird überall abgewartet. Isso. Also war das möglicherweise nicht nur eine Floskel. Man weiß es nicht. :achsel


    Wenn Dir fünfzig Leute gesagt haben, dass Du klasse aussiehst, und dann geht einer an Dir vorbei und murmelt: Alter, bist Du aber hässlich, dann denkst Du nicht: Mag er ja meinen, aber fünfzig Leute finden mich schön, also bin ich wohl schön. Sondern Du denkst: Da sagt einer die Wahrheit, während mich alle anderen nur anlügen, weil sich Menschen nun einmal tagein, tagaus anlügen, um sich das Leben leichter zu machen. Du könntest sogar Schönheitswettbewerbe gewonnen haben und als Model arbeiten. Die eine negative Aussage verkleistert alles. So sind wir gestrickt, aber die gute Nachricht, die nicht neu sein dürfte, lautet: Wir kommen darüber hinweg. Krönchen richten und all das. Morgen ist ein neuer Tag. Die Sonne geht wieder auf. Auf einen Winter folgt ein Frühling, auf Krieg Frieden undsoweiter.


    Ich habe, glaube ich, noch nichts Literarisches von Dir gelesen, aber ich lese Deine bemerkenswerten Postings, und ich glaube, die erfrischende Selbsteinschätzung, die Du von Dir gegeben hast, könnte zutreffen. Es ist nur leider nicht leicht, in dieser verkackten Branche Fuß zu fassen. Gerade jetzt. Aber eigentlich immer. Ohne eine satte Portion Dickfelligkeit, Geduld und, ja, ein bisschen Glück übersteht man die Anbahnungsphase nur schwer.

    Hallo, Peter.


    Ich habe gerade mal ein wenig in der Leseprobe geschmökert, aber das ist tatsächlich kein Vergleich. Und übrigens lese ich bei Gene Wolfe einen Satz wie "Es war meine Art, meine Freude und mein Fluch, nichts zu vergessen", als zwar möglicherweise motivierte, aber an jemanden gerichtete Erklärung. So etwas würde Morgan nie tun.


    Ach so, und Ringil Eskiath ist schwul.


    Edit: Aber ich bedanke mich für den Lesetipp - unzuverlässige Erzähler beherrscht nicht jeder, und vielleicht macht das ja wirklich Spaß. Wolfe hat schließlich jede Menge Preise abgeräumt, wie ich gerade gesehen habe.

    Tapferkeit, die belohnt wird


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    Richard Morgan ist mit seinen Science Fiction-Romanen bekannt geworden, vor allem mit der Trilogie rund um Takeshi Kovacsz, die mit „Das Unsterblichkeitsprogramm“ („Altered Carbon“) begann und inzwischen auf Netflix als Serie zu sehen ist. Zwischen 2008 und 2013 hat Morgan aber auch eine Fantasy-Trilogie unter dem Gesamttitel „Land Fit For Heroes“ geschrieben, zu der im Dezember 2020 endlich der letzte Teil in deutscher Übersetzung erschienen ist. Für mich Anlass, alle drei Bücher in einem Rutsch zu lesen.



    Um es vorweg zu sagen: Das ist nichts für schwache Nerven, und obwohl es sprachlich, intellektuell, die Sozialkritik und die geschilderten Sozialstrukturen anbetreffend mehr als anspruchsvoll ist, ist „Das Zeitalter der Helden“ nicht unbedingt etwas für literarische Feingeister. Es geht ziemlich heftig zur Sache, und gleich am Anfang, als den geneigten Lesern die Hauptfigur, Ringil Eskiath mit seinem Schwert „Rabenfreund“, vorgestellt wird, wechselt sich eine extrem widerwärtige, sehr bluttriefende, elegisch beschriebene Kampfszene mit Sexschilderungen ab, die später noch sehr viel eindringlicher werden, aber hier bereits andeuten, womit man im Verlauf der Lektüre zu rechnen hat. Morgan erzählt schlicht alles, er geht ins Detail, er lässt die Leser miterleben. Das heißt längst nicht, dass er auch alles erklärt, denn das wiederum ist nicht seine Art. Man muss ziemlich aufpassen und konzentriert bleiben, um Zusammenhänge, aber auch Einzelheiten zu verstehen, doch selbst bei Elementen, die man beim besten Willen nicht extrapolieren kann, bleibt er eine Erläuterung oft schuldig. Wie bei seinen Science Fiction-Romanen setzt Morgan seine Welten und Geschöpfe als selbstverständlich voraus, und wie ein zeitgenössischer Autor keinem Leser vermitteln würde, was zum Beispiel ein Aufzug ist oder wie dieser funktioniert, verzichtet er in seinen fiktiven Welten ebenso darauf - jedenfalls meistens. Wenn es wirklich sonst nicht zu verstehen wäre, kommt tatsächlich der eine oder andere Hinweis. Ein klares, umfassendes Bild aber gibt es nie.



