Beiträge von Tom

    Die Frage ist halt, ob es auch effizient ist, oder ob man durch die Nutzung vorhandener Plattformen wie Facebook, Twitter, Tinder, usw. nicht mit weniger Aufwand mehr Menschen erreicht.

    Eine Homepage ist starrer als das, was man bei Ex-Twitter-X, BlueSky, Facebook, Insta und TikTok macht, oder sogar bei Tinder, was ich für eine ziemliche Ausnahme halte (es mag aber Autoren geben, die per Tinder mit ihren Leser*_:_*innen kommunizieren). Eine Homepage füllt sich nach und nach mit den Informationen zur eigenen Karriere, aber man diskutiert dort nicht.


    Social Media erwartet, wie Silke ausgeführt hat, eine Art Sperrfeuer, da muss man präsent sein, unaufhörlich, und effizient ist das mitnichten, wenn man keine sechsstellige Anzahl Follower hat. Da ist es einfacher (und vermutlich auch "effizienter"), alle zwei Jahre ein neues Buch auf der eigenen Homepage zu listen. Social Media funktioniert aus Autorensicht - vor allem aus Midlist-Autorensicht - passiv besser, also wenn man erwähnt und thematisiert wird, auf den richtigen Kanälen. Wenn man auf den eigenen Kanälen mit ein paar hundert Followern unterwegs ist, hat das, was man dort tut, so gut wie fast keine Wirkung. Es ist also noch ineffizienter. Die Buchverkäufe auf diesem Weg dürften einstellig sein.


    Aber man macht all das ja auch nicht aus Effizienzgründen. Man macht vieles davon, weil man kann, weil es Spaß macht, weil es auch den eigenen Werdegang dokumentiert. Weil man das Gefühl hat, dass es dazugehört.

    Nicht wenige Autoren "haben" mehr als nur einen Verlag. Und manchmal endet die Zusammenarbeit (mit einem davon) auch, auf die eine oder andere Art, und dann ist zumindest diese Präsenz auch mehr oder weniger weg.


    Aber ob man irgendwas von Homepage über Social Media bis sonstwohin "braucht", hängt davon ab, was man erreichen will. Wenn es reicht, (die) Bücher zu verkaufen (,die sich sowieso verkaufen), "braucht" man nichts davon. Wenn man persönlich werden will, wenn man Kontakt mit Lesern sucht, wenn man ein bisschen (allerdings mit begrenzter Reichweite, je nach Medium) nachhelfen will, wenn der Prozess nicht endet, nur weil ein Buch erschienen ist, dann "braucht" man vielleicht ein bisschen mehr. Wenn man als Person in Erscheinung treten will. Wenn man das bisschen Bekanntheit nutzen will, um Dinge zu thematisieren. Und, und, und.


    Es gibt Autoren und -innen, denen reicht, was die Verlage machen, und es gibt andere, die rund um die Uhr im Netz unterwegs sind. Es gibt auch Leute, denen die drei großen F reichen, um ihr Leben zu leben und sich dabei gut zu fühlen, während sich andere quasi im gesamten Buchstabensalat räkeln. Das ist keine Frage von "brauchen". Wenn wir alle nur täten, was wirklich gebraucht wird, blieben gerade mal zwei Fs übrig.

    Bester Dietmar,


    ich hatte eine sehr lange Antwort verfasst, die ich dann aber enttäuschend fand, und dann habe ich überlegt, Dir ein Foto von meiner Plattensammlung zu zeigen, aber meine Plattensammlung durften und dürfen immer nur Mädchen sehen. Der Hauptgrund dafür, die lange Antwort zu löschen, war aber, dass ich nicht glaube, dass sie irgendwas zum Verständnis beigetragen hätte. Ich mache es kurz: Popmusik in der DDR war vor allem politisch, sie war dem Prinzip von Angebot und Nachfrage nicht ausgesetzt, sie war eskapistisch und wohlkalkuliert, was die Protestanteile anbetraf, sie war nicht immer gut und nicht selten von Missverständnissen beherrschte Nachahmungskunst, aber, ja, sie hatte fraglos ihre Blüten. Sie ist jetzt das, was für alle abgeschlossenen Sammelgebiete gilt, nämlich Gegenstand der Verklärung unter (auch späten) Liebhabern (manch ein Sammelgebiet gerät auch einfach komplett in Vergessenheit, wie etwa Telefonkarten). Sie muss der nachträglichen Identifikation dienen, was ihr zu Lebzeiten nur ausnahmsweise vergönnt war, manchmal "sogar im Westen", etwa bei Kapellen wie Karat oder der Band, um die es hier in den letzten Nachrichten ging.


    Das alles hat aber mit den zwei Hauptgegenständen dieses Threads überhaupt nichts zu tun. Der eine bestand in der Frage, wie man Songtexte rechtssicher zitiert, und der zweite machte das an einem konkreten Fall fest. Du pumpst das mit einer Bedeutung auf, die nach meinem Dafürhalten nicht gegeben oder gedacht war, und Du tust das, um Deine eigene Vorgehensweise zu erklären (und mal wieder über sie sprechen zu können). Das ist legitim, aber nicht zielführend. Ein Songtext ist nur ein Songtext, und es gibt wahrscheinlich nicht sehr viele Menschen auf der Welt, für die ein einzelner Song oder Songtext "prägend" war. Das heißt nicht, dass Musik bedeutungslos oder -arm ist. Ich halte das Gegenteil für wahr oder mindestens für möglich, und ich schreibe selbst sehr, sehr viel über Musik. Aber jede und jeder hat einen anderen Ansatz, und nicht jede Hauptfigur einer Geschichte ist wie Deine Bärbel. Tatsächlich ist das sogar eher selten der Fall, ganz wertfrei.

    Kann mir jemand sagen, ob das eine gute Idee ist? Und ob der Preis akzeptabel ist?

    Du kaufst jemandem die Domain ab, der sie gesichert hat. Du musst die Domain dann irgendwo konnektieren, und dort kostet sie - je nach Paket - dann noch einmal mit. Eine Domain, die bislang noch nicht vergeben ist, musst Du nicht extra kaufen. Damit beantwortet sich die Frage, ob der Preis okay ist. Wenn es für Dich wichtig ist, diese Domain zu haben, kann das sein. Wenn Du genauso gut mit einer anderen Domain (auch mit einer anderen Endung, also einer anderen TLD als ".de") leben kannst, wäre es hinausgeworfenes Geld. Es sind sehr viele Top Level Domains verfügbar, so dass man nicht notwendigerweise mit einer Länder-TLD arbeiten muss. In Deutschland kann man .com, .net, .biz, .cc, .org, .info, .bundeslandname und viele andere nutzen, und wenn "meinname.de" halt schon reserviert ist, holt man sich "meinname.net" oder so.


    Wenn "weebly" oder "Jimdofree" im Namen - in der URL - enthalten ist, hat man keine eigene Domain, sondern nur eine Subdomain beim jeweiligen Anbieter. Subdomains sind wie Etagen in einem Haus, das unter nur einer Hausnummer erreichbar ist. So eine Subdomain kann man nicht mitnehmen, wenn man umziehen will, und sie ist auch nicht auf den eigenen Namen bei der DeNIC eingetragen. Das gilt nur für Domains, die aus nichts weiter als dem Begriff, dem Punkt und einer TLD bestehen, also "42er.de" oder "tomliehr.de". Jeder weitere Punkt weist auf eine Subdomain hin; man ist dann quasi Untermieter.

    Allerdings finde ich, dass die Reihenfolge von der Betonung abhängig gemacht werden sollte, es also auf den Kontext ankommt.

    Wenn zum Beispiel eine Figur, die etwas sagt, in diesem Fall besondere Betonung darauf legen will, dass das Auto grün ist? "Das ist ein sehr grünes, großes Auto!" Sowas?

    Stimmt schon. Und ich habe beim Durchforsten meiner Texte festgestellt, dass ich mit dieser Gewichtung durchaus absichtsvoll breche, ohne das, was ein bisschen merkwürdig klingt, gezielt-bewusst zu tun. Eben weil man einen bestimmten Aspekt in den Vordergrund stellen will, mit dem das nicht gelänge, hielt man sich an dieses ungeschriebene Gesetz. Es hat auch semantische Qualitäten. "Das sind fünfzig sehr schöne Autos" verhält sich anders als "Das sind sehr schöne fünfzig Autos". Also, ja, der Kontext ist entscheidend. Aber dass man ansonsten diese Rangfolge meistens einhält, hat mich echt überrascht.


    Wirklich interessant.

    Die Domain ist unabhängig vom Homepagehosting. Du kannst zwar bei den meisten Anbietern beides machen, also das Hosting beauftragen und eine Domain beantragen, aber letzteres tun die dann nur für Dich. Mit dem Hosting-Vertrag enden Deine Domainrechte nicht, es sei denn, Du kündigst (versehentlich) zusammen mit dem Vertrag auch die Domain, aber die ist an Deine Person gebunden. Sie kann auch unkonnektiert im Nichts hängen, bis Du einen neuen Anbieter hast, dann kannst Du die Domain dorthin übertragen.


    Eine Zeitlang war es sehr populär, sich Websites mit Joomla oder Wordpress zu bauen; meine ist mit Wordpress erstellt. Das lässt sich vergleichsweise leicht umziehen, aber viele Homepagebaukästen setzen auf eigene, selbstentwickelte Lösungen, die man dann schwerer portieren kann. Was man jedenfalls kaum noch macht, das sind Homepages im Eigenbau, die man mit Dreamweaver oder ähnlichen Tools codet. Meistens nutzt man vorgefertigte Content-Management-Systeme, die unterschiedlich aufgebaut sind und unterschiedlich gut genutzt werden können, aber die Baukästen von 1&1 oder Ionos (<- die haben einen sehr guten Ruf) kann eigentlich auch ein Laie oder eine Laiin ohne Vorkenntnisse leicht mit Inhalten füllen.


    Wie gesagt, die Domain gehört Dir, die läuft auf Deinen Namen und nie auf den Anbieter, über den man sie beantragt hat. Man sollte die Domain auch immer kaufen, also dasistmeinesite.de oder so. Sonst kann man schnell die Rechte verlieren oder wird erpressbar, aber meistens läuft das korrekt. Und das ist auch nur ein bisschen kompliziert, wenn man den Anbieter wechseln will, denn dann muss die Domain umgezogen werden. Dabei helfen aber die meisten Hoster.


    Gibt es überhaupt noch kostenlose Homepages?

    Über einen Beitrag in der - wirklich lustigen - Facebookgruppe "The Language Nerds", in der es um besondere und skurrile Sprachereignisse geht, bin ich auf die so genannte "Adjektivstellung" gestoßen, eine (ungeschriebene?) Regel dafür, wie mehrere Adjektive vor einem Substantiv anzuordnen sind (die es offenbar im Englischen auch gibt). Ich war verblüfft. Ja, das tut man so, man setzt nicht die Farbe vor die Größe, sondern die Größe vor die Farbe, und ganz am Anfang zählt man ("Dreißig große, grüne Autos") und ich mache das intuitiv, wie das die meisten Menschen vermutlich auch tun. Oder?


    Ich habe dann ChatGPT dazu befragt, weil die Googlesuche nach "Adjektivstellung" nur Blödsinn hervorbrachte. ChatGPT hat das hier auf die Frage "Gibt es Regeln für die Anordnung mehrerer Adjektive vor einem Substantiv?" geantwortet:


    Ja, im Deutschen gibt es Regeln für die Anordnung mehrerer Adjektive vor einem Substantiv. Diese Regeln sind jedoch oft flexibel und können je nach Kontext variieren. Im Allgemeinen folgen Adjektive im Deutschen einer bestimmten Reihenfolge, die als "Adjektivstellung" bekannt ist. Diese Reihenfolge lautet normalerweise:


    1. Artikel oder Possessivpronomen

    2. Demonstrativpronomen oder Indefinitpronomen

    3. Quantitätsadjektive

    4. Qualität (Bewertung)

    5. Größe

    6. Alter

    7. Form

    8. Farbe

    9. Herkunft

    10. Material

    11. Zweck oder Verwendung


    Man lernt nie aus, dachte ich, und dann habe ich probiert und gesucht. Es stimmt. Ich gehe auch in dieser Reihenfolge vor, ohne dass mir jemals jemand diese Regeln erläutert oder gar eingetrichtert hätte. Man macht das einfach so. Oder? Wo kommt es her? Wie kommt es?


    Teilt jemand meine Verblüffung?

    Da muss ich widersprechen, denn Nordlicht85 schrieb in seinem Eingangspost folgendes.

    Es ist aber keine Rede davon, dass irgendwas "prägend" gewesen wäre.


    Und Ostrock verdient genauso wenig besondere Hochachtung oder Kniefälle wie irgendeine andere Art von Popmusik. Zuweilen gilt sogar das Gegenteil. Die Bands, die in der DDR erfolgreich sein durften, haben das auch politisch erkaufen müssen, sanfte Systemkritik zwischen den Zeilen hin oder her. Die Spielerlaubnis bekam nicht jeder. Um das mal ein wenig zu relativieren.

    Ach ja, die Bärbel. ;)


    Alles Quatsch, mit Verlaub. Also Quatsch im Sinne von: Meine Wahrheit, Deine Wahrheit. Und es ist nirgendwo die Rede davon, dass der Text oder Song "prägend" für die Figur wären. Der Song läuft einfach im Radio, und damit soll wahrscheinlich ein Gefühl, eine Stimmung vermittelt werden. Das funktioniert ebenso wahrscheinlich sogar sehr gut, weil sehr viele Menschen diesen Song kennen und vor allem ältere Leute damit eine gewisse Stimmung verbinden, ein Zeitgefühl, eine Erlebniswelt (ganz individuell, weil das Stück im Westen und im Osten Erfolg hatte, aber im Westen sozusagen im Kontext der Teestubenkultur, ganz anders als im Osten). Es geht - vermutlich - schlicht um Atmo. Alles, was Du da in Deinem Opus Magnum tust und versuchst, werter Dietmar, ist Dein Ding, aber das heißt längst nicht, dass es auch das Ding aller anderen Leute ist. Und manchmal ist ein Song einfach nur ein Song. Akustische Kosmetik, Pop, beliebig, Massenware, oft nur zufällig erfolgreich (gewesen), und in diesem Fall übrigens nicht wegen des Textes, sondern möglicherweise sogar trotz des Textes (den Toni Krahl auch noch teilweise vergessen hatte, weshalb es die Wiederholung gibt, statt der dritten Strophe des Gedichts). Man weiß es nicht. Und es ist egal. Es ist nur ein Lied. Es ist Beiwerk. Oder es kann das sein, darf das sein. Nicht alle schreiben über Bärbel.

    Skandalromane sind nur dann Skandalromane, wenn es auch Skandale gibt. Das ist wie mit den Erfolgsromanen. Bei beiden gilt: Es geschieht zuweilen unverhofft. Und umgekehrt: Man kann es sich zwar vornehmen, aber eine Garantie, dass es auch klappt, gibt es nicht. Manch eine Provokation verpufft völlig ungehört, während etwas, das nie als Provokation gedacht war, plötzlich die Massen auf die Palme jagt. Für manch einen Schinken wird tief in die Marketingkasse gegriffen und trotzdem bleibt das Ding in den Regalen liegen. Und so weiter.

    Bei den meisten Literaturpreisen sind keine Kriterien festgelegt. Es gilt also: Was den Jurymitgliedern gefällt, gewinnt. Und, nein, es ist nicht "immer ziemlich intransparent". Bei nicht wenigen Literaturpreisen kann man der Jury sogar bei der Arbeit zuschauen, und ausführliche Begründungen sind sogar eher die Regel (weil niemand mit einem simplen "Dis hier fand'n wa alle jut" zufrieden ist). Und, ja, die Leute, die in solche Jurys berufen werden, nehmen ihre Arbeit meiner Erfahrung nach überwiegend sehr ernst und lesen tatsächlich alles, was nominiert und ihnen vorgelegt wurde. Oft werden Vorjurys zwischengeschaltet, aber nicht immer.


    Aber unterm Strich ist es natürlich, wenn man so will, immer Willkür. Jemand sagt, er wolle den besten Roman oder die beste Geschichte prämieren, aber es gewinnt niemals die objektiv beste Geschichte oder der beste Roman. Einfach, weil es das nicht gibt.


    Deine Nörgelei geht mir ziemlich auf den Sack, Katze. Hast Du auch irgendwann mal was Konstruktives beizutragen? Danke vorab dafür.

    Wie mehrfach erwähnt - es gibt tatsächlich keinen Anlass, hier eine Genehmigung einzuholen.


    Unabhängig vom Gegenstand: Was passiert eigentlich, wenn z.B. ein Musikverlag meint, das Kurzzitatrecht wäre überschritten? Bei einem Buch - bevorzugt einem Bestseller - würde er Unterlassung fordern, ggf. Schadenersatz. Damit müsste er erst einmal durchkommen. Bei der Kurzgeschichte eines vermutlich noch nicht sehr bekannten Autors, die zunächst überhaupt nicht und dann vielleicht in einer Anthologie mit überschaubarer Auflage erscheint, geschieht mit mehr als 99prozentiger Sicherheit überhaupt nichts, einfach, weil die Rechteinhaber nichts von der vermeintlich rechteübersteigenden Nutzung erfahren (die nicht eindeutig ist und ohnehin gerichtlich geklärt werden müsste). Und selbst wenn, wäre fast kein messbarer Schaden vorhanden.


    Ich bin ein großer Freund des Urheberrechts und aller damit verbundenen Rechte. Aber das hier ist völlig unangemessen.

    Das Ausstrahlungsrisiko war und ist ganz unterschiedlich. Lindemann hatte ja als Person plötzlich "Skandalpotential" (von dem nicht viel übriggeblieben ist, und obwohl ich weder ein Freund meines Initialendoppelgängers, noch seiner Musik bin, hat mir die hastige Verurteilung ziemlich missfallen (das eine hat mit dem anderen auch nichts zu tun)), während es bei echten Skandalromanen hauptsächlich um die Texte geht. An einer skandalumwitterten Person festzuhalten, das zieht immer das Risiko nach sich, mit der Haltung und Vorgeschichte und Kellerleichensammlung der Person gleichgesetzt zu werden, und da bekommt die Loyalität schnell gravierende Risse. Mal für einen, äh, originellen Text abgestraft zu werden, das ist eine andere Sache. Das lässt sich auch leichter aushalten.


    Vier Jahre ist es her, da erschien Woody Allens Biografie "Ganz nebenbei". Das war und ist natürlich kein Roman, aber der jahrzehntealte und eigentlich abgeschlossene Skandal um Missbrauchsvorwürfe gegen Allen waren von seinem Stiefsohn Ronan Farrow wieder angefeuert worden, weshalb der amerikanische Originalverlag absprang und Allen einen anderen Verlag suchen musste. Nicht wenige Autoren bei Rowohlt, wo ich zu dieser Zeit war und der seit den Siebzigern Allens deutscher Hausverlag ist, wollten verhindern, dass die deutsche Fassung auch tatsächlich bei Rowohlt veröffentlicht wird, schrieben offene Briefe und distanzierten sich. Einige zogen sich dann wieder zurück (weil der offene Brief auch so dämliche Formulierungen wie "Es scheint keine Gründe dafür zu geben, Ronan Farrow nicht glauben zu können" enthielt, was ihnen beim Erstlesen wohl entgangen war, vor allem aber, weil einigen am Tag der Veröffentlichung klar wurde, wie sie sich selbst fühlen würden, erginge es ihnen wie Allen). Hätte Rowohlt den Titel nicht gemacht, hätte ich große Probleme damit gehabt, dort zu bleiben (bin ja auch nicht mehr lange geblieben, aber das hatte nix damit zu tun). In Deutschland spielte der Allen-Skandal aber keine so riesige Rolle wie in den Staaten, und ein Skandalbuch ist diese sehr leise und understatementmäßige Erzählung auch nicht, selbst angesichts der Tatsache, dass Allen zwei Drittel des Textes dafür verwendet hat, zu versuchen, die Hintergründe der Missbrauchsvorwürfe aus seiner Sicht zu schildern und diese damit zu widerlegen.


    Ich bin als Midlistautor nun über zwanzig Jahre am Markt und veröffentliche im Mai meinen immerhin schon dreizehnten Roman, womit ich es auf über 5.000 veröffentlichte Romanseiten bringe (plus kistenweise anderes Material). Einige dieser Titel waren ganz okay erfolgreich, einige weniger als erwartet, andere sind sehr, sehr hübsche Longseller, aber ich komme mit diesen dreizehn Romanen derzeit noch nicht annähernd an die verkaufte Auflage von Titeln wie "Feuchtgebiete". Das ist ein Gedanke, der mich zwar nicht ärgert, der aber doch einen Geschmack oder Geruch oder so zurücklässt, aber natürlich liegt es an mir selbst, dass ich noch nicht ganz vorne in einer Bestsellerliste war. Mit einem Skandalbuch wäre das vielleicht einfacher, statt ständig zu versuchen, gute Geschichten mit viel Substanz, glaubhaftem Personal, schillernden Dialogen, klugen Gedanken und all diesem Zeug zu schreiben. Geschichten, in die man sich einwickeln kann, statt sich über sie schreiend bei Insta auszutauschen.

    Ich meine, das Skandalpotential in „Feuchtgebiete“ war durchaus kalkuliert, und der Verlag hat damals auch an allen Öffentlichkeitsarbeitsschrauben gedreht, die zur Verfügung standen, um den Titel ins Gespräch zu bringen - was außerordentlich gut funktioniert hat. Das Publikum ist atemlos keuchend auf den kleinen Tabubruch angesprungen; Leute wussten plötzlich, was eine „Analfissur“ ist, die vorher nicht mal genau wussten, wo ihr eigenes Arschloch eigentlich genau sitzt, und literarisch war das alles nahezu komplett bedeutungslos. Damit unterscheidet sich das ganz erheblich von der Art von Titeln, die in der arte-Reihe dokumentiert werden. Roches Roman war nach meinem Dafürhalten (ich habe allerdings höchstens vierzig Seiten gelesen) reiner Effekt.

    Das ist ein spannendes, vielschichtiges Thema, unter das aber, wenn man will, hunderte, wenn nicht tausende Romane fallen. Es gibt Romane, die von Anfang an auf Krawall gebürstet waren (das war und ist bei Ellis, den ich jederzeit bewundert habe, Teil des Kalküls), bei denen der Skandal zum Programm gehörte, und andere, die Skandale quasi versehentlich ausgelöst haben, es gibt Skandalromane, bei denen sich der Skandal (zuweilen recht willkürlich heraufbeschworen) nur um einen Teilaspekt drehte, während wieder andere aus ganz überraschenden Gründen (z.B. aufgrund eines aufgedeckten Plagiats) Skandale auslösten. Es gibt Grauzonen-Skandalromane, die zwar viele aufgeregt und abgestoßen haben, aber nicht genügend Leute, um daraus ein gesellschaftliches Ereignis zu machen. Und, und, und.