Beiträge von Tom

    @HD: Auch wenn Dich das Teilurteil gegen "die Praxis, Druckkostenzuschüsse für wissenschaftliche Werke zu zahlen", "persönlich sehr freut" (Warum persönlich?), und ich Deine Freude nicht schmälern will, geht es hier doch um etwas anderes. Es geht um den "Förderungsfonds Wissenschaft" der VG Wort, der ein gemeinnütziger Teil der VG Wort ist, und der mit Zuschüssen die Publikation wissenschaftlicher Werke fördert, die sonst nicht erscheinen könnten, weil die Nachfrage zu gering ist, der wissenschaftliche Teilbereich zu exotisch ist usw. usf. Es geht hier nicht darum, den Druckdienstleistern ganz allgemein Geld für die Publikation von irgendwas in den Rachen zu werfen - und es geht auch nicht z.B. um die allgemeine Publikationspflicht von Dissertationen. Und das ist auch nur vorerst teilweise gestoppt worden, weil laut Gericht nicht sichergestellt ist, dass auch tatsächlich Ausschüttungsberechtigte von diesem Angebot profitieren. Sobald die VG Wort das gewährleisten kann, kann der Förderungsfonds wieder arbeiten.

    @HD: Im Gespräch ist das derzeit nicht, und da sowohl "Radio Nights", als auch "Geisterfahrer" so wenige Abgänge haben, dass sie zwar noch auf der Backlist stehen, aber zumindest "Geisterfahrer" inzwischen in sehr kleinen Auflagen on demand hergestellt wird, halte ich das auch für unwahrscheinlich. Ich würde mich tatsächlich am meisten darüber freuen, wenn es eine Vertonung (besser noch: Verfilmung) von "Sommerhit" gäbe. Aber, wie geschrieben - aktuell geplant ist nur noch "Pauschaltourist", was die Backlist anbetrifft.

    Hallo, Anja.


    Meistens besteht die Interpretation der Hörbuchssprecher darin, den verschiedenen Figuren in den Dialogen unterschiedliche Stimmen und/oder Betonungen zu geben, und das hört sich zuweilen zwar etwas eigentümlich an, aber neue Akzente ergeben sich daraus zumindest für mich nicht. Bei einem so alten Text wie "Idiotentest" wäre das ohnehin schwierig, da ist das Hören eher eine Zeitreise. Aber auch bei den neueren Büchern (zuletzt "Metting", davor "Leichtmatrosen") war es eher wie ein Gespräch mit einem Leser. Der Text bleibt ja, wie er ist. Und es ist sowieso so, dass jeder Leser andere Vorstellungen vom Personal, von den Stimmen usw. hat (wenn überhaupt). Wenn also ein Hörbuchsprecher da irgendwas mit der Stimme macht, frage ich mich vielleicht kurz, warum er das wohl gemacht hat, aber ich erkenne keinen Aspekt, der für mich da vorher nicht war. Denn auch ich habe ja bestimmte - und sehr klare - Vorstellungen in Bezug auf das Romanpersonal.

    Wie kommt es, dass das Hörbuch nach so langer Zeit publiziert wird?

    Es gibt Fans meiner älteren Titel bei Aufbau und in der Hörbuchbranche, außerdem wohl Nachfrage. „Pauschaltourist“ folgt in Kürze.

    Ich frage ich, wie diese Preise vergeben werden, wenn der Autor in einer Sprache schreibt, die wohl die meisten Mitglieder des Preiskommitees nicht verstehen.

    Mal davon abgesehen, dass stimmt, was hier erklärt wurde, dass Gurnah nämlich seit sechzig Jahren in Großbritannien lebt, lehrt und schreibt, hat das Komitee auch schon Autoren gewürdigt, die aus Deutschland, der Sowjetunion*, Südafrika, Spanien, Frankreich, Jugoslawien* und vielen anderen Ländern kamen, aber auch staatenlose oder, wie in diesem Fall, Migranten. Es ist kaum anzunehmen, dass die zehn Komiteemitglieder außer der schwedischen Sprache drei Dutzend weitere Sprachen beherrsch(t)en. Tatsächlich entscheidet das Komitee nur, es wählt nicht aus - das erfolgt nämlich durch eine beratende Expertenrunde, die aus gut einem Dutzend Menschen besteht, und die wiederum sichten und prüfen die Vorschläge, die für den LitNob eingereicht werden. Vorschläge einreichen jedoch dürften nicht Kreti und Pleti, sondern nur ganz bestimmte Gruppen, nämlich bisherige Literatur-Nobelpreisträger, Professoren für Literatur (ganz gleich wo), ähnliche Institutionen wie die Akademie und ein paar weitere. Es ist nicht so, wie offenbar viele Menschen glauben, dass die Komiteemitglieder im Sommer an ihren persönlichen Bücherregalen entlangmarschieren, die Kinne in die Hände stützen und dabei überlegen, wem davon man ein Preischen kredenzen könnte. Es ist schon noch ein wenig komplexer. Und, um das auch noch einmal zu erwähnen: Der Nobelpreis für Literatur ehrt nicht das Werk, sondern seinen Schöpfer. Damit ist gemeint, dass dieser Preis keiner für literarische Qualität ist, sondern in der Hauptsache einer, der das Engagement bewertet. Deshalb werden ihn Leute wie Murakami oder Atwood, die immer wieder von ihren Fans hoch gehandelt werden, auch nicht bekommen. Es ist eine andere Art von Engagement gemeint als das, was zum Beispiel Margaret Atwood auszeichnet, die dem PEN-Zentrum vorsitzt und sich für den Vogelschutz stark macht.


    (*zur Zeit ihrer Existenz)

    Das Elitäre sowohl der "Tage der deutschsprachigen Literatur", wie die Veranstaltung rund um die Verleihung des Bachmann-Preises heißt, als auch der legendären Gruppe 47 korreliert(e) wenigstens mit ihrem Output, was man von den selbsternannten Nachfolgern kaum sagen kann. Auch wenn die Gruppe 47 fast diktatorisch beherrscht und männerdominiert war, auch wenn sie politisch etwas, äh, uneindeutig agierte und im Umgang mit den Künstlern kaum das gezeigt hat, was man heute "Achtsamkeit" nennt, sprechen doch ihr Ausstoß und ihre Wirkung auf die deutsche Literatur der Jahre nach WW2 und auf die deutsche Literaturkritik insgesamt eine klare Sprache, und ähnliches gilt für den Bachmannpreis, der ebenfalls nicht unumstritten ist, aber schlicht und ohne Konkurrenz das Maß aller Dinge markiert, wenn es um eine werthaltige Momentaufnahme der jüngeren Literaturszene geht. Özdogan, den ich im Text erwähne und der vor zwei Jahren in Rösrath war, hat auch in Klagenfurt gelesen, 2016 oder 2017 war das.


    Ich find's ja eigentlich in Ordnung (oder sogar weit mehr als das), keine Angst vor Hochstapelei zu haben, sich mutig und ungeniert auch große Vorbilder zu wählen und den Versuch zu unternehmen, sie sogar in den Schatten zu stellen. Aber ... 8)

    Das ist trotzdem eine spannende, informative und sehr unterhaltsame Doku, Jo, obwohl sie sich ab der Mitte für meinen Geschmack etwas zu sehr mit der im Nachgang/nach dem Ende der Gruppe formulierten öffentlichen Kritik befasst. Sehr schön, wie der Fall Celan ("... der Tod ist ein Meister aus Deutschland ...") gezeigt wird, der ja immer als der Beweis für die Sinnlosigkeit des Anspruchs der Gruppe gesehen wurde, während es einen solchen Anspruch eigentlich nicht gab, und einzelne Irrtümer in jedem Universum möglich sind. Davon abgesehen geht und ging und wird es immer nur um Eitelkeiten gehen, in jeder Hinsicht.


    Ich hatte mich mit der Gruppe 47 vor dem Juni diesen Jahres wenig befasst, und mindestens dafür, mit diesem besonderen Ereignis der deutschen Nachkriegsliteratur auf diese Weise konfrontiert worden zu sein, muss ich der inoffiziellen Nachfolgerin dankbar sein. ;) Dass zum Beispiel Reich-Ranicki seine Karriere als Kritiker, überhaupt die Basis seines literaturkritischen Ansatzes ebenfalls der Gruppe verdankt, wusste ich schlicht nicht.

    Hey, Jo.


    Ja, wir hätten eine Menge Spaß gehabt - danke für die Blümchen. ;) Und: Du bist Paul Celan, ehrlich.


    Sophie: Ein Preis ist ein Preis ist ein Preis, großen Respekt dafür von mir

    Dem stimme ich zu, und vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung und Wahrnehmung ja auch völlig daneben. Aber in so eine Endrunde aus xundneunzig Bewerbern zu kommen, das ist in jedem Fall eine sehr bemerkenswerte Leistung, ohne jede Frage.