    Die drei „Zeitalter der Helden“-Romane spielen, obwohl mit insgesamt fünf Jahren Abstand verfasst, innerhalb zweier Jahre, und zwar nach meiner persönlichen Lesart auf der Erde (sie wird an zwei Stellen explizit erwähnt), jedoch in einer fernen Zukunft, die entwicklungsmäßig eher eine Vergangenheit ist. Vieles ist mittelalterlich, es gibt (bluttriefende, hatte ich das erwähnt?) Schwertkämpfe noch und nöcher, einen jungen und narzisstischen, aber klugen Imperator, es gibt Intrigen und Verstrickungen, es gibt Religion und Wirtschaft, es gibt diverse Völker und ihre Vermächtnisse, es gibt jede Menge Geschichte, es gibt so etwas wie Magie, und dann noch etwas, das sehr viel stärker ist, es gibt hier und da steampunkmäßige Technik, es gibt eine Prise Unsterblichkeit und transdimensionales Geschehen, es gibt sogar Drachen - und noch vieles, vieles mehr. Vor allem aber gibt es den furiosen Ringil, seinen Freund Egar, der als Chef eines Steppenklans geschasst wurde, und Archet, die Unsterbliche, die als einzige ihres Volks, dem die Menschen viel zu verdanken haben, noch auf der Erde weilt und dem jungen Imperator als Beraterin zur Seite steht.



    Die sehr langen und wirklich exzellent geschriebenen Romane üben einen eigenartigen Reiz aus. Obwohl man gelegentlich das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben, oder einen Zusammenhang nicht versteht, der da aber irgendwo sein muss, liest man doch atemlos jedes Wort, und ich kann tatsächlich nicht sagen, wann ich von einer Reihe dieser Art zuletzt so fasziniert war. Richard Morgans Figuren sind sehr eindringlich, seine Art zu erzählen ist atemberaubend, seine Fantasie unbeschreiblich - und sein Mut ist beeindruckend. „Das Zeitalter der Helden“ ist eine anfangs etwas zu ruppige, dann aber stark vereinnahmende, kluge, sozialkritische, in jeder Hinsicht fantastische und kein Wort zu lang geratene, allerdings etwas dunkle Fantasyreihe, die tapfere Leser braucht, die aber für ihren Mut mehr als belohnt werden.


    ASIN/ISBN: 3453320387


    ASIN/ISBN: 3453320379


    ASIN/ISBN: 3453525930

    Das war der zweite innerhalb kurzer Zeit, davor gab es vor anderthalb Jahren "Lovecraft Country", aber Matt Ruff hat schon ziemlich viele Romane veröffentlicht, darunter das wunderbare "Ich und die anderen" um die dissoziative Persönlichkeitsstörung, eines meiner Lieblingsbücher.


    ASIN/ISBN: 3423208902

    Lahme Rachefantasie vor schalem Hintergrund


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    Man nennt es normalerweise „Bucket-List“: Die Liste, die von Dingen, die man noch erledigen möchte, bevor man den Löffel abgibt („to kick the bucket“) - einmal New York sehen, Kugelfisch essen, den Duft einer Bergalm am Morgen riechen oder nackt im Eis baden, solches Zeug eben.

    Frank Brill, der gerade sechzig geworden ist, ist trockener Alkoholiker. Seinen Job als Chefredakteur bei einem Provinzblatt hat er schon vor einer Weile verloren. Ein Amokläufer hat (unter anderen) seine letzte Frau und seinen Sohn umgebracht, Franks Tochter ist gestorben, weil sie eine illegale Abtreibung wählen musste, eine Ex-Frau ist von einem Heiratsschwindler ruiniert worden, und Franks Jugendfreund wurde vom Footballcoach sexuell missbraucht. Und jetzt erfährt Frank auch noch, dass er sehr bald an nicht mehr therapierbarem Krebs sterben wird. Statt sich den wirklich schönen Dingen zuzuwenden, einen Bungeejump aus dem Hubschrauber zu machen, die Altersrücklagen in Vegas zu verpulvern oder eine fette Orgie zu feiern, plant Frank Brill einen Rachefeldzug. Er will - und wird - mehrere Leute umbringen, teils solche, die ihm oder den seinen persönlich geschadet haben, oder solche, die politisch, also sozusagen grundsätzlich die Verursacher des Unglücks waren.



    Wir schreiben das Jahr 2026. Trump hatte noch eine zweite Amtszeit, jetzt ist Ivanka Präsidentin, Trumps Tochter. Aus den U.S. of A. ist ein hochverschuldeter Polizeistaat geworden, die Hatz auf vermeintliche Nichtamerikaner, auf „Illegale“, hat sich zum Volkssport entwickelt, auf Nordkorea wurden ein paar Atombomben abgeworfen und der Iran wurde ebenfalls plattgemacht. Ansonsten hat sich alles so entwickelt, wie man mit etwas Social-Media- und Wikipediawissen prognostizieren würde. Die Spaltung geht tief, die Armen sind noch ärmer geworden, und die Reichen, die fast keine Steuern mehr zahlen, schotten sich ab.


    Niven hat diesen - seinen zehnten - Roman im März 2020 veröffentlicht, aber hierzulande ist er erst im Oktober 2020 erschienen, also einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen - die ja nicht so ausgegangen sind, wie Niven annahm, als er „Die F*ck-it-Liste“ geschrieben hat. Aber auch wenn man diesen Umstand hinnimmt und den gesellschaftspolitischen Hintergrund als Was-wäre-gewesen-wenn-Szenario akzeptiert, ist der Roman überwiegend für die Tonne.



    Das liegt nicht nur an der schwachen und etwas quälenden Erzählsprache, am extrem selten aufblitzenden Niven-Witz oder an der Tatsache, dass die gesamte Geschichte weder hinter-, noch vordergründig irgendeine Überraschung bereithält, sondern vor allem daran, dass die Selbstjustiz keinen Wert hat, keine Reflexion enthält, nichts weiter als eine Reihe von Morden ist, die auch noch von einem Protagonisten ausgeführt werden, den man als Leser weder besonders mag, noch aus anderen Gründen schätzt. Man empfindet nicht einmal Schadenfreude. Außerdem ist Franks Motivation schwach begründet; es kommt einem vor, als wäre diese Mordliste gegen irgendeine andere letzte Aufgabe beliebig austauschbar. Er ist nicht wirklich wütend, sondern eher müde und frustriert, er ist auch nicht überaus depressiv - er ist so lahm wie diese ganze unausgegorene Story, die auf einer Idee fußt, die Niven möglicherweise gut vorkam, und die er dann nicht mehr aufgeben wollte, als er gemerkt hat, dass das nicht stimmt. Also hat er die Arbeit gemacht, aber Herzblut darin und Freude daran sind nicht zu spüren. Das Ding ist runtererzählt.



    Ja, es gibt hin und wieder schöne Momente, etwa, wenn Niven Trump oder dessen Tochter zu Wort kommen lässt. Das kann man, wenn man möchte, dann auch als etwas feiern, das uns zum Glück - zumindest vorerst - erspart wurde. Aber das genügt längst nicht, um Niven diese sehr dünne, mit lauter Stereotypen besetzte, unausgegorene und moralisch nur schwer begründbare Story abzukaufen. Sein schwächster Roman, obwohl er sich darin am meisten um Provokation bemüht hat. Denn nicht einmal die funktioniert.


    ASIN/ISBN: 3453268474

    Hätten die ihn denn überhaupt genommen?

    Als Aktionär oder als Autor?


    Suhrkamp hat während der vergangenen zwanzig Jahre - nach dem Tod von Siegfried Unseld (2002), vor allem aber im Nachgang des Eignerkonflikts und des nachfolgenden, forcierten Insolvenzverfahrens im Jahr 2013 - durchaus einige Veränderungen durchlebt, darunter nicht wenige, die programmatischer Natur waren. Jedenfalls ist das schon lange nicht mehr nur der hochliterarische und verkopfte Elitenverlag, der er aber auch genau genommen nie wirklich oder ausschließlich war. Ich denke tatsächlich, heutzutage würden sie auch einen Dirk Rossmann ins Programm nehmen, denn selbst für Suhrkamp gilt, dass es Titel geben muss, die die Titel finanzieren, von denen man schon bei der Inverlagnahme weiß, dass sie kein großes Publikum finden werden.

    Warum? Weil eine Drogerie ohnehin ein Gemischtwarenladen ist?

    Ich versteh nicht, warum es konsequent, in der Bedeutung von logisch, sein soll.

    Weil man als Anteilseigner noch mehr Einfluss hat, möglicherweise sogar auf das Programm, auf Platzierungen, auf das Verhalten der Vertreter, und, und, und.


    Im Übrigen sind die Besitzer/Mitbesitzer vieler Verlage keine Leute aus der Branche. Mein erster "richtiger" Verlag - Aufbau - hat zum Zeitpunkt meiner Erstveröffentlichung dort einem Immobilienmakler gehört. Matthias Koch, der inzwischen Eigner des Verlags ist, war vorher Lehrer, und das Geld, mit dem er sich eingekauft hat, stammte von seinen Eltern.

    Rossmann hatte das ja vorher schon mit seiner Biografie gemacht, aber ich habe im Buchreport gelesen, dass Lübbe, als dort bekannt wurde, dass Rossmann einen Roman geschrieben hat, von sich aus auf ihn zugegangen ist - ein Redakteur ist quasi stantepede zu ihm hingefahren.


    Ich habe mir die Leseprobe reingezogen und war weder angetan, noch abgestoßen - okaye Durchschnittsware, wie sie von vielen Autoren hergestellt wird, die damit mal weniger erfolgreich und mal erfolgreicher sind. Aber wenn man sehr viel Geld in die Werbung steckt und außerdem noch eine breite Vertriebsbasis nutzen kann, schafft man es eben, Bestseller herzustellen. :achsel Das ist leider so, aber das sollte auch nicht dazu führen, dass jetzt alle Trübsal blasen, die nicht zufällig noch eine Drogeriekette in der Schublade haben.


    Dass sich Rossmann nun auch gleich bei Lübbe eingekauft hat, ist nur konsequent, finde ich.

    Besonders


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    Wenn man die Romane von Matt Ruff vergleicht, dann fällt - von der durchgängig hohen schriftstellerischen Qualität abgesehen - eigentlich nur eine Gemeinsamkeit auf: Sie sind alle besonders. Besonders originell, wie das kongeniale „G.A.S.“, oder besonders rührend, wie das einfühlsame „Ich und die anderen“, oder besonders eigenartig, wie die Shakespeare-Adaption „Fool on the hill“, oder besonders merkwürdig, wie die - allerdings etwas missratene - utopische Satire „Mirage“, oder besonders engagiert, wie „Lovecraft Country“.


    Ansonsten scheint sich der Mann mit jedem Roman neu zu erfinden.



    „88 Namen“, das sich so rasant wegliest wie kein anderer Ruff bisher, ist besonders cool. Ruff gelingt es tatsächlich, in die Figur des 21 Jahre alten John Chu zu schlüpfen, der in einer nahen Zukunft als Sherpa für Online-Rollenspieler arbeitet. Chu, Sohn einer hochrangigen amerikanischen Regierungsagentin, die in Sachen Cybercrime unterwegs ist, ist klug, achtsam, aufmerksam und begeisterungsfähig. Er träumt davon, ein eigenes MMORPG an den Start zu bringen - ein „Massively Multiplayer Online Role-Playing Game“ wie das bekannte „World of Warcraft“, das allerdings in „88 Namen“ nicht genannt wird, da alle im Buch vorkommenden Spiele fiktiv sind. „Call to Wizardy“ heißt das MMORPG, in und mit dem John Chu bevorzugt arbeitet. Bei solchen Spielen müssen Anfänger viel Zeit und Mühe investieren, um gute Charaktere und starke Ausstattungselemente zu erlangen, sich also „hochzuleveln“. Chu und sein Team helfen begüterten Kunden, auch mit einem kurzen Einstieg weit oben in den fantastischen Welten aktiv sein zu können, in „Dungeons“ gegen harte Bosse zu kämpfen, wertvolle Goodies zu erhalten und Spaß zu haben, ohne wochenlang armselige Quests absolvieren zu müssen. Dafür bekommt Chu gutes Geld, bis ihn die EULA-Cops des Spieleherstellers Tempest mal wieder erwischen und aus dem Spiel verbannen, woraufhin einer seiner 88 sorgfältig gesammelten Namen nutzlos wird - und es mit dem nächsten weitergeht.



    Aber dieser neue Auftrag ist eigenartig. Der Auftraggeber, ein Mr. Jones, will möglichst viel über die Welt der VR-Spiele erfahren, aber nichts von sich preisgeben. Dafür zahlt er mehr als exzellent, wird von einem Helfer, der sich „Mr. Smith“ nennt, geschützt, und er offenbart seltsame kulturelle Lücken. Nach und nach verdichten sich die Indizien dafür, dass es sich bei Mr. Jones um den nordkoreanischen Diktator handeln könnte.



    „88 Namen“ nimmt wirklich mit in die Welt der Online-Rollenspieler. Duktus, Personal und Dramaturgie des Romans funktionieren exzellent, und man lernt eine Menge über die Spiele, die Motivation der Teilnehmer, über den Reiz des ganzen, über Codizes und Strukturen. Ruffs Hauptfigur wirkt authentisch, und die Erzählung überwiegend auch.



    Ein wesentliches Element der Rollenspiele besteht darin, eben in Rollen zu schlüpfen, zu einer anderen Person zu werden. Matt Ruff benutzt diese Besonderheit als Ansatzpunkt, um sich mit Fragen der Diversität, mit identitätspolitischen Aspekten, mit Vorurteilen, den so genannten marginalisierten Gruppen, mit Genderfragen und ähnlichem auseinanderzusetzen. Das geschieht überwiegend relativ beiläufig, zuweilen aber auch in recht vordergründiger Weise - und mich hat es genervt, weil das Gefühl zunahm, eine pädagogische Geschichte zu lesen, obwohl der Versuch ein sehr kluger ist, ausgerechnet das Rollenspiel zum Ausgangspunkt für solche Fragen zu machen, also eine Sache, die im Kern von Vorurteilen, Klischees und Rollenverhalten lebt.



    Hiervon und vom, na ja, bestenfalls okayen Ende abgesehen, ist „88 Namen“ rasant, sehr unterhaltsam, oft clever, manchmal lehrreich und eben cool.


    Und besonders.


    ASIN/ISBN: 3596700930

    Habt Ihr eigentlich schon einen Termin beim Paartherapeuten?

    What for?

    Wenn ich mir den Thread entspannt durchlese, und nichts anderes habe ich bislang getan, finde ich unter meinen Äußerungen nichts, das Bens akute Läuseleber erklärt. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass Rum-Cola und Cuba Libre nicht das gleiche Getränk sind, und das ohne jede Häme oder rechthaberische Stichelei.

    Nimm Rum-Cola und nenne es einfach Cuba Libre

    In einem (der, männlich) Cuba Libre ist nach dem offiziellem Rezept der International Bartenders Association zusätzlich Limettensaft. Rum-Cola ist einfach nur ein Rum-Cola. Eine Rum-Cola klingt auch eigenartig, zudem befindet es sich in der Nähe der Geschmacksrichtungsvarianten (Cherry-Cola, Vanille-Cola). Man will aber keine Cola mit Geschmack, sondern einen Longdrink